Geschrieben am 08.08.2026 2026-08-08| Aktualisiert am
08.08.2026
Besucht am 06.02.2026Besuchszeit: Mittagessen 1 Personen
Rechnungsbetrag: 33 EUR
Lange schon hatte ich die in der Karlsruher Waldstraße seit Mitte Dezember 2019 beheimatete Min Ramen Bar auf meiner kulinarischen Agenda. Das von der Inhaberin Hong Minh Nguy geführte, auf Nudelsuppen, Bowls und Asia-Tapas spezialisierte Lokal scheint prächtig zu laufen. Inzwischen betreibt das Team auch Filialen in Heidelberg und Mannheim.
Aufgrund seiner Beliebtheit schlugen gleich mehrere Versuche fehl, dort spontan einen Tisch zu bekommen. Anfang Februar hatte ich dann endlich Glück. Angeheizt vom brühwarmen Bremer Nudelsuppen-Erlebnis im „Tampopo“ ein paar Wochen zuvor, gelüstete es mich an einem Freitagmittag zur besten Lunch-Time nach japanischem Seelenfutter aus der Schlürfschüssel.
Ein kurzer Anruf sicherte mir doch tatsächlich einen Platz in dem von außen eher unscheinbar wirkenden Ramen-Restaurant. Von außen eher unscheinbar
Ehrlich gesagt bin ich zunächst daran vorbeigelaufen und Google schickte mich wieder retour. Wer nicht gezielt nach dem Laden sucht oder bereits weiß, wo es sich befindet, dem wird es wahrscheinlich ähnlich gehen.
Drinnen erwartete mich eine lebendige, angenehm pulsierende Atmosphäre, die ein völlig anderes Bild (im Vergleich zur äußeren Erscheinung) bot. Hier herrschte Leben, was jedoch nicht (allzu sehr) auf Kosten der Gemütlichkeit ging. Lebendiges, aber nicht unangenehmes Ambiente
Die teilweise im unverputzten Stil verkleideten Wände, die eher sparsame Beleuchtung, der abgenutzt wirkende, helle Holzboden und die rustikalen Holzbalken an der Decke (aber auch als raumtrennende Elemente) schufen eine entspannte Atmosphäre, die lediglich von den dicht nebeneinander platzierten Bistro-Tischen etwas „eingeengt“ wurde.
Von meinem Platz an der Wand hatte ich einen guten Blick in den Gastraum bzw. auf sein munteres Innenleben. Was die Leute links und rechts neben mir sprachen und aßen, bekam ich quasi „on top“ dazu geliefert. Kann ja auch manchmal ganz interessant sein…
Auch an jenem Freitagmittag war die Min Ramen Bar wirklich gut frequentiert und die beiden jungen Servicekräfte hatten alle Hände voll zu tun. Manchmal dauerte es ein wenig bis sie den Weg an meinen Tisch fanden, aber in Anbetracht der Auslastung ging das voll in Ordnung. Im Gespräch gab man sich zugewandt und hilfsbereit. Auf den persönlichen Schärfegeschmack wurde bei der Auswahl der Speisen gerne eingegangen.
Ich orderte ein Fläschchen Mineralwasser der Marke Peterstaler (0,5l für 4,90 Euro) für den Durst und durchstöberte in aller Ruhe das nicht überfordernde Speisenprogramm. Die Seite mit den in den Größen M („medium“) und L („large“) angebotenen Nudelsuppen auf Miso-, Shoyu- und Tonkotsu-Basis ließ ich links liegen und entschied mich für die Tantanmen Ramen in der Größe „M“ mit Tempura-Garnele (14,50 Euro).
Dabei handelt es sich sozusagen um die Antwort Japans auf die chinesischen Dan-Dan-Nudeln. Auf eine cremig-würzige Sesam-Brühe mit angebratenem Hühnerhack, Chili-Öl, Pakchoi und dem charakteristischen Szechuan-Schärfekick hatte ich so richtig Lust. Und gegen ein knuspriges „Add-on“ (Tempura-Garnele) hatte ich auch nichts einzuwenden.
Vorweg durfte es ruhig ein wenig „kara-agierter“ zur Sache gehen. Sechs doppelt frittierte, knusprige Hähnchenstücke mit japanischer Mayo und Wakame („Chicken Kara-age“, 6 Euro) bestimmten zusammen mit zwei Süßkartoffelkroketten (5 Euro) das gar nicht mal so fettig ausfallende Vorspeisenprogramm. Samtig-krosse Süßkartoffelkroketten
Die beiden Kleingerichte wurden zusammen serviert. Kross frittiertes Fingerfutter, das mir den grauen Februar-Freitag erhellte. Die milden, leicht süßlichen Kroketten bildeten dabei einen schönen Gegenpol zu den herzhaft knusprigen Hähnchen-Nuggets, deren Panierung eine angenehme Textur hatte und die mit saftigem Fleisch punkteten. Chicken Kara-age für Freunde des Fingerfutterns
Am Nebentisch ließ man sich die Takoyaki (Oktopusbällchen) schmecken. Die sahen auch klasse aus und sind für den nächsten Besuch bereits vorgemerkt.
Gut, dass ich die Nudelsuppe in der kleineren Größe geordert hatte, denn meine beiden Appetizer aus der Fritteuse entließen mich gut vorgesättigt in Richtung Hauptspeise. Tantanmen-Ramen mit Knuspergarnele
Wie schrieb einst mein leider auf diesem Portal verstummter Vor-Rezensent aus dem nördlichen Schwarzwald über seine Kara Miso Ramen: „Die Schärfe war auf den Punkt, der Magen wurde angenehm gewärmt, ohne dass die Nase über Gebühr tropfte…“.
Ähnlich erging es auch mir. Die Brühe wärmte von Innen, während knackiger Pakchoi, frische Frühlingszwiebel, scharf gewürztes Hühnerhack und noch leicht bissfeste Nudeln um die Gunst ihres „Schlürf-Verweigerers“ buhlten. Aromatischer Winterwärmer
Gerösteter Sesam und Chili-Öl steuerten nussig-milde und leicht feurige Akzente bei. Ich löffelte hemmungslos aus dem Trüben. Die à Part gelieferte Garnele in Knusperhülle stippte ich in eine gut abgeschmeckte Wasabi-Mayo und war dankbar über die geschmackliche und texturelle Abwechslung.
An die aromatische Würze der Tantanmen-Brühe könnte ich mich glatt gewöhnen. Sie bildete die Basis für eine vollmundige Nudelsuppe, deren herzhaft-cremige Grundstruktur die frischen und scharfen Einlagen zu einem harmonischen Geschmacksbild zusammenfügte. Gut auch, dass die eher neutralen Nudeln das kräftige Umami der Brühe etwas abmilderten. Asia-Pasta in trüber Glücksbrühe
Ich war zwar noch nie in Japan, aber anscheinend soll es in der Min Ramen Bar ziemlich authentisch zugehen (wenn man den Worten eines kulinarischen Japan-Kenners auf einem anderen Portal Glauben schenken darf). Die Kombination aus lebendiger Atmosphäre und winterlichem Suppenglück hat mir jedenfalls sehr gut gefallen.
Auch der stets freundliche, sympathisch agierende Service gehört zu den großen Pluspunkten dieses beliebten Asia-Lokals. Und nicht zuletzt die hier in die Schüssel gebrachte Ramen-Qualität, die das Restaurant zu etwas Besonderem macht. Die formidablen Nudelsuppen stellen hier zweifellos das kulinarische Aushängeschild dar und erklären die vielen positiven Rückmeldungen im Netz.
Wer also mal in Karlsruhe auf der Suche nach einer glücklich machenden Ramen-Suppe ist, der sollte (nicht wie ich) an der unscheinbaren Min Ramen Bar vorbeigehen, sondern unbedingt hineingehen! Ohne Reservierung wird es allerdings schwer, einen der begehrten Plätze zu ergattern.
Lange schon hatte ich die in der Karlsruher Waldstraße seit Mitte Dezember 2019 beheimatete Min Ramen Bar auf meiner kulinarischen Agenda. Das von der Inhaberin Hong Minh Nguy geführte, auf Nudelsuppen, Bowls und Asia-Tapas spezialisierte Lokal scheint prächtig zu laufen. Inzwischen betreibt das Team auch Filialen in Heidelberg und Mannheim.
Aufgrund seiner Beliebtheit schlugen gleich mehrere Versuche fehl, dort spontan einen Tisch zu bekommen. Anfang Februar hatte ich dann endlich Glück. Angeheizt vom brühwarmen Bremer Nudelsuppen-Erlebnis im „Tampopo“ ein paar... mehr lesen
Min Ramen Bar
Min Ramen Bar€-€€€Restaurant0721 14597578Waldstraße 19, 76133 Karlsruhe
4.0 stars -
"Fernköstliches Ramenprogramm mit freundlichen Grüßen aus der Fritteuse" GourmägglerLange schon hatte ich die in der Karlsruher Waldstraße seit Mitte Dezember 2019 beheimatete Min Ramen Bar auf meiner kulinarischen Agenda. Das von der Inhaberin Hong Minh Nguy geführte, auf Nudelsuppen, Bowls und Asia-Tapas spezialisierte Lokal scheint prächtig zu laufen. Inzwischen betreibt das Team auch Filialen in Heidelberg und Mannheim.
Aufgrund seiner Beliebtheit schlugen gleich mehrere Versuche fehl, dort spontan einen Tisch zu bekommen. Anfang Februar hatte ich dann endlich Glück. Angeheizt vom brühwarmen Bremer Nudelsuppen-Erlebnis im „Tampopo“ ein paar
Geschrieben am 15.08.2026 2026-08-15| Aktualisiert am
16.08.2026
Besucht am 29.01.2026Besuchszeit: Abendessen 3 Personen
Rechnungsbetrag: 227 EUR
Unser Wörther Gaumenquintett kam aufgrund unterschiedlichster terminlicher Zwänge für längere Zeit nicht mehr auf einen gemeinsamen Nenner. Da fuhren wir an einem Donnerstagabend Ende Januar eben nur zu dritt nach Kandel, wo im Restaurant des Hotels „Zum Riesen“ ein reservierter Tisch auf uns wartete.
Küchenchef Andreas Wenz wird mittlerweile am Herd von seinem Sohn Robin tatkräftig unterstützt, was das Niveau der gehobenen, mit reichlich internationalen Einflüssen gesegneten Regionalküche meiner Meinung nach sogar noch etwas nach oben geschraubt hat.
Um es vorweg zu nehmen: es war ein besonders genussvoller Abend, den wir in dem geradlinig-modern eingerichteten Gastraum der Familie Wenz erleben durften und die knapp 230 Euro, die am Ende auf der Gesamtrechnung standen, waren mehr als gerechtfertigt.
Dass man in Kandels kulinarischer Vorzeigeadresse ein paar Tage im Voraus reservieren sollte, ist wenig überraschend. Die wenigen Tische sind in Anbetracht der hier für gutes Geld kredenzten Kreationen auch unter der Woche schnell ausgebucht. Man hat sich in den letzten Jahren einen guten Namen erkocht, was der hohe Gästezuspruch (auch aus der Region!) eindrucksvoll unter Beweis stellt.
Wir stellten das Auto nur ein paar Schritte entfernt auf dem hoteleigenen Parkplatz ab, überquerten die Kandeler Hauptstraße und wurden vom gut aufgelegten Serviceleiter Tilo Schiefer, der auch an diesem Abend seinen Job mit der richtigen Mischung aus kompetenter Beratung, zugewandter Freundlichkeit und humorvoller Kommunikation am Tisch mit Bravour erledigte, auf sympathische Weise in Empfang genommen.
Man platzierte uns gleich rechts am ersten Tisch in dem rund 40 Personen Platz bietenden Gastraum, dessen Inneres ein gediegen-zeitgemäßes Flair ausstrahlt. Genügend Platz zwischen den Tischen, komfortable Sitzgelegenheiten, mit dem richtigen Gespür ausgesuchte, dezente Deko, ein paar großformatige Farbakzente an den Wänden und geschickt ausgewählte, raumtrennende Elemente sorgten für eine sehr angenehme Umgebung. Hinsetzen, zurücklehnen und wohlfühlen – genauso hatten wir uns das vorgestellt.
Mit einem fruchtigen Aperol-Spritz (8,50 Euro), einem aromatischen Pernod (6,50 Euro) und einem gut gekühlten Tannenzäpfle Pils aus der Flasche (0,33l für 4 Euro) gelang der flüssige Aufgalopp nach Maß. Die Flasche Bad Camberger Taunusquelle (0,75l für 6,50 Euro) zur inneren „Verdünnung“ durfte da selbstverständlich nicht fehlen.
Beim Studieren des angenehm überschaubaren, aber dennoch äußerst abwechslungsreichen Speisezettels – vier Vorspeisen und 3 Hauptgerichte hielt man à la Carte parat – blieb ich bei dem in drei, vier, fünf oder sechs Gängen angebotenen „Extrazeit-Menü“ für den etwas anspruchsvolleren Gaumen hängen.
Ich buchte vier Gänge (85 Euro), um später nach dem 3.Gang das Dessert höflichst abzubestellen, da es einfach nicht mehr reinpasste. Dass man deshalb (ohne es zu erwähnen) einfach 10 Euro vom Menü-Preis subtrahierte, spricht auch für die gastfreundliche Attitüde der Familie Wenz.
Einer der beiden Kollegen wagte sich in einem Anflug kulinarischer Neugierde (und er ist wahrlich kein Fleischverzichter!) an das in drei Gängen servierte, vegane Menü (49 Euro), während es der Dritte im Bunde zunächst mit einem winterlichen Blattsalat mit gebackenem Ziegenkäse, gerösteten Nüssen und Trockenfrüchten (19 Euro) aufnahm, um dann mit dem Rumpsteak vom Angusrind mit Trüffelbutter, Marktgemüse und Kartoffelgratin (36 Euro) genüsslich einen Gang höher zu schalten.
