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Nun war allerdings guter Rat teuer, denn auch der Guide Michelin hatte für einen Montagabend nur wenige Empfehlungen und - nach der üblichen Zugverspätung - erst recht nicht in Bahnhofsnähe. Die Wahl fiel auf das SCHORN, das nach dem überraschenden Tod von Patron, Weinliebhaber und Düsseldorfer Gastgeber-Legende Franz-Josef Schorn vor ziemlich genau einem Jahr von dessen jungem Küchenchef Lukas Schild übernommen wurde, obwohl der noch gar nicht lange an Bord gewesen ist. Gewagter Move, Respekt. Nach meinem ersten Besuch kann ich indes sagen: Lukas Schild macht sehr vieles richtig.
Das fing schon beim kurzen Telefonat mit dem Chef an - ausgebildet bei Jean-Claude Bourgueil („Im Schiffchen“) - der mir freundlich und vor allem überzeugend versicherte, dass man mich gern noch als Gast begrüßen werde und setzte sich mit der Begrüßung und den Service durch einen gerade am Ende seiner Ausbildung stehenden jungen Mann fort (der nun in die gastronomische Welt ziehen wird). Überhaupt herrschte eine unkomplizierte, einfach angenehme Atmosphäre: Ein kleines Team junger Menschen, die sichtlich Freude an ihren Aufgaben haben; demnächst stößt noch ein Sommelier dazu.
Ich war aber schon recht zufrieden: Der offene Champagner (18€, Nähe Medienhafen vermutlich nicht überraschend) wird direkt vom Winzer importiert und besteht zu 50% aus Schwarzriesling, für mich perfekt.
Die aktuelle Weinkarte, sicherlich noch mit Beständen aus früheren Bestellungen, setzt auf große Namen, beginnt aber kundenfreundlich um die 30€. Eine einzige halbe Flasche Weißer ist im Angebot. Aber wer will sich beschweren bei einem Chassagne-Montrachet von Ramonet? Dazu Fachinger für einigermaßen erschwingliche 8€ die Flasche.
Beim Essen startet das 4-Gang-Menü mit 99€ und steigert sich bis auf 158€ für sieben Teller. Ich wählte jedoch à la carte.
Das Ambiente wird von mit weiß abgesetzten, grauen Holz-Kassetten bestimmt und ist für meinen Geschmack von etwas in die Jahre gekommener Eleganz. Tollmann-Bilder und Brockerhoff-Sprays sollen das beleben. Dazu passend ist auf der weißen, zweifachen Tischwäsche klassisch eingedeckt.
Gestört hat es mich nicht, aber ich hoffe, dass Lukas Schild auch dem Inneren in Zukunft seinen eigenen Stempel aufdrücken wird.
Am Montagabend kamen insgesamt 9 Gäste über die kleine Eingangsstufe, ruhiger Januar halt. Ohne Hindernis der Weg zu den Toiletten, die als erstes renoviert werden sollen.
Meine Reise startete mit 3 Amuses, vom Chef an den Tisch gebracht und erläutert:
Mürbeteigboden mit einer Mousse von Jahrgangssardinen, Salzzitrone im Teig setzte zunächst erst frisch-säuerliche Akzente, dann war recht viel Teig zu kauen, aber der Fisch kommt und am Ende wurde es pfeffrig; das mag ich sehr zum Ausklang.
Dann ein Croustillant mit Cuxhavener(!) Matjes, der nicht zu salzig ist, so dass der Kaviar-Ersatz Arenkha (hergestellt aus geräuchertem Heringsfilet) Sinn ergab. Die besonders fettreiche bretonische Crème Epaisse band das Ganze mollig ein.
Schließlich ein schön fluffiges Rehfrikandel aus hiesiger Jagd. Geschmacklich gelungen. Das Topping ist mir nicht erinnerlich, was gegen eine gute Balance spricht.
Sehr klug positioniert sich die Küche schon zum Einstieg mit bekannten, eher bürgerlichen Kompositionen, die durch neue Ideen auf ein höheres Level gehoben werden.
Ich war angenehm überrascht und auf das Kommende gespannt. So soll das.
