Besucht am 01.11.2025Besuchszeit: Abendessen 1 Personen
Rechnungsbetrag: 29 EUR
In dem zur Verbandsgemeinde Hagenbach zählenden Ort Berg, den ich jedes Mal auf der Fahrt ins direkt an der Grenze gelegene, elsässische Lauterbourg passiere, befindet sich seit rund 43 (!) Jahren eine gutbürgerliche Einkehradresse, die nur von Freitag bis Sonntag geöffnet ist.
Die Rede ist von der „Alten Schmiede“, die seit 1982 von der Familie Schwarz geführt wird. Mittlerweile hat hier der Sohn Christian Schwarz das Sagen. Seine Eltern Ursula und Erwin helfen aber immer noch gerne mit. Egal, ob im Service oder in der Küche.
Fleischesser aus der Umgebung (aber auch aus dem Badischen) schätzen die urige Dorfwirtschaft aufgrund ihrer „ordentlichen Portionen“ bei den Rumpsteaks und Schnitzelvariationen. Aber auch die Käsespätzle sollen hier angeblich besonders gut schmecken. Meine letzte Einkehr lag mindestens 20 Jahre zurück. An das Verzehrte von damals konnte ich mich jedoch beim besten Willen nicht mehr erinnern.
An Allerheiligen, das in diesem Jahr auf einen Samstag fiel, gähnte mich der heimische Kühlschrank frugal von der Seite an. Gattin und Töchterchen waren zu müde, um noch einen abendlichen Restaurantbesuch in Betracht zu ziehen. Da rief ich spontan in der „Alten Schmiede“ an und machte mich allein auf den Weg nach Berg.
Ich parkte direkt vor dem Haus, das von außen wie ein etwas zu groß geratenes Wohnhaus wirkt. Drinnen war im Hauptgastraum einiges los. Man platzierte mich im Nebenzimmer, das auch keinen ungemütlichen Eindruck machte.
Der Terracotta-Fliesenboden aus der guten alten Zeit störte nicht weiter. Die einfachen Holztische waren in crèmefarbenes Leinen gehüllt. Rustikale Gastraum-Nostalgie
Ein nostalgischer Kachelofen grüßte stumm von Gegenüber. Ein alter Amboss wies auf die damalige Nutzung der Räumlichkeiten hin.
Ein auf sympathische Art antiquiert anmutendes Ambiente, in dem ich rückblickend durchaus auch meine Erstkommunion oder meine Firmung hätte feiern können. Ansicht Nebenraum
Die Chefin, Frau Ursula Schwarz, versorgte mich zeitnah mit der Speisenkarte, auf deren ersten Seite mit Kürbissuppe, Sauerbraten, Putengeschnetzeltem an Gorgonzolasauce und Hirschbraten in Pfifferlingrahmsauce und handgeschabten Spätzle eine kleine Auswahl an Empfehlungen gelistet war.
Bei den Schnecken in Knoblauchsauce huldigte man der Nähe zum Elsass. Die Brühe mit Markklößchen klang dagegen wie nach längst vergessener, gutbürgerlicher Supp-Kultur. Das Rumpsteak gab es in drei Varianten (mit Zwiebeln, mit Kräuterbutter oder in Knoblauchsauce). Das Schweinefilet badete entweder in Pfefferrahmsauce oder wurde als „Williams“ mit Birne und Cambozola-Blauschimmelkäse überbacken angeboten.
Schnitzel vom Schwein, Geschnetzeltes vom Schwein und Rind sowie ein in Ei gebackenes Zanderfilet komplettierten das nicht übermäßig große Angebot an deftigen Gutbürgerlichkeiten. Ach so, fast hätte ich es vergessen. Die Tiroler Käsespätzle – wir sind ja schließlich in Berg! (Kalauer…) – wurden hier mit Speck annonciert.
Ein Teil der zuvor georderten Flasche Peterstaler Mineralwasser (0,75l) blubberte bald für faire 3,90 Euro in meinem Glas. Die anderen Getränkepreise waren genauso gastfreundlich kalkuliert. Der halbe Liter Bellheimer Lord-Pils belief sich auf 4,20 Euro, eine große Apfelsaftschorle (0,5l) war für nachvollziehbare 3,90 Euro zu haben.
Auch die Preise fürs Essen waren keinesfalls unverschämt oder überzogen. Ganz im Gegenteil, hier bekommt man sein Rumpsteak mit Pommes- oder Krokettenbeilage noch für rund 25 Euro serviert. Das Jägerschnitzel mit Kroketten ist sogar schon für schmale 14 Euro zu haben. Und die Qualität scheint ja zu stimmen, sonst würde sich dieses Lokal nicht schon so lange halten.
Als Freund orangefarbener Herbstgewächse, kam mir das unter einem ordentlichen Schuss Sahne versteckte Kürbissüppchen (4,50 Euro) gerade Recht. Where's the pumpkin?
Da wäre zwar etwas weniger Sprührahm mehr gewesen, aber die mit Kürbiskernöl und Kürbiskernen verfeinerte Terrine ließ sich ganz gut weglöffeln. Ein wärmendes, durchaus anständiges Süppchen, das ich mir da vorweg eingebrockt hatte. Zusammen mit ein wenig Baguette genossen, hielt es den ersten Hunger gut in Schach.
Weiter ging es mit dem in Pfifferlingrahmsauce schwimmenden Hirschbraten (21,30 Euro), dem man eine erkleckliche Spätzle-Portion vom Brett an die Seite geschabt hatte. Hirsch mit Sooß unn Spätzle
Die fluffigen Teigwaren aus Eiern und Mehl fanden in der Rahmsauce ihren ädaquaten Partner. Schade nur, dass es sich bei den Pfifferlingen nicht um frische Exemplare handelte. Die kamen definitiv aus dem Glas, weshalb ihnen jeglicher Biss fehlte. Diese schwammige Konsistenz mag ich bei Pilzen generell nicht.
Das lange geschmorte Fleisch vom heimischen Geweihträger geriet dagegen tadellos und hatte eine angenehme, nicht allzu zarte Textur. Auch von der Menge her passte dieser solide aufs Porzellan gebrachte Hubertusteller. Auf ein Dessert verzichtete ich genauso wie auf einen kräftigen Rotwein.
Den würde ich aber beim nächsten Besuch – dann aber mit der Familie, denn beide Damen können zu guten Spätzle nicht nein sagen – zu einem medium rare gebratenen Rumpsteak mit Kräuterbutter durchaus in Erwägung ziehen.
Für Fleischfreunde und Spätzle-Spezis ist die „Alte Schmiede“ in Berg zweifellos eine Empfehlung. An robuster Hausmannskost in bodenständig-rustikaler Umgebung ist schließlich nichts auszusetzen. Und bei den dafür aufgerufenen Preisen übrigens auch nicht. Ein Besuch im Sommer mit dem Rad ist schon in Planung.
In dem zur Verbandsgemeinde Hagenbach zählenden Ort Berg, den ich jedes Mal auf der Fahrt ins direkt an der Grenze gelegene, elsässische Lauterbourg passiere, befindet sich seit rund 43 (!) Jahren eine gutbürgerliche Einkehradresse, die nur von Freitag bis Sonntag geöffnet ist.
Die Rede ist von der „Alten Schmiede“, die seit 1982 von der Familie Schwarz geführt wird. Mittlerweile hat hier der Sohn Christian Schwarz das Sagen. Seine Eltern Ursula und Erwin helfen aber immer noch gerne mit. Egal, ob... mehr lesen
Zur alten Schmiede
Zur alten Schmiede€-€€€Gasthaus07273 3896Ludwigstraße 11d, 76768 Berg (Pfalz)
4.0 stars -
"Solide deutsche Hausmannskost zu sehr fairen Preisen" GourmägglerIn dem zur Verbandsgemeinde Hagenbach zählenden Ort Berg, den ich jedes Mal auf der Fahrt ins direkt an der Grenze gelegene, elsässische Lauterbourg passiere, befindet sich seit rund 43 (!) Jahren eine gutbürgerliche Einkehradresse, die nur von Freitag bis Sonntag geöffnet ist.
Die Rede ist von der „Alten Schmiede“, die seit 1982 von der Familie Schwarz geführt wird. Mittlerweile hat hier der Sohn Christian Schwarz das Sagen. Seine Eltern Ursula und Erwin helfen aber immer noch gerne mit. Egal, ob
Geschrieben am 11.01.2026 2026-01-11| Aktualisiert am
11.01.2026
Besucht am 05.06.2025Besuchszeit: Abendessen 2 Personen
Rechnungsbetrag: 85 EUR
Anfang Juni kehrte ich nach längerer Abstinenz mal wieder im Neupotzer „Karpfen“ ein. Ich hatte einen Kollegen unseres Wörther Schlemmerclubs im Schlepptau und wir beide schätzen sowohl die familiäre Atmosphäre als auch die geradlinige Hausmannskost, die hier seit vielen Jahren in dem beliebten Ortsgasthof aufgetischt wird.
Dieser ist bereits seit über einem Jahrhundert im Besitz der Familie Gehrlein. In den rustikal-gemütlichen Räumlichkeiten wird heute mehr denn je auf Regionalität, Qualität und frische Zubereitung gesetzt, was dem sympathischen Familienbetrieb Jahr für Jahr einen festen Platz im Slowfood-Genussführer einbringt.
Also machten wir uns auf in das an einer Altrheinschlinge gelegene 1900-Seelendorf Neupotz, in dessen schmuckem Ortskern der „Karpfen“ beheimatet ist. Ein Parkplatz findet sich eigentlich immer. Zur Not muss man halt ein paar Schritte bis zum Lokal in Kauf nehmen. Das taten auch wir an diesem angenehm warmen Donnerstagabend Anfang Juni.
Ein bereits im Vorfeld reservierter Tisch für zwei Personen wartete direkt neben der Theke auf uns. Ein ruhiger Platz in Fensternähe, der vertrauliche Tischgespräche erlaubte und von dem aus wir trotzdem einen guten Überblick auf die Szenerie des putzig möblierten Gastraums hatten. Der Gastraum - eine liebenswerte Erinnerung an alte Zeiten
Der Andrang hielt sich an jenem Abend in Grenzen. Die meisten Gäste waren „ältere Semester“, die dem guten Ruf des Hauses wahrscheinlich schon viele Jahre treu folgen.
Eine junge Dame war an diesem Abend für den Service verantwortlich. Sie versorgte uns zeitnah mit dem Speisenprogramm, dessen Standardangebot um eine spargellastige Tageskarte erweitert wurde. Den Spargel aus dem nicht weit entfernten Rheinzabern konnte man mit Schnitzel (vom Schwein oder vom Kalb), paniertem Zanderfilet oder Kalbssteak (natur) kombinieren. Selbstverständlich zusammen mit Salzkartoffeln und Sauce Hollandaise (oder Butter).
Obwohl ich selbst kein großer Freund des Stangengemüses bin, esse ich während der Saison doch gerne mal ein Spargelcrèmesüppchen. Die 7,50 Euro würden für die Terrine „von der Stange“ sicherlich gut angelegt sein. Da war ich mir sicher. Auch mein Kollege entschied sich für diesen saisonalen Leckerbissen als Vorspeise.
Mich holte an diesem Abend der Rehbraten an Wacholdersauce mit Butterspätzle und kleinem Beilagensalat (26,50 Euro) am meisten ab. Der Kollege unterlag dagegen der gebackenen Fischversuchung und orderte das panierte Zanderfilet mit Pommes Frites und Salat (21,50 Euro). Denn auch im „Karpfen“ lässt es sich gut zandern. Wir befanden uns ja schließlich in Neupotz.
Mit einem frisch gezapften Schoppen Silber-Pils von der Bellheimer Brauerei (5,20 Euro) und einem Radler (0,4l für 4,20 Euro) kümmerte man sich flott um unseren Durst.
Bald sollten die beiden Spargelsuppen folgen. Prima Spargelsüppchen...
Allein schon optisch erinnerten sie an frühere Zeiten, da sie – wie wahrscheinlich schon vor vielen Jahren – in altmodisch bemalten Suppentassen serviert wurden. Sie waren das Produkt grundsoliden Küchenhandwerks und hatten neben ihrem feinen Spargelgeschmack auch ordentlich viel feste Einlage zu bieten. ...mit ordentlich was drin!
Die darin enthaltenen, mundgerecht geschnittenen Spargelstücke hatten noch leichten Biss. Die sämige, helle Tunke war sicherlich das Ergebnis einer klassischen Mehlschwitze, fiel jedoch nicht besonders mächtig aus. Das war auch gut so, denn für unsere Hauptgänge sollten ja auch noch Magenkapazitäten vorhanden sein.
Zu unseren Hauptgerichten wurde ein ganz „oldschool“ angemachter grüner Blattsalat mit dem üblichen Rohkostfundament gereicht. Beilagensalat zum Rehbraten
Der kam uns als zwischenzeitliche Erfrischung nach der heißen Suppe gerade recht. Die nächste „Radler-Welle“ mit Bier aus Bellheimer Landen hatte da gerade das Fass via Zapfhahn verlassen und wurde von der freundlichen Bedienung fürsorglich in Griffweite platziert.
Dass man hier auch einen vorbildlich panierten und danach fachgerecht frittierten Zander vorgesetzt bekommt, ist kein Geheimnis. Da darf sich der Laie nicht vom Namen des Lokals in die Irre führen lassen. Auf dem Teller meines Kollegen glänzte das panierte Gold des Altrheins in dreifacher Ausführung. Paniertes und gebackenes Zanderfilet
Selbstverständlich lagen die wohlfrittierten Prachtstücke auf einer etwas altbacken wirkenden Verzehrplatte von anno dazumal. Gehört sich im „Karpfen“ halt so. Fritten und Remouladensoße wurden separat mitgeliefert. Mein Tischgenosse lobte Panierung und Würzung seines saftigen Backfischs. Selbst Captain Iglo hätte sich nach dem ersten Bissen vor Begeisterung die „Stäbchenfrage“ gestellt.
Auch ich war von meinem großzügig portionierten Wildgericht begeistert. Die nicht gerade schüchtern angegossene, dunkle Wacholdersauce hatte ordentlichen Wumms und die drei amtlichen Tranchen vom zart geschmorten Rehbraten machten ebenfalls eine gute Figur. Beim Rehbraten herrschte wahrlich kein Soßenmangel
Da hätte es die leider immer viel zu süß ausfallenden Preiselbeeren und insbesondere die eingemachten Birnen aus Oma Gehrleins Garten gar nicht gebraucht, um diesen zünftigen Hubertusteller mit einer gehörigen Ladung Spätzle zu zelebrieren. Aufgespätzelter Rehbraten
Bereits nach dem ersten Bissen war klar, dass im „Karpfen“ nach wie vor nach allen Regeln der hausmannsköstlichen Kochkunst geklotzt statt gekleckert wird. Und das alles ohne die in Lokalen mit gutbürgerlicher, deutscher Küche häufig anzutreffende Verwendung von Pülverchen und Fertigprodukten. Einen guten Hunger sollte man bei den hier gebotenen Portionsgrößen allerdings mitbringen oder halt auf eine Vorspeise verzichten.