Mit einem unglaublich schmackigen Gruß aus der Küche löffelten wir freudig dem ersten Gang entgegen. Amuse Bouche mit ganz viel Schmackes!
Die kleine Umami-Bombe aus köstlich abgeschmecktem Kalbsragout, das von getrüffeltem Kartoffelschaum und etwas Parmesancrumble getoppt wurde, schlug mit reichlich „Überschmeck“ ein. Papillenanregendes Soulfood, das ganz ausgezeichnet in die kalte Jahreszeit passte. Davon hätte nicht nur ich ein weiteres Gläschen mit Freude ausgelöffelt. Aber es ging ja erst los…
In meinem Fall mit einer intensiv nach Krustentier schmeckenden Hummerbisque, deren unglaublich dichtes Aroma mir sofort in die Nase stieg. Das leicht aufgeschäumte, aus Karkassen gezogene Süppchen beamte mich bereits beim ersten Löffel gedanklich an den Vieux Port von Marseille. Feines Krustentierkonzentrat
Die kleine, darin schwimmende Zugabe, eine Jakobsmuschel von ordentlicher Größe, veredelte die mit etwas Orangenkaramell verfeinerte, jodig-süßliche Meeresterrine. Ein perfekt abgeschmeckter, maritimer Einstieg, der ein erstes kulinarisches Ausrufezeichen setzte und mich glücklich in Richtung Wolfsbarsch entließ.
Auch der auf veganer Entdeckungsreise befindliche Kollege durfte sich an einem aromatischen Süppchen erfreuen. Kürbiscrème trifft Falafel
Zu seiner mit Kokosmilch verfeinerten Crèmesuppe vom Butternutkürbis hatten sich zwei ganz famose Blumenkohl-Falafel-Bällchen hinzugesellt. Der Teilzeit-Veganer zeigte sich von seiner asiatisch angehauchten Löffelspeise sichtlich begeistert.
Der einzige à-la-Carte-Esser am Tisch verputzte derweil munter sein in eine essbare Salatschale gestecktes Blattgrün, das nicht nur sehr schmackhaft angemacht war, sondern auch mit karamellisierten Nüssen, roten Zwiebeln, Cherry-Tomaten und Popcorn texturell einiges an Abwechslung bot. Auch am gebackenen, mit Datteln belegten Ziegenkäse gab es nichts zu meckern. Starker Auftakt in Grün
Nach einer kleinen Verschnaufpause – die einzelnen Gänge wurden in einem sehr angenehmen Zeitrahmen mit wohldosierten „Breaks“ serviert – ging es zumindest bei den beiden Menü-Essern zur nächsten Gaumen-Etappe. Während sich mein Kollege an einem bunten Salatteller mit gerösteten Nüssen und Trockenfrüchten erfrischte, Buntes Blattwerk hübsch inszeniert
ging es bei mir mit Ikejime-Wolfsbarsch auf Safran-Graupen-Risotto weiter.
Der Fischteller geriet zum ersten echten Hingucker. Von einem sanften Dashi-Schaum sternförmig umgeben, thronte das ultrasaftige Wolfsbarschfilet (Ikejime-Methode) auf einem Bett aus sämigem Safran-Graupen-Risotto. Das auf den Punkt gegarte Fleisch des Meeresbewohners war von zwei dünnen, kreisrunden Scheiben Safran-Aspik umrahmt. Genialer Fischteller!
Der auch im Risotto den Aromen-Ton angebende Safran verlieh dem tollen Fischgang eine subtile, angenehm erdige Würze, die sich mit dem Wolfsbarsch ins beste Benehmen setzte. Ein paar Körner vom gepufften Reis lieferten ein wenig Crunch, während der Dashi-Schaum für noch mehr Meeresrauschen auf der Zunge sorgte. Ein ganz großartiger Zwischengang, der den kulinarischen Anspruch und das handwerkliche Können der „Wenz-Buben“ auch optisch sehr gelungen auf die Platte brachte.
Zu meinem im Hauptgang annoncierten Rehrücken aus dem nahen Bienwald brauchte ich dringend etwas vollmundiges Rotes im Glas. Ich entschied mich für die Cuvée Pallas vom Pfälzer Weingut Mathis aus Klingenmünster (0,2l für 8,50 Euro). Diese aus den Rebsorten Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah vinifizierte, im Holzfass ausgebaute Rotweincuvée punktete mit kräftiger Fruchtfülle und rundgeschliffenen Tanninen. Zur „wilden“ Gaumenreise durch den Bienwald genau die richtige Wahl.
Serviceleiter Tilo Schiefer servierte mir dann einen Rehteller, wie ich ihn nie und nimmer erwartet hätte. Allein vom Aussehen her geriet dieser Wild-Gang schnell unter „Sterne-Verdacht“. Auf diesen formidablen Rehteller ein dreifaches "Wenzmanns Heil!"
Die einzelnen, harmonisch ineinandergreifenden Elemente, wurden von ihm am Tisch fachkundig erläutert. Zu den auf den Punkt geratenen, großzügig portionierten Stücken vom Regional-Reh gesellten sich geschmorte Dörr-Pflaume, Shiitake- sowie weiße Buchenpilze, Brom- und Heidelbeeren, knackig gedämpftes Wintergemüse (Romanesco, Kohlrabi, Karotte und Sellerie), hausgemachte Schupfnudeln und ein seidiges Topinambur-Püree. Das Bienwald-Reh: eine Augen- und Gaumenweide...
Mit einer von langem Einköcheln und profundem Saucenhandwerk kündenden Rotwein-Wacholder-Jus wurde der kulinarische Winterspaziergang süffig unterfüttert. Das ergab in der Summe einen aufwendig in Szene gesetzten Teller raffiniertester Bodenständigkeit, den ich in vollen Zügen genoss.
Eine kluge Kombination aus lokalen Produkten, den „Schätzen“ der unmittelbaren Umgebung, die mit hoher kulinarischer Handwerkskunst einherging. Für einen Pfälzer Landgasthof war dieses Bienwald-Reh jedenfalls ein richtiges Brett. Chapeau, Messieurs Wenz!
Nicht minder begeistert zeigte sich der seinen veganen Hauptgang feiernde Kollege zu meiner Linken. Veganer Teller von Format: die Steinpilz-Kartoffel-Ravioli
Ihn hatte man mit Steinpilz-Kartoffel-Ravioli an Pastinaken-Crème und Marktgemüse (Blumenkohl, Kohlrabi) beglückt und das Ganze mit einer gnadenlos gut abgeschmeckten Sauce aus Reissahne, gerösteten Pilzen und Nüssen in höhere Umami-Sphären montiert. Für meinen Gaumenbuddy war das schlicht und ergreifend die beste vegane Sauce seines Lebens.
Kaum ausgesprochen hatte er schon eine Saucière mit Nachschlag neben seinem Teller stehen. Und auch von der tiefgründigen Wacholder-Jus „stibitzte“ mir der mutige Servicechef eine ansehnliche Extraportion aus der Wenz’schen Saucenschmiede. Wir dankten es ihm von Herzen.
Etwas frugaler sah der Teller des Redundanz-Rumpsteak’lers neben mir aus. Pfälzer Hausmannskost auf Top-Niveau
Aber auch der „Angus-Atze“ aus Wörth schien mit seiner Wahl überaus glücklich zu sein. Allein die Trüffelbutter und die angegossene Jus machten aus dem perfekt medium gebratenen Stück aus dem Rinderrücken ein wahres Festmahl für Fleischesser. Und dass man im „Riesen“ auch ein ganz feines, am Nachbarland orientiertes Kartoffelgratin auf die hübsche Keramik bekommt, muss eigentlich gar nicht erst erwähnt werden.
Nach den nicht gerade schüchtern portionierten Hauptspeisen mussten wir unserem fortgeschrittenen Sättigungsgrad Tribut zollen und geschlossen auf einen süßen Abschluss verzichten. So entging mir leider die geschmorte Feige mit Yuzu, Cassis und Sabayon und auch die ihrem Namen alle Ehre machende „Riesen“-Praline blieb diesmal gut gekühlt im Patisserie-Schrank.
Ein großes Dankeschön geht an dieser Stelle an Andreas und Robin Wenz, die einen ganz hervorragenden Job in der Küche gemacht haben und uns aber mal so richtig glücklich und zufrieden nach Hause entließen.
Und nicht zuletzt natürlich an den Mann, der mit seiner charmant-humorvollen Art für einen sehr entspannten Abend sorgte. Mit Tilo Schiefer hat das Riesen-Team ein wahres Service-Ass im Ärmel. Beim Fußball würde man wohl von einem „Unterschiedsspieler“ sprechen.
Auch das unschlagbare Preis-Genuss-Verhältnis und das geschmackvoll gestaltete Interieur werfen letztlich die Frage auf, warum wir hier nicht öfter aufschlagen. Zumal Kandel nur ein paar Autominuten von Wörth entfernt liegt. Die einfache Antwort darauf kann nur lauten: das müssen wir dringend ändern!
Unser Wörther Gaumenquintett kam aufgrund unterschiedlichster terminlicher Zwänge für längere Zeit nicht mehr auf einen gemeinsamen Nenner. Da fuhren wir an einem Donnerstagabend Ende Januar eben nur zu dritt nach Kandel, wo im Restaurant des Hotels „Zum Riesen“ ein reservierter Tisch auf uns wartete.
Küchenchef Andreas Wenz wird mittlerweile am Herd von seinem Sohn Robin tatkräftig unterstützt, was das Niveau der gehobenen, mit reichlich internationalen Einflüssen gesegneten Regionalküche meiner Meinung nach sogar noch etwas nach oben geschraubt hat.
Um es vorweg... mehr lesen
Restaurant im Hotel zum Riesen
Restaurant im Hotel zum Riesen€-€€€Restaurant, Weinstube072753437Rheinstraße 54, 76870 Kandel
5.0 stars -
"So eine genussvolle Extrazeit wie bei Familie Wenz sollte man sich viel öfter gönnen!" GourmägglerUnser Wörther Gaumenquintett kam aufgrund unterschiedlichster terminlicher Zwänge für längere Zeit nicht mehr auf einen gemeinsamen Nenner. Da fuhren wir an einem Donnerstagabend Ende Januar eben nur zu dritt nach Kandel, wo im Restaurant des Hotels „Zum Riesen“ ein reservierter Tisch auf uns wartete.
Küchenchef Andreas Wenz wird mittlerweile am Herd von seinem Sohn Robin tatkräftig unterstützt, was das Niveau der gehobenen, mit reichlich internationalen Einflüssen gesegneten Regionalküche meiner Meinung nach sogar noch etwas nach oben geschraubt hat.
Um es vorweg
Geschrieben am 04.08.2026 2026-08-04| Aktualisiert am
04.08.2026
Besucht am 08.01.2026Besuchszeit: Abendessen 3 Personen
Rechnungsbetrag: 163 EUR
Zu Beginn des Jahres schlug ich zusammen mit zwei kulinarischen Komplizen bei Familie Kreger im Ortskern von Neupotz auf. Wir drei hatten einfach mal wieder Lust auf die feine Regionalkost, die im Gasthof Zum Lamm seit vielen Jahren verlässlich aufs Porzellan gebracht wird.
Hier findet man noch eine auf guten Produkten basierende Heimatküche vor, die zur Pfälzer Gastlichkeit passt, ohne ihren bodenständigen Charakter zu verbiegen, aber auch mediterrane und asiatische Akzente behutsam miteinbezieht.
Vor 32 Jahren (!) haben Ulrike (Service) und Manfred Kreger (Küche) den elterlichen Betrieb übernommen und ihn seitdem als beliebte Adresse für ambitioniert vorgetragene Hausmannskost in der Südpfalz etabliert. Die raffiniert zubereiteten und ansprechend angerichteten Speisen locken jedoch nicht nur Fischliebhaber in das seit Jahren mit einem Bib Gourmand ausgezeichnete Lokal.
Auch wegen einem guten Stück Fleisch oder der ein oder anderen mediterran anmutenden Vorspeise lohnt der Weg in das ehemalige Fischerdorf Neupotz, das beschaulich an einer Altrheinschleife liegt und von Feldern und urwüchsigem Auenwald umgeben ist. Außerdem ist der Ort schnell über die Bundesstraße B9 zu erreichen.
Die mittlerweile etwas modernisiert auftretende Gaststube – Teppichboden raus, bequeme Polsterstühle rein – hat ihren gutbürgerlichen Charme bewahrt. Und das, obwohl selbst die früher komplett unter weißem Leinen versteckten Tische inzwischen der Vergangenheit angehören. Die altehrwürdige Gaststube mit neuen Akzenten
Die nostalgische Kassettendecke und das leicht angestaubte Design der Rückenpolster der einmal ringsherum führenden Wandbänke, lassen jedoch keine Zweifel zu: wir befinden uns immer noch in einer gepflegten Dorfwirtschaft, in der nach guter alter Gasthaus-Sitte aufgetischt und gespeist wird.
Der Tatsache, dass man dazu die Preise an das heutige Niveau anpassen musste, wird wohl jeder, der in der einfachen Prozentrechnung zumindest rudimentär bewandert ist, mit Verständnis begegnen.
Aber es wundert einen schon, wenn sich Gelegenheitsrezensenten über einen Rumpsteak-Preis von knapp über 30 Euro echauffieren und einen mit Speck, Croutons und frischen Champignons veredelten Feldsalat an Kartoffeldressing für 13,50 Euro als maßlos überteuert bezeichnen.
