"Ehrlich zubereitete, mittelfränkische Regionalküche bei familienfreundlichen Gastgebern"
Geschrieben am 21.10.2026 2026-10-21
Restaurant im Landhotel Zur Sonne
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Restaurant, Biergarten
0982592460
Vordere Gasse 5, 91567 Herrieden
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Auf der Fahrt zu unserer ersten Unterkunft, dem Kretschmannshof in Oberasbach-Rehdorf, legten wir einen vom Slowfood-Genussführer nicht unerheblich beeinflussten Halt in der mittelfränkischen Gemeinde Herrieden (südwestlich von Ansbach) ein.
Dort befindet sich im historischen Ortskern das von der Familie Christ betriebene Landhotel Zur Sonne, in dessen Restaurant Küchenchef Claus Christ eine auf frischen Produkten aus der Umgebung – die Lieferanten werden in der Karte explizit beim Namen genannt – basierende Regionalküche mit klarem Fleischbekenntnis auf die Teller bringt.
Seine Frau Sabine kümmert sich derweil auf sehr sympathische Art und Weise um das Wohl ihrer Gäste. Von ihr wurden wir in dem bereits in 5.Generation geführten, im Jahr 1863 eröffneten fränkischen Traditionsgasthof sehr freundlich in Empfang genommen.
Dass hier auch Kinder sehr willkommen sind, war bereits beim Betreten des liebevoll dekorierten Gastraumes klar. Frau Christ hatte es sich vor Ostern nicht nehmen lassen, eine ganze Hasenherde auf den Fenstersimsen, dem nostalgischen Kochofen in Raummitte und den mit Leinen überzogenen Tischen zu verteilen. Für kleine und große Entdecker begann ein witziges Suchspiel…
Wir saßen komfortabel auf einer gut gepolsterten Wandbank. Die Literaturbegeisterung der Inhaber spiegelte sich in einer ganzen Reihe von Büchern wider, die aufgestellt auf einer kleinen Leiste die ringsherum laufende Wandbank verzierten. Wäre ich alleine hier gesessen, hätte ich mir bestimmt John Strelecky’s „Café am Rande der Welt“ geschnappt und wäre auf Lebenssinnsuche gegangen.
So aber durchstöberte ich die zuvor gereichte Speisenkarte und ging auf kulinarische Entdeckungsreise. Unsere Kleine wurde von der Servicechefin mit Buntstiften, Papier und einer „magischen Maltafel“ ausgestattet, während meine Frau und ich neugierig das Speisenprogramm studierten. Bei dem um mediterrane und französische Einflüsse nicht verlegenen Angebot dominierte die fleischliche Kost. Nun ja, man is(s)t hier schließlich in Mittelfranken.
Die 0,7l-Flasche Teinacher Mineralwasser schlug mit fairen 5,90 Euro zu Buche. Die kleine Apfelschorle für das Töchterchen stand später mit 2,40 Euro auf der Rechnung. Mich dürstete es nach einem Schoppen Zirndorfer Kellerbier vom Fass. Ich wollte mich schließlich so schnell wie möglich an die wohlgehopften, „hellen“ Momente Frankens wagen. Und das süffige Zirndorfer sollte mir im Laufe unseres Osterurlaubs noch das ein oder andere Mal ausgeschenkt werden.
Dem Wunsch unserer Kleinen nach Nudeln mit Tomatensoße (4,90 Euro) entsprach die Küche gerne. Claus Christ setzte dazu ein aromatisches, nach Knoblauch duftendes, rotes Sößchen an. Definitiv keine 08-15-Tunke aus der rot-gelben Tüte, sondern ein schmackhafter, in Anbetracht der relativ kurzen Zubereitungszeit absolut stimmiger Tomatensugo, der da die Linguine unserer Tochter veredelte.