Wenn es um ehrlich gekochte Hausmannskost mit Fischschwerpunkt geht, darf man den Neupotzer „Karpfen“ nach wie vor auf der Rechnung haben. Gastronomischer Anspruch und kulinarische Wirklichkeit klaffen hier nicht auseinander. Zwar ist das Gebotene nicht ganz so raffiniert zubereitet wie bei den nicht weit entfernten Toplokalen „Lamm“ und „Hardtwald“, aber auch hier stimmt die Qualität der Produkte, die nahezu komplett aus der Umgebung stammen.
Für gutbürgerlich gesinnte Gastro-Nostalgiker und kulinarische Kinder der 80er ist diese im besten regionalen und saisonalen Sinne betriebene Dorfwirtschaft sicherlich eine Empfehlung. Ein fundiert zubereitetes Essen wie zu Omas Zeiten schmeckt schließlich nicht nur den Ewiggestrigen.
Anfang Juni kehrte ich nach längerer Abstinenz mal wieder im Neupotzer „Karpfen“ ein. Ich hatte einen Kollegen unseres Wörther Schlemmerclubs im Schlepptau und wir beide schätzen sowohl die familiäre Atmosphäre als auch die geradlinige Hausmannskost, die hier seit vielen Jahren in dem beliebten Ortsgasthof aufgetischt wird.
Dieser ist bereits seit über einem Jahrhundert im Besitz der Familie Gehrlein. In den rustikal-gemütlichen Räumlichkeiten wird heute mehr denn je auf Regionalität, Qualität und frische Zubereitung gesetzt, was dem sympathischen Familienbetrieb Jahr für Jahr... mehr lesen
Gasthaus Zum Karpfen
Gasthaus Zum Karpfen€-€€€Gasthaus07272 2198Hauptstraße 1, 76777 Neupotz
4.0 stars -
"Neupotzer Gastro-Kuriosum: Wo Karpfen draufsteht, ist manchmal Zander drin!" GourmägglerAnfang Juni kehrte ich nach längerer Abstinenz mal wieder im Neupotzer „Karpfen“ ein. Ich hatte einen Kollegen unseres Wörther Schlemmerclubs im Schlepptau und wir beide schätzen sowohl die familiäre Atmosphäre als auch die geradlinige Hausmannskost, die hier seit vielen Jahren in dem beliebten Ortsgasthof aufgetischt wird.
Dieser ist bereits seit über einem Jahrhundert im Besitz der Familie Gehrlein. In den rustikal-gemütlichen Räumlichkeiten wird heute mehr denn je auf Regionalität, Qualität und frische Zubereitung gesetzt, was dem sympathischen Familienbetrieb Jahr für Jahr
Besucht am 12.06.2025Besuchszeit: Abendessen 5 Personen
Rechnungsbetrag: 176 EUR
Mitte Juni präsentierte sich die Pfalz gewohnt hochsommerlich warm. Somit konnte das längst fällige Abendessen mit den Wörther Schlemmerkollegen unter freiem Himmel stattfinden. Unser präsidialer Obergaumen hatte das Gasthaus „Zum Logel“ als Einkehradresse auserkoren und einen Tisch für fünf Personen auf deren lauschiger Terrasse reserviert. Eingangsbereich
Schön, dass Inhaber Helmut Götz und sein Team seit Oktober 2020 wieder zurück in dem altehrwürdigen Gemäuer in der Hainfelder Kirchgasse sind. Nach dem verheerenden Brand Ende 2018 und der Übergangszeit im Ausweichquartier am Ortsrand (ich berichtete vor ein paar Jahren…) in der Roschbacherstraße – ach ja, die Corona-Zeit hatte man auch noch zu überstehen – ist es eigentlich ein kleines gastronomisches Wunder, dass es diese beliebte Adresse für ambitioniert vorgetragene Hausmannskost überhaupt noch gibt. Das hübsch eingerahmte Speisenprogramm
Hungrig und gespannt machten wir uns auf den Weg in Richtung Pfälzer Weinstraße, an der das schmucke Örtchen Hainfeld liegt. Das Parken im Ortskern gestaltete sich völlig unproblematisch. Vom Parkplatz aus war es nur ein kurzer Fußweg zum Lokal. Schon von außen wirkte das rebenberankte, mit jeder Menge Topfgrün geschmückte Sandsteingebäude sehr einladend. Auferstanden aus Brandruinen...
Und auch drinnen hieß uns das „neue Logel“ auf gepflegt herzliche Art und Weise willkommen. Gediegenes Weinstubenambiente
Doch was versteht man eigentlich unter einem „Logel“? So mancher Pfälzer Winzer trägt diese Traubenbütte bei der Weinlese auf seinem Rücken. Heute sind diese auch „Hotten“ genannten Tragegefäße aus Glasfaserkunststoff. Sie kommen bei der Handlese nach wie vor zum Einsatz. In einem Winzerdorf wie Hainfeld macht ein solcher Name für eine zünftige Weinwirtschaft natürlich Sinn und ist definitiv nicht weit hergeholt.
Freiliegende Fachwerkbalken, Boden in Holzdielenoptik und teilweise unverputzte Sandsteinwände schufen den Rahmen für ein äußerst gemütliches Weinstubenflair, das von rustikalem Holzmobiliar und geschmackvoller Dekoration adäquat verstärkt wurde. Auch drinnen lässt es sich aushalten...
Bereits beim Betreten dieses urigen Gasthauses war schnell klar, dass uns in diesem beschaulichen Fleckchen Pfalz das Wohlfühlen leichtfallen würde. Auf der Terrasse grüßte nach dem ersten Ansturm die Abendsonne durchs üppige Grün
Sowohl drinnen als auch draußen auf der von Sandsteinmauern und grünen (nicht zu verwechseln mit den großen…) Gewächsen umfriedeten Terrasse war einiges los. Ohne Reservierung hätten wir uns den kulinarischen Freisitz wohl ins Haupthaar schmieren können. Aber wir hatten ja und wurden zügig mit der Speisenliteratur versorgt. Die Damen, die den Service mit viel Herz und sicherer Hand wuppten, schienen sehr gut aufeinander eingespielt zu sein.
Nie hatten wir das Gefühl, dass es irgendwo klemmte oder durch die hohe Auslastung des Lokals das Stresslevel bei den Servicekräften stark ansteigen würde. Die Mädels machten das alle ganz klasse. Da fällt dann auch ein in Vergessenheit geratenes Dessert nicht weiter ins Gewicht. Zumal die ehrlich gemeinte Entschuldigung nicht lange auf sich warten ließ. Also: Schwamm drüber.
Wir studierten ausgiebig die im Querformat gedruckten Speisenkarten, die eine hübsche Auswahl an bodenständigen Hausmannsköstlichkeiten bot. Bei den Vorspeisen wurden auch mal ein paar mediterrane Töne angestimmt, aber spätestens bei den Fleischgerichten setzte man voll und ganz auf herzhaft Bekanntes aus der Pfanne. Daneben kündeten sechs verschiedene Fischteller (Lachs, Forelle, etc.) von der Affinität für zünftige Gerichte rund ums Grätentier.
Dass Gastgeber und Küchenchef Helmut Götz zusammen mit seinem Team nicht nur mit gutbürgerlicher Tradition punkten wollen, zeigte bereits der Blick auf die Schiefertafel mit den Tagesempfehlungen, die man neben unserem Tisch platziert hatte. Von ihr sendeten Matjes (als Filet oder als Tatar), Zanderfilet vom Grill auf Spaghetti mit Kräuterpesto und in Butter gebratene Filets vom Lengfisch auf Kartoffel-Salicorne-Stampf sommerliche Grüße, die wir jedoch geflissentlich ignorierten, da uns das Standardprogramm komplett „catchte“.
Viermal Fleisch und einmal Fisch standen letzten Endes auf unserem Bestellzettel. Das Ganze um fünf kleine Beilagensalate (zu jeweils 5,40 Euro) erweitert. Der Blick auf die Portionsgrößen an den Nachbartischen machte jegliche Vorspeisenabsicht zunichte. Die gut bemessenen Hauptgerichte würden zusammen mit dem Blattgrün sicherlich zur vollständigen Sättigung beitragen. Die Dessertfrage ließen wir noch offen. Mal schauen, ob am Ende noch ein süßer Abschluss gehen würde…
Wie schön, dass sich der Service bald unserem mitgebrachten Durst widmete. Die beiden Fahrer delektierten sich zeitnah an einer großen Maracuja-Schorle (0,5l für 4,50 Euro) und einer Flasche Mineralwasser (0,75l für 4,90 Euro). Im Laufe des Abends kamen noch zwei weitere Flaschen „Sprudel“ hinzu. Einer der Kollegen schloss sich mir an und orderte auch einen Aperol Spritz (0,2l für 5,80 Euro) zum „Reinkommen“.
Ein Schoppen Riesling-Schorle (5 Euro), der sommerliche Pfälzer Durstlöscher schlechthin, durfte selbstverständlich nicht fehlen. Wir saßen ja schließlich in Hainfeld, wo die Kleins, Kochs, Glasers und Scherrs ganz vorzügliche, trockene Tropfen keltern. Nach meinem Aperol riskierte ich sogar den feinherben Riesling 55° vom Weingut Klein aus der Nachbarschaft (0,25l für 6,40 Euro).
Jener im Kabinett-Stil ausgebaute Riesling, dessen Trauben von der mit 55° Hangneigung gesegneten Steillage „Burrweiler Altenforst“ stammen, brachte eine beeindruckende Aromenfrische ins Glas. Seine dezente Restsüße wurde von einer feinen Säure begleitet. Keine Frage, der gefiel auch einem ausgewiesenen Trocken-Trinker wie mir.
So ein gut gekühlter Aperol Spritz weiß ja besonders an einem warmen Sommerabend zu gefallen. Mein Aper(ol)itif
Mit ihm und den entspannten Gesprächen am Tisch stieg der allgemeine Wellness-Faktor. Mit einem leckeren, in Gasthäusern dieser Art eigentlich unüblichen Küchengruß überbrückte man uns die Wartezeit aufs Handfeste. Die Tranche vom hausgebeizten Lachs mit schmackig angemachtem Kartoffel-Gemüse-Salat fand jedenfalls großen Anklang in unserer Runde und war blitzschnell verputzt. Hausgebeizter Lachs und sommerlicher Kartoffel-Gemüse-Salat als Amuse
Bald fanden dann auch fünf mit Joghurtdressing angemachte Beilagensalate den Weg auf unseren Tisch. Knackiger Vitaminschub vorweg
Unter dem knackfrischen Blattgrün lauerte kleingehäckselte Rohkost. Radieschen-Schnipsel sorgten für noch mehr Knack und Biss. Die sommerliche Vitaminspritze tat richtig gut und machte gleichzeitig Appetit auf die ein oder andere Fleischerscheinung. Rohköstlicher Beilagensalat
Und jene sollten zeitnah folgen. Einer von unserer Tafelrunde hatte es mit zwei panierten Schweine-Schnitzeln an Champignonrahmsauce mit hausgemachten Spätzle (15,90 Euro) zu tun, während sich ein anderer an einem vorbildlich der Bratpfanne entstiegenen Cordon Bleu (vom Schweinerücken) mit Kroketten (17,90 Euro) „abarbeitete“. So sieht nur ein Pfannen-Cordon-Bleu aus!
Dem perfekt medium gebratenen Rumpsteak aus dem fernen Argentinien wurde nicht nur eine hübsche Kräuterbuttermütze verpasst, sondern auch eine tiefgründige Burgundersoße beigegossen. Rump up the Jus, rump it up!
Sehr zur Freude des Kollegen, der sich den stattlichen Rindfleischquader zusammen mit erstklassig gebrutzelten Bratkartoffeln schmecken ließ.
Optisch am eindrucksvollsten präsentierte sich zweifellos der mit drei Sorten Fischfilet und einem Garnelen-Spieß ausgestattete Grillfischteller (25,50 Euro) mit gedämpftem Brokkoli und Kartoffelgratin, den sich der einzige Fleischverzichter am Tisch hatte kommen lassen. Das sah jedenfalls alles nach fundiertem Handwerk und guten Produkten aus. Sommerliche Meereslandschaft vom Grill
Manchmal liegt das gutbürgerliche Glück in Bulettenform vor einem und buhlt herzhaft gewürzt um die Aufmerksamkeit seines Verputzers. Mich hatten von Anfang an die Hacksteaks mit Champignon-Rahmsoße und Spätzle (14,80 Euro) am meisten angesprochen. Ein Kindheitsteller wie er im Speisenbuche stand. Zwei Hacksteaks mit viel Soooß....
Die beiden Pfalz-Bifteki fielen wunderbar mürbe aus. Sie badeten in einer fein abgeschmeckten Pilzrahmsoße, die zusammen mit den kurz in der Butterpfanne geschwenkten, selbst durch die Presse gejagten Spätzle auch meinem Töchterchen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hätten. Was soll ich sagen? Ich schwelgte dahin im siebten Soßenhimmel, der diesmal voller Spätzle hing.
Zufrieden und gut gesättigt bestaunten wir die Schiefertafel, die eine Handvoll verlockend klingender Desserts listete. Die frischen, leicht karamellisierten Erdbeeren, die Küchenmeister Götz mit Orangenlikör flambiert und mit Balsamico-Essig ablöscht, hätten aber irgendwie schon noch reingepasst. Zumal sie mit Joghurt-Sauerrahmeis serviert worden wären.
Egal, ich hoffe, dass ich das verpasste Dessert beim nächsten Besuch im Sommer nachholen kann. Wobei das noch gar nicht sicher ist, denn Helmut Götz wird – wie mir zu Ohren kam – wahrscheinlich in diesem Jahr in seine wohlverdiente Rente gehen.
Ob dann das „Logel“ für immer seine Pforten schließt oder ein Nachfolger das heimelige Gasthaus übernimmt, wird man sehen. Für die gutbürgerliche Gastronomie der Pfalz wäre eine Schließung dieses geschichtsreichen Traditionslokals jedenfalls ein herber Verlust.
Mitte Juni präsentierte sich die Pfalz gewohnt hochsommerlich warm. Somit konnte das längst fällige Abendessen mit den Wörther Schlemmerkollegen unter freiem Himmel stattfinden. Unser präsidialer Obergaumen hatte das Gasthaus „Zum Logel“ als Einkehradresse auserkoren und einen Tisch für fünf Personen auf deren lauschiger Terrasse reserviert.