Dass sich so ein Betrieb bei den dramatisch gestiegenen Energie-, Produkt- und Personalkosten auch im Jahr 2026 irgendwie tragen muss und die fleißigen Gastronomen für ihre harte Arbeit auch einen Gegenwert erhalten sollen, wird bei solchen „Rechnungen“ häufig außen vor gelassen. Wer aber bereit ist, für gutes Essen den ein oder anderen Euro mehr zu investieren, der ist bei Familie Kreger definitiv gut aufgehoben.
Nach einem freundlichen Empfang durch die Chefin, ließ man uns in aller Ruhe das Speisenprogramm studieren. Trotz seiner Kompaktheit stellte es mich auch dieses Mal vor die Qual der Wahl. Sechs Vorspeisen, vier Fischteller, fünf Fleischgerichte und zweimal vegetarisch listete das durchweg ansprechende Standardrepertoire. Ergänzt von ein paar saisonalen Empfehlungen.
Eine Flasche Wasser (0,75l Bellaris Classic für 6,20 Euro) und zwei frisch gezapfte Bellheimer Lord-Pils (0,4l für 4,90 Euro) ließen keine trockenen Verhältnisse am Tisch aufkommen. Garnele als Amuse Bouche
Nach einem leckeren Garnelen-Gruß aus der Küche wurden uns drei Vorspeisensalate serviert. Ein Kollege ließ sich den bunten Blattsalat mit gebackenem Ziegenkäse im Speckmantel (16 Euro) schmecken. Knackfrischer Blattsalat mit cremigem Ziegenkäse
Der andere hatte nicht ganz so viel Hunger und beschränkte sich auf einen kleinen Salatteller (6,50 Euro) vorweg. Mich lachte der Feldsalat mit Speck und Croutons (13,50 Euro) von der Empfehlungskarte am meisten an, den ich mit großem Appetit verputzte. Rapunzel in Bestform
Sein fein abgeschmecktes Kartoffeldressing, die knusprigen Buttercroutons und der nicht übertrieben salzige, leicht angebratene Speck verliehen meiner liebsten Salatsorte reichlich Geschmack. In der Ausführung eine absolut stimmige Vorspeise, deren Portionsgröße auch nicht übersättigte. Das war auch gut so, denn ein Klassiker der Kreger’schen Kochkunst wartete als Hauptgang.
Ich hatte mich im Gegensatz zu den beiden Rumpsteak-Rabauken für das gebratene Zanderfilet mit Gemüsejulienne und Tagliolini an Rieslingsauce (31 Euro) entschieden. Eine verdammt gute Wahl wie sich bald herausstellte. Vom Riesling zum Zander (geht auch ohne Fahrrad...)
Die beiden zuvor mehlierten Filetstücke von meinem Neupotzer Lieblingsspeisefisch kamen perfekt gebraten aus der Butterpfanne. Im Zusammenspiel mit dem Gemüse und der formidablen Rieslingsauce („Zum R(h)einknien!“) ein rundum glücklich machender Heimatteller für Leib und Seele. Ein Teller voll Heimat!
Die beiden kollegialen Karnivoren am Tisch taten sich derweil an zwei stattlichen Rumpsteaks (Grain-Fed) mit Kräuterbutter, mediterranem Gemüse und Pommes frites (jeweils 33 Euro) gütlich. Rumpsteak mit Kräuterbutter ("Westwand"-Ansicht)
Die Zartheit des Fleisches, sein leicht buttriger Geschmack und sein perfekter Gargrad („Medium“) wurden in hohem Maße gelobt. Auch die tiefgründige Jus fand großen gustatorischen Anklang. Rumpsteak mit Kräuterbutter ("Ostwand"-Ansicht)
Auf einen Nachtisch mussten wir aufgrund unserer fortgeschrittenen Sättigung leider verzichten. Dafür sind die Portionen im „Lamm“ dann doch zu „pfälzisch“ bemessen. Kulinarische Klasse darf schließlich auch mit einem vernünftigen Maß an Masse (auf dem Teller) einhergehen, ohne gleich ins Übersättigende abzudriften.
Für knapp über 160 Euro bot Manfred Kreger uns dreien eine Hausmannskost auf Top-Niveau. Die hohe Qualität und die handwerklich tadellose Verarbeitung der verwendeten Produkte unterstreichen das hier vorherrschende, äußerst intakte Preis-Genuss-Verhältnis. Der entspannt-herzliche Service und das gediegene Ambiente tragen ebenfalls zum Gästewohl bei.
Für mich persönlich ist das „Neupotzer Lamm“ auch ein Ort kulinarischer Erinnerungen an gutes Essen im Kreise der Familie. Wahrscheinlich hat es mein jugendliches „Fisch-Verständnis“ in gewisser Hinsicht mitgeprägt. Auch ein Grund, warum ich hier immer wieder gerne einkehre. Meine Mutter konnte nämlich nicht nur fantastisch kochen, sie wusste auch, wo es in der näheren Umgebung besonders gut schmeckt…
Zu Beginn des Jahres schlug ich zusammen mit zwei kulinarischen Komplizen bei Familie Kreger im Ortskern von Neupotz auf. Wir drei hatten einfach mal wieder Lust auf die feine Regionalkost, die im Gasthof Zum Lamm seit vielen Jahren verlässlich aufs Porzellan gebracht wird.
Hier findet man noch eine auf guten Produkten basierende Heimatküche vor, die zur Pfälzer Gastlichkeit passt, ohne ihren bodenständigen Charakter zu verbiegen, aber auch mediterrane und asiatische Akzente behutsam miteinbezieht.
Vor 32 Jahren (!) haben Ulrike (Service)... mehr lesen
Gasthaus Zum Lamm
Gasthaus Zum Lamm€-€€€Restaurant, Gasthaus072722809Hauptstraße 7, 76777 Neupotz
4.5 stars -
"Auf den Punkt zubereitete Heimatküche in familiärer Atmosphäre" GourmägglerZu Beginn des Jahres schlug ich zusammen mit zwei kulinarischen Komplizen bei Familie Kreger im Ortskern von Neupotz auf. Wir drei hatten einfach mal wieder Lust auf die feine Regionalkost, die im Gasthof Zum Lamm seit vielen Jahren verlässlich aufs Porzellan gebracht wird.
Hier findet man noch eine auf guten Produkten basierende Heimatküche vor, die zur Pfälzer Gastlichkeit passt, ohne ihren bodenständigen Charakter zu verbiegen, aber auch mediterrane und asiatische Akzente behutsam miteinbezieht.
Vor 32 Jahren (!) haben Ulrike (Service)
Besucht am 02.01.2026Besuchszeit: Abendessen 2 Personen
Rechnungsbetrag: 75 EUR
Es ereignete sich am zweiten Tag des aktuellen Jahres. Der Winter hatte Bremen eine hübsche Schneedecke verpasst. Und wir waren auf dem Weg in den Stadtteil Schwachhausen, in dem man ganz allgemein viel „stärker“ (im Sinne von besser) wohnt als sein Name eventuell vermuten lässt.
Vom abendlichen Schneetreiben ging es hinein ins gut beleumundete, japanische Nudel- und Sushivergnügen. Einfach mal den "alten Winter" draußen lassen...
Genauer gesagt ins Restaurant Tampopo an der Ecke Metzer Straße / Schwachhauser Heerstraße, in dem ein Vierertisch auf uns sowie meine Schwägerin und ihren Freund wartete. Um das jüngste Familienmitglied kümmerten sich an jenem Abend Oma und Opa.
Über die ansprechende Einrichtung und kulinarische Ausrichtung des Ladens hat mein Bremer Gaumenfreund schon vor einigen Jahren sehr lesenswert berichtet. Die dunklen Wände dienen als schlicht-eleganter Hintergrund für ein stimmungsvoll illuminiertes Ambiente, das bei all seiner zeitgemäß-kühlen Gestaltung noch genügend Raum zum Wohlfühlen lässt. Auch farblich ein Hingucker Lässige Inneneinrichtung
Meine Frau und ich hatten ein wenig Zeit zum Umschauen und Ankommen, da die andere Hälfte unserer Tischgesellschaft etwas verspätet eintraf. Die jungen Leute halt…
Die Getränkepreise passen zur wohlsituierten Schwachhauser Klientel, die das Restaurant seit Jahren brummen lässt. 7,20 Euro für die Flasche Mineralwasser („Vilsa medium“) sind schon ein Wort. Neben einer reichhaltigen, aber keinesfalls überdimensionierten Auswahl an Sushi und diversen Nudelsuppen hält man auch eine Reihe verlockender Asia-Tapas für den kleineren Hunger (oder eben für vorweg) bereit.
Mit vier Personen am Tisch ließ sich da einiges kreuz und quer probieren. Die mit zurückhaltender Schärfe (Japan-Style) versehenen „Spicy Edamame“ (4,90 Euro) stellten einen gelungenen Soja-Snack zum geselligen Fingerfuttern dar.
In Ermangelung des von Borgi angepriesenen Schweinebauchs – das saftig-fette Wintergericht war leider aus dem Vorspeisenkanon verschwunden – orderte ich die Tori Karaage (7,90 Euro), die von einem säuerlichen Soja-Essig-Dip und einer sehr zahmen Wasabi-Mayo begleitet wurden. Knusper-Huhn auf japanische Art
Knusprig, heiß und nicht übertrieben fettig hatten die zweifach ausgebackenen Stücke aus der Hähnchenkeule den Frittiervorgang hinter sich gebracht. Auch der Freund meiner Schwägerin hatte eine Portion dieser „Edel-Chicken-Nuggets“ bestellt und zeigte sich von ihnen begeistert. Zum Teilen vorweg eine durchaus gute Wahl. Ein schmackiger, unkomplizierter Asia-Snack, der noch Platz im Magen ließ für die kommenden Aufgaben.
Da ich dieses liebenswürdige japanische Restaurant nicht verlassen wollte ohne vorher eine der ansprechenden Sushi-Rollen probiert zu haben, baute ich zwischen frittiertem Hähnchenklein und cremig-fettiger Chicken Ramen noch eine King Dragon Roll (16,90 Euro) ein. Sehr zur Verblüffung meiner Frau, die sich mit rein vegetarischen, mit Paprika und Frischkäse gefüllten Maki (4,90 Euro) beschied.
Meine mit Avocado und Knuspergarnele gefüllte, mit flambiertem Aburi-Lachs ummantelte Drachen-Rolle kam leider mit etwas zu viel dekorativem Schnickschnack auf die längliche Platte. Chili-Mayo, Teriyaki-Sauce, roter Tobiko und zerstoßenes Engelshaar (Kadayif) in Ehren, aber sie lenkten von den tadellos zubereiten Meereshappen nur unnötig ab. Too much sauce can kill
Zumal die kurz vor dem Servieren abgeflämmte Lachshaube geschmacklich für sich sprach. Mir hätte da etwas weniger Drumherum besser gefallen, auch wenn die Saucenschärfe und die Knusperfäden mehr geschmackliche und texturelle Vielfalt auf den Teller brachten. Wehe, wenn der gerollte Königsdrache...
Gut, so frugal wie die Paprika-Maki-Portion meiner Frau hätte es vielleicht auch nicht unbedingt sein müssen. Paprika-Maki als Vorspeise
Aber ihr reichten Gari und Wasabi als Beigaben völlig aus, um mit den fischlosen Reisrollen absolut d’accord zu sein. Manchmal ist weniger eben doch mehr…
Gerade wenn noch eine derart gehaltvolle Tantan Ramenbrühe mit knusprigem Hähnchen, wachsweichem Ei, einer Handvoll Nudeln und Gemüse (14,50 Euro) auf einen wartet. Chicken Ramen Tantan - mit allem!
Denn der abgebrühte Bremer Suppenkasper hatte in seinem damaligen Bericht nicht zu viel versprochen.
Der pikant-würzige Hühnersud, mit dem sich die nicht zu weich geratenen Teigwaren zusammen mit feingeschnittenem Gemüse, Sesam und Chili-Öl die Schüssel teilten, geriet fleischlich dicht mit intensiver Umami-Note. Brachiales Brühenbekenntnis!
Da war viel gutes Hühnerfett, das in kleinen Kügelchen auf der Oberfläche glänzte. Die aus Teig oder Gemüse gefertigten Schüsselinsassen ordneten sich brav der mundfüllenden Brühe unter, ohne selbst dabei geschmacklich „baden“ zu gehen.
Von den knusprigen Hühnerklötzen gab ich gerne ein paar ab. „Mutter Karaage“ hatte mir an diesem Abend dann doch ein paar „Kinder“ zu viel beschert…
Auch meine Gattin hatte den Hühnerknochenfond als Basis für ihre Cha Shu Ramen Tantan (14,50 Euro) gewählt. Prinzipiell das gleiche Gericht, nur eben mit aufgeschnittenen Scheiben vom gebratenem bzw. gebackenem Schweinehals als Fleisch-Topping. Tantan Ramensuppe mit Schweinefleisch
Da wurde auch gegenüber kräftig aus dem Vollen gelöffelt.
Die Tonkotsu-Version ließ sich übrigens der Mann zu meiner Rechten schmecken. Tonkotsu-Ramensuppe
Die Schweineschüssel sah auch großartig aus und wäre beim nächsten Besuch ganz oben auf meiner Tampopo-Liste. Vielleicht hat der Bremer Brühen-Bruder ja Lust und Zeit auf eine japanische Nudelsuppe zwischen Weihnachten und Neujahr. Ein „karaagierter“ Mitstreiter aus der Pfalz würde sich freuen…
Es ereignete sich am zweiten Tag des aktuellen Jahres. Der Winter hatte Bremen eine hübsche Schneedecke verpasst. Und wir waren auf dem Weg in den Stadtteil Schwachhausen, in dem man ganz allgemein viel „stärker“ (im Sinne von besser) wohnt als sein Name eventuell vermuten lässt.
