"Bei den „Erben“ des ehemaligen Sternerestaurants „Falco“ findet man im „Gasthaus Helmut“ nun hervorragende, bodenständigere Küche mit kreativen Einsprüngen."
Geschrieben am 03.04.2026 2026-04-03 | Aktualisiert am 03.04.2026
Gasthaus Helmut
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Restaurant
034191878220
Gohliser Str. 42, 04155 Leipzig
"Schlechtes Essen"
Geschrieben am 03.04.2026 2026-04-03
Maisenbacher Hirsch | Wirtshaus & Garten
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Wirtshaus, Biergarten
07033305769
Talstr. 50, 75378 Bad Liebenzell
| Montag: | 18:00 - 23:00 Uhr |
| Dienstag: | Ruhetag |
| Mittwoch: | Ruhetag |
| Donnerstag: | 18:00 - 23:00 Uhr |
| Freitag: | 18:00 - 23:00 Uhr |
| Samstag: | 15:00 - 23:00 Uhr |
| Sonntag: | 12:00 - 15:00 Uhr und 18:00 - 23:00 Uhr |
"Wo der Reichenbach rauscht und der Besen hängt"
Geschrieben am 03.04.2026 2026-04-03 | Aktualisiert am 03.04.2026
Mühlenstüble Kochenmühle
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Restaurant, Biergarten, Ausflugsziel
071574764
Kochenmühle 1, 70771 Leinfelden-Echterdingen
"Leider mehr Schein als Sein!"
Geschrieben am 03.04.2026 2026-04-03
XIAO
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Restaurant, Eventlocation
022413226940
Langbaurghstraße 12, 53842 Troisdorf
"An der Spitze......"
Geschrieben am 03.04.2026 2026-04-03 | Aktualisiert am 03.04.2026
Restaurant Zur Waage
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Restaurant
049162244
Neue Straße 1, 26789 Leer (Ostfriesland)
Baden-Württemberg
Bayern
Berlin
Brandenburg
Bremen
Hamburg
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
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Rheinland-Pfalz
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Thüringen 



7-Mühlental am Reichenbach
.... der Besen hängt draußen
Fleischküchle mit Kartoffel- und Krautsalat














Namentlich sind dies Daniel Kreßner und Christian Wilhelm. Erstgenannter war vormals stellvertretender Küchenchef und Letztgenannter Sommelier im zu Beginn erwähnten "Falco". Wie angedeutet verließen sie das Sternerestaurant aber bereits längere Zeit vor der plötzlichen Schließung, blieben jedoch in Leipzig und taten sich vor allem mit zwei weiteren gastronomischen Persönlichkeiten der Messestadt zusammen, die in den letzten Jahren dort verdientermaßen an Bekanntheit gewonnen hatten. Ich selber habe das Restaurant "FRIEDA" bereits besuchen und die tolle Cuisine erfahren können, die Lisa Angermann und Andreas Reinke dort bieten und welche nun schon seit Jahren beständig mit einem Stern im Guide Michelin ausgezeichnet wird. Auch sie haben in der Vergangenheit bei Peter-Maria Schnurr im "Falco" gearbeitet und darüber eben die Bekanntschaft mit Daniel und Christian aufgebaut.
Gemeinsam kombinierten diese 4 also ihr gastronomisches Wissen, jedoch nicht zu einem neuen Anwärter auf die höchsten Weihen der bekannten Gastro-Führer, sondern wesentlich bodenständiger in einem Gasthaus namens "Helmut".
Auf der Website stellt das Haus seine Philosophie dabei dankenswerter Weise prägnant und schlüssig dar. Über allem steht der Slogan "HELMUT is(s)t HEIMAT". Wie man es sich von einem traditionellen Gasthaus so romantisch vorstellt, dass der Wirt mit den Bauern und Produzenten seines Örtchens per "Du" ist und hier all seine Zutaten erhält, so will also in diesem Fall der Wirt "Helmut" eine Art "Heimatküche“ mit Anspruch und Finesse bieten. Saisonalität steht hier ebenfalls im Vordergrund, doch ebenso auch der Anspruch an Qualität, sodass man den Lieferantenpool dabei nicht dogmatisch einschränkt. "Sämtliche Produkte entstammen Lieferanten der Spitzengastronomie oder regionalen Erzeugern ." heißt es dazu ebenfalls auf der Homepage. Ein weiteres Zitat schließt die Umschreibung dessen, was den Gast kulinarisch hier erwartet, noch einmal trefflich ab: "Vieles scheint bekannt und wird doch überraschen!". Das steht natürlich auch voll in unserem Sinne, denn kaum etwas ist doch bedauernswerter, als kulinarische Langeweile und Belanglosigkeit. In unseren Fokus hatte sich das "Helmut" damit bereits absolut gesetzt.