Schön, dass Inhaber Helmut Götz und sein Team seit Oktober 2020 wieder zurück in dem altehrwürdigen Gemäuer in der Hainfelder Kirchgasse sind. Nach dem verheerenden Brand Ende 2018 und der Übergangszeit im Ausweichquartier am Ortsrand... mehr lesen
Gasthaus Zum Logel
Gasthaus Zum Logel€-€€€Gasthaus06323938793Kirchgasse 1, 76835 Hainfeld
4.5 stars -
"Ein idyllisches Fleckchen Pfälzer Gastlichkeit zum Wohlfühlen und Genießen" GourmägglerMitte Juni präsentierte sich die Pfalz gewohnt hochsommerlich warm. Somit konnte das längst fällige Abendessen mit den Wörther Schlemmerkollegen unter freiem Himmel stattfinden. Unser präsidialer Obergaumen hatte das Gasthaus „Zum Logel“ als Einkehradresse auserkoren und einen Tisch für fünf Personen auf deren lauschiger Terrasse reserviert.
Schön, dass Inhaber Helmut Götz und sein Team seit Oktober 2020 wieder zurück in dem altehrwürdigen Gemäuer in der Hainfelder Kirchgasse sind. Nach dem verheerenden Brand Ende 2018 und der Übergangszeit im Ausweichquartier am Ortsrand
Geschrieben am 25.12.2025 2025-12-25| Aktualisiert am
25.12.2025
Besucht am 07.07.2025Besuchszeit: Abendessen 1 Personen
Rechnungsbetrag: 33 EUR
Sommer, Sonne, Maxau. Müsste eigentlich Maximiliansau heißen, aber die „echten“ Wörther verkürzen das auch mal gerne.
Es ereignete sich an einem sommerlichen Montagabend. Mich überfiel bei meiner abendlichen Rundtour auf dem Rheinradweg ein fieses Hungergefühl. Da kam mir ganz kurzfristig die Idee, in der altehrwürdigen Kaminstubb „auf gut Glück“ aufzuschlagen.
Die Chancen, dort einen freien Platz zu ergattern, sind ja selbst bei einem mehrere Tage zuvor getätigtem Anruf nicht sonderlich groß. Also warum nicht mal spontan das gutbürgerliche Schicksal herausfordern?
Der Laden brummt seit jeher – also gute 35 Jahre lang – und wird wohl auch noch bis zu dem Tag brummen, an dem Eva Martus und ihr Mann in ihre wohlverdiente Rente gehen. Allzu lange dürfte das wahrscheinlich nicht mehr dauern. Einheimische und badische Vollblut-Karnivoren hoffen sicherlich auf verlängernde Umstände.
Überraschenderweise wurde mir vom anfänglich etwas mürrisch wirkenden Patron doch tatsächlich ein Platz an der Theke gewährt. An jener saß ich zum ersten Mal und ein über ihr angebrachtes Schild mit der These, dass acht Schoppen Bier den täglichen Tagesbedarf an Vitamin C komplett abdecken würden, beruhigte den nach wohlgehopfter Isotonie dürstenden Radfahrer in mir. ...man lernt halt immer noch dazu!
Gemäß dem Motto „Gesunde Ernährung kann so einfach sein!“ bestellte ich eilig ein frisch gezapftes Pils (0,5l für 4,70 Euro) von der Karlsruher Traditionsbrauerei Hatz-Moninger, das mir der mit zunehmender Verweildauer am Tresen immer sympathischer werdende Kaminstubb-Wirt zeitnah aus dem Hahn ließ. Es sollte an diesem Montagabend Anfang Juli nicht das einzige bleiben. Darauf ein frisch gezapftes Hatz!
Zu meiner Linken wurde bald ordentlich was weggeschnitzelt. Auch mir gefiel das eindeutig nach Sättigung trachtende „Paniergehabe“ meiner temporären Thekengenossen. Von der umfangreichen Schnitzelkarte wählte ich das am meisten gepfefferte. Ein Kollege von der Wörther Gourmand-Genossenschaft hatte sich jenes Pfefferschnitzel (18,90 Euro) vor ein paar Jahren mal gegönnt.
Schon damals hatten seine beiden mit Pfefferrahmsauce servierten Schweineschnitzel „Wiener Art“ meine Sinne „geschärft“. Der Abend schien daher wie gemacht für den Selbstversuch. Das Radeln zurück nach Wörth kam mir als „Verdauungsvorschuss“ gerade gelegen. In den knapp 19 Tacken war auch ein schmackig angemachter Salatteller enthalten. Bei der Beilagenwahl „krokettierte“ ich mit frittierten Kartoffelzylindern.
Keine Ahnung, warum ich die Portionsgröße von damals nicht mehr warnend im Hinterkopf hatte als ich vorweg noch eine hausgemachte Tomatensuppe mit Sahnehaube (5,50 Euro) orderte. Aber ein Wörther Pedalritter kennt ja angeblich sein Magenvolumen. Und das süffige Hatz-Pils schürte ohnehin weitreichende Appetitfantasien.
Die Wartezeit war trotz nahezu komplett besetztem Lokal nicht übertrieben lange. Ich vertrieb mir die Zeit mit ein wenig Smalltalk. Und wer sagt’s denn: der Mann hinterm Tresen entpuppte sich als viel gesprächiger als anfänglich vermutet.
Die Tomatensuppe wurde in einer gewöhnlichen Suppentasse serviert und duftete mir „gin-geladen“ entgegen. Fein pürierte, reife Rotware, beherzte Würze und ein guter Schuss vom herben Wacholder-Schnaps ließen mich die Tasse mit Genuss auslöffeln. Miss Pomodoro konnte was...
Das Bisschen Schnittlauch und der Klecks Sahne obendrauf taten der tadellos abgeschmeckten Tomaten-Terrine überhaupt nicht weh. Da habe ich in einigen Osterien und Trattorien schon deutlich schwächere Pomodoro-Resultate vorgesetzt bekommen – und die zum doppelten Preis.
Beim Beilagengrün kam man meinem Wunsch nach Beschränkung auf frische Salatblätter nach. Beilagensalat zum Pfefferschnitzel
So blieb mir der ungeliebte Krautsalat erspart. Zum üppig verwendeten Hausdressing – immer wieder ein würzig-saures Vergnügen – gesellten sich noch großzügig darüber gequetschte Balsamico-Trails. Letztere hätte es aus meiner Sicht gar nicht gebraucht, denn ich mag das Dressing am liebsten schön säuerlich.
Es folgten die beiden panierten, mit reichlich grob gemahlenem Pfeffer gesegneten Schnitzel, die gut gebräunt aus der Butterpfanne kamen. Zwei Pfefferschnitzel auf Pfefferrahm
Die vorher aus der Küche vernehmbaren, dumpfen Klopfgeräusche ließen mich auf zarte Fleischverhältnisse hoffen. Ein zartes Panierstück in Ehren...
Unter den beiden schweinernen Bravourstücken befand sich eine helle Pfefferrahmsauce mit klarem Sahne- und Butterbekenntnis. In einer kleinen Schüssel befanden sich noch ein halbes Dutzend Kroketten. Beim Thema Sättigung schien man auf Nummer sicher gehen zu wollen. Die separat gereichten Kartoffelzylinder aus der Fritteuse
Irgendwie schaffte ich es, beide Schnitzel samt Salat und Kroketten – wenn schon, denn schon! – komplett zu verputzen. Wobei das zweite Bier hierbei entscheidend mithalf. Auch ein Magen wächst schließlich mit seinen Aufgaben. Und diese fußten auf solide geköcheltem, gutbürgerlichen Küchenhandwerk wie man es heute leider nicht mehr allzu oft vorfindet. Da nimmt man die etwas pampige Rahmsauce und die entbehrlichen Balsamico-Grüße aus der Quetschflasche beim Salat halt auch mal in Kauf.
Auf ein hochprozentiges „Verdauerle“ verzichtete ich dann aber doch aus Gründen der Bewahrung meiner Zweiradtauglichkeit. Ich musste ja wieder mit dem Drahtesel zurück nach Wörth…
Die Kaminstubb ist und bleibt – zusammen mit dem Restaurant im Hotel Vater Rhein – unangefochten an der Spitze der Wörther Hausmannskostliga. Ob Rumpsteak, Cordon Bleu oder Schnitzel – hier bekommt der hungrige Fleischesser eine ordentliche Qualität für sein Geld geboten. Und so eine kleine gastronomische Zeitreise tut ja ab und an auch mal gut.
Sommer, Sonne, Maxau. Müsste eigentlich Maximiliansau heißen, aber die „echten“ Wörther verkürzen das auch mal gerne.
Es ereignete sich an einem sommerlichen Montagabend. Mich überfiel bei meiner abendlichen Rundtour auf dem Rheinradweg ein fieses Hungergefühl. Da kam mir ganz kurzfristig die Idee, in der altehrwürdigen Kaminstubb „auf gut Glück“ aufzuschlagen.
Die Chancen, dort einen freien Platz zu ergattern, sind ja selbst bei einem mehrere Tage zuvor getätigtem Anruf nicht sonderlich groß. Also warum nicht mal spontan das gutbürgerliche Schicksal herausfordern?
Der... mehr lesen
Restaurant Kaminstubb
Restaurant Kaminstubb€-€€€Besenwirtschaft, Bar072714767Raiffeisenstraße 3, 76744 Wörth am Rhein
4.0 stars -
"Eingefleischte Oldschool-Gastwirtschaft für den großen Hunger zwischendurch" GourmägglerSommer, Sonne, Maxau. Müsste eigentlich Maximiliansau heißen, aber die „echten“ Wörther verkürzen das auch mal gerne.
Es ereignete sich an einem sommerlichen Montagabend. Mich überfiel bei meiner abendlichen Rundtour auf dem Rheinradweg ein fieses Hungergefühl. Da kam mir ganz kurzfristig die Idee, in der altehrwürdigen Kaminstubb „auf gut Glück“ aufzuschlagen.
Die Chancen, dort einen freien Platz zu ergattern, sind ja selbst bei einem mehrere Tage zuvor getätigtem Anruf nicht sonderlich groß. Also warum nicht mal spontan das gutbürgerliche Schicksal herausfordern?
Der
Geschrieben am 19.12.2025 2025-12-19| Aktualisiert am
19.12.2025
Besucht am 20.06.2025Besuchszeit: Abendessen 3 Personen
Im Sommer saß ich nach viel zu langer Abstinenz mal wieder zusammen mit guten Freunden auf der lauschigen Terrasse der PGF im südpfälzischen Weinort Frankweiler. Es war ein warmer Freitagabend. Ich hatte im Vorfeld einen Tisch für Drei bei Maître Theobald, dem Inhaber, Fraktionsvorsitzenden und Küchenchef in Personalunion dieses Pfälzer Kleinods für weinaffine Hedonisten, reserviert.
Im Dezember 2022 hat er sich mit seinem Team hier „oben“ in Frankweiler, direkt neben dem Weingut Lidy, niedergelassen und aus der ehemaligen Weinstube zur Traube eine Wine&Dine-Adresse der ganz besonderen Art gemacht.
Und das ohne jeglichen Pomp und Dünkel, sondern mit raffinierter, mediterran inspirierter Küche, die auch den weltoffenen Regionalkostgänger gerne zum französischen Bistronauten werden lässt.
Beim „Domme“ (Spitzname von Chefkoch Dominik Theobald, Anm.) kehrt man jedoch nicht nur ein, um Austern, französische Jahrgangssardinen, Pasta mit Kalbs-Ragout oder selbstgemachte Pinsa mit Sommertrüffel zu futtern. Hier lädt der von Kennerhand bestückte Weinkeller zur vinophilen Reise ins Nachbarland ein.
Selbstverständlich hat man auch den ein oder anderen hervorragenden Tropfen aus Pfälzer Landen im Flaschenweinrepertoire. Das vinophile Hauptaugenmerk legt der sympathische Schankprinz jedoch auf das uns in dieser Hinsicht immer noch weit überlegene Franzosenland.
Und das quasi direkt an der Pfälzer Weinstraße. Ja, wie frech ist das denn bitteschön? Reschbeggt, Herr Theobald! Weiße Burgunder mit der Aufschrift Meursault, Montrachet und Pouilly Fuissée „Grande Réserve“ listet das couragiert zusammengebastelte Kellerkompendium genauso wie ein paar große Rote von der nördlichen und südlichen Rhône. Selbst beim „Chateaunöff“ kalkuliert der stets gerne zum dialektgefärbten Plausch aufgelegte Hausherr nicht päpstlicher als der Pontifex persönlich, sprich: die Flaschenweinpreise sind hier absolut moderat.
Wer sich also mal richtig guten Stoff für faires Geld im Restaurant reinschütten möchte, ist in dieser Institution des guten Geschmacks bestens aufgehoben. Das korrespondiere Essen kann sich aber auch sehen und vor allem schmecken lassen…
Über die zur Entspannung beitragenden, äußeren Umstände, die mich auch bei meinem letzten Besuch im Sommer ganz beseelt auf der Terrasse sitzend auf den baumbestandenen Garten hinterm Haus blicken ließen, habe ich mich bereits bei meinem letzten Bericht vor rund zwei Jahren ausgelassen. Blick von der Terrasse auf den liebevoll angelegten Weingarten
Im Service tauchen immer mal wieder neue, junge Gesichter auf, die den Patron tatkräftig unterstützen, indem sie freundlich und zugewandt die Gäste bedienen. Früher gab dieser selbst noch den redseligen Wirt alter Gastro-Schule. Heute widmet er sich in erster Linie der Zubereitung des klug zusammengestellten Speisenangebots.
Während ich auf die Ankunft meiner Freunde wartete und mir mit einem Aperol-Spritz (könnte aber auch ein Crodino-Secco gewesen sein…) die Zeit vertrieb, studierte ich die saisonal wechselnde Standardkarte und schielte ganz nebenbei auf die am Nachbartisch angelehnte Schiefertafel mit den Tagesempfehlungen. Wohlfühlterrasse
Um den abendlichen Durst kümmerte sich derweil eine Karaffe mit Tafelwasser (0,75l für 5 Euro). So weit, so unspektakulär.
Für die Utah Beach Austern No. 3 aus der Normandie fehlte mir ein adäquater Schlürfpartner am Tisch. Bremen kann manchmal ganz schön weit weg sein. Und dennoch ließ ich mich kurz vorm Bestellen des Carpaccios von der südfranzösischen Ochsenherztomate mit Burrata, Rucola und gerösteten Pinienkernen von der „Meeresströmung“ treiben und entschied mich für die auf der Haut gebratene Rotbarbe auf Rettich „Asia-Style“ (19,50 Euro) als Vorspeise.