Natürlich durfte sie bei der kräftigen Tafelspitzbrühe mit Leberspätzle (6,50 Euro), die ich mir als Vorspeise gönnte, auch mitlöffeln. Jene kam nicht gerade schüchtern portioniert in die stattliche Suppenschüssel. Ein vollmundiger, reiner Fleischgeschmack kennzeichnete die mit ein paar zusätzlichen Gemüsestreifen versehene Brühe, die mit ihrer großzügigen Leberspätzle-Einlage jeden Fleischsaftschlürfer glücklich gemacht hätte.
Gut, dass mir meine Tochter etwas half, denn es wartete ja noch ein Zwiebelrostbraten mit Kroketten (27,80 Euro) als Hauptspeise auf mich. Den dazu gereichten Beilagensalat – ein pfiffig angemachter, knackfrischer Vertreter seiner Art – hatte ich schon vor der Suppe mit Genuss verputzt.
Meine Frau hatte sich für die „kulinarische Ursache“ meiner leckeren Suppe entschieden, was ihr eine tadellose Portion vom gekochten Tafelspitz mit Kartoffeln und frisch geriebenem Meerrettich (17,90 Euro) einbrachte. Die hatte sich noch einen kleinen Salatteller (3,30 Euro) extra dazu bestellt, was ihr in der Summe ganz schön zu schaffen machte, denn auch das Siedefleisch vom Rind kam als handfeste Portion auf den Teller.
Der Küchenchef hatte auch nicht den Fehler gemacht, das mürbe gekochte Fleisch seines Fettdeckels zu berauben, was das Fleisch umso saftiger und geschmackvoller machte, aber bei meiner Gattin nicht ganz so gut ankam. Aber da gehen die Meinungen ja bekanntlich auseinander. Und außerdem ließen sich die fettigen Abschnitte problemlos wegschneiden.
Der Fleischklassiker kam mit etwas Brühe süffig unterfüttert aufs rechteckige Porzellan. Der frische Kren nahm dem Tafelspitz etwas die Schwere, bitzelte angenehm in der Nase und wertete so das Gericht auch sensorisch auf. In der Summe war das grundsolide, aus regionalen Produkten zubereitete Hausmannskost, die nach ehrlichem Küchenhandwerk schmeckte.
Meine mit zarter Schmelzzwiebelhaube servierte, respektable Scheibe vom Roastbeef kam mit ausreichend dunkler Sauce auf den Teller. Rotwein und Rinderfond verliehen der üppig angegossen Tunke ein kräftiges Rückgrat. Sechs Frittierfinger aus Krokettanien lieferten Feingepresstes von der mehligen Kartoffel in krosser Panierung. Solide Beikost aus der Tiefkühltruhe zum Aufsaugen des kulinarischen Saftwerks.
Das nicht zu dick aufgetragene Stück aus des Rindes Rücken fiel unverschämt zart aus. Angeblich kam jenes vom ortsansässigen Metzger, der wie Chefkoch Claus Christ sein Handwerk zu verstehen schien. Ob geschmort oder gebraten kann ich nicht mehr sagen, aber geschmacklich und texturell ließ dieses Prachtstück unterm Zwiebeltoupet keine Wünsche offen.
Gut gestärkt verließen wir dieses fränkische Vorzeigelokal mit der Sonne im Namen und machten danach noch im nahegelegenen Indoorspielplatz „Inplaysia“ (direkt an der A6) halt. Dem Töchterchen war nach Bewegung zumute. Ihre Eltern beschränkten sich dagegen eher aufs Verdauen.
Auf dem Weg ins Fränkische würde ich im Landhotel der Familie Christ jederzeit wieder eine Rast einlegen. Die familienfreundliche Art der Chefin, das überzeugende Preis-Leistungs-Verhältnis und nicht zuletzt die ehrliche, auf künstliche Aromen und Geschmacksverstärker verzichtende Hausmannsküche rechtfertigen eine Wiederholungstat. Vielleicht schon im kommenden Jahr.