Vom abendlichen Schneetreiben ging es hinein ins gut beleumundete, japanische Nudel- und Sushivergnügen.
Genauer gesagt ins Restaurant Tampopo an der Ecke Metzer Straße / Schwachhauser Heerstraße, in dem ein Vierertisch auf uns sowie meine Schwägerin und... mehr lesen
4.0 stars -
"Stimmungsvolles Asia-Lokal, das neben brühwarmem Suppenglück auch solide Rohfischrollen und kleinere Fernköstlichkeiten für uns bereithielt" GourmägglerEs ereignete sich am zweiten Tag des aktuellen Jahres. Der Winter hatte Bremen eine hübsche Schneedecke verpasst. Und wir waren auf dem Weg in den Stadtteil Schwachhausen, in dem man ganz allgemein viel „stärker“ (im Sinne von besser) wohnt als sein Name eventuell vermuten lässt.
Vom abendlichen Schneetreiben ging es hinein ins gut beleumundete, japanische Nudel- und Sushivergnügen.
Genauer gesagt ins Restaurant Tampopo an der Ecke Metzer Straße / Schwachhauser Heerstraße, in dem ein Vierertisch auf uns sowie meine Schwägerin und
Besucht am 28.12.2025Besuchszeit: Mittagessen 3 Personen
Rechnungsbetrag: 55 EUR
Zum Jahreswechsel gastierten wir traditionsgemäß bei meinen Schwiegereltern für rund eine Woche in Bremen. Gleich am zweiten Abend trafen wir uns mit Freunden, die wir viel zu lange nicht mehr zu Gesicht bekommen hatten, im wohl besten Bistro der Stadt, dem „Topaz“ am Rand des lebendigen „Bremer Viertels“.
Die Erinnerung an diesen schönen Abend mit den Borgfelders ist noch präsent. Es wurde viel erzählt und gelacht, maßvoll getrunken und natürlich auch sehr gut diniert. Einen Bericht hierzu kann ich aus Mangel an bildlichen Beweisen leider nicht mehr nachliefern. Aber da war nicht nur mir das seltene „Entre Nous“ wichtiger als die gebotene Kulinarik bzw. deren Beurteilung.
Am nächsten Tag besuchten wir schon morgens den Adventure Park Bremen. Unsere Kleine durfte in diesem empfehlenswerten Indoor-Spielplatz in der Nähe des Weserpark-Shopping-Centers ihrem Kletter-, Hüpf- und Bewegungsdrang ausgiebig nachgehen. Zur Mittagszeit waren die mitgebrachten Snacks aufgebraucht, weshalb ich das Netz nach Einkehrmöglichkeiten im näheren Umfeld abklapperte.
Auf die langweiligen, immer gleichen Shopping-Mall-System-Gastros bzw. Franchise-Ketten hatten wir keine Lust und das nahegelegene „The Ash“ (auch eine Kette) sprach uns nur mäßig an. Der stark ausgeprägten Pasta-Affinität unseres Töchterchens entsprechend, scannte ich das Umland nach einkehrwürdigen „Ristorantes“ ab und siehe da: in der nicht weit entfernten Gemeinde Oyten (Landkreis Verden, Niedersachsen) würde ich fündig.
In dem direkt an der Hauptstraße befindlichen Hotel Oyten am Markt hatte nur ein paar Wochen zuvor ein neues, italienisches Lokal namens „La Rosalie“ eröffnet. Von außen eher unscheinbar
Die ersten Berichte darüber klangen recht vielversprechend. Also wagten wir eine telefonisch angekündigte Einkehr an jenem Sonntagmittag.
Vom hoteleigenen Parkplatz direkt vorm Haus ging es eine kleine Treppe hoch und schon befanden wir uns im hellen, mit reichlich Topfgrün versehenen Gastraum, der mit bequemen Sitzgelegenheiten – natürlich wollte sich das Töchterchen gleich auf einer gut gepolsterten, mit Kunstleder überzogenen Wandbank fläzen – und dunklen Bistro-Tischen eher funktionalen Charakter besaß. Gastraumimpression 1 Gastraumimpression 2
Nun, vielleicht wirkt das kulinarische Reich der beiden sympathischen Inhaber Maria (Service und Küche) und Ilario (Küchenchef) abends – bei entsprechender Beleuchtung – etwas gemütlicher. Aber entscheidend ist ja bekanntlich das, was auf dem Teller landet. Und so warfen wir mehr als nur einen Blick ins Speisenprogramm, das mit gängigen Italo-Klassikern nicht hinterm Vesuv hielt.
Mit Bruschetta, Vitello, Carpaccio und Co. grüßte die Antipasti-Fraktion, ehe ein knappes Dutzend Nudelgerichte unsere Lust auf Pasta weckte. Neben einer völlig ausreichenden Auswahl an Pizzen, hatte man auch Fleischiges (u.a. Rinderfilet und Kotelett Milanese) und Fischiges (u.a. Dorade, Schwertfisch alla Livornese) im Angebot.
Wir blieben jedoch der Teigwarenabteilung treu und orderten zur Bruschetta Classica (6 Euro) die Spaghetti mit Meeresfrüchten in Tomaten-Knoblauch-Sauce (18 Euro) – die in der Karte annoncierten Tagliolini waren leider aus – sowie die gleiche Nudelsorte in der Carbonara-Version (14 Euro). Für das kleine Fräulein gab es Miniatur-Penne mit Sahnesauce (8 Euro) und reichlich Parmesan oben drauf. Penne alla Panna (Kinderportion)
Die Flasche Mineralwasser wurde uns für gastfreundliche 5 Euro geliefert. Für die kleine Apfelschorle verlangte man 3,50 Euro. Preislich also alles auf Normalniveau.
Den Anfang machte eine stattliche Bruschetta-Portion. Viel Bruschetta für wenig Geld
Fünf geröstete, üppig mit Tomatenklein, Knoblauch, Olivenöl, Oregano, Balsamico-Crème und Parmesan belegte Brotscheiben wurden uns als Vorspeise zum Teilen serviert. Wir waren positiv überrascht, wie gut unserer Kleinen die Bruschetta schmeckte. Die schmeckte auch dem Töchterchen
Es kommt ja noch nicht allzu oft vor, dass sie ihren kulinarischen Teigwaren-Kosmos freiwillig verlässt…
Aber auch wir waren von den saftig belegten Röstbrotscheiben sehr angetan. Gut vorgesättigt gingen wir bald zur Pasta über. Da wir zu den ersten Gästen des Tages zählten und es an diesem Sonntag eher ruhig zuging, mussten wir nicht lange auf unser Essen warten.
An dieser Stelle sei der herzliche, bambini-freundliche Service von Maria erwähnt. Kinder sind im „La Rosalie“ mehr als gerne gesehen. Vom Empfang bis zur Verabschiedung hatten wir stets das Gefühl, bei unserem Stamm-Italiener zu sitzen. Und wenn man so gut umsorgt wird, kommt man gerne wieder. In unserem Fall nur drei Tage später am letzten Tag des vergangenen Jahres.
Während unser Töchterlein genüsslich ihre mit reichlich Parmesan umamisierten Sahnenudeln verdrückte, erfreute sich meine Frau an ihrer mit gebrutzeltem Guanciale servierten Carbonara, bei der in erster Linie Ei und Parmesan den Ton angaben. Ob sich in der Sauce auch Sahne befand, kann ich nicht (mehr) mit Bestimmtheit sagen. Sättigend war ihr Pasta-Teller aber allemal. Nur der Guanciale-Anteil erschien ihr in Anbetracht seiner Würze etwas überdimensioniert. Die Knusper-Speck-Carbonara
Meine angenehm bissfeste Meeresfrüchte-Pasta rechtfertigte den Vertrauensvorschuss an die Küche auf eindrucksvolle Art und Weise. Für mich ist (in einem italienischen Restaurant) ein Nudelteller mit Meeresgetier immer ein guter Gradmesser für die Leistung der Küche und der vorherrschenden Produkt-Frische, weshalb ich die Bestellung eines solchen auch beim Erstbesuch gerne mal „riskiere“. Ein immer wieder gerne genossener Klassiker: Spaghetti Mare
Ein vollmundiger Tomatensugo mit spür- und sichtbarem Knoblauchanteil bildete die Grundlage für meine Pasta Frutti di Mare. Mies- und Venusmuscheln (teilweise noch in ihren offenen Schalen versteckt), Pulpostreifen und zwei gegrillte Garnelen sorgten für ein genussvolles maritimes Klima auf dem Teller. Ist das Meer auch fern...so ein Teller geht immer!
Ein paar Kleckse vom roten Pesto brachten zusätzliche Abwechslung ins Aromengefüge. Die Verwendung frischer Kräuter (Petersilie!) machte sich ebenfalls gut auf der Platte. Auch die nicht kleinlich portionierten Schalen- und Krustentiere wussten geschmacklich zu überzeugen. In der Summe also ein tadelloses Gaumenerlebnis in Sachen Meerespasta, mit dem ich in dem unauffälligen Zweckbau an der Oytener Hauptstraße nun wirklich nicht unbedingt gerechnet hätte.
Ich war mehr als positiv überrascht und ließ drei Tage später die Tagliolini Gamberoni (18 Euro) folgen, die mir ebenfalls sehr zusagten. Tagliolini mit Garnelenklein in aromatischer Tomatentunke
Meine Frau genoss zeitgleich die Pappardelle mit Rinderstreifen in cremiger Tomatensauce (16 Euro), die ihre Carbonara sogar noch toppten. Vorzügliche Pappardelle mit Rind in Tomatensahne
Chefkoch Ilario scheint ein echter Saucenkönner zu sein. Schön, dass wir beim zweiten Besuch auch mit ihm ein paar nette Worte wechseln konnten.
Sollten wir nächsten Winter mal wieder im Bremer Osten den Adventure Park aufsuchen, würden wir im Anschluss eine Einkehr im „La Rosalie“ mit Sicherheit fest einplanen. Dann auch gerne zusammen mit den Schwiegereltern, die zu solider italienischer Küche bei sympathischen Gastgebern auch nicht nein sagen. Zumal man es hier auch preislich nicht übertreibt.
Maria und Ilario wünsche ich für die Zukunft das Beste. Mögen ihre mit Liebe zur italienischen Küche zubereiteten Speisen auf eine pizza- und pastafreundliche Klientel treffen, die das zu schätzen weiß.
Zum Jahreswechsel gastierten wir traditionsgemäß bei meinen Schwiegereltern für rund eine Woche in Bremen. Gleich am zweiten Abend trafen wir uns mit Freunden, die wir viel zu lange nicht mehr zu Gesicht bekommen hatten, im wohl besten Bistro der Stadt, dem „Topaz“ am Rand des lebendigen „Bremer Viertels“.
Die Erinnerung an diesen schönen Abend mit den Borgfelders ist noch präsent. Es wurde viel erzählt und gelacht, maßvoll getrunken und natürlich auch sehr gut diniert. Einen Bericht hierzu kann ich aus... mehr lesen
Ristorante La Rosalie im Hotel Oyten am Markt
Ristorante La Rosalie im Hotel Oyten am Markt€-€€€Restaurant, Pizzeria017631575607Hauptstraße 85, 28876 Oyten
4.0 stars -
"Sympathisch, italienisch und jeden Cent wert" GourmägglerZum Jahreswechsel gastierten wir traditionsgemäß bei meinen Schwiegereltern für rund eine Woche in Bremen. Gleich am zweiten Abend trafen wir uns mit Freunden, die wir viel zu lange nicht mehr zu Gesicht bekommen hatten, im wohl besten Bistro der Stadt, dem „Topaz“ am Rand des lebendigen „Bremer Viertels“.
Die Erinnerung an diesen schönen Abend mit den Borgfelders ist noch präsent. Es wurde viel erzählt und gelacht, maßvoll getrunken und natürlich auch sehr gut diniert. Einen Bericht hierzu kann ich aus
Geschrieben am 24.06.2026 2026-06-24| Aktualisiert am
24.06.2026
Besucht am 11.12.2025Besuchszeit: Mittagessen 1 Personen
Rechnungsbetrag: 23 EUR
Wenn ich in Herxheim bin und Hunger habe, kehre ich gerne im alten Clubhaus des Tennisclubs "Blau-Weiß" ein. Denn hier, wo ich als Jugendlicher so manchen Doppelfehler produziert habe, kann ich aus kulinarischer Sicht nur wenig falsch machen. Blick nach draußen auf die schöne Anlage des Herxheimer Tennisclubs
Hier bietet im modern renovierten Gastraum seit März 2025 die sympathische Inhaberin, Woranut Lenz, eine solide Thai-Küche aus frischen Zutaten. Dabei wird sie von ihrem Ehemann Holger tatkräftig unterstützt. Wertig eingerichteter Gastraum Blick zur Theke, über die nicht nur der König wacht...
Ich kenne die Inhaberin noch aus dem Laai Kanok in Landau. Genau wie dort, bemüht man sich auch in Herxheim um eine authentische Thaiküche, die nicht nur bei Tennisspielern gut anzukommen scheint.
Bei meinem letzten Besuch im Dezember genoss ich hier einen sehr gut angemachten Glasnudelsalat mit Garnelen und Hähnchen (8,90 Euro) vorweg. Gelungener Glasnudelsalat Nicht nur im Sommer ein beliebter Leckerbissen
Auch das gemäßigt scharfe, Grüne Curry von der Mittagskarte (10,90 Euro) kann ich nur jedem Freund aromatischer Thaigerichte nur wärmstens empfehlen. Das "Grüne" von der Mittagskarte Aromatische Thai-Curry mit Hühnerfleisch
Besonders im Winter sollte man vielleicht vorher anrufen, da die rund 40 Plätze im Inneren schnell vergeben sind. Die etwas gehobeneren Preise sind - auch wie in Landau - der verwendeten, guten Zutaten geschuldet.