Die Tischkollegen mochten es weniger fischig und begnügten sich mit einem Panini mit Mortadella, geräuchertem Käse, Pesto, Rucola und Tomate (5,50 Euro). Gegen eine gut belegte Stulle italienischer Provenienz kann man ja auch prinzipiell nichts einwenden. Entscheidend ist neben der Beschaffenheit der Backware die Qualität des Belags und da weiß man schließlich, dass der Herr mit dem Fraktionsvorsitz keine Kompromisse in Sachen Produktgüte eingeht. Ein Panini für den ersten Hunger
Auch bei der Hauptspeise blieb ich meinem Meeresmotto treu. Meine Wahl fiel auf den halbroh gebratenen Thunfisch in Sashimi-Qualität mit mediterranem Kartoffelsalat und einer mit Ratatouille-Gemüse gefüllten Zucchini (29,50 Euro). Dazu orderte ich einen gut gekühlten, offenen Weißwein aus dem (Nachbar)Hause Lidy. Die 8,50 Euro für das Viertel Auxerrois waren angemessen. Ein trockener, zur warmen Witterung passender Fischbegleiter mit angenehmer Säure und moderatem Alkoholgehalt. Machste nix falsch…
Meine Freunde verbrachten ihre Hauptgänge mit Pasta an Kalbsragout, Rucola, Oliven und Parmesan (18,50 Euro) und einem Wiener Schnitzel mit lauwarmem Kartoffelsalat und Gurkensalat (28,50 Euro). Die beiden ausgewiesenen Redundanzesser wandelten lieber auf ihnen hinlänglich bekannten Geschmackspfaden. Ist ja in der Regel nicht verkehrt…
Mit meiner Rotbarbe hatte ich voll ins Schwarze getroffen. Saftig gegrillt, beherzt gewürzt und mit knuspriger Haut machte das auf asiatisch angemachtem Rettich-Salat platzierte Filet eine mehr als ordentliche Figur. Rotbarbe auf asiatischem Rettich-Salat
Süßlich-scharfe Asia-Sauce, etwas Wasabi und ein Limettenschnitz steuerten je nach Bedarf Säure, Frische, Süße und Schärfe bei. Toller Terrassenteller, der mir so richtig taugte. Gelungener Auftakt!
Da musste sich der gute Thunfisch schon anstrengen, um gegen seinen deutlich kleineren Meereskollegen zu bestehen. Dies tat er jedoch mit Bravour. Feines Olivenöl, etwas Pfeffer, ein in der Pfanne geschwenkter Rosmarinzweig, angebratener Knoblauch und ein wenig gebrutzelte Chili reichten aus, um das halbrohe Steak in ein mediterranes Geschmackshabitat zu packen. Halbrohes Thunfischsteak mit mediterranem "Grumbeersalat" und Ratatouile-Zucchini
Das in einer ausgehöhlten Zucchini versteckte, provenzalisch angehauchte Ratatouille-Gemüse geriet ebenfalls tadellos – comme il faut. Auch seine vegetabile Hülle hatte die richtige Garzeit im Ofen abbekommen und kam angenehm knackig aufs Porzellan. Beim mediterranen Kartoffelsalat störten mich ein wenig die Kapern. Deren Freund werde ich wohl in absehbarer Zeit nicht mehr. Ansonsten war das aber ein pfiffig angemachter „Grumbeersalat“, der sich super mit dem Thunfisch vertrug. Mediterraner Genuss an der Pfälzer Weinstraße
Auch meine beiden Mitesser lobten ihre Tellergerichte. Die Nudeln mit Kalbsragout hatte man großzügig mit Parmesan bedacht. Pasta mit Kalbsragout, Rucola und Parmesan
Der Schnitzelfreund zu meiner Rechten erfreute sich an zwei butterweichen Exemplaren der kälbernen Art. Lediglich mit der Dreingabe geschmolzener (Nuss)Butter hatte es der „Küchenbulle“ etwas zu gut gemeint. Der Gurkensalat war hingegen kein bisschen wässrig und strotzte nur so vor Dillfrische. Wiener Schnitzel mit Kartoffel- und Gurkensalat
Irgendjemand kam auf die kalorienverachtende Idee, das abendliche Mahl mit einer Portion vom selbstgemachten Eis zu beschließen. Also landeten noch drei großzügig gefüllte Gläser mit köstlichem Mandeleis (5,50 Euro) auf unserem Tisch. Jeder, der hier schon einmal die Speiseeisstärke des Herrn Theobald kennenlernen durfte, wird gar nicht umhinkönnen, beim nächsten Besuch wieder zum cremigen Pacojet-Output zu greifen. Wer hier ein selbstgemachtes Eis ordert, sollte noch Platz im Magen haben...
Bei der Nennung der Gesamtrechnung muss ich diesmal leider passen. Die wurde klammheimlich von meinen Freunden beglichen. „Ich muss mal kurz auf Toilette…“ und dann hinterrücks am Tresen für alle bezahlen – kennt man ja. Aber guten Freunden verzeiht man solche „Spielchen“ ja gern.
Den lauen Sommerabend auf der heimeligen PGF-Terrasse habe ich sehr genossen. Die verlässlich gute Küche von Herdmeister Theobald, der entspannte Service und nicht zuletzt die tolle Stimmung an unserem Tisch haben ihn zu etwas Besonderem gemacht.
Beim „Domme“ muss ich übrigens vor Ablauf des Jahres dringend (gerne dort auch trinkend) noch einmal vorbeischauen. Der backt seit einiger Zeit montags und dienstags Pizza, die angeblich richtig gut sein soll. Also nix wie hin zur Pizza-Genuss-Fraktion nach Frankweiler.
Im Sommer saß ich nach viel zu langer Abstinenz mal wieder zusammen mit guten Freunden auf der lauschigen Terrasse der PGF im südpfälzischen Weinort Frankweiler. Es war ein warmer Freitagabend. Ich hatte im Vorfeld einen Tisch für Drei bei Maître Theobald, dem Inhaber, Fraktionsvorsitzenden und Küchenchef in Personalunion dieses Pfälzer Kleinods für weinaffine Hedonisten, reserviert.
Im Dezember 2022 hat er sich mit seinem Team hier „oben“ in Frankweiler, direkt neben dem Weingut Lidy, niedergelassen und aus der ehemaligen Weinstube zur... mehr lesen
4.0 stars -
"Weingewandter „Club Med“ für weltoffene Kulinaristen" GourmägglerIm Sommer saß ich nach viel zu langer Abstinenz mal wieder zusammen mit guten Freunden auf der lauschigen Terrasse der PGF im südpfälzischen Weinort Frankweiler. Es war ein warmer Freitagabend. Ich hatte im Vorfeld einen Tisch für Drei bei Maître Theobald, dem Inhaber, Fraktionsvorsitzenden und Küchenchef in Personalunion dieses Pfälzer Kleinods für weinaffine Hedonisten, reserviert.
Im Dezember 2022 hat er sich mit seinem Team hier „oben“ in Frankweiler, direkt neben dem Weingut Lidy, niedergelassen und aus der ehemaligen Weinstube zur
Geschrieben am 14.12.2025 2025-12-14| Aktualisiert am
14.12.2025
Besucht am 09.07.2025Besuchszeit: Abendessen 2 Personen
Rechnungsbetrag: 86 EUR
Ein Arbeitskollege erzählte mir von dem Mitte März 2024 eröffneten, im Parterre des ebenfalls noch recht neuen Motel-One-Hotels in der Karlsruher Kriegsstraße beheimateten BBQ-Lokal, das Ende Juni, also kurz vor unserem Besuch, Insolvenz anmelden musste.
Doch statt der Schließung folgte ein Neustart. Denn trotz der finanziellen Schieflage lief der Geschäftsbetrieb weiter und blieb auch während des gesamten Insolvenzverfahrens geöffnet. Alleiniger Geschäftsführer ist seit September dieses Jahres Dominik Safic und der hat mit dem „TLM“, wie gestandene Diner-Fans den Laden nennen, scheinbar noch einiges vor.
Neue Standorte wie z.B. in Mannheim oder Stuttgart sind im Rahmen eines Franchise-Modells nicht ausgeschlossen oder zumindest in Planung. Na, mal sehen, wie sich der BBQ-Betrieb an der verkehrsreichen Kriegsstraße in den nächsten Monaten so entwickelt…
Wer – wie wir – mit dem Auto den Weg zum American Grillclub sucht, der ist in der Tat auf der Suche – und zwar nach einem geeigneten Parkplatz. Da helfen sicherlich die nahegelegenen Parkhäuser vom Badischen Staatstheater oder vom Einkaufszentrum „Ettlinger Tor“. Die sind aber – wie sich das für innerstädtische Parkanlagen gehört – nicht gerade billig.
Wer also vorhat, etwas länger hier zu verweilen, um sich beim Verzehr von Pulled Pork, Brisket und Babyback Ribs genügend Zeit zu lassen, der sollte sich lieber mit den Öffentlichen auf den Weg machen, denn kostenfreie Autoabstellplätze gibt es in dieser Ecke der Fächerstadt so gut wie keine.
Wir hatten Glück und konnten ganz in der Nähe eine der wenigen, mit Parkschein nutzbaren Freiflächen direkt an der Kriegsstraße okkupieren. Die paar Meter Fußweg zum (neuen) Karlsruher Vorzeige-Diner waren nicht der Rede wert. Das Wetter erlaubte an diesem warmen Mittwochabend Anfang Juli die Einnahme der gegrillten, geräucherten bzw. frittierten Errungenschaften gelebter amerikanischer BBQ-Kultur unter freiem Himmel.
Und so saßen wir folglich nicht im trendig-urban eingerichteten Inneren, das mit seinen hohen Decken, freihängenden Lüftungsrohren, Metallgitternischen und Fabrikhängeleuchten ganz klar auf Industrial-Chic getrimmt war. Bemalter Sichtbeton und leuchtende Schriftzüge brachten wenigstens etwas Farbe ins Spiel. Fischgrätparkett und hölzernes Bistromobiliar suggerierten bodenständiges Casual-Dining. Blick durch die Glasfront in den trendig-urbanen Gastraum
Um es kurz zu machen: der Laden hatte durchaus Atmosphäre. Damit diese jedoch vollends zum Tragen gekommen wäre, hätte es deutlich dunkler sein müssen. Und so lange wollten wir uns bei unserem Besuch Anfang Juli dann doch nicht hier aufhalten.
Draußen war es aber auch ganz nett – wenn auch der Verkehr der Kriegsstraße für einen lauschigen Sommerabend auf dem Trottoir nicht unbedingt förderlich war und die Sitzbänke keinerlei Komfort für das verwöhnte Sitzfleisch boten. Den jungen Burschen und Mädels um mich herum machte das anscheinend nichts aus. Na ja, kommt ihr mal in mein Alter…
Nun gut, auf dem Tisch befand sich eine mit Tabasco (XL-Size) und Ketchup (vom Heinz) bestückte Box mit der Aufschrift „Crewlove is true love“, die an den Familiensinn appellierte („TLM-Family“) und subtil auf die Möglichkeit verwies, doch bitte ein paar nette Kommentare auf den gängigen Social-Media-Portalen Insta und Tiktok zu hinterlassen. "Crewlove is true love!" Gilt vor allem für Tabasco mit Ketchup (und umgekehrt)
Daneben ein mit dem TLM-Schriftzug versehener Bierkrug mit Schneide- und Aufspießwerkzeugen sowie Papierservietten. Die etwas abgegriffene Speisenkarte im DIN-A3-Querformat listete auf der Vorderseite das komplette „Meal-Menu“. Wendete man das „Blatt“, wartete ein umfangreiches Getränkeprogramm auf cocktailaffine „Margaritas“ oder die Gunst der „glücklichen Stunde“ nutzende „Mojiteure“.
Bier, Wein und Alkoholfreies gab es selbstverständlich auch. Der Kollege genehmigte sich sogleich ein Allgäuer Büble Weißbier ohne Umdrehungen (0,5l für 5 Euro) aus der Flasche, während ich ein frisch gezapftes Oberdorfer Helles (0,5l für 6 Euro) aus dem selbstdesignten TLM-Glas für das adäquate Sommerabendgetränk hielt. Ein frisch gezapftes Oberdorfer Helles kann dir den Sommerabend retten!
Später konterte mein Gegenüber mit einem halben Liter unfiltriertem TLM-Hausbier (0,5l für 6 Euro). Kein Fehler, wie sich herausstellen sollte. Ich dagegen hatte im Anschluss noch weitere helle Momente aus der bayrischen Kreisstadt Marktoberdorf zu verzeichnen. Ein Liter passte (in der Summe) locker rein. War ja warm und ich musste nicht fahren.
Wir einigten uns nach intensiver Durchsicht des übersichtlich gestalteten Futter-Flyers auf eine „All-in Starter-Platter“ für Zwei, die mit 14 Euro pro Person berechnet wurde und ein buntes Potpourri an mit den Fingern zu essenden Streetfood-Klassikern enthielt. Als Hauptgang wählte mein Kollege das Reuben-Pastrami-Sandwich (19 Euro), während mich die house“gesmoked“ten Babyback Ribs (halbes Rack, ca. 300 g für 13 Euro) am meisten anlachten.
Bei der jungen, weiblichen Servicekraft, die uns bediente, handelte es sich dem Anschein nach um eine Aushilfe. Sie wirkte zwar etwas unsicher, erledigte aber ihren Job mit zugewandter Freundlichkeit. Ist mir persönlich deutlich lieber als diese geschulte, joviale Beratungseffizienz, die einem bereits nach wenigen Sekunden klarmacht, dass hier nur jemand sein „Programm“ abspult.
Während das Oberdorfer Helle süffig gegen meinen Durst arbeitete und gleichzeitig mein Appetitlevel anhob, wurde uns auf einer rechteckigen Metallplatte das abwechslungsreiche Vorspeisenpaket für Zwei serviert. Na, das sah ja alles zum Fingerablecken – daran führte beim händischen Verzehr auch kein Weg vorbei – gut aus! Alles drin - und wir dabei! Das Vorspeisen-Startpaket (für Unentschlossene)
Die Pulled Pork Bälle und die Mac’n’Cheese Klöße ähnelten sich nur rein optisch aufgrund ihrer krossen Panierhülle. Da gaben wir uns doch gerne die Kugeln, schmeckten doch die frittierten Schweine- und Nudelkäsekroketten ganz vorzüglich. Die milde Süße der gepickelten roten Zwiebeln harmonierte übrigens prächtig mit den fluffigen Zupfschweinknödeln.