Zum Osterfest das Jahres 2026 verweilte ich also erneut in Leipzig und der erste Karfreitag sollte wieder einmal mit kulinarischem Genuss abgeschlossen werden.
Somit standen wir also um 18 Uhr vor dem Haus im nördlichen Leipziger Stadtteil Gohlis, welches somit auch wenig überraschend nur einen Steinwurf vom eingangs genannten "FRIEDA" entfernt ist. Da direkt in der Stadt und an einer Kreuzung gelegen handelt es sich hierbei natürlich nicht um ein romantisches Fachwerkhaus mit sichtbar langer Historie, sondern um eines der für Leipzig durchaus typischen, schön renovierten Gründerzeithäuser mit beigem Anstrich, Ornamenten und teilweiser Backsteinoptik, in dessen Erdgeschoss sich das Restaurant befindet.
Eines ist aber durchaus passend zum "Gasthaus"-Charakter. So befindet sich gleich direkt vor dem Lokal, zu dem man übrigens ein paar Stufen nehmen muss, eine ebenfalls auf dieser erhöhten Ebene liegende, umzäunte und damit klar vom Gehweg abgetrennte Terrasse, die durchaus etwas von einem Mini-Biergarten hat. Zur warmen Jahreszeit ist das bestimmt wahrlich ein Benefit für den Zulauf zum "Helmut".
Hinter der dunklen Holztür offenbart sich dann aber ein Interieur, dass eher weniger mit einem alteingesessenen traditionellen Gasthaus gemein hat, sondern durchaus modern daherkommt.
Rot ist hier die absolut dominierende Farbe, lässt sie sich doch an Wänden und Decke wiederfinden. Zum Kontrast dazu wurde Schwarz als Farbe für die Tische, Stühle, sowie eine weitere Wand, die Bar und einige Weinschränke gewählt. Die Beleuchtung ist ebenfalls meist punktuell gesetzt. Das ergibt durchaus eine wärmende, angenehme Atmosphäre, bei der nur der geflieste Boden etwas „unterkühlt" wirkt, was man aber mit ein paar Teppichen versucht zu kompensieren. Die metallenen Stühle sind für etwas Komfort glücklicherweise mit einem Sitzpolster versehen.
Das Ambiente ist also in gutem Zustand, sauber und wie gesagt modern und trägt in seiner Gestaltung zu einer Gemütlichkeit und Gastlichkeit bei. Das unterstrich auch die entspannende Soul-/Jazz-Musik im Hintergrund.
Die Toiletten befinden sich im Untergeschoss, wohin eine Wendeltreppe überwunden werden muss.
Das Menü umfasst tatsächlich nur eine Seite, was den auf Produktqualität, -saisonalität und ja vor allem -regionalität gesetzten Fokus bereits deutlich glaubhaft macht. Zudem sprechen die feilgebotenen Gerichte zwar eine kreative, von den Zutaten her aber zumeist die versprochene, vertrautere Sprache, sodass hier wahrlich auch diejenigen, die über die gutbürgerliche Küche nicht gern hinausgehen, glücklich werden sollten.
Bei den Vorspeisen fanden sich z.B. karamellisierter Schweinebauch, Schwarzwurzelcremesuppe oder auch konfierter Spitzkohl, wobei die Preise größtenteils im mittleren 10er Bereich liegen.
Bei den Hauptgerichte lässt sich die „Gasthaus-Deftigkeit“ im "Helmut" bereits erlesen. Für 20er bis 30er Preise gibt es dabei Kabeljau a la Bouillabaise, Schweinshaxe und den bekannten Blumenkohl „polnisch“. Auch preisliches Highlight ist ein Chateaubriand für 2 mit 43 € pro Person.
Ein süßer Abschluss mit z.B. Kaiserschmarren , „Honigkuchen“ oder Käsebrett lässt sich für Preise um die 10 € herum bestellen.
Das veranschlagte Preisniveau passt zur "Gasthaus-Philosophie" also meiner Meinung nach gut und wenn nun auch noch das auf die Fahnen geschriebene Qualitätsbewusstsein diesem folgt, stünde hier definitiv ein positives PLV zu Buche.
An diesem frühen Abend des 03.04.2026 war das Lokal zu Beginn zu schätzungsweise 2/3 ausgelastet, füllte sich im weitern Verlauf aber noch fast komplett. Für das Wohl der Gäste waren dabei wohl 2 männliche Mitarbeiter zugegen. Begrüßt und in Empfang genommen wurden wir von einem Herrn mittleren Alters, der uns nach Bestätigung der Reservierung sogleich unseren vorbereiteten Tisch an der Wandbank zeigte.