Der Gastrokritiker der Rheinischen Post fühlte sich vor ein paar Tagen in den Aalschokker zurückversetzt, das Zweitrestaurant von Borgueil. Gelobt wurde in der Zeitung auch das warme Sauerteigbrot, eine Einschätzung, die ich nicht ganz teilen konnte. Die Krume war, wenn auch nicht trocken, zumindest fest geraten ist. Auch die Kruste überzeugte nicht wirklich. Interessant ein recht süßlicher Geschmack. Guter Ausgleich dazu das Gänse-Rilette mit Madagaskar-Pfeffer und gepickelten Gemüsen, die ihren Herkunftsgeschmack erkennen ließen.
Völlig verzückt haben mich dann aber Velouté und Raviolo vom Oosterschelder Hummer (18€!). Schon die seidige Suppe mit einem starken Hummer-Aroma und der angenehmen Schärfe des bretonischen Kari Gosse die eben nicht durch Sahne zu stark gedämpft wurde, sondern nur mit etwas Milchschaum abgemildert. Auch Estragon-Öl wurde beherzt eingesetzt.
Als Einlage ein seidenweicher Raviolo, einfach perfekt Teig mit einer Füllung von nur grob geschnittenem, festen, aromatischen Fleisch des Meeres-Ritters, wie man in Saarbrücken zu sagen pflegt.
Perfekter Genuss!
Da die böse Fastenzeit ihre Schatten schon vorauswarf, wollte ich es nochmals krachen lassen. Was passt zum Schampus? Natürlich ein Kaviar-Gang! Und was tun, wenn keiner auf der Karte steht? Man fragt halt freundlich den Chef, für den ein Teller außer der Reihe natürlich kein Problem war. Für seinen Vorschlag einer Kombi mit Vanille-Eis fehlte mir (noch!) der Mut.
Also kredenzte Lukas Schorn den Imperial-Kaviar in einer zunächst gängigeren Variante: Mit wachsweichen Eiern auf einer buttrigen Kartoffelmousseline, mit Kartoffelchips und Schnittlauch-Chiffonade.
So weit, so mollig, aber der Ponzuschaum auf einer Basis selbstfermentierter Miso setzte mit Säure und Umami einen kräftigen Gegenpunkt. Da war sie wieder, die mutige Weiterentwicklung (allzu) bekannter Geschmacksbilder. Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen, 54€ standen für den Extra-Luxus auf der Rechnung.
Trotzdem: Bravo!
Danach hatte ich mir etwas „Entspannung“ am Gaumen verdient, aber kaum weniger luxuriös und sicher nicht weniger zum Lippen leckend:
Hechtklösschen haben inzwischen Seltenheitswert auf den Speisekarten, Ausnahmen bestätigen die Regel. Die Farce war recht fest geraten, da ging es in Grand-Südwest schon mal lockerer zu. Aber der feine Geschmack des Raubfischs war erkennbar. Statt des eigentlich vorgesehenen Ponzuschaums (der hier wohl zu kräftig gewesen wäre) waren die Bällchen mit einem leicht schlotzigen Kartoffelschaum napiert und dann mit gehobeltem spanischem Wintertrüffel bedeckt, der mal ordentlich was konnte - ganz feine Ware!
Der erwartbare, deswegen aber nicht falsche Spinat war à point.
Aber die eigentliche SEN-SA-TION des Tellers waren große Flusskrebsschwänze mit wunderbar vollem Geschmack. Noch nie so gute gegessen - Punkt.
Ein Teller zum Genießen und mit 25€ sehr, sehr günstig kalkuliert!
Dessert fiel selbstredend aus, denn es gab einen verarbeiteten Käse-Gang:
Geschmolzener Vacherin Mont d’Or, aber mit feinem Olivenöl betropft, dazu selbst hergestelltes Früchtebrot frisch geröstet (16€).
Sündiges zum Abschluss muss nicht immer süß sein…
Außerdem gab es ja noch drei kleine, allesamt gelungene Rauswerfer:
Grand Marnier Reduktion mit Orange in Callebaut
Nuss-Nougat
Valrhona Grand Cru mit Himbeere
Nach ein paar freundlichen Worten vom Chef verließ ich das SCHORN hochzufrieden
und trollte mich per pedes zum Hotel in Bahnhofsnähe.
Immer wieder toll, wenn eine Zufallsentdeckung so einschlägt! Eine große Frage bleibt aber: Wann kann ich wiederkommen?