Die leider recht übersichtlich zu Tablett gebrachten Stücke vom gebrutzelten Schweinebauch überzeugten ebenfalls. Die Kombi aus geröstetem Sesam, leicht süßlicher Teriyaki-Marinade, frischer Frühlingszwiebel und scharfer Chili ging vollends auf. Davon hätten wir gerne noch ein paar „Chunks“ mehr auf dem „Board“ gehabt. Definitiv kein "Chunk-Food"...oder doch?
Die großzügig in BBQ-Sauce ertränkten Hähnchenflügel wurden von frisch geschnittenem Jalapeno-Grün getoppt. Zur süßlichen Würze gesellten sich anregend scharfe Momente. Gevatter Frühlingszwiebel war auch hier für den texturellen Knack zuständig. Da leckte sich nicht nur der mir gegenübersitzende „Wingman“ die Finger. Saftige Flügel schien man im TLM also auch draufzuhaben.
Damit wir auch ja gut gesättigt in Richtung Hauptspeisung entlassen werden, gab es noch ein paar gegrillte Maiskolben obendrauf. Alter Grieche, selbst der Mais war hier ein Genuss!
Die wurden bereits geviertelt (und entkernt) serviert und mit ein paar Spritzern Chimichurri-Aioli, kleinen Scheiben von der Chilischote, gepickelter Zwiebel und etwas Schafskäse geschmacklich aufgewertet. Geschmolzene Butter und etwas Pfeffer bzw. Salz hätten es sicher auch getan. Aber die „Greek Style Corn Ribs“ erfüllten durchaus ihren Zweck.
Gut, dass ich mir kein ganzes, 600 g schweres Rack von den Babyback Ribs bestellt hatte. Das hätte ich nach der Bewältigung der umfangreichen Starter-Platte definitiv nicht mehr geschafft. Bereits der halbe „Rippen-Träger“ machte mir ordentlich zu schaffen. Und das lag sicher nicht an der butterzarten „Fall-Off-The-Bone“-Textur meiner mit rauchiger BBQ-Sauce bepinselten Rippchen. Glazed Babyback Ribs (Half Rack, ca. 300 g)
Die im Vorfeld „low & slow“ gegarten Ribs schmolzen förmlich auf der Zunge. Für den sanften Rippchen-Verzehr war kein Messer notwendig...
Das war saftig-schweinischer Grillgenuss vom Feinsten. Da ließ ich mir auch nicht vom ungeliebten Apfelmus, das unter meinem mürben Rippenstück lauerte, die Laune verderben. Für manche scheint ja die Kombi aus Schwein und Apfel das kulinarische Nonplusultra zu sein. Für mich ist da meistens die Apfelsüße zu dominant und erschlägt die arme Sau. Aber die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.
Mein Kollege mochte es indessen mehrstöckig. Sein mit geschmolzenem Käse, Rahmsauerkraut, Honig-Senf und dünn aufgeschnittener, gepökelter Rinderbrust belegtes Pastrami-Sandwich hätte auch aus einem New Yorker Deli stammen können. Zugegeben, eine imposante Stulle, die da von gerösteten Briochescheiben eingefasst auf meines Tischgenossen Teller lag. Der Begriff der „Reubens-Figur“ kam mir anlässlich des üppig belegten Sandwiches augenblicklich in den Sinn. Nun, man muss ja nicht jeden Gedanken gleich aussprechen… Reuben-Pastrami-Sandwich 2.0
Der Pastrami-Freund genoss seine reich belegte Brisket-Brioche in vollen Zügen, tat sich aber zum Ende – auch aufgrund des hohen Schmelzkäseanteils – dann doch ein wenig schwer, das Teil komplett zu vertilgen.
Mit einem Schoppen Hausbier – ein naturtrübes Pilsner, das gut runterlief – bewältigte er diesen Trumm jüdisch-amerikanischer Sandwich-Kultur geradeso. Gut, ein wenig Sauerkrautauflage blieb auf der mit beschichtetem Papier ausgelegten Platte zurück. Aber ansonsten hielt sich mein BBQ-Buddy erstaunlich wacker.
Komplett gesättigt und zufrieden verließen wir das trendige Grillrestaurant und machten mit dem PKW wieder rüber in die heimische Pfalz, in der man auch gerne Fleisch grillt. Dieses jedoch am liebsten in der gusseisernen (Rump-)Steak-Pfanne.
Gerne würde ich auch einmal im stylish eingerichteten Inneren des TLM-Diners Platz nehmen. Da sitzt es sich wahrscheinlich etwas gemütlicher als direkt an der vielbefahrenen Kriegsstraße. Die Speisenauswahl ließe einen Wiederholungsbesuch auf jeden Fall zu. Denn da gibt es noch so einiges zu entdecken. Die Fleischqualität stimmte und auch der Service agierte – wenn auch vielleicht nicht fachlich geschult – sehr angenehm.
Es bleibt daher zu hoffen, dass dieses sympathische BBQ-Lokal nach überstandener Insolvenz wieder auf (wirtschaftlich) gesunden Beinen steht, um auch in Zukunft Freunde der amerikanischen Diner- und Grillkultur mit schmackhaften BBQ-Klassikern zu verköstigen. Für Karlsruhe und Umgebung ist dieses Restaurant jedenfalls eine gute Ergänzung bzw. Abwechslung zur langsam wieder abflauenden Smash-Burger-Welle.
Ein Arbeitskollege erzählte mir von dem Mitte März 2024 eröffneten, im Parterre des ebenfalls noch recht neuen Motel-One-Hotels in der Karlsruher Kriegsstraße beheimateten BBQ-Lokal, das Ende Juni, also kurz vor unserem Besuch, Insolvenz anmelden musste.
Doch statt der Schließung folgte ein Neustart. Denn trotz der finanziellen Schieflage lief der Geschäftsbetrieb weiter und blieb auch während des gesamten Insolvenzverfahrens geöffnet. Alleiniger Geschäftsführer ist seit September dieses Jahres Dominik Safic und der hat mit dem „TLM“, wie gestandene Diner-Fans den Laden nennen,... mehr lesen
The Last Meal BBQ
The Last Meal BBQ€-€€€Restaurant, Steakhouse0721 40246855Kriegsstraße 23, 76133 Karlsruhe
4.0 stars -
"Fast wären wir hier zum ersten und zum letzten Ma(h)l eingekehrt…" GourmägglerEin Arbeitskollege erzählte mir von dem Mitte März 2024 eröffneten, im Parterre des ebenfalls noch recht neuen Motel-One-Hotels in der Karlsruher Kriegsstraße beheimateten BBQ-Lokal, das Ende Juni, also kurz vor unserem Besuch, Insolvenz anmelden musste.
Doch statt der Schließung folgte ein Neustart. Denn trotz der finanziellen Schieflage lief der Geschäftsbetrieb weiter und blieb auch während des gesamten Insolvenzverfahrens geöffnet. Alleiniger Geschäftsführer ist seit September dieses Jahres Dominik Safic und der hat mit dem „TLM“, wie gestandene Diner-Fans den Laden nennen,
Geschrieben am 08.12.2025 2025-12-08| Aktualisiert am
08.12.2025
Besucht am 13.03.2025Besuchszeit: Mittagessen 2 Personen
Rechnungsbetrag: 71 EUR
In einem nicht besonders ansehnlichen Gewerbegebiet im Karlsruher Stadtteil Grünwinkel verbirgt sich hinter der trutzigen Backsteinfassade einer noch vor dem Ersten Weltkrieg erbauten Fabrikhalle ein kulinarisches Ziel, das seit Jahren seinen festen Platz in der gehobenen (jedoch nicht abgehobenen!) Gastroszene der Fächerstadt innehat.
Das von Chris, Lisa und Sven Hemmann im September 2019 übernommene und seitdem gemeinsam geführte Kesselhaus – sie waren vorher bereits als Angestellte dort tätig – hat sich zweifellos als coole Location mit ambitionierter Küche etabliert. Und das trotz (oder vielleicht gerade wegen…) seiner Lage inmitten trister Bürobauten unweit des Karlsruher Westbahnhofs.
Viel zu lange war es her, dass ich hier auf der mediterran anmutenden Terrasse die feine Küche von Sven Hemmann zur Mittagszeit genießen durfte. Mitte März verschlug es mich erstmalig ins Innere des Kesselhauses. Für einen Lunch unter freiem Himmel war es schließlich noch viel zu kalt und unbeständig.
Trotzdem machte ich mich zusammen mit einem kollegialen Gaumenfreund (und Mitglied des Wörther Schlemmerquintetts!) auf in Richtung Grießbachstraße. Dem Ort, wo vor vielen Jahren mein Vater das technische Außenbüro der Firma Klöckner Moeller (Schaltanlagen, Steuerungen, Automatisierungstechnik) leitete. Eine Gegend, die ich mag, weil sie mich gerne an früher zurückdenken lässt.
Da sich auch ganz in der Nähe die Kletterhalle, in der ich donnerstags meine AG (im Rahmen der Ganztagsschule) durchführe, befindet, verband ich quasi das Angenehme mit dem Nützlichen und betrat in eindeutiger Lunch-Absicht das altehrwürdige Gebäude. Den Tisch für Zwei hatte ich vorher telefonisch klargemacht. Genügend Parkplätze standen direkt vor der Tür zur Verfügung. Einem entspannten Mittagessen inmitten gediegener Industrieromantik stand daher nichts mehr im Weg.
Man begrüßte uns freundlich, erfragte unsere Reservierung und geleitete uns zu einem schönen Tisch im Parterre des stilvoll eingerichteten Backsteinbaus. Hohe Decken, viel Platz ringsum und eine stählerne Empore prägten das schicke Interieur.
Reifeschrank, Champagnerkübel und auf Hochglanz polierte Wein- und Sektgläser verdeutlichten noch einmal den Anspruch des Hauses. Ein in einen professionellen Halter eingespannter Bellota-Schinken ließ mir gleich das Wasser im Mund zusammenlaufen. Aus solchen Gläsern lässt es sich gut trinken!
Für faire 34 Euro wurde ein Business-Menü in drei Gängen angeboten. So viele Teller sollten es an diesem Mittag dann aber doch nicht sein, weshalb wir aus dem kleinen, aber feinen À-la-Carte-Programm auswählten. Eigentlich wollte ich es – wie mein Kollege – beim „Kesselhaus-Burger“ (19 Euro) belassen. Den als „Kesselhaus-Bowl“ ausgewiesenen Glasnudelsalat mit gebackenen Tempura-Garnelen (18 Euro) konnte ich dann aber doch nicht ignorieren und bestellte ihn vorweg.
Abends kann man sich hier ein drei- oder viergängiges Menü (76 bzw. 96 Euro) aus der ambitioniert klingenden Karte selbst zusammenstellen. Dabei greift das Team um Sven Hemmann (Patron) und Kilian Wachter (Küchenchef) auf etwas edlere Produkte (als am Mittag) zurück.
Für Bluefin-Thunfisch, Imperial-Wachtel, Variation vom Wasserbüffel oder die Peking-Enten-Trilogie vom berühmten Geflügelhof „Odefey & Töchter“ aus der Lüneburger Heide würde ich hier glatt auch mal abends aufschlagen…
Zurück zum Mittagsmahl im vergangenen März. Die Flasche Mineralwasser der Marke Teinacher (0,75l) sprudelte bald für – in dieser Liga – nicht unübliche 7,50 Euro in unseren bauchigen Wassergläsern. Für das frisch gezapfte Waldhaus Pils (0,3l), das sich der Teilzeit-Masterstudent genehmigte (sein Mittagsdurst verlangte bald noch ein zweites…), wurden 3,90 Euro aufgerufen. In Anbetracht des gastronomischen Niveaus des (Kessel)Hauses waren die Getränkepreise absolut nachvollziehbar.
Vorab grüßte die Küche mit einem schmackig angemachten Kräuterquark und (frisch aufgebackenem?) Baguette. Baguette und Aufstrich vorweg
Nichts Außergewöhnliches, aber der cremige Vorfrühlingsbote kam gut bei uns an. So richtig bunt wurde es dann beim Glasnudelsalat, der von einer köstlichen Sesam-Erdnuss-Vinaigrette ausdrucksstark untermalt wurde. Gewürfelte Mango, Sojabohnen, kurz gewokter Pak Choi und sautierte Shiitake-Pilze sorgten für mächtig viel Abwechslung auf dem Teller, der ja eigentlich als Schüssel (Bowl) annonciert war. Glasnudelsalat mit Tempura-Garnelen aka "Kesselhaus-Bowl"
Drei saftige Garnelen (großzügiger Sortierung) im Tempurapelz krönten das farbenfrohe Ensemble, das mir sehr zusagte. Herzhaft, fruchtig und mit einer guten Portion Säure ausgestattet, war das eine äußerst zugängliche, raffiniert auf den Teller gebrachte Vorspeise asiatischer Prägung. Unten Nudeln - oben Geschmack! Toller Asia-Teller als großzügig portionierte Vorspeise
Einziger kleiner Kritikpunkt: die Portionsgröße. Die fiel nicht unbedingt zierlich aus. Und es sollte ja noch ein Burger folgen…
Bereits gut vorgesättigt betraten wir – mein Gegenüber hatte sich beim Baguette mit Aufstrich in keiner Weise zurückgehalten – nach angenehmer Wartezeit das „burgerliche Milieu“. Der Kesselhaus-Burger mit Fritten
Die Sauerteig-Brioche, zwischen der ein saftiges Patty vom Iberico-Schwein – ja warum denn eigentlich nicht? – steckte, war hausgemacht und fiel dementsprechend fluffig aus. Um die Schweinerei noch süffiger zu gestalten, „pullte“ sich auf der Bullette auch noch faseriges „Pork“ dazu. Der Kesselhaus-McRib!
Darüber hinaus lieferten Kürbis-Chutney, eingelegte Jalapenos und gepickelte rote Zwiebeln sowohl scharfe als auch süßliche Akzente. Mit einer zupackenden Sriracha-Mayo schickte man den „Iberico-Burger“ mal so eben in Richtung Asien. Eine weltoffene Herangehensweise, die funktionierte. Dieser „Luxus-McRib“ überzeugte auf ganzer Linie. Der saftige Schweinsturm zu Grünwinkel (im Anschnitt)
Um einen Teil der dazu gereichten, goldbraun frittierten Pommes Frites war es regelrecht schade, denn nicht wenige dieser knusprigen Produkte gelungener badischer Frittierkunst blieben in ihrer Schüssel zurück. Good fries can save you the day...
Wir hatten da bereits ganz „casual“ den Zenit unserer Sättigung überschritten.