Und wer mal gerne wissen möchte, wie "Thai-Pfälzisch" klingt, der sollte mal mit der redseligen Wirtin einen kleinen Plausch halten. Wird garantiert lustig.
Wenn ich in Herxheim bin und Hunger habe, kehre ich gerne im alten Clubhaus des Tennisclubs "Blau-Weiß" ein. Denn hier, wo ich als Jugendlicher so manchen Doppelfehler produziert habe, kann ich aus kulinarischer Sicht nur wenig falsch machen.
Hier bietet im modern renovierten Gastraum seit März 2025 die sympathische Inhaberin, Woranut Lenz, eine solide Thai-Küche aus frischen Zutaten. Dabei wird sie von ihrem Ehemann Holger tatkräftig unterstützt.
Ich kenne die Inhaberin noch aus dem Laai Kanok in Landau. Genau wie dort, bemüht... mehr lesen
Thai-Restaurant Isan-Pha-Ruay
Thai-Restaurant Isan-Pha-Ruay€-€€€Restaurant07276 8466St.-Christophorus-Straße 27, 76863 Herxheim bei Landau/Pfalz
4.0 stars -
"Solide Thaiküche mit Blick auf die rote Asche von Herxheim" GourmägglerWenn ich in Herxheim bin und Hunger habe, kehre ich gerne im alten Clubhaus des Tennisclubs "Blau-Weiß" ein. Denn hier, wo ich als Jugendlicher so manchen Doppelfehler produziert habe, kann ich aus kulinarischer Sicht nur wenig falsch machen.
Hier bietet im modern renovierten Gastraum seit März 2025 die sympathische Inhaberin, Woranut Lenz, eine solide Thai-Küche aus frischen Zutaten. Dabei wird sie von ihrem Ehemann Holger tatkräftig unterstützt.
Ich kenne die Inhaberin noch aus dem Laai Kanok in Landau. Genau wie dort, bemüht
Geschrieben am 09.07.2026 2026-07-09| Aktualisiert am
10.07.2026
Besucht am 10.12.2025Besuchszeit: Abendessen 5 Personen
Rechnungsbetrag: 217 EUR
Den Ort – in diesem Fall war es sogar ein Kurort – des Geschehens hatte das Los entschieden. Das im Schlosshotel Bergzaberner Hof – viele erinnern sich an das vetternwirtschaftlich sanierte, von öffentlicher Hand finanzierte „Leuchtturmprojekt“ von König Kurt (der damalige Landesvater Kurt Beck ist gemeint, Anm.) - untergebrachte Restaurant Olive hatte dann ein Mitglied unseres Wörther Futtervereins ausgesucht.
Es war ein Mittwochabend Mitte Dezember und wir waren alle noch etwas mitgenommen von den innerkonferenzlichen Ereignissen am Nachmittag. Nach überstandener Zusatzschicht machten wir uns abends auf den Weg ins verschlafene Kurstädtchen am Rand des Pfälzerwalds. Die vielen positiven Bewertungen im Netz hatten den aussuchenden Kollegen in die gastronomische Steinfrucht im Herzen des südpfälzischen Barockstädtchens beißen lassen.
Also nichts wie rein in das für über 7 Millionen Euro wieder auf Vordermann gebrachte, ehemalige „Ritterhaus am Schloss“, das seit 2010 als Boutique-Hotel (mit 20 Zimmern) fungiert. Schon beim Betreten des Innenhofs durch den gut erhaltenen Torbogen aus Sandstein wird einem klar, dass damals nicht gekleckert, sondern subventionsverschwenderisch geklotzt wurde. Das Schlosshotel von außen
Auch im kalten Dezember war die Außenterrasse derart stimmungsvoll illuminiert, dass man sich diesen Ort als lauschigen, sommerlichen Freisitz selbst 14 Tage vor Weihnachten gut vorstellen konnte. Im Sommer sicherlich ein schönes Plätzchen
Sehr einladend wirkte der von warmen Erdtönen (edle Natursandsteinwände), hellem Holz-Mobiliar (Tische und Anrichte) und dunklem Fliesenboden geprägte Gastraum, der eine moderne Rustikalität ausstrahlte. Drinnen sitzt es sich ganz schön
Kurzum: ein Ort zum Wohlfühlen, der ein entspanntes Abendessen suggerierte. Der Gastraum hat Flair
Eine junge Dame nahm uns in Empfang. Ich mag mich täuschen, aber sie schien mir keine gelernte Servicekraft zu sein. Vieles musste erst in der Küche nachgefragt werden. Die fehlende Souveränität versuchte sie zwar durch freundlichen Charme auszugleichen, aber auf falsche Einträge in der Speisenkarte sollte man seine Gäste möglichst vor dem Bestellvorgang hinweisen. Nun ja, es haperte ein wenig im „Bedienfeld“, was bei einem gelungenen Essen wahrscheinlich nicht besonders ins Gewicht gefallen wäre.
Bei der Durchsicht der Speisenlektüre fiel mir auf, dass die auf der Homepage annoncierte „deutsch-französische Küche“ doch eher ins Mediterran-Levantinische abdriftete. Blumenkohlschnitzel mit Tabouleh und Hummus, Libanesischer Spieß und diverse Burgerkreationen klangen nicht gerade nach grenznaher Zwei-Länder-Küche.
Gut, man hatte auch Rinderleber, Maispoularde, Lammhaxe und Wolfsbarsch im Angebot, aber so richtig „franco-allemand“ klang das alles nicht. Sei es drum, die Auswahl schien eh darauf aus zu sein, es möglichst vielen Geschmäckern recht machen zu wollen. Dass, laut unserer Bedienung, der Küchenchef aus dem Libanon stammte, erklärte zumindest die orientalischen Einflüsse.
Unserem Durst rückten wir mit reichlich Bier (0,4l-Pils für 4,50 Euro) und Mineralwasser (0,75l für kurstädtische 7 Euro) zu Leibe. Am Ende standen fünf Pils, ein Radler, eine Maracujaschorle (0,4l für 4,50 Euro) und drei Flaschen Wasser auf der Rechnung. Auf Wein wurde diesmal komplett verzichtet. Obwohl sich der offene Ausschank durchaus sehen lassen konnte.
Bereits die Preise unserer Vorspeisen schürten Erwartungen. Für einen kleinen, bunten Salat wurden stolze 6 Euro aufgerufen. Auch das Tabouleh war mit 8 Euro nicht gerade ein Schnäppchen. Das Schafskäse-Pfännchen eines Tischgenossen schlug mit 11 Euro zu Buche, während mein Garnelen-Pfännchen mit 15 Euro fast schon ins preislich Unverschämte abdriftete.
Was heißt hier fast? Als mir die Mini-Portion geliefert wurde, wurde mir schnell klar, in welche Vorspeisenfalle ich da getappt war. In einer kleinen Porzellanschüssel schwammen fünf oder sechs mickrige Garnelen in belangloser Tomatentunke, die ich gleich unter Convenience-Verdacht stellte, so fern von selbstgemacht wie jene schmeckte. Garnelen-Kleinspeise
Die armen, entschalten Tiere – von wegen Totgekochte leben länger! – hatten bereits jegliche Saftigkeit eingebüßt. Ihr ansonsten zartes Fleisch geriet zum texturellen Gummigeschoss für den Gaumen. Normalerweise ein Fall für eine gerechtfertigte Beanstandung. Auf die ich jedoch aus mir heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen verzichtete.
Zur Tomatensauce mit bescheidener Shrimps-Einlage reichte man mir ein paar getoastete, mit geriebenem Parmesankäse bestreute Baguette-Scheiben der Marke „maximal lieblos“. Getoastetes Baguette mit Parmesan (Begleiterscheinung zu Garnelen und Schafskäse)
Ach, hätte ich doch nur die 15 Euro in zwei Gläser Silvaner vom Stiftsweingut Meyer aus Gleiszellen investiert. Ich wäre nicht nur deutlich beschwingter vom Tisch gegangen, sondern hätte auch meinen sehr mächtig ausfallenden Libanesischen Spieß zum Hauptgang geschafft.
Auch die Kollegen schienen von ihren Vorspeisen nicht sonderlich begeistert zu sein. Bis auf das Tabouleh, das mit vegetabiler Frische (rote Zwiebeln, Petersilie, Tomaten) zu gefallen wusste, Mount Tabouleh
fielen die Vorabgerichte unter die Rubrik „nichts Besonderes“. Der kärglichen Schafskäseportion des Kollegen wurden übrigens die gleichen Parmesanstullen an die Seite bzw. ins mitgelieferte Körbchen gelegt wie bei meinem „Shrimps-chen-klein“.
Wir verzehrten mehr oder minder verwundert unsere ersten Gänge und hofften auf bessere kulinarische Bedingungen bei den Hauptgerichten. Einer hatte sich an die mit Kräutern gefüllte Maispoularde mit Gemüse und Kartoffelgratin (26 Euro) gewagt, während auch Cheese- und Trüffel-Burger (16 bzw. 18 Euro) mit Spiralkartoffeln (4 Euro extra) und Pommes frites (3 Euro extra) ihre Abnehmer fanden.
Mich gelüstete es – und da war ich nicht der Einzige am Tisch – nach dem Libanesischen Spieß (24 Euro), der mir zu meiner Studentenzeit bei diversen Maimarktbesuchen eine vertraute, herrlich fettige Grundlage zum nachfolgenden, meist exzessiven Bierkonsum war.
Hier kam er nicht als abgesäbeltes, zusammen mit reichlich Zwiebeln und Knoblauchsoße im Brötchen verstecktes „Etwas“ auf den Teller, sondern wurde in Form zweier Rinderhackspieße eher „adana-esk“ serviert. Libanesische Spieße unter Fladenpappe
Ein nicht gerade schüchtern portionierter, großzügig mit Tabouleh garnierter Hummus-Hügel, ein eher neutraler Joghurt-Minz-Dip und viel zu viel erwärmtes Fladenbrot aus der Tüte komplettierten das in erster Linie auf Masse setzende Hauptgericht.
Ich möchte dem libanesischen Küchenchef nicht unrecht tun. Die saftig-mürben Hackspieße waren tadellos gegrillt und hatten eine schöne orientalische Würze. Auch der oder das Hummus überzeugte mit cremiger Zitronenfrische und – cum’in and find out – der richtigen Dosis an Kreuzkümmel im leider viel zu mächtigen Kichererbsen-Sesam-Püree-Hügel. Zu mächtige Hauptspeise Tabouleh und Hummus waren leider nicht zu schaffen...
Wer Glattpetersilie, rote Zwiebel, Salatgurke und Tomate zu seinen vertrauten Salatbeigaben zählt, hätte auch an der üppigen Tabouleh-Portion seine Freude gehabt. Da ich mit dem länglichen, grünen Kürbisgewächs seit jeher auf Kriegsfuß stehe, konnte ich mich leider nicht so ganz mit dem schmackhaft zubereiteten Petersilien-Couscous-Salat anfreunden.
Mein Kollege wirkte diesbezüglich deutlich zufriedener. Das schnell auskühlende, furztrockene Fladenbrot aus dem 10er-Pack taugte nicht mal zum Stippen und ging nahezu unangeknabbert zurück. Platz im Magen wäre dafür eh keiner mehr gewesen. In der Summe also eine eher durchwachsene Libanesen-Spieß-Erfahrung für mich. Würde ich hier wohl nicht mehr bestellen.
Beim Käsburger mampfenden Kollegen zu meiner Rechten hatte man nicht mit Röstzwiebeln gespart. Besonders saftig fiel seine Bulette jedoch nicht aus. Die separat im Frittierkörbchen gelieferten Twister-Pommes schienen guter Standard zu sein. Burger 1 (mit Twister-Pommes)
Beim Trüffel-Burger bestand übrigens der einzige Unterschied darin, dass man anstatt Cocktailsauce eine eher unauffällige Trüffelmayo auf das Brioche-Bun geschmiert hatte. Burger 2 (mit Trüffelmayo)
Die Frage, ob das die 2 Euro mehr gerechtfertigt hat, blieb auch an jenem Abend unbeantwortet. Aber in einem – inklusive Kartoffelbeilage – die 20-Euro-Marke knackenden Frikadellenbrötchen darf ruhig etwas mehr „Handwerk“ stecken.
Der Kollege mit der Maispoularde auf dem Teller machte keinen unzufriedenen Eindruck. Saftige Maispoularde mit knackigem Gemüse...nur leider ohne Soße
Auf Nachfrage bestätigte er die Saftigkeit seines mit Kräutern gefüllten Schlegels des gelben Masthuhns. Das Gemüse (Brokkoli, Blumenkohl und Karotten) kam mit leichtem Knack aus dem Dampfgarer. Und auch am Kartoffelgratin gab es wenig auszusetzen. Leider fehlte es dem Geflügelteller an süffiger Unterfütterung. Ohne Sauce fiel sein Hauptgang doch arg trocken aus.
Schade, dass man in der „Olive“ auf die kleinen Details an diesem Abend wenig Wert legte. So blieb das hier Verzehrte im gut gewollten Durchschnittsbereich, was die dafür aufgerufenen Preise nicht immer rechtfertigte. Vielleicht sollte man hier mit einem klareren kulinarischen Profil auftreten.
Mit Rumpsteak, Wiener Schnitzel, Bowls und Burger möchte man es jedem Gaumen recht machen. Mehr Mut wäre hier angebracht, die libanesischen Wurzeln des Küchenchefs auch im Speisenangebot stärker abzubilden. Auch würde eine stärkere orientalisch-mediterrane Ausrichtung der Küche dem Namen des Restaurants gerechter werden. Ein paar vielversprechende Ansätze waren ja da. Mehr aber auch nicht.
