Geschrieben am 26.11.2025 2025-11-26| Aktualisiert am
28.11.2025
Besucht am 24.11.2025Besuchszeit: Mittagessen 1 Personen
Rechnungsbetrag: 29 EUR
Dort wo einst Ilo („Ilo’s Kebab Haus“) seine Döner und Yufkas unters drehspießbürgerliche Volk brachte, geht es seit ungefähr einem halben Jahr wesentlich „gedämpfter“ zu. Zentral gelegen, direkt neben der Postgalerie hat in der Erbprinzenstraße im Mai dieses Jahres ein kleines, auf hausgemachte Dumplings und Nudelschüsseln spezialisiertes Asia-Restaurant eröffnet.
In den letzten Monaten verschlug es mich mehrfach in das kleine Lokal in der Karlsruher City. Der Erstbesuch fand Ende Juli im Rahmen eines Familienausflugs, zu dem sich auch mein Vater hinzugesellte, statt. Ein paar Tage zuvor hatte ich über ein Karlsruher Online-Stadtmagazin von der Existenz des von außen recht unscheinbaren Teigtaschentempels Wind bekommen.
Da auch mein Herr Papa – seit unserem Kanada-Trip vor ein paar Jahren – um den hohen Genussfaktor lecker gefüllter Dim Sum weiß, war er natürlich sofort dabei. Er wäre hier wohl nie eingekehrt, denn am unscheinbaren „Mr. Dumpling & Noodle“ läuft man eher vorbei, als dass einem das äußere Erscheinungsbild zu einem Besuch animiert. Von außen eher unauffällig...
Und dieser etwas schmucklose Eindruck setzt sich im Inneren leider fort. Es ging wenige Stufen hinauf zu einem sehr funktional eingerichteten, recht schmalen Gastraum. Gleich zu unserer Linken werkelte „Mr. Dumpling“ (der Koch) hinter dem Tresen in seiner kleinen, offen einsehbaren Küchenecke. „Mrs. Dumpling“ (die Servicekraft) begrüßte uns sehr freundlich und wies uns einen Tisch im hinteren Bereich des hell gestrichenen „Dampf – und Mampfschuppens“ zu.
Die sympathische junge Dame erfüllte ihren Bedienungsauftrag auf asiatisch zurückhaltende Art und Weise, unterhielt sich mit den Gästen aus Fernost in deren Landesprache und half uns bei Fragen zu den Gerichten gerne weiter. Da fühlten wir uns doch gleich willkommen.
Das recht karge Interieur lenkte uns – positiv formuliert – zumindest nicht vom Essen ab. Viel Weiß, viel Grau. Komisch, drinnen ging mir plötzlich der 80er-Jahre Hit "Fade to grey" von Visage durch den Kopf
Dazu ein gefliester Boden aus alten Zeiten. Ein paar großformatige Farbtupfer an den Wänden hätten der Umgebung mit Sicherheit das Eintönige genommen. Naja, wem‘s gefällt. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.
Mittlerweile zieren zumindest ein paar Bambusmatten eine Wand im kleinen Gastraum, wie ich bei meinem letzten Besuch vor ein paar Tagen feststellen konnte. Neu sind die Sitzkissen und die bescheidene Wand-Deko
Aber zusammen mit den Hängeleuchten im Industrial-Look und dem freiliegenden Abzugs- bzw. Entlüftungsrohr, das sich von der Küche kommend seinen Weg entlang der Decke durch die Räumlichkeit bahnt, wirkt das Interieur immer noch etwas steril und ungemütlich. Wenig gemütliches Interieur
Das Speisenangebot steckte im Sommer noch etwas behelfsmäßig in abgegriffenen Klarsichthüllen, die notdürftig von einer Schnur zusammengehalten wurden. Mittlerweile hat diese – wahrscheinlich provisorische – Art der Unterbreitung des Speisenangebots jedoch ausgedient. Ein übersichtlich gestalteter DIN-A4-Flyer im Querformat kündet heuer vom bewusst kleingehaltenen, kulinarischen Programm des Lokals.
Das halbe Dutzend Vorspeisen (Kimchi, Yakitori, Edamame, Hähnchensalat mit Erdnussdressing) von unserer Einkehr im Sommer suchte ich darauf vergebens. Anscheinend hat man seitdem die Karte verkleinert. Die Teigtaschenauswahl – nach wie vor serviert man hier sechs verschiedene Dim-Sum-Varianten (entweder gedämpft oder gebraten) – war dieselbe geblieben.
Auch an den Ramen-Gerichten hatte sich nichts geändert. Die Karte listete ein halbes Dutzend Nudelsuppen, die sich mit diversen Toppings aufwerten ließen. Für Nudelfreunde gab es noch eine Handvoll verheißungsvoll klingender Schüsselgerichte. Auch diese ließen sich optional mit einem Topping (würziges Rindfleisch, Hähnchenbrust oder Tofu) aufpeppen.
Meine Frau entschied sich damals für eine Nudelsuppe auf Sojasoßen-Basis namens „Shoyu Ramen“ (7,90 Euro), die sie um dünn aufgeschnittenes, würziges Rindfleisch (5,90 Euro) erweiterte. Shoyu Ramen mit würzigem Rindfleisch (Topping)
Mein Vater wagte sich an die Black-Shrimp-Dumplings (9,90 Euro) aus dem Bambus-Dämpfkorb. Meine mit Hähnchenfleisch, Paprika und Ingwer gefüllten Gold-Chicken-Gyoza (9,90 Euro) brutzelten vorher kurz in der Pfanne.
Jede Portion dieser „Peking-Pelmeni“ bestand aus zehn Exemplaren, die sich schon farblich stark voneinander unterschieden. Die mit Garnelenfleisch, Taro-Yam-Paste, Bambussprossen und Hühnerfleisch gefüllten Shrimps-Taschen steckten in einer schwarzen Teighülle (Sepia, ick hör‘ dir tinten…). In der Karte verwies man auf den Einsatz „natürlicher Farben“ und den Verzicht auf „künstliche Zusätze“. Schwarze Garnelen-Dumplings (gedämpft)
Die Teile sahen übrigens nicht nur verboten gut aus, sie schmeckten auch unverschämt lecker. Saftig, garnelig und wunderbar aromatisch. Onkel Tom (Yum) grüßte mit milder Schärfe und frischer Säure. Galgant, Zitronengras, ein Hauch Chili und (wahrscheinlich) Fischsoße brachten die handgemachten Teiglinge geschmacklich auf Kurs. Mein Vater war derart begeistert, dass ihm nur schwer ein Garnelentäschchen zu entlocken war.
Aber auch meine mit gelber Teighülle durch die Pfanne geschleusten Kanton-Ravioli waren nicht von schlechten Hühnern. Gelbe Huhn-Dumplings (gebraten)
Unter „Gold Chicken“ versteht man im Osten unserer Republik wahrscheinlich etwas ganz anderes. Hier „broilerte“ das „geflügelte Gold“ nicht zuvor am Rotisserie-Grill, sondern versteckte sich zusammen mit Paprika, Ingwer und Chili in zehn gelben Nudeltaschen. Ein Schälchen Erdnuss-Sesam-Sauce zum Dippen befand sich ebenfalls auf dem Teller.
Kein Wunder, dass wir uns danach noch einen gemischten Satz davon nachbestellten. Selbst zusammengestellte Auswahl bunter