Wer auf weltoffen vorgetragene, raffiniert kombinierte Bistroküche steht und auch gegenüber gehobener, pfiffig arrangierter Regionalkost nicht abgeneigt ist, wird sich in der einstigen Industriehalle aus Backstein sicher gut aufgehoben fühlen. Ausgewiesene Feingaumen werden im Abendprogramm nicht nur kreativ zubereitetes „Seelenfutter“, sondern auch ein paar gute Tropfen aus der international sortierten Weinkarte finden. Ein richtig schöner Ort also zum gepflegten „Abhängen“ – und das sicher nicht nur am Mittag…
In einem nicht besonders ansehnlichen Gewerbegebiet im Karlsruher Stadtteil Grünwinkel verbirgt sich hinter der trutzigen Backsteinfassade einer noch vor dem Ersten Weltkrieg erbauten Fabrikhalle ein kulinarisches Ziel, das seit Jahren seinen festen Platz in der gehobenen (jedoch nicht abgehobenen!) Gastroszene der Fächerstadt innehat.
Das von Chris, Lisa und Sven Hemmann im September 2019 übernommene und seitdem gemeinsam geführte Kesselhaus – sie waren vorher bereits als Angestellte dort tätig – hat sich zweifellos als coole Location mit ambitionierter Küche etabliert. Und das... mehr lesen
4.5 stars -
"Entspanntes Mittagessen in schickem Industrieambiente" GourmägglerIn einem nicht besonders ansehnlichen Gewerbegebiet im Karlsruher Stadtteil Grünwinkel verbirgt sich hinter der trutzigen Backsteinfassade einer noch vor dem Ersten Weltkrieg erbauten Fabrikhalle ein kulinarisches Ziel, das seit Jahren seinen festen Platz in der gehobenen (jedoch nicht abgehobenen!) Gastroszene der Fächerstadt innehat.
Das von Chris, Lisa und Sven Hemmann im September 2019 übernommene und seitdem gemeinsam geführte Kesselhaus – sie waren vorher bereits als Angestellte dort tätig – hat sich zweifellos als coole Location mit ambitionierter Küche etabliert. Und das
Geschrieben am 26.11.2025 2025-11-26| Aktualisiert am
28.11.2025
Besucht am 24.11.2025Besuchszeit: Mittagessen 1 Personen
Rechnungsbetrag: 29 EUR
Dort wo einst Ilo („Ilo’s Kebab Haus“) seine Döner und Yufkas unters drehspießbürgerliche Volk brachte, geht es seit ungefähr einem halben Jahr wesentlich „gedämpfter“ zu. Zentral gelegen, direkt neben der Postgalerie hat in der Erbprinzenstraße im Mai dieses Jahres ein kleines, auf hausgemachte Dumplings und Nudelschüsseln spezialisiertes Asia-Restaurant eröffnet.
In den letzten Monaten verschlug es mich mehrfach in das kleine Lokal in der Karlsruher City. Der Erstbesuch fand Ende Juli im Rahmen eines Familienausflugs, zu dem sich auch mein Vater hinzugesellte, statt. Ein paar Tage zuvor hatte ich über ein Karlsruher Online-Stadtmagazin von der Existenz des von außen recht unscheinbaren Teigtaschentempels Wind bekommen.
Da auch mein Herr Papa – seit unserem Kanada-Trip vor ein paar Jahren – um den hohen Genussfaktor lecker gefüllter Dim Sum weiß, war er natürlich sofort dabei. Er wäre hier wohl nie eingekehrt, denn am unscheinbaren „Mr. Dumpling & Noodle“ läuft man eher vorbei, als dass einem das äußere Erscheinungsbild zu einem Besuch animiert. Von außen eher unauffällig...
Und dieser etwas schmucklose Eindruck setzt sich im Inneren leider fort. Es ging wenige Stufen hinauf zu einem sehr funktional eingerichteten, recht schmalen Gastraum. Gleich zu unserer Linken werkelte „Mr. Dumpling“ (der Koch) hinter dem Tresen in seiner kleinen, offen einsehbaren Küchenecke. „Mrs. Dumpling“ (die Servicekraft) begrüßte uns sehr freundlich und wies uns einen Tisch im hinteren Bereich des hell gestrichenen „Dampf – und Mampfschuppens“ zu.
Die sympathische junge Dame erfüllte ihren Bedienungsauftrag auf asiatisch zurückhaltende Art und Weise, unterhielt sich mit den Gästen aus Fernost in deren Landesprache und half uns bei Fragen zu den Gerichten gerne weiter. Da fühlten wir uns doch gleich willkommen.
Das recht karge Interieur lenkte uns – positiv formuliert – zumindest nicht vom Essen ab. Viel Weiß, viel Grau. Komisch, drinnen ging mir plötzlich der 80er-Jahre Hit "Fade to grey" von Visage durch den Kopf
Dazu ein gefliester Boden aus alten Zeiten. Ein paar großformatige Farbtupfer an den Wänden hätten der Umgebung mit Sicherheit das Eintönige genommen. Naja, wem‘s gefällt. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.
Mittlerweile zieren zumindest ein paar Bambusmatten eine Wand im kleinen Gastraum, wie ich bei meinem letzten Besuch vor ein paar Tagen feststellen konnte. Neu sind die Sitzkissen und die bescheidene Wand-Deko
Aber zusammen mit den Hängeleuchten im Industrial-Look und dem freiliegenden Abzugs- bzw. Entlüftungsrohr, das sich von der Küche kommend seinen Weg entlang der Decke durch die Räumlichkeit bahnt, wirkt das Interieur immer noch etwas steril und ungemütlich. Wenig gemütliches Interieur
Das Speisenangebot steckte im Sommer noch etwas behelfsmäßig in abgegriffenen Klarsichthüllen, die notdürftig von einer Schnur zusammengehalten wurden. Mittlerweile hat diese – wahrscheinlich provisorische – Art der Unterbreitung des Speisenangebots jedoch ausgedient. Ein übersichtlich gestalteter DIN-A4-Flyer im Querformat kündet heuer vom bewusst kleingehaltenen, kulinarischen Programm des Lokals.
Das halbe Dutzend Vorspeisen (Kimchi, Yakitori, Edamame, Hähnchensalat mit Erdnussdressing) von unserer Einkehr im Sommer suchte ich darauf vergebens. Anscheinend hat man seitdem die Karte verkleinert. Die Teigtaschenauswahl – nach wie vor serviert man hier sechs verschiedene Dim-Sum-Varianten (entweder gedämpft oder gebraten) – war dieselbe geblieben.
Auch an den Ramen-Gerichten hatte sich nichts geändert. Die Karte listete ein halbes Dutzend Nudelsuppen, die sich mit diversen Toppings aufwerten ließen. Für Nudelfreunde gab es noch eine Handvoll verheißungsvoll klingender Schüsselgerichte. Auch diese ließen sich optional mit einem Topping (würziges Rindfleisch, Hähnchenbrust oder Tofu) aufpeppen.
Meine Frau entschied sich damals für eine Nudelsuppe auf Sojasoßen-Basis namens „Shoyu Ramen“ (7,90 Euro), die sie um dünn aufgeschnittenes, würziges Rindfleisch (5,90 Euro) erweiterte. Shoyu Ramen mit würzigem Rindfleisch (Topping)
Mein Vater wagte sich an die Black-Shrimp-Dumplings (9,90 Euro) aus dem Bambus-Dämpfkorb. Meine mit Hähnchenfleisch, Paprika und Ingwer gefüllten Gold-Chicken-Gyoza (9,90 Euro) brutzelten vorher kurz in der Pfanne.
Jede Portion dieser „Peking-Pelmeni“ bestand aus zehn Exemplaren, die sich schon farblich stark voneinander unterschieden. Die mit Garnelenfleisch, Taro-Yam-Paste, Bambussprossen und Hühnerfleisch gefüllten Shrimps-Taschen steckten in einer schwarzen Teighülle (Sepia, ick hör‘ dir tinten…). In der Karte verwies man auf den Einsatz „natürlicher Farben“ und den Verzicht auf „künstliche Zusätze“. Schwarze Garnelen-Dumplings (gedämpft)
Die Teile sahen übrigens nicht nur verboten gut aus, sie schmeckten auch unverschämt lecker. Saftig, garnelig und wunderbar aromatisch. Onkel Tom (Yum) grüßte mit milder Schärfe und frischer Säure. Galgant, Zitronengras, ein Hauch Chili und (wahrscheinlich) Fischsoße brachten die handgemachten Teiglinge geschmacklich auf Kurs. Mein Vater war derart begeistert, dass ihm nur schwer ein Garnelentäschchen zu entlocken war.
Aber auch meine mit gelber Teighülle durch die Pfanne geschleusten Kanton-Ravioli waren nicht von schlechten Hühnern. Gelbe Huhn-Dumplings (gebraten)
Unter „Gold Chicken“ versteht man im Osten unserer Republik wahrscheinlich etwas ganz anderes. Hier „broilerte“ das „geflügelte Gold“ nicht zuvor am Rotisserie-Grill, sondern versteckte sich zusammen mit Paprika, Ingwer und Chili in zehn gelben Nudeltaschen. Ein Schälchen Erdnuss-Sesam-Sauce zum Dippen befand sich ebenfalls auf dem Teller.
Kein Wunder, dass wir uns danach noch einen gemischten Satz davon nachbestellten. Selbst zusammengestellte Auswahl bunter Teigtaschen
Auch für gestandene „Dim-Sumonauten“ sei die nach eigenem Gusto zusammenstellbare Auswahl an Dampfbarkeiten (11,90 Euro) dringend empfohlen. Mit ihr lässt es sich nämlich prima durchs hiesige Teigtaschenrepertoire futtern. Ein Dampfgarkorb (voll) Buntes
Denn jede dieser kleinen Köstlichkeiten hat – neben der Teighüllenfarbe – ihr ganz eigenes, nach frischen Zutaten schmeckendes Aroma. So dominiert beispielsweise bei den mit Rindfleisch und Zwiebeln gefüllten Sakura-Beef-Dumplings ganz klar der Kollege Kreuzkümmel, während die Classic-Pork-Variante mit Shiitake-Pilzen und Chinakohl eher den bekannten Geschmacksbildern aus Fernost nacheifert.
Allzu gierige Dumplingvernichter sollten jedoch aufpassen. An der heißen Füllung der dem Dampf entstiegenen „Täschle“ verbrennt man sich gerne Zunge und Gaumen. Da heißt es entweder warten oder ein paar Soja-Nudeln mit Hähnchenbrust (12,90 Euro) parallel dazu genießen, so wie ich das bei meiner letzten Einkehr vor ein paar Tagen tat. Soja-Nudeln mit Hähnchenbrust-Topping
Auf die kleingeschnittene Salatgurke, die mir bei einem anderen Besuch meine süffig-pikante Schüssel mit gedämpften Wantan (Garnelen-Schweinefleischfüllung), Frühlings- und Röstzwiebeln sowie fermentiertem Senfkohl und Chili-Öl (13,90 Euro) regelrecht „vergurkte“, verzichtete ich dankend. Süffige Chili-Wantan mit frischen und knusprigen Beigaben
Und an das fermentierte, chinesische „Sauerkraut“ hat sich mein Gaumen mittlerweile ganz gut gewöhnt.
Wer also auf bunte Dampfgarerzeugnisse mit aromatisch-saftiger Füllung steht, es um sich herum aber nicht allzu bunt mag (Interieur!) und bei dem auch eine frisch gewokte Nudelschüssel (egal ob mit Suppe oder Soße – schmeckt alles hier verdammt gut!) absolut im kulinarischen Ra(h)men (sorry, der musste zum Schluss noch sein…) liegt, dem sei dieser Laden in der Karlsruher City wärmstens ans Herz gelegt.
Mich wird man hier in Zukunft wohl noch öfter sehen, denn diese Teigtaschen haben (auf mich) ein regelrechtes Suchtpotenzial. Und außerdem habe ich noch nicht alle Nudelschüsseln durchprobiert…
Dort wo einst Ilo („Ilo’s Kebab Haus“) seine Döner und Yufkas unters drehspießbürgerliche Volk brachte, geht es seit ungefähr einem halben Jahr wesentlich „gedämpfter“ zu. Zentral gelegen, direkt neben der Postgalerie hat in der Erbprinzenstraße im Mai dieses Jahres ein kleines, auf hausgemachte Dumplings und Nudelschüsseln spezialisiertes Asia-Restaurant eröffnet.
In den letzten Monaten verschlug es mich mehrfach in das kleine Lokal in der Karlsruher City. Der Erstbesuch fand Ende Juli im Rahmen eines Familienausflugs, zu dem sich auch mein Vater hinzugesellte,... mehr lesen
Mr. Dumpling & Noodle
Mr. Dumpling & Noodle€-€€€Restaurant, Lieferdienst, Take AwayErbprinzenstraße 35, 76133 Karlsruhe
4.0 stars -
"Ein kleines, aber feines Refugium für anspruchsvolle Teigtaschendiebe" GourmägglerDort wo einst Ilo („Ilo’s Kebab Haus“) seine Döner und Yufkas unters drehspießbürgerliche Volk brachte, geht es seit ungefähr einem halben Jahr wesentlich „gedämpfter“ zu. Zentral gelegen, direkt neben der Postgalerie hat in der Erbprinzenstraße im Mai dieses Jahres ein kleines, auf hausgemachte Dumplings und Nudelschüsseln spezialisiertes Asia-Restaurant eröffnet.
In den letzten Monaten verschlug es mich mehrfach in das kleine Lokal in der Karlsruher City. Der Erstbesuch fand Ende Juli im Rahmen eines Familienausflugs, zu dem sich auch mein Vater hinzugesellte,
Besucht am 29.07.2025Besuchszeit: Abendessen 3 Personen
Rechnungsbetrag: 53 EUR
Und nicht nur das. Auch die deftige Allgäuer Brauhausküche dieses traditionsreichen Hotel-Gasthofes im Zentrum des (Haupt-)Ortes Weiler des direkt an die Region Bregenzerwald (Österreich) angrenzenden Marktes Weiler-Simmerberg kann sich durchaus sehen bzw. schmecken lassen.
Im Sommer verbrachten wir in dieser schönen Ecke ein paar Tage bevor es weiter nach Österreich in Richtung Paznauntal ging. Am ersten Abend ging mein Plan, nach Oberreute zur Dorfwirtschaft Hirschen („Beim Fezzo“) zu fahren, leider nicht auf. Die Suche im Netz nach Alternativen entpuppte sich als gar nicht so einfach, hatten doch viele Restaurants dienstags geschlossen.
Das in der ehemaligen Königlich Bayerischen Posthalterei untergebrachte Braustüble der nicht nur bei Allgäuer Biertrinkern beliebten Post Brauerei war jedoch geöffnet und man hatte auch noch einen Tisch für uns frei. Nach einem kurzen Telefonat machten wir uns mit dem Auto vom etwas außerhalb gelegenen Gemeindeteil Obertrogen, wo wir eine gemütliche Ferienwohnung angemietet hatten, auf nach Weiler.