Den Ort – in diesem Fall war es sogar ein Kurort – des Geschehens hatte das Los entschieden. Das im Schlosshotel Bergzaberner Hof – viele erinnern sich an das vetternwirtschaftlich sanierte, von öffentlicher Hand finanzierte „Leuchtturmprojekt“ von König Kurt (der damalige Landesvater Kurt Beck ist gemeint, Anm.) - untergebrachte Restaurant Olive hatte dann ein Mitglied unseres Wörther Futtervereins ausgesucht.
Es war ein Mittwochabend Mitte Dezember und wir waren alle noch etwas mitgenommen von den innerkonferenzlichen Ereignissen am Nachmittag. Nach überstandener Zusatzschicht... mehr lesen
Restaurant Olive im Schlosshotel Bergzaberner Hof
Restaurant Olive im Schlosshotel Bergzaberner Hof€-€€€Restaurant06343 9365860Königstraße 55-57, 76887 Bad Bergzabern
3.0 stars -
"Hier lagen Anspruch und Wirklichkeit deutlich mehr als nur einen Steinfruchtwurf weit auseinander" GourmägglerDen Ort – in diesem Fall war es sogar ein Kurort – des Geschehens hatte das Los entschieden. Das im Schlosshotel Bergzaberner Hof – viele erinnern sich an das vetternwirtschaftlich sanierte, von öffentlicher Hand finanzierte „Leuchtturmprojekt“ von König Kurt (der damalige Landesvater Kurt Beck ist gemeint, Anm.) - untergebrachte Restaurant Olive hatte dann ein Mitglied unseres Wörther Futtervereins ausgesucht.
Es war ein Mittwochabend Mitte Dezember und wir waren alle noch etwas mitgenommen von den innerkonferenzlichen Ereignissen am Nachmittag. Nach überstandener Zusatzschicht
Besucht am 27.11.2025Besuchszeit: Mittagessen 2 Personen
Rechnungsbetrag: 43 EUR
Ende November hatte ich mit meiner Gattin eine „India-Gate-Affäre“ der kulinarischen Art zur Mittagszeit. Wir trafen uns in dem von Harman Gill im August 2025 eröffneten Restaurant im Parterre eines auffälligen Eckhauses in der Rheinstraße 62. Charmantes Eckhaus in Mühlburg
Früher wurde hier griechische Küche zelebriert. Nicht nur bei Mühlburger Karnivoren ist der Vorgänger, der beliebte Grieche „Bei Fotis“, noch in bester Erinnerung.
Der Betreiber des „India Gate“, Harman Gill, ist in der Karlsruher Gastrolandschaft kein Unbekannter, ist es doch neben dem „Bombay Palace“ in Karlsruhe-Dammerstock sowie den beiden „Sangam“-Lokalen in Beiertheim-Bulach und in Mühlburg bereits das vierte indische Restaurant, das der emsige, aus Nordindien stammende Gastronom in der Fächerstadt führt.
In dem rund 50 Plätze fassenden Gastraum herrschte eine funktional-nüchterne Atmosphäre. Nüchterne Atmosphäre im Gastraum
Auf Deko-Kitsch wird hier weitgehend verzichtet. Dafür grüßen einige von Herrn Gill selbst gepinselte Kunstwerke großformatig von den weißgestrichenen Wänden. Willkommene Farbtupfer im ansonsten recht steril wirkenden Ambiente (die hellen Fliesen sind mal wieder schuld…). Innenansicht des vorderen Gastraums
Es war überraschend wenig los an diesem Donnerstagmittag Ende November. Und das obwohl mit 13 verschiedenen Mittagsgerichten (alle unter knapp unter 10 Euro) ein äußerst preisgünstiges Lunchangebot offeriert. Selbstverständlich darf sich der hungrige Gast auch aus dem reichhaltigen Standardrepertoire sein Mittagsmahl zusammenstellen.
Die üblichen Tandoori-Verdächtigen mit Hühnchen oder Lamm, süffige Fisch- und Fleisch-Currys und jede Menge vegetarische bzw. vegane Leckereien aus der nicht nur in dieser Hinsicht sehr abwechslungsreichen indischen Küche standen in diversen Varianten zur Auswahl. Ein erwartbares Speiseprogramm wie man es bei vielen „Deutsch-Indern“ vorfindet.
Der Mittagsdurst erforderte die Bestellung einer Flasche Mineralwasser (0,75l für 6,50 Euro), auf die später noch eine zweite folgen sollte. Vorweg teilten wir uns das mit Hühnerklein gefüllte, hausgebackene Naan-Brot („Chicken Naan“, 4,50 Euro), das mit zerlassener Ghee-Butter bestrichen und noch leicht warm im Körbchen serviert wurde. Der erste Hunger ließ sich damit gut bändigen. Chicken Naan
Meine Gattin wählte von der Mittagskarte das Palak Paneer (9,90 Euro). Für einen Preisaufschlag von 3,50 Euro bekam sie noch einen kleinen Salatteller dazu. Mich gelüstete es mit dem Chicken Jalfrezi (9,50 Euro) nach einem bengalischen Resteverwertungsklassiker aus der britischen Kolonialzeit.
Damals – so erzählt man sich – wurde übriggebliebenes, gebratenes Fleisch zusammen mit viel Gemüse und scharfen („jhal“ = scharf) Gewürzen in der Pfanne nochmals angebraten („frezi“ = unter Rühren anbraten), um es zu verwerten. Ob das nun „Arme-Leute-Küche“ oder ein nicht allzu scharfes indisches Curry für die hungrige Mittelschicht darstellt, sollen erfahrenere Kulinariker (für sich) entscheiden.
Den mit sämiger Soße ausgestatteten Klassiker der „Cucina India“, den man hierzulande auf so ziemlich jeder subkontinentalen Speiseliste findet, lasse ich mir als moderater Scharfesser gerne schmecken. Die Papillen kommen dabei auf angenehme Weise in Wallung. Man fühlt sich wohltuend angeregt, ohne die capsaicin-bedingten Schweißausbrüche und Gaumenschmerzen eines feurigen Chicken Madras bzw. Chicken Tikka Masalas in Kauf nehmen zu müssen.
Für 3,50 Euro Aufpreis platzierte ich zusätzlich noch eine Tomatensuppe zwischen Chicken Naan und Jalfrezi. anständige Tomatensuppe
Die löffelte sich dank ihres feinen Aromas sehr angenehm aus der kleinen Tasse. Meine Frau machte sich derweil über Eisberg, Gurken, Tomaten und Rohkost her. Naja, ich habe sie schon liebevoller angerichtete Beilagensalate verputzen sehen. Optisch zu optimierender Beilagensalat
Mit dem in indischen Restaurants üblichen Saucen-Trio (Joghurt-Minze, Mango-Chutney und Chili-Paste) peppten wir das zurückhaltend gewürzte Chicken Naan ein wenig auf. Indisches Saucen-Dreierlei
Es dauerte nicht lange, da platzierte die freundliche Servicedame in Tischmitte den Rechaud zum Warmhalten der Hauptgerichte.
Die ließen dann auch nicht mehr lange auf sich warten. Unsere Hauptgerichte (links Palak Paneer, rechts Chicken Jalfrezi)
Bei meinem Chicken Jalfrezi badeten die Hühnerstücke in sämiger, nicht allzu scharfer Tomaten-Curry-Sauce. Das aromatisch-sämige Chicken Jalfrezi
Auch ein paar Karotten- und Paprika-Stücke schwammen in der würzigen, leicht säuerlichen Tunke mit. Frischer Ingwer zierte in dünnen Streifen das nach Kreuzkümmel und Koriander duftende Curry. Der separat gelieferte Duftreis fiel schön körnig aus. Da gab es nicht das Geringste zu beanstanden. Der Reis war dufte!
Dass meine Gattin der Kombination aus Rahmspinat, hausgemachtem Frischkäse (Paneer) und der richtigen Dosis Garam Masala gerne zusprach, war nun wahrlich keine Überraschung. Schließlich zählt das Palak Paneer zu ihren vegetarischen Favoriten in Sachen nordindischer Küche. Das ebenfalls für gut befundene Palak Paneer
Das India Gate werden wir sicherlich mal wieder zu Lunchzwecken ansteuern. Seine gute Anbindung an den ÖPNV – die Straßenbahn hält quasi direkt vor der Haustür am Lameyplatz –, die entspannte Atmosphäre, das faire Preis-Leistungs-Verhältnis und nicht zuletzt die fundiert zubereiteten, aromatischen Speisen sind definitiv einen Wiederholungsbesuch wert.
Ende November hatte ich mit meiner Gattin eine „India-Gate-Affäre“ der kulinarischen Art zur Mittagszeit. Wir trafen uns in dem von Harman Gill im August 2025 eröffneten Restaurant im Parterre eines auffälligen Eckhauses in der Rheinstraße 62.
Früher wurde hier griechische Küche zelebriert. Nicht nur bei Mühlburger Karnivoren ist der Vorgänger, der beliebte Grieche „Bei Fotis“, noch in bester Erinnerung.
Der Betreiber des „India Gate“, Harman Gill, ist in der Karlsruher Gastrolandschaft kein Unbekannter, ist es doch neben dem „Bombay Palace“ in Karlsruhe-Dammerstock... mehr lesen
Restaurant India Gate
Restaurant India Gate€-€€€Restaurant072182006444Rheinstraße 62, 76185 Karlsruhe
4.0 stars -
"Solides indisches Mittagsmahl in entspannter Atmosphäre" GourmägglerEnde November hatte ich mit meiner Gattin eine „India-Gate-Affäre“ der kulinarischen Art zur Mittagszeit. Wir trafen uns in dem von Harman Gill im August 2025 eröffneten Restaurant im Parterre eines auffälligen Eckhauses in der Rheinstraße 62.
Früher wurde hier griechische Küche zelebriert. Nicht nur bei Mühlburger Karnivoren ist der Vorgänger, der beliebte Grieche „Bei Fotis“, noch in bester Erinnerung.
Der Betreiber des „India Gate“, Harman Gill, ist in der Karlsruher Gastrolandschaft kein Unbekannter, ist es doch neben dem „Bombay Palace“ in Karlsruhe-Dammerstock
Geschrieben am 26.11.2025 2025-11-26| Aktualisiert am
28.11.2025
Besucht am 24.11.2025Besuchszeit: Mittagessen 1 Personen
Rechnungsbetrag: 29 EUR
Dort wo einst Ilo („Ilo’s Kebab Haus“) seine Döner und Yufkas unters drehspießbürgerliche Volk brachte, geht es seit ungefähr einem halben Jahr wesentlich „gedämpfter“ zu. Zentral gelegen, direkt neben der Postgalerie hat in der Erbprinzenstraße im Mai dieses Jahres ein kleines, auf hausgemachte Dumplings und Nudelschüsseln spezialisiertes Asia-Restaurant eröffnet.
In den letzten Monaten verschlug es mich mehrfach in das kleine Lokal in der Karlsruher City. Der Erstbesuch fand Ende Juli im Rahmen eines Familienausflugs, zu dem sich auch mein Vater hinzugesellte, statt. Ein paar Tage zuvor hatte ich über ein Karlsruher Online-Stadtmagazin von der Existenz des von außen recht unscheinbaren Teigtaschentempels Wind bekommen.
Da auch mein Herr Papa – seit unserem Kanada-Trip vor ein paar Jahren – um den hohen Genussfaktor lecker gefüllter Dim Sum weiß, war er natürlich sofort dabei. Er wäre hier wohl nie eingekehrt, denn am unscheinbaren „Mr. Dumpling & Noodle“ läuft man eher vorbei, als dass einem das äußere Erscheinungsbild zu einem Besuch animiert. Von außen eher unauffällig...
Und dieser etwas schmucklose Eindruck setzt sich im Inneren leider fort. Es ging wenige Stufen hinauf zu einem sehr funktional eingerichteten, recht schmalen Gastraum. Gleich zu unserer Linken werkelte „Mr. Dumpling“ (der Koch) hinter dem Tresen in seiner kleinen, offen einsehbaren Küchenecke. „Mrs. Dumpling“ (die Servicekraft) begrüßte uns sehr freundlich und wies uns einen Tisch im hinteren Bereich des hell gestrichenen „Dampf – und Mampfschuppens“ zu.
Die sympathische junge Dame erfüllte ihren Bedienungsauftrag auf asiatisch zurückhaltende Art und Weise, unterhielt sich mit den Gästen aus Fernost in deren Landesprache und half uns bei Fragen zu den Gerichten gerne weiter. Da fühlten wir uns doch gleich willkommen.
Das recht karge Interieur lenkte uns – positiv formuliert – zumindest nicht vom Essen ab. Viel Weiß, viel Grau. Komisch, drinnen ging mir plötzlich der 80er-Jahre Hit "Fade to grey" von Visage durch den Kopf
Dazu ein gefliester Boden aus alten Zeiten. Ein paar großformatige Farbtupfer an den Wänden hätten der Umgebung mit Sicherheit das Eintönige genommen. Naja, wem‘s gefällt. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.