Über den Aufenthalt hinweg bediente uns beide Herren und zeigte dabei jeweils Aufmerksamkeit, entspannte Freundlichkeit und Kompetenz, die zu Philosophie und Anspruch des Restaurants sehr gut passend. Kurzum: Sie trugen zum Wohlgefühl definitiv bei, wenn auch noch etwas mehr Kommunikativität das letzte Tüpfelchen auf dem i gewesen wäre
Was ebenfalls zur kolportierten Philosophie passt ist die Tatsache, dass die Portionsgrößen nicht einem mehrgängigen Gustationsmenü angepasst, sondern allemal auch zur Sättigung gedacht sind. Daher war es sowohl für meine Begleitung, als auch für mich schon im Vorhinein klar, dass wir mit 2 Speisen zum Abend definitiv gut bedacht wären. Für uns beide sollte es die Kombination aus Vor- und Hauptspeise sein.
Nur wenige Minuten, nachdem wir dem Service unsere Bestellung übermittelt hatten, begann sogleich auch der kulinarische Teil dieses Besuchs mit einem kleinen Küchengruss.
Unter der Annonce „Ziegenkäse mit Pumpernickel und Feigenbeere“ bekamen wir in einem kleinen Schälchen eine in Pumpernickelbrösel gerollte Ziegenfrischkäsekugel, zu der sich etwas kleiner Blattsalat, eine geflämmte Perlzwiebel und eben ein Tupfen einer Feigenbeerenmarmelade.
Die Kugel war sehr schön aromatisch und fein cremig. Bei den knackigen Komponenten gefiel die Perlzwiebel am meisten. So war es nur die Feigenmarmelade, deren Süße leider nicht genug gegen den Ziegenkäsegeschmack ankam und damit eine tolle Balance erzeugen konnte. Da bestand bei der Proportion noch etwas Potenzial.
Nur wenige Minuten später kam parallel zu unseren Vorspeisen noch ein Brotkörbchen auf den Tisch.
Das nicht genauer definierte Brot war weich und hatte eine schöne Kruste, hätte aber gerne noch wärmer und damit frischer wirkend sein dürfen.
Aus der Vorspeisenkategorie sprach mich persönlich „Rindertartar „Béarnaise“ mit Kapern, Zitrone & Estragon“ für 21,5 € am meisten an, sodass damit auch mein kulinarischer Zweiklang des Abends beginnen sollte. Für 19 € mehr hätte es auch noch eine Vergoldung mit 10g Kaviar sein können, was ich aber ausließ.
Nach dem also etwas zwiespältigen kleinen Auftakt begeisterte mich das Küchenteam mit diesem Gericht aber gleich vollends.
Das als Ring angerichtete Tatar war deutlich sichtbar mit dem Messer per Hand fein geschnitten und zudem saftig und frisch.
Sprossen und hauchfeine Kartoffelchips ergänzten die geschmeidige Konsistenz mit toller Knackigkeit.
Die wohl mit dem Estragon aromatisierte Bernaise befand sich in der Mitte des Rings und verdient angesichts ihrer herrlich luftigen, cremigen Konsistenz volles Lob.
So hob sie mit ihrem Fett die Vollmundigkeit des Tatars in der Kombination noch einmal herrlich an.
Kleine Kapern und Tupfer von Zitronengel rundeten diese mehr als gelungene Vorspeise mit Salzigkeit und Säure perfekt ab.
Mein Gegenüber entschied sich zum Auftakt für die Schwarzwurzelcremesuppe mit
Petersilienpesto & Sauerteig-Croûton, welche mit 12,5 € auf der Karte stand.
Die schön warme Suppe wurde dem Namen „Cremesuppe“ voll gerecht. Auch aromatisch knüpfte sie an diese Qualität mit klarem Schwarzwurzelgeschmack an. Dem stand auch das Petersilienpesto in nichts nach, was somit eine kreativere Form der Zugabe dieses dazu passenden Krautes. Wenig überraschend glänzten auch die Croutons mit 1A Knusprigkeit, womit auch diese Vorspeise rundum sehr gut war.
Nochmaligen Genuss im größeren Umfang erhoffte ich mir von meiner Hauptspeise, welche sich im international-kreativeren Bereich des Angebots bewegte und „Japanischer Pfannkuchen „Okonomiyaki" mit Spitzkohl, Gari-Ingwer, Furikake Nori, Togarashi & Koriander“ nannte. Bepreist war dieses Gericht in der aktuellen Karte mit 24,5 €.
Warm und saftig entfaltete sich schon die erste Kostprobe im Mund, wobei dies Dank des Spitzkohls und wohl auch Ingwers auch mit einer willkommenen Bissigkeit einherging.