Schon von außen wirkte das altehrwürdige Stammhaus der Allgäuer Brauinstitution einladend. Gelb-blau gestreifte Fensterläden, bayerisches Karomuster in Blau-Weiß und ein historischer, aus groben Steinen gefertigter, zweiseitiger Treppenaufgang hießen uns farbenfroh und zünftig willkommen. Die Allgäuer Speis- und Trank-Institution von außen
Drinnen regierte bierselige bajuwarische Gemütlichkeit. Nostalgische Schwarz-Weiß-Fotografien an den Wänden und eine gut erhaltene Kassettendecke aus Holz erinnerten an die lange Tradition (seit 1650!) dieses ehrwürdigen Hauses. Kurzum: ein Ort, an dem das Wohlfühlen recht flott vonstattenging. Mit einem gepflegten „Hellen“ im Glas sogar noch flotter.
Schnell wurden wir mit der „Speisen- und Getränkezeitung der Post in Weiler“ – so nennt man hier die um Informationen rund ums Post-Bier (Brauereiführung, Brau- und Brunnenmuseum, Wissenswertes zum Brauverfahren, etc.) erweiterte Speisenkarte – versorgt.
Durstig von der langen Autofahrt (mit Zwischenstopp auf einem Ponyhof auf der Schwäbischen Alb), bestellten wir eine große Apfelschorle (0,5l für 3,90 Euro) für ein kleines Kind, ein alkoholfreies „Freibier“ aus der Flasche (0,33l für 3,30 Euro) für die Gattin und einen Schoppen naturtrübes Zwickel-Bier vom Fass (4,20 Euro) für meine Wenigkeit. Naturtrübes Zwickelbier, Hopfen und Malz - Gott erhalt's!
Das süffige, mild-hefige Gebräu schmeckte mir – siehe Titel dieser Rezension – ganz ausgezeichnet. Davon hätte ich problemlos noch die ein oder andere Halbe trinken können. Aber die Rückfahrt nach Obertrogen mit den beiden Mädels an Bord ließ es leider nicht zu. Schön, dass es dieses wohlgehopfte Trübbier auch beim „Fezzo“ in Oberreute am nächsten Abend gab.
Zuerst liebäugelte ich mit einem Burger von der Extrakarte, blieb dann aber doch beim Cordon Bleu nach Art des Hauses (19,90 Euro) hängen. Für das Töchterchen gab es hausgemachte Spätzle, die eigentlich Knöpfle waren, mit Rahmsauce (4,40 Euro). Die holde Gattin machte es ihr – der Apfel fiel nicht weit vom Stammtisch – fast nach und orderte eine Portion Allgäuer Kässpatzen mit Röstzwiebeln und einem kleinen Blattsalat (14,90 Euro).
Die sättigende Wirkung des Bieres in Betracht ziehend, verzichtete ich auf eine (feste) Vorspeise. Ich war gespannt, wie umfangreich die Hauptgerichte bemessen sein würden. Schließlich wähnte ich mich in einer zünftigen Donnerwetterkantine der geräumigen Portionen…
Die fielen dann aber doch nicht so überbordend aus wie anfänglich befürchtet. Zu meiner mit reichlich Käse und Kochschinken gefüllten Schnitzeltasche gesellten sich beherzt gewürzte Pommes frites, die sich empfindlich nahe an der gerade noch erträglichen Salzobergrenze bewegten. Cordon Bleu vom Schwein "mit allem"
Preiselbeermarmelade sowie Ketchup-Mayo nahmen – separat in kleinen Schälchen portioniert – einen nicht gerade kleinen Teil der Tellerfläche ein. Zitronenschnitz, Cocktailtomate und Sprossen frischten den gutbürgerlichen Fleischklassiker noch ein wenig auf. In Mannheim nennen sie sowas "Gordon Blue" - aber keiner weiß warum...
Die gleichmäßige Bräunung der krossen Bröselhülle deutete auf einen vorausgegangen Frittiervorgang hin. Getreu dem Motto: „Es muss nicht immer Pfanne sein!“ geriet der saftig gefüllte Fleischquader trotzdem tadellos, denn seine inneren Werte (guter Schinken, noch besserer Käse!) stimmten. Panierte Schweinstasche mit Käse-Schinken-Füllung
Ein Fleischteller ohne Tralala, der als ordentliche Hausmannskost durchging und natürlich auch richtig satt machte.
Während der Bewältigung meiner Cordon-Bleu-Aufgabe wurde um mich herum „gespätzelt“ was das Zeug hielt. Die Schwabenpasta, die sich unser Töchterchen „vorknöpfelte“, hatte man großzügig unter Rahmsauce gesetzt. Und die schien aus einer ehrlichen Jus geköchelt worden zu sein. Ihr grundanständiger Fleischgeschmack ließ zumindest darauf schließen. Heilg's Knöpfle (in Rahmsauce) - Kinderportion
Die Käsespätzle fielen geschmacklich leider weniger zupackend aus als erwartet. Die bekommt man ein paar Kilometer weiter südlich im Bregenzerwald deutlich würziger – und manchmal sogar noch in der traditionellen Holzschüssel (= Gebse) – serviert. Da fehlte anscheinend der geriebene, kräftige Rässkäse in der verwendeten Mischung. Allgäuer Röstzwiebeln an Käsespätzle...
Mit dem Gebrauch von Röstzwiebeln ging man im Post-Bräustüble etwas zu inflationär um. Da wäre weniger Zwiebeltopping mehr gewesen. Zumal die frittierten Knusperlocken dem ohnehin schon mächtigen Tellergericht noch zusätzliche Schwere verliehen. Da wären vielleicht die alternativ dazu angebotenen Schmorzwiebeln die etwas bessere Wahl gewesen.
Dafür kam der dazu gereichte Beilagensalat mit einem schmackigen Hausdressing auf die Platte und überzeugte mit knackiger Frische. Ordentlicher Beilagensalat
Ein kleiner Verdauungsspaziergang entlang der Hausbachklamm musste nach diesem opulenten Abendessen noch sein. Für Bierfreunde mit gutem Hunger ist die hier servierte Brauhausküche sicher genau das Richtige.
Schnörkellos und sättigend fielen die Portionen aus. Auch die Preise bewegten sich für das Gebotene absolut im Rahmen. Der Service agierte zugewandt und freundlich, wirkte aber infolge der hohen Auslastung zeitweise etwas überfordert bzw. war nicht allzu präsent.
Beim nächsten Trip nach Weiler, Scheidegg und Umgebung würde ich allein wegen dem leckeren Zwickelbier hier wieder einkehren. Zwei Bier ersetzen bekanntlich eine Mahlzeit. Und dann hat man ja noch nichts getrunken…
Und nicht nur das. Auch die deftige Allgäuer Brauhausküche dieses traditionsreichen Hotel-Gasthofes im Zentrum des (Haupt-)Ortes Weiler des direkt an die Region Bregenzerwald (Österreich) angrenzenden Marktes Weiler-Simmerberg kann sich durchaus sehen bzw. schmecken lassen.
Im Sommer verbrachten wir in dieser schönen Ecke ein paar Tage bevor es weiter nach Österreich in Richtung Paznauntal ging. Am ersten Abend ging mein Plan, nach Oberreute zur Dorfwirtschaft Hirschen („Beim Fezzo“) zu fahren, leider nicht auf. Die Suche im Netz nach Alternativen entpuppte sich als... mehr lesen
Gasthof Bräustüble im Hotel zur Post
Gasthof Bräustüble im Hotel zur Post €-€€€Brauhaus, Gasthof083871070Fridolin-Holzer-Straße 4, 88171 Weiler-Simmerberg
4.0 stars -
"Heilig’s Knöpfle, schmeckt das hausgebraute Zwickelbier hier gut!" GourmägglerUnd nicht nur das. Auch die deftige Allgäuer Brauhausküche dieses traditionsreichen Hotel-Gasthofes im Zentrum des (Haupt-)Ortes Weiler des direkt an die Region Bregenzerwald (Österreich) angrenzenden Marktes Weiler-Simmerberg kann sich durchaus sehen bzw. schmecken lassen.
Im Sommer verbrachten wir in dieser schönen Ecke ein paar Tage bevor es weiter nach Österreich in Richtung Paznauntal ging. Am ersten Abend ging mein Plan, nach Oberreute zur Dorfwirtschaft Hirschen („Beim Fezzo“) zu fahren, leider nicht auf. Die Suche im Netz nach Alternativen entpuppte sich als
Besucht am 31.07.2025Besuchszeit: Abendessen 3 Personen
Rechnungsbetrag: 86 EUR
Im Rahmen unseres diesjährigen Sommerurlaubs im Allgäu kehrten wir zweimal in der von Florian „Fezzo“ Merker seit Frühjahr 2021 betriebenen Dorfwirtschaft „Hirschen“ im Oberreuter Ortsteil Irsengrund ein. Die sehr guten Bewertungen und die appetitanregenden Futterfotos im Netz weckten Erwartungen.
Und wenn sich einer inmitten der Corona-Hochphase selbständig macht, dann sind diese bestimmt nicht ganz unberechtigt, zumal Chefkoch Florian Merker seine Version einer gutbürgerlichen Leibspeisenküche mit viel Leidenschaft und einer gehörigen Portion Idealismus lebt.
Ein gesundes Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten und einen Sinn fürs Geschäft hat der emsige Hirschen-Wirt noch dazu. So hat er aus seinem Spitznamen „Fezzo“ eine – zumindest in der Region – bekannte Marke gemacht. Dieser prangt auf zahlreichen Accessoires, die man vor Ort oder über die Webseite beziehen kann. Außenansicht 1
Neben dem in dieser Gegend (noch) obligatorischen Stammtisch für die Alteingesessenen bietet er für die ruhigen Kugelschieber eine Kegelbahn der alten Schule im Keller an. Sonntags werden in erster Linie Schmorbraten aufgetischt. Senioren ab 60 erhalten hier beim Mittagessen einen 10%-igen Bonus auf Speisen und Getränke. Und am Dienstagabend gibt es eine spezielle Burger-Karte. Außenansicht 2
Unser erster Urlaubstag im nicht weit entfernten Weiler-Simmerberg fiel auf einen Dienstag und ich versuchte für den Abend einen Tisch beim „Fezzo“ zu reservieren. Alles ausgebucht – am Burger-Dienstag schien der Laden so richtig zu brummen, wie man mir am Telefon verkündete. Na gut, dann habe ich eben für den darauffolgenden Abend einen Tisch für zwei Erwachsene und ein Kleinkind klargemacht.
Da gab es zwar keine Burger, dafür aber ein übersichtliches Standardprogramm mit gängigen Fleischklassikern, deftigen Vespereien und auch ein paar handfesten Tellern für hartgesottene Fleischverzichter. Im Grunde war da für jeden etwas dabei, weshalb uns die Wahl nicht gerade leichtfiel.
Unsere Kleine bekam eine kleine Extrakarte zum Ausmalen samt Buntstiften gebracht. Für 8,50 Euro konnte sie sich ihr „Kinder-Menü“ (Hauptgang und Dessert) selbst zusammenstellen. Auch eine kleine Kinderkochzeile stand den Kleinen im Flur als Spielecke zur Verfügung. Die kleine Kinderspielküche im Flur kam bei unserer Kleinen gut an
Die Servicekräfte schien das nicht im Geringsten zu stören. Ganz im Gegenteil, in Sachen Kinderfreundlichkeit agierte das „Fezzo-Team“ absolut vorbildlich.
Der wohlgehopfte Durstlöscher stammte aus der nahegelegenen Post Brauerei in Weiler, in deren Brauereigasthof wir am Abend zuvor eingekehrt waren und an deren traditionellem „Post-Edel“ ich mich gütlich tat. Die 4,20 Euro für den halben Liter dieser mild-würzigen Bierspezialität waren jedenfalls hervorragend angelegt. Post Edel - tolles Helles aus der Nachbarschaft
Noch etwas süffiger fiel übrigens das naturtrübe „Zwickel-Bier“ (auch von der Post Brauerei) am darauffolgenden Abend aus. Mein Allgäuer Lieblingsbier (gleich nach Zötler)
Davon wären – bei entsprechendem Durst – sicher noch ein paar Schoppen mehr „drin“ gewesen. Aber die kurvenreiche Landstraße nach Obertrogen (Gemeindeteil von Weiler-Simmerberg) wartete im Anschluss an das Abendessen auf einen sicheren Heimfahrer. („Lass das mal den Papa machen, der Papa macht das juut…“)
Die Reservierung für den Folgebesuch einen Abend später erledigten wir übrigens noch am selbigen. In einer sehr gutbürgerlichen Einkehradresse wie dieser wird man schließlich gern zum Wiederholungstäter.
Während sich meine Frau an einer Salatplatte mit gebackenem Bergkäse und Baguette (18,90 Euro) gütlich tat, ließ ich mir den Zwiebelrostbraten mit Käsespätzle (29,90 Euro) mal so richtig schmecken. Vorweg bedurfte es lediglich einer kleinen, vegetabilen Einstimmung, was mir einen schmackig angemachten Beilagensalat (6,50 Euro) einbrachte. Kleiner Beilagensalat
Unserer Kleinen war auch nach „Kässpatzen“ zumute. Ging klar, denn diese wurden auch als Kinderportion angeboten. Käsespätzle (Kinderportion)
Aber was war das? Unter meinen von leckerer Salattunke benetzten Blättern schlummerte neben den üblichen Rohköstlichkeiten (alles selbst geraspelt!) ein Häufchen Kartoffelsalat der allerbesten Sorte. So ähnlich hatte ihn früher auch meine Mutti gemacht. Ohne Mayo – dafür mit einer schönen Essignote.
Da fiel mir die Entscheidung am nächsten Abend leicht: da der Kartoffelsalat nur als Beilage zum Schnitzel „Wiener Art“ serviert wurde, kam ich quasi nicht umhin, mich dem schweinernen Panierstück anzunehmen. Genauer gesagt waren es zwei…
Doch zurück zu meiner unter einer dichten Röstzwiebelfrisur lauernden Tranche aus dem Rinderrücken. Die wurde im gewünschten Gargrad „medium rare“ geliefert und von einer kräftigen Jus umspült. Ein Rostbraten wie aus dem Bilderbuch für deftige Wiener Fleischgerichte. Zwiebelrostbraten in Vollendung
Flankiert von schlotzig-cremigen Spätzle (eigentlich waren es Knöpfle…), die keine Sättigung scheuten, war das ein astreiner Wohlfühlteller für einen ausgehungerten Karnivoren. Käsespätzle (Beilage zum Zwiebelrostbraten)
Keine Ahnung, wie mir das gastrale Kunststück gelang, danach noch drei im Bierteig ausgebackene, mit Zimt und Zucker bestreute Apfelküchle mit Vanilleeis und Sahne (11,50 Euro) zu verdrücken. Aber ich glaube, mir wurde geholfen… Apfelküchle für den Papa
Dass meiner Frau der gebackene Bergkäse schmeckte, war von vornherein klar. Den genießen wir in unserer österreichischen „Zweitheimat“, dem Bregenzerwald, am liebsten in gut gereiftem Zustand. Als gebackener Vertreter seiner Art (Greek-Style) machte er sich aber auch ganz prima, wie mir ein Häppchen zum Probieren bestätigte. Salatteller mit gebackenem Bergkäse (Saganaki-Style)
Auch das Töchterchen genoss ihre Käsespätzle und freute sich bereits nach halb gelöstem „Spätzial-Auftrag“ auf ein kugelförmiges Eiserlebnis aus Milch und Schokolade zum Nachtisch. Schoko-Eis fürs Töchterchen
Dem wurde – wie sich das im Urlaub so gehört – von elterlicher Seite stattgegeben. Die verbliebenen Teigwaren fanden bald eine Abnehmerin.