Mittlerweile zieren zumindest ein paar Bambusmatten eine Wand im kleinen Gastraum, wie ich bei meinem letzten Besuch vor ein paar Tagen feststellen konnte. Neu sind die Sitzkissen und die bescheidene Wand-Deko
Aber zusammen mit den Hängeleuchten im Industrial-Look und dem freiliegenden Abzugs- bzw. Entlüftungsrohr, das sich von der Küche kommend seinen Weg entlang der Decke durch die Räumlichkeit bahnt, wirkt das Interieur immer noch etwas steril und ungemütlich. Wenig gemütliches Interieur
Das Speisenangebot steckte im Sommer noch etwas behelfsmäßig in abgegriffenen Klarsichthüllen, die notdürftig von einer Schnur zusammengehalten wurden. Mittlerweile hat diese – wahrscheinlich provisorische – Art der Unterbreitung des Speisenangebots jedoch ausgedient. Ein übersichtlich gestalteter DIN-A4-Flyer im Querformat kündet heuer vom bewusst kleingehaltenen, kulinarischen Programm des Lokals.
Das halbe Dutzend Vorspeisen (Kimchi, Yakitori, Edamame, Hähnchensalat mit Erdnussdressing) von unserer Einkehr im Sommer suchte ich darauf vergebens. Anscheinend hat man seitdem die Karte verkleinert. Die Teigtaschenauswahl – nach wie vor serviert man hier sechs verschiedene Dim-Sum-Varianten (entweder gedämpft oder gebraten) – war dieselbe geblieben.
Auch an den Ramen-Gerichten hatte sich nichts geändert. Die Karte listete ein halbes Dutzend Nudelsuppen, die sich mit diversen Toppings aufwerten ließen. Für Nudelfreunde gab es noch eine Handvoll verheißungsvoll klingender Schüsselgerichte. Auch diese ließen sich optional mit einem Topping (würziges Rindfleisch, Hähnchenbrust oder Tofu) aufpeppen.
Meine Frau entschied sich damals für eine Nudelsuppe auf Sojasoßen-Basis namens „Shoyu Ramen“ (7,90 Euro), die sie um dünn aufgeschnittenes, würziges Rindfleisch (5,90 Euro) erweiterte. Shoyu Ramen mit würzigem Rindfleisch (Topping)
Mein Vater wagte sich an die Black-Shrimp-Dumplings (9,90 Euro) aus dem Bambus-Dämpfkorb. Meine mit Hähnchenfleisch, Paprika und Ingwer gefüllten Gold-Chicken-Gyoza (9,90 Euro) brutzelten vorher kurz in der Pfanne.
Jede Portion dieser „Peking-Pelmeni“ bestand aus zehn Exemplaren, die sich schon farblich stark voneinander unterschieden. Die mit Garnelenfleisch, Taro-Yam-Paste, Bambussprossen und Hühnerfleisch gefüllten Shrimps-Taschen steckten in einer schwarzen Teighülle (Sepia, ick hör‘ dir tinten…). In der Karte verwies man auf den Einsatz „natürlicher Farben“ und den Verzicht auf „künstliche Zusätze“. Schwarze Garnelen-Dumplings (gedämpft)
Die Teile sahen übrigens nicht nur verboten gut aus, sie schmeckten auch unverschämt lecker. Saftig, garnelig und wunderbar aromatisch. Onkel Tom (Yum) grüßte mit milder Schärfe und frischer Säure. Galgant, Zitronengras, ein Hauch Chili und (wahrscheinlich) Fischsoße brachten die handgemachten Teiglinge geschmacklich auf Kurs. Mein Vater war derart begeistert, dass ihm nur schwer ein Garnelentäschchen zu entlocken war.
Aber auch meine mit gelber Teighülle durch die Pfanne geschleusten Kanton-Ravioli waren nicht von schlechten Hühnern. Gelbe Huhn-Dumplings (gebraten)
Unter „Gold Chicken“ versteht man im Osten unserer Republik wahrscheinlich etwas ganz anderes. Hier „broilerte“ das „geflügelte Gold“ nicht zuvor am Rotisserie-Grill, sondern versteckte sich zusammen mit Paprika, Ingwer und Chili in zehn gelben Nudeltaschen. Ein Schälchen Erdnuss-Sesam-Sauce zum Dippen befand sich ebenfalls auf dem Teller.
Kein Wunder, dass wir uns danach noch einen gemischten Satz davon nachbestellten. Selbst zusammengestellte Auswahl bunter Teigtaschen
Auch für gestandene „Dim-Sumonauten“ sei die nach eigenem Gusto zusammenstellbare Auswahl an Dampfbarkeiten (11,90 Euro) dringend empfohlen. Mit ihr lässt es sich nämlich prima durchs hiesige Teigtaschenrepertoire futtern. Ein Dampfgarkorb (voll) Buntes
Denn jede dieser kleinen Köstlichkeiten hat – neben der Teighüllenfarbe – ihr ganz eigenes, nach frischen Zutaten schmeckendes Aroma. So dominiert beispielsweise bei den mit Rindfleisch und Zwiebeln gefüllten Sakura-Beef-Dumplings ganz klar der Kollege Kreuzkümmel, während die Classic-Pork-Variante mit Shiitake-Pilzen und Chinakohl eher den bekannten Geschmacksbildern aus Fernost nacheifert.
Allzu gierige Dumplingvernichter sollten jedoch aufpassen. An der heißen Füllung der dem Dampf entstiegenen „Täschle“ verbrennt man sich gerne Zunge und Gaumen. Da heißt es entweder warten oder ein paar Soja-Nudeln mit Hähnchenbrust (12,90 Euro) parallel dazu genießen, so wie ich das bei meiner letzten Einkehr vor ein paar Tagen tat. Soja-Nudeln mit Hähnchenbrust-Topping
Auf die kleingeschnittene Salatgurke, die mir bei einem anderen Besuch meine süffig-pikante Schüssel mit gedämpften Wantan (Garnelen-Schweinefleischfüllung), Frühlings- und Röstzwiebeln sowie fermentiertem Senfkohl und Chili-Öl (13,90 Euro) regelrecht „vergurkte“, verzichtete ich dankend. Süffige Chili-Wantan mit frischen und knusprigen Beigaben
Und an das fermentierte, chinesische „Sauerkraut“ hat sich mein Gaumen mittlerweile ganz gut gewöhnt.
Wer also auf bunte Dampfgarerzeugnisse mit aromatisch-saftiger Füllung steht, es um sich herum aber nicht allzu bunt mag (Interieur!) und bei dem auch eine frisch gewokte Nudelschüssel (egal ob mit Suppe oder Soße – schmeckt alles hier verdammt gut!) absolut im kulinarischen Ra(h)men (sorry, der musste zum Schluss noch sein…) liegt, dem sei dieser Laden in der Karlsruher City wärmstens ans Herz gelegt.
Mich wird man hier in Zukunft wohl noch öfter sehen, denn diese Teigtaschen haben (auf mich) ein regelrechtes Suchtpotenzial. Und außerdem habe ich noch nicht alle Nudelschüsseln durchprobiert…
Dort wo einst Ilo („Ilo’s Kebab Haus“) seine Döner und Yufkas unters drehspießbürgerliche Volk brachte, geht es seit ungefähr einem halben Jahr wesentlich „gedämpfter“ zu. Zentral gelegen, direkt neben der Postgalerie hat in der Erbprinzenstraße im Mai dieses Jahres ein kleines, auf hausgemachte Dumplings und Nudelschüsseln spezialisiertes Asia-Restaurant eröffnet.
In den letzten Monaten verschlug es mich mehrfach in das kleine Lokal in der Karlsruher City. Der Erstbesuch fand Ende Juli im Rahmen eines Familienausflugs, zu dem sich auch mein Vater hinzugesellte,... mehr lesen
Mr. Dumpling & Noodle
Mr. Dumpling & Noodle€-€€€Restaurant, Lieferdienst, Take AwayErbprinzenstraße 35, 76133 Karlsruhe
4.0 stars -
"Ein kleines, aber feines Refugium für anspruchsvolle Teigtaschendiebe" GourmägglerDort wo einst Ilo („Ilo’s Kebab Haus“) seine Döner und Yufkas unters drehspießbürgerliche Volk brachte, geht es seit ungefähr einem halben Jahr wesentlich „gedämpfter“ zu. Zentral gelegen, direkt neben der Postgalerie hat in der Erbprinzenstraße im Mai dieses Jahres ein kleines, auf hausgemachte Dumplings und Nudelschüsseln spezialisiertes Asia-Restaurant eröffnet.
In den letzten Monaten verschlug es mich mehrfach in das kleine Lokal in der Karlsruher City. Der Erstbesuch fand Ende Juli im Rahmen eines Familienausflugs, zu dem sich auch mein Vater hinzugesellte,
Geschrieben am 24.01.2026 2026-01-24| Aktualisiert am
24.01.2026
Besucht am 22.11.2025Besuchszeit: Abendessen
Nach wie vor erfreut sich dieser quirlige italienische Teigfladen- und Pastatempel in der Landauer Trappengasse einer großen Beliebtheit. Im letzten Jahr kehrte ich hier zweimal ein. Anfang April mit der Wörther Futtertruppe und Ende November mit Frau und Kind. Blick von draußen ins Innere
Vom „Sapori“, wie viele das seit 2010 von der Familie Orsini betriebene Lokal in Kurzform auch nennen, habe ich lange nicht mehr berichtet. Das liegt in erster Linie an der Tatsache, dass ich seit unserem Umzug nach Wörth viel seltener in Landau weile. Und wenn ich dann mal vor Ort war und Zeit für eine Spontaneinkehr in dem trubeligen Ristorante hatte, war dieses entweder geschlossen oder alle Plätze waren belegt.
Insofern ist es immer ratsam, vorher anzurufen, um auch sicher einen Tisch zu bekommen. Da wir Anfang April zu fünft dort aufschlagen wollten, hatte ich bereits ein paar Tage zuvor die Plätze per Telefon klargemacht. Und so saßen wir an jenem frühlingshaften Mittwochabend kurz vor den bald beginnenden Osterferien in voller Clubstärke auf den unbequemen Holzstühlen und atmeten den appetitanregenden, würzig-mediterranen Pizzadunst, der aus dem nicht weit entfernten Ofen drang, in erwartungsvoller Vorfreude auf die stets verlässliche Cucina der Orsinis ein.
Der Geräuschpegel im Lokal hatte die normale „Schallhöhe“ längt erreicht. Man musste also schon ein wenig die Stimme erheben, um sich einer funktionierenden Tischkonversation sicher zu sein. Aber das gehört einfach zu dieser lebhaften Trattoria wie die Salume in deren Feinkostauslage, die hier übrigens richtig gut sortiert ist.
Inhaber Dario Orsini, der wie immer vor dem heißen Pizzaofen die deftigen Scheiben zubereitete, grüßte freundlich in unsere Runde. Bald hatte sich Servicechef Italo, der Sohn des Pizzaiolos, zu uns gesellt und nahm im gewohnten Stakkato unsere Bestellungen entgegen.
Inspiriert von den Schiefertafeln mit den Al-Forno-Klassikern oben an der Wand, den an der Plexiglasscheibe vor dem Pizza-Abteil angebrachten Plakaten mit den „Außer-der-Reihe-Angeboten“ und dem Standardrepertoire von der aufklappbaren Karte, wählten wir uns einmal quer durchs gut aufgestellte Pizza-Pasta-Programm der sympathischen „Saporianer“. Ort der (wohlgebackenen) Tat
Den mit reichlich Parmaschinken, Rucola und Parmesan gesegneten Büffelmozzarella-Salat (17 Euro) musste ich mit einem meiner Kollegen teilen, denn der ist von der Menge her eher wie ein Hauptgericht portioniert. Mit dem Büffel nach Parma
Wegen den gebotenen Großformaten hat Salat-Sharing im „Sapori“ übrigens Tradition.
Ende November teilte ich mir mit meiner Gattin einen stattlichen „Italienischen“ (10 Euro). Und auch da war die Zufriedenheit mit dem knackfrischen, mit Schinken, Tomaten, Gurken, Karotten und Käse veredelten Blattgrün sehr hoch. Besonders das würzige Essig-Öl-Dressing sei an dieser Stelle positiv erwähnt, denn es brachte ordentlich viel Schmackes in den bunten Salathügel. Der frische Italiener
Doch zurück zum Besuch in kollegialer Schlemmerrunde im April. Allein die unter dem Schinkendach lauernde Menge an cremig-weichem Büffelmozzarella, dem Tofu des mediterranen Südens, musste bei unserem Vorspeisensalat erst einmal bewältigt werden, was gar keine so leichte Aufgabe war. Einfach mal aus dem Vollen büffeln!
Gut vorgesättigt ging es für mich danach mit den Strozzapreti ai Frutti di Mare (19 Euro) weiter.
Auch zwei andere Tischgenossen hatten sich eine Vorspeise geteilt. Im „Sapori“ bietet man auch eine kleine Auswahl an herzhaft belegten Fladenbroten, den sogenannte Pucce, an. Italo-Kebap
Die Version mit dünn aufgeschnittenem Spanferkelrollbraten, Käse, Salat und einer hellen (Salat)Sauce (8 Euro) kam jedenfalls als veritables „Italo-Sandwich“ bei den beiden bekennenden „Puccisten“ gut an.
Zeitgleich mit meiner Meeresfrüchte-Pasta wurden drei Pizzen und ein Jägerschnitzel mit Pommes Frites (17,50 Euro) serviert. Die drei deftigen, ausreichend tomatisierten Hefeteigerzeugnisse in Wagenradgröße hörten auf die Namen „Italo“ (mit Thunfisch, Zwiebeln, Kapern, scharfer Peperoni und Oregano / 14 Euro), „Prosciutto“ (mit Thunfisch zusätzlich / 12 Euro) und „Clarissa“ (mit Salami und frischen Champignons / 13 Euro) und schienen wie aus dem Lehrbuch für italienische Teigfladenoptik entnommen. Benannt nach dem Sohnemann - die Pizza Italo
Sie zeichneten sich alle durch eine schöne Saftigkeit aus. Die verwendete Tomatenbasis hatte wie immer ordentlich viel Schmackes. Und der nette Pizzaiolo spart auch nicht bei den übrigen Belagzutaten. Pizza "Proscionno" (Marke Eigenbau)
Der außen knusprige und innen angenehm luftige Boden überzeugte auf ganzer Linie. Er hatte genau die richtige Dicke vorzuweisen und geriet auch am Rand wunderbar kross. Pizza Clarissa - zweifellos ein Hingucker!