Geschmack und Cremigkeit verstärkten die beiden Soßen, mit denen der Pfannkuchen sozusagen ummantelt wurde. Vor allem die dunklere Variante lieferte in Anlehnung an Teriyaki mit einer Verbindung aus Süße, Säure und Rauchigkeit viel Tiefe zur Aromatik, ohne den Hauptdarsteller aber zu erschlagen.
Die japanischen Gewürzmischungen Furikake Nori, Togarashi und auch Koriander kamen dann noch als Topping obenauf zum Einsatz und veredelten alles mit einer unfassbaren Bandbreite an Geschmacksnuancen, die aber völlig ausbalanciert am Gaumen wirkte.
Hier war so viel Spannung und Freude im Mund, die aber zu keiner Zeit übertrieben wirkte: Einfach stark.
Die kulinarische Krönung erhoffte sich meine Begleitung beim Lammkarree mit „Café de Paris“ - Kruste, Lammragout, Sumach-Joghurt, krosser Polenta & Pecorino, für das 34 € zu Buche standen.
Schon der Anblick der Kruste brachte die kulinarischen Augen zum Leuchten. So thronten zwei Karreestücke auf dem Lammragout, begleitet von einer Nocke des mit dem säuerlichen Gewürz Sumach angemachten Joghurts.
Der Anschnitt reihte sich dann in die handwerkliche Qualität der bisher genossenen Speisen dann ein, denn natürlich war das Fleisch perfekt saftig und auf den Punkt Rosa gegart. Die krosse Kruste machte jeden Bissen des Fleisches so zum Hochgenuss.
Auch beim Ragout versprühte schon eine kleine Menge viel Umami und Saftigkeit.
Doch auch bei diesem Gericht wurde die Balance nicht aus den Augen verloren, denn der auch dank des levantinischen Sumachs typisch säuerliche Joghurt sorgte als Ergänzung zur benötigten Frische.
Tadellos waren natürlich auch die Soße und das Kräuteröl.
Knusprig konnte man sich dann an der Polentaschnitte im separaten Schälchen erfreuen, über das der Pecorino großzügig gerieben wurde.
Das kann man zwar anders servieren, aber meiner Meinung nach in dieser Zusammenstellung einfach nicht besser.
Zu guter Letzt möchte ich also diesen ersten Eindruck vom „Gasthaus Helmut“ im Leipziger Stadtteil Gohlis an diesem Karfreitag noch einmal zusammenfassen.
In Sachen Ambiente ist das wunderschön renovierte Gebäude und die angeschlossene Terrasse als Jackpot bei der Immobilien- und Standortwahl zu bezeichnen. Die Innengestaltung erzeugt mit der Farbauswahl Gemütlichkeit und so eine den Genuss unterstützende Atmosphäre.
Das Serviceteam agierte an diesem Feiertag im ordentlich ausgelasteten Lokal mit professioneller Aufmerksamkeit, Umsichtigkeit und gleichzeitig nicht aufgesetzter Freundlichkeit.
Das Speisenangebot ist mit einer auf eine Seite passenden Auswahl reduziert, was sich aber als vorteilhaft hinsichtlich Frische und Handwerk widerspiegelt. Dabei wird aber stets eine Vielfalt angeboten, die sowohl groß genug für die unterschiedlichen Geschmäcker ist, dabei aber doch vertraut und bodenständig bleibt, so wie man es eben vom typischen Gasthaus kennt.
Die uns kredenzten Gerichte präsentierten sich dabei durchweg auf handwerklich und qualitativ hohen Niveau, dass die Hintergründe der Sternegastronomie sehr logisch machte. Geschmacklich war das aber alles sehr zugänglich, ausbalanciert und dadurch unkompliziert einfach „köstlich“.
Somit konnten wir also für einen Preis von ca. 100 € für jeweils 2 Gänge + Wasser und einem Wein für 2 Personen exzellenten Genuss und ausreichende Portionen erhalten.
Positiv sei bei diesem sehr guten PLV auch noch der Preis von 4,8 € für 1 L stilles Wasser zu erwähnen, was im heutigen üblichen Niveau auch als sehr gastfreundlich bezeichnet werden kann.
Es ist also wirklich schön, dass sich die ehemaligen Mitarbeiter des vormaligen kulinarischen Flaggschiffes der Sterneküche in Leipzig dazu entschieden haben, der aufstrebenden Stadt erhalten zu bleiben und sich gastronomisch weiter dort zu engagieren. Mit dem „Gasthaus Helmut“ gewähren sie ein erschwingliches Angebot, welches zeigt, dass auch eine Kulinarik fernab der Avantgarde mit Qualität, Saisonalität, sowie Handwerk und geschmacklichem Können Hand in Hand gehen kann. Zusammen mit der gesamten Atmosphäre gewähren sie somit ein gastronomisches Niveau, dass für mich eine große Empfehlung und Bereicherung darstellt.