Am nächsten Abend löffelte ich eine herzhafte Rindersuppe mit Pfannkuchenstreifen aus dem Einweckglas (5,90 Euro). In der heißen Brühe tummelten sich jede Menge fluffiger Flädle. Ach, solche klaren Terrinen können bei entsprechender Einlage schon eine Wohltat sein. So muss Flädlesupp!
Dann widmete ich mich – von der Flädlesuppe bereits leicht angesättigt – den kross der Pfanne enthobenen Panadebeispielen aus dem flach geklopften Schweinerücken (17,90 Euro). Die beiden anständig gewürzten Musterexemplare lagen heiß und knusprig auf einem gar nicht so kleinen Kartoffelsalathügel, dessen fein austarierte Essigsäure genau die richtige Balance zwischen Würze und Frische fand. 1A-Kartoffelsalat mit Schnitzelhaube
Er schmeckte einfach „fezzomenal“ – wie damals bei Muttern – und weckte somit ein paar schöne, kulinarische Erinnerungen. Wenn ein Essen das schafft, kann man den Koch eigentlich gar nicht genug dafür loben… Mit ordentlich Hunger auf der Oberreuter Paniermeile...
Auch meine Gattin hatte mit ihrem Gemüsebratling, der sich unter einem gratinierten Ziegenkäse versteckte, nichts falsch gemacht. Zumal ihr auch das auf Knack sautierte, mit reichlich Rucola garnierte Pestogemüse (Zucchini, Paprika, rote Zwiebel, Champignons) zusagte. Gemüsebratling mit gratiniertem Ziegenkäse an sommerlichem Pestogemüse
Selbst das Mango-Chutney schien ihren aus frischen Produkten zubereiteten Veggie-Teller nicht zu schmälern, sondern passte ausgesprochen gut zur Bratling-Käse-Kombi, die mit stolzen 17,90 Euro zu Buche schlug.
Generell sind beim „Fezzo“ die Preise etwas höher als im gemeinen Allgäuer Landgasthof um die Ecke. Dafür bekommt man aber auch wirklich erstklassige, mit Liebe zum Detail gekochte Hausmannskost aus qualitativ guten Zutaten aufgetischt. Und dass gute Produkte ein paar Euro mehr kosten, ist nun wirklich keine Überraschung mehr.
Der Service agierte flink und zugewandt. Man merkte den Bedienungen an, dass sie mit Herzblut bei der Sache sind. Das Interieur präsentierte sich – typisch Wirtshaus – rustikal und bodenständig. Rustikal-gemütliches Ambiente
Genau wie die Küche von Florian „Fezzo“ Merker. Eine Dorfwirtschaft zum Wohlfühlen mit hölzerner Einrichtung und einem etwas in die Jahre gekommenen Parkettboden, der bestimmt schon so einiges erlebt hat. Typisch Wirtshaus!
Sollte es uns mal wieder in den bayerischen Teil des Westallgäus verschlagen – und das wird es mit Sicherheit, da es hier meiner Frau schon allein aus familiären Gründen (ihr Opa stammte von hier!) besonders gut gefällt – dann steht einer erneuten Einkehr beim „Fezzo“ nichts im Wege. Dann auch gern an einem Dienstagabend bei Smoky-Deluxe- oder Chili-Cheese-Burger.
Im Rahmen unseres diesjährigen Sommerurlaubs im Allgäu kehrten wir zweimal in der von Florian „Fezzo“ Merker seit Frühjahr 2021 betriebenen Dorfwirtschaft „Hirschen“ im Oberreuter Ortsteil Irsengrund ein. Die sehr guten Bewertungen und die appetitanregenden Futterfotos im Netz weckten Erwartungen.
Und wenn sich einer inmitten der Corona-Hochphase selbständig macht, dann sind diese bestimmt nicht ganz unberechtigt, zumal Chefkoch Florian Merker seine Version einer gutbürgerlichen Leibspeisenküche mit viel Leidenschaft und einer gehörigen Portion Idealismus lebt.
Ein gesundes Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten und einen... mehr lesen
Dorfwirtschaft HIRSCHEN beim FEZZO
Dorfwirtschaft HIRSCHEN beim FEZZO€-€€€Biergarten, Gasthof+49 8387 3920126Irsengund 15, 88179 Oberreute
4.5 stars -
"Let’s FEZZO! Oder: so geht Dorfwirtschaft reloaded" GourmägglerIm Rahmen unseres diesjährigen Sommerurlaubs im Allgäu kehrten wir zweimal in der von Florian „Fezzo“ Merker seit Frühjahr 2021 betriebenen Dorfwirtschaft „Hirschen“ im Oberreuter Ortsteil Irsengrund ein. Die sehr guten Bewertungen und die appetitanregenden Futterfotos im Netz weckten Erwartungen.
Und wenn sich einer inmitten der Corona-Hochphase selbständig macht, dann sind diese bestimmt nicht ganz unberechtigt, zumal Chefkoch Florian Merker seine Version einer gutbürgerlichen Leibspeisenküche mit viel Leidenschaft und einer gehörigen Portion Idealismus lebt.
Ein gesundes Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten und einen
Wenn Sie unsere Webseiten besuchen, kann Ihre Systemsoftware Informationen in Form von Cookies oder anderen Technologien von uns und unseren Partnern abrufen oder speichern, um z.B. die gewünschte Funktion der Website zu gewährleisten.
Datenschutz-Einstellungen
Hier können Sie festlegen, wie wir Ihre Daten verwenden dürfen. Bitte beachten Sie, dass auf Basis Ihrer Einstellungen womöglich nicht mehr alle Funktionen zur Verfügung stehen.
Unbedingt erforderliche Technologien
Um Sicherheit gewährleisten, Missbrauch verhindern und Inhalte und Anzeigen technisch sowie unsere Services wie von Ihnen gewünscht bereitstellen zu können, sind folgende Technologien erforderlich.
Produkte oder Inhalte technisch bereitstellen
z.B. Session für Warenkorb, Favoriten, letzte Bestellungen ...
Google Maps
z.B. Integration von Google Maps Standorten über iFrame- / Javascript Technologie im internen Bereich an erforderlichen Stellen.
Google Anzeigen
z.B. die kostenlose Nutzung unserer Website ist nur mit Google Adsense Werbeanzeigen möglich.
Performance Cookies
Mithilfe dieser Cookies können wir Besuche und Traffic-Quellen zählen, damit wir die Leistung unserer Website messen und verbessern können. Sie geben uns Aufschluss darüber, welche Seiten beliebt und weniger beliebt sind und wie sich Besucher auf der Website bewegen.
Google Analytics
z.B. Erfassung der Seitenaufrufe, Verweildauer usw.
Google Tag Manager
z.B. Erfassen von Events (Warenkorb, Bestellprozess, Aktionen usw.)
Facebook Pixel
z.B. Erfassen von Events (Warenkorb, Bestellprozess, Aktionen usw.)
Multimediale Cookies
Diese Cookies ermöglichen es uns, die Funktionalität und individuelle Gestaltung zu verbessern, beispielsweise von integrierten Videos und virtuellen 360° Rundgängen. Ohne diese Cookies können einige oder alle dieser Funktionen nicht ordnungsgemäß funktionieren.
Youtube Videos
z.B. Integration von Youtube Videos über iFrame Technologie.
Google Maps
z.B. Integration von Google Maps Standorten über iFrame- / Javascript Technologie.
Google Maps 360° Rundgänge
z.B. Integration von Google Maps 360° Rundgängen per Javascript
Marketing Cookies
Diese Cookies ermöglichen es uns, auf die Benutzerinteressen abgestimmte Werbung einzublenden.
Die Rede ist von der „Alten Schmiede“, die seit 1982 von der Familie Schwarz geführt wird. Mittlerweile hat hier der Sohn Christian Schwarz das Sagen. Seine Eltern Ursula und Erwin helfen aber immer noch gerne mit. Egal, ob im Service oder in der Küche.
Fleischesser aus der Umgebung (aber auch aus dem Badischen) schätzen die urige Dorfwirtschaft aufgrund ihrer „ordentlichen Portionen“ bei den Rumpsteaks und Schnitzelvariationen. Aber auch die Käsespätzle sollen hier angeblich besonders gut schmecken. Meine letzte Einkehr lag mindestens 20 Jahre zurück. An das Verzehrte von damals konnte ich mich jedoch beim besten Willen nicht mehr erinnern.
An Allerheiligen, das in diesem Jahr auf einen Samstag fiel, gähnte mich der heimische Kühlschrank frugal von der Seite an. Gattin und Töchterchen waren zu müde, um noch einen abendlichen Restaurantbesuch in Betracht zu ziehen. Da rief ich spontan in der „Alten Schmiede“ an und machte mich allein auf den Weg nach Berg.
Ich parkte direkt vor dem Haus, das von außen wie ein etwas zu groß geratenes Wohnhaus wirkt. Drinnen war im Hauptgastraum einiges los. Man platzierte mich im Nebenzimmer, das auch keinen ungemütlichen Eindruck machte.
Der Terracotta-Fliesenboden aus der guten alten Zeit störte nicht weiter. Die einfachen Holztische waren in crèmefarbenes Leinen gehüllt.
Ein nostalgischer Kachelofen grüßte stumm von Gegenüber. Ein alter Amboss wies auf die damalige Nutzung der Räumlichkeiten hin.
Ein auf sympathische Art antiquiert anmutendes Ambiente, in dem ich rückblickend durchaus auch meine Erstkommunion oder meine Firmung hätte feiern können.
Die Chefin, Frau Ursula Schwarz, versorgte mich zeitnah mit der Speisenkarte, auf deren ersten Seite mit Kürbissuppe, Sauerbraten, Putengeschnetzeltem an Gorgonzolasauce und Hirschbraten in Pfifferlingrahmsauce und handgeschabten Spätzle eine kleine Auswahl an Empfehlungen gelistet war.
Bei den Schnecken in Knoblauchsauce huldigte man der Nähe zum Elsass. Die Brühe mit Markklößchen klang dagegen wie nach längst vergessener, gutbürgerlicher Supp-Kultur. Das Rumpsteak gab es in drei Varianten (mit Zwiebeln, mit Kräuterbutter oder in Knoblauchsauce). Das Schweinefilet badete entweder in Pfefferrahmsauce oder wurde als „Williams“ mit Birne und Cambozola-Blauschimmelkäse überbacken angeboten.
Schnitzel vom Schwein, Geschnetzeltes vom Schwein und Rind sowie ein in Ei gebackenes Zanderfilet komplettierten das nicht übermäßig große Angebot an deftigen Gutbürgerlichkeiten. Ach so, fast hätte ich es vergessen. Die Tiroler Käsespätzle – wir sind ja schließlich in Berg! (Kalauer…) – wurden hier mit Speck annonciert.
Ein Teil der zuvor georderten Flasche Peterstaler Mineralwasser (0,75l) blubberte bald für faire 3,90 Euro in meinem Glas. Die anderen Getränkepreise waren genauso gastfreundlich kalkuliert. Der halbe Liter Bellheimer Lord-Pils belief sich auf 4,20 Euro, eine große Apfelsaftschorle (0,5l) war für nachvollziehbare 3,90 Euro zu haben.
Auch die Preise fürs Essen waren keinesfalls unverschämt oder überzogen. Ganz im Gegenteil, hier bekommt man sein Rumpsteak mit Pommes- oder Krokettenbeilage noch für rund 25 Euro serviert. Das Jägerschnitzel mit Kroketten ist sogar schon für schmale 14 Euro zu haben. Und die Qualität scheint ja zu stimmen, sonst würde sich dieses Lokal nicht schon so lange halten.
Als Freund orangefarbener Herbstgewächse, kam mir das unter einem ordentlichen Schuss Sahne versteckte Kürbissüppchen (4,50 Euro) gerade Recht.
Da wäre zwar etwas weniger Sprührahm mehr gewesen, aber die mit Kürbiskernöl und Kürbiskernen verfeinerte Terrine ließ sich ganz gut weglöffeln. Ein wärmendes, durchaus anständiges Süppchen, das ich mir da vorweg eingebrockt hatte. Zusammen mit ein wenig Baguette genossen, hielt es den ersten Hunger gut in Schach.
Weiter ging es mit dem in Pfifferlingrahmsauce schwimmenden Hirschbraten (21,30 Euro), dem man eine erkleckliche Spätzle-Portion vom Brett an die Seite geschabt hatte.
Die fluffigen Teigwaren aus Eiern und Mehl fanden in der Rahmsauce ihren ädaquaten Partner. Schade nur, dass es sich bei den Pfifferlingen nicht um frische Exemplare handelte. Die kamen definitiv aus dem Glas, weshalb ihnen jeglicher Biss fehlte. Diese schwammige Konsistenz mag ich bei Pilzen generell nicht.
Das lange geschmorte Fleisch vom heimischen Geweihträger geriet dagegen tadellos und hatte eine angenehme, nicht allzu zarte Textur. Auch von der Menge her passte dieser solide aufs Porzellan gebrachte Hubertusteller. Auf ein Dessert verzichtete ich genauso wie auf einen kräftigen Rotwein.
Den würde ich aber beim nächsten Besuch – dann aber mit der Familie, denn beide Damen können zu guten Spätzle nicht nein sagen – zu einem medium rare gebratenen Rumpsteak mit Kräuterbutter durchaus in Erwägung ziehen.
Für Fleischfreunde und Spätzle-Spezis ist die „Alte Schmiede“ in Berg zweifellos eine Empfehlung. An robuster Hausmannskost in bodenständig-rustikaler Umgebung ist schließlich nichts auszusetzen. Und bei den dafür aufgerufenen Preisen übrigens auch nicht. Ein Besuch im Sommer mit dem Rad ist schon in Planung.