Wer hier watteweiche Teigpolster im Schlauchbootformat à la Neapolitana erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht sein. Freunde gut durchgebackener Rustikalscheiben hingegen können bei den Orsinis ungeniert ihren Spachteldrang besänftigen. Und das taten die drei Pizza-Enthusiasten an unserem Tisch mit Bravour.
Auch der notorische Schnitzelesser in unserer Runde lobte sein mit reichlich Sauce überdecktes, schnörkelloses Panierstück vom Schwein, das er sich zusammen mit einer beachtlichen Portion Pommes Frites und einer stramm durchsoßten Champignon-Paprika-Zwiebel-Haube schmecken ließ. Gibt's auch beim Italiener...
Gut, dass er keine Vorspeise bestellt hatte. Der Komplettverzehr dieses gutbürgerlichen Redundanzgerichts wäre wohl in Gefahr geraten. So mancher Jäger wäre wohl nach der Bewältigung dieser reichbedeckten Schnitzelei nicht mehr den Hochsitz hochgekommen. Tadelloses Sößchen vom italienischen Jäger
Da lobte ich mir doch die leichte Pastaküche mit Meerblick, die mir meine teiggewordenen und danach in perfektem „Al-Dente“ auf dem Teller gelandeten „Priesterwürger“ (= Strozzapreti) bescherten. Wenn der teiggewordene "Priester" genüsslich die Meeresfrüchte würgt...
Klar, die dafür aufgerufenen 19 Euronen waren schon eine recht sportliche Ansage ans eigene Portemonnaie, aber die großzügige Ausstattung mit qualitativ hochwertigen Meeresfrüchten rechtfertigte die pekuniären Mittel allemal. Pulpo, Miesmuscheln, Garnelen kamen ausreichend knobliert und mit einem aromatischen Tomatensugo süffig unterfüttert auf den nicht gerade kleinen Glasteller in passender Fischform. Beeindruckender Anteil an Meeresfrüchten
Beim Besuch mit meiner Familie waren es übrigens die frischen Miesmuscheln mit Spaghetti (19,90 Euro), die mir den Abend retteten. Selbstverständlich wurde auch diese formidable „Moules-Pâtes-Liaison“ mit der gleichen, astreinen Tomatensauce veredelt wie ein halbes Jahr zuvor meine Strozzapreti.
Keine leichte Aufgabe, zu dem Miesmuschelberg vom Volumen eines mittelgroßen Kochtopfs noch einen ansehnlichen Spaghetti-Hügel zu verdrücken. Die Nudeln waren zwar nicht hausgemacht, ließen sich aber mit wahrnehmbarer Bissfestigkeit um die Gabel wickeln. Die fruchtig-pikante Tomatentunke ließ auf die Verwendung reifer Zutaten schließen. Ein Teller voll Glückseligkeit, der außerdem ordentlich sättigte. Miesmuscheln mit Spaghetti (oder umgekehrt?)
Auch meine beiden Damen genossen ihre Leckereien aus Pfanne und Ofen. Das Töchterchen knabberte mit Inbrunst an ihrer Pizza Margherita (10 Euro), von der wir am Folgetag die erkalteten, aber nicht weniger schmackhaften Reste vertilgten. Pizza Margherita (ohne die zuvor aus der Mitte entwendete Olive)
Und die Spaghetti Carbonara (12 Euro), die sich meine Gattin einverleibte, waren auch nicht gerade von schlechten „Köhlern“. Sattmacher nach Köhler-Art
Es beeindruckt mich immer wieder, wie man diesen Inbegriff italienischer Pasta-Saturiertheit komplett verdrücken kann. Aber mit genügend San Pellegrino aus der Dreiviertelliterflasche (5,50 Euro) kann Frau es schaffen.
Auf ein Tiramisu (5 Euro), das ich mir bei der Einkehr mit den Kollegen im April dann doch nicht nehmen ließ, Kalorienquader meines Vertrauens
verzichteten wir jedoch aus reinem Platzmangel in der Magengegend. Dieser herrschte mittlerweile auch im Gastraum, weshalb sich etliche Spontanbesucher (ohne Reservierung) unbestellter Dinge eine Alternative suchen mussten, da mal wieder alle Tische belegt oder ausreserviert waren.
Möge der trubelige Laden der fleißigen Apulier weiterhin so brummen. Die Qualität der Speisen stimmt nach wie vor. Da lassen sich auch die paar Euro mehr für das ein oder andere Gericht verschmerzen.
Für romantisch veranlagte Pizza- und Pastagänger ist die quirlige Trattoria vielleicht nicht unbedingt die erste Wahl fürs erste Date. Und auch ungeduldige Gäste mit knappem Zeitfenster werden wahrscheinlich wegen der manchmal etwas längeren Wartezeiten aufs Essen schnell nervös. Dafür wird hier alles frisch gekocht bzw. gebacken.
Wir gehen jedenfalls immer noch sehr gerne in diesen durch und durch italienischen Laden in der Landauer Trappengasse, in dem sich die „sapori d’Italia“ auf so unterschiedliche Art und Weise inhalieren lassen. Insofern ist hier jeder Besuch wie ein kleiner kulinarischer Kurztrip über die Alpen.
Nach wie vor erfreut sich dieser quirlige italienische Teigfladen- und Pastatempel in der Landauer Trappengasse einer großen Beliebtheit. Im letzten Jahr kehrte ich hier zweimal ein. Anfang April mit der Wörther Futtertruppe und Ende November mit Frau und Kind.
Vom „Sapori“, wie viele das seit 2010 von der Familie Orsini betriebene Lokal in Kurzform auch nennen, habe ich lange nicht mehr berichtet. Das liegt in erster Linie an der Tatsache, dass ich seit unserem Umzug nach Wörth viel seltener in... mehr lesen
Ristorante Sapori d'Italia
Ristorante Sapori d'Italia€-€€€Trattoria, Pizzeria063417029991Trappengasse 18, 76829 Landau in der Pfalz
4.0 stars -
"Wo Landau gerne italienisch is(s)t" GourmägglerNach wie vor erfreut sich dieser quirlige italienische Teigfladen- und Pastatempel in der Landauer Trappengasse einer großen Beliebtheit. Im letzten Jahr kehrte ich hier zweimal ein. Anfang April mit der Wörther Futtertruppe und Ende November mit Frau und Kind.
Vom „Sapori“, wie viele das seit 2010 von der Familie Orsini betriebene Lokal in Kurzform auch nennen, habe ich lange nicht mehr berichtet. Das liegt in erster Linie an der Tatsache, dass ich seit unserem Umzug nach Wörth viel seltener in
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Aufgrund seiner Beliebtheit schlugen gleich mehrere Versuche fehl, dort spontan einen Tisch zu bekommen. Anfang Februar hatte ich dann endlich Glück. Angeheizt vom brühwarmen Bremer Nudelsuppen-Erlebnis im „Tampopo“ ein paar Wochen zuvor, gelüstete es mich an einem Freitagmittag zur besten Lunch-Time nach japanischem Seelenfutter aus der Schlürfschüssel.
Ein kurzer Anruf sicherte mir doch tatsächlich einen Platz in dem von außen eher unscheinbar wirkenden Ramen-Restaurant.
Ehrlich gesagt bin ich zunächst daran vorbeigelaufen und Google schickte mich wieder retour. Wer nicht gezielt nach dem Laden sucht oder bereits weiß, wo es sich befindet, dem wird es wahrscheinlich ähnlich gehen.
Drinnen erwartete mich eine lebendige, angenehm pulsierende Atmosphäre, die ein völlig anderes Bild (im Vergleich zur äußeren Erscheinung) bot. Hier herrschte Leben, was jedoch nicht (allzu sehr) auf Kosten der Gemütlichkeit ging.
Die teilweise im unverputzten Stil verkleideten Wände, die eher sparsame Beleuchtung, der abgenutzt wirkende, helle Holzboden und die rustikalen Holzbalken an der Decke (aber auch als raumtrennende Elemente) schufen eine entspannte Atmosphäre, die lediglich von den dicht nebeneinander platzierten Bistro-Tischen etwas „eingeengt“ wurde.
Von meinem Platz an der Wand hatte ich einen guten Blick in den Gastraum bzw. auf sein munteres Innenleben. Was die Leute links und rechts neben mir sprachen und aßen, bekam ich quasi „on top“ dazu geliefert. Kann ja auch manchmal ganz interessant sein…
Auch an jenem Freitagmittag war die Min Ramen Bar wirklich gut frequentiert und die beiden jungen Servicekräfte hatten alle Hände voll zu tun. Manchmal dauerte es ein wenig bis sie den Weg an meinen Tisch fanden, aber in Anbetracht der Auslastung ging das voll in Ordnung. Im Gespräch gab man sich zugewandt und hilfsbereit. Auf den persönlichen Schärfegeschmack wurde bei der Auswahl der Speisen gerne eingegangen.
Ich orderte ein Fläschchen Mineralwasser der Marke Peterstaler (0,5l für 4,90 Euro) für den Durst und durchstöberte in aller Ruhe das nicht überfordernde Speisenprogramm. Die Seite mit den in den Größen M („medium“) und L („large“) angebotenen Nudelsuppen auf Miso-, Shoyu- und Tonkotsu-Basis ließ ich links liegen und entschied mich für die Tantanmen Ramen in der Größe „M“ mit Tempura-Garnele (14,50 Euro).
Dabei handelt es sich sozusagen um die Antwort Japans auf die chinesischen Dan-Dan-Nudeln. Auf eine cremig-würzige Sesam-Brühe mit angebratenem Hühnerhack, Chili-Öl, Pakchoi und dem charakteristischen Szechuan-Schärfekick hatte ich so richtig Lust. Und gegen ein knuspriges „Add-on“ (Tempura-Garnele) hatte ich auch nichts einzuwenden.
Vorweg durfte es ruhig ein wenig „kara-agierter“ zur Sache gehen. Sechs doppelt frittierte, knusprige Hähnchenstücke mit japanischer Mayo und Wakame („Chicken Kara-age“, 6 Euro) bestimmten zusammen mit zwei Süßkartoffelkroketten (5 Euro) das gar nicht mal so fettig ausfallende Vorspeisenprogramm.
Die beiden Kleingerichte wurden zusammen serviert. Kross frittiertes Fingerfutter, das mir den grauen Februar-Freitag erhellte. Die milden, leicht süßlichen Kroketten bildeten dabei einen schönen Gegenpol zu den herzhaft knusprigen Hähnchen-Nuggets, deren Panierung eine angenehme Textur hatte und die mit saftigem Fleisch punkteten.
Am Nebentisch ließ man sich die Takoyaki (Oktopusbällchen) schmecken. Die sahen auch klasse aus und sind für den nächsten Besuch bereits vorgemerkt.
Gut, dass ich die Nudelsuppe in der kleineren Größe geordert hatte, denn meine beiden Appetizer aus der Fritteuse entließen mich gut vorgesättigt in Richtung Hauptspeise.
Wie schrieb einst mein leider auf diesem Portal verstummter Vor-Rezensent aus dem nördlichen Schwarzwald über seine Kara Miso Ramen: „Die Schärfe war auf den Punkt, der Magen wurde angenehm gewärmt, ohne dass die Nase über Gebühr tropfte…“.
Ähnlich erging es auch mir. Die Brühe wärmte von Innen, während knackiger Pakchoi, frische Frühlingszwiebel, scharf gewürztes Hühnerhack und noch leicht bissfeste Nudeln um die Gunst ihres „Schlürf-Verweigerers“ buhlten.
Gerösteter Sesam und Chili-Öl steuerten nussig-milde und leicht feurige Akzente bei. Ich löffelte hemmungslos aus dem Trüben. Die à Part gelieferte Garnele in Knusperhülle stippte ich in eine gut abgeschmeckte Wasabi-Mayo und war dankbar über die geschmackliche und texturelle Abwechslung.
An die aromatische Würze der Tantanmen-Brühe könnte ich mich glatt gewöhnen. Sie bildete die Basis für eine vollmundige Nudelsuppe, deren herzhaft-cremige Grundstruktur die frischen und scharfen Einlagen zu einem harmonischen Geschmacksbild zusammenfügte. Gut auch, dass die eher neutralen Nudeln das kräftige Umami der Brühe etwas abmilderten.
Ich war zwar noch nie in Japan, aber anscheinend soll es in der Min Ramen Bar ziemlich authentisch zugehen (wenn man den Worten eines kulinarischen Japan-Kenners auf einem anderen Portal Glauben schenken darf). Die Kombination aus lebendiger Atmosphäre und winterlichem Suppenglück hat mir jedenfalls sehr gut gefallen.
Auch der stets freundliche, sympathisch agierende Service gehört zu den großen Pluspunkten dieses beliebten Asia-Lokals. Und nicht zuletzt die hier in die Schüssel gebrachte Ramen-Qualität, die das Restaurant zu etwas Besonderem macht. Die formidablen Nudelsuppen stellen hier zweifellos das kulinarische Aushängeschild dar und erklären die vielen positiven Rückmeldungen im Netz.
Wer also mal in Karlsruhe auf der Suche nach einer glücklich machenden Ramen-Suppe ist, der sollte (nicht wie ich) an der unscheinbaren Min Ramen Bar vorbeigehen, sondern unbedingt hineingehen! Ohne Reservierung wird es allerdings schwer, einen der begehrten Plätze zu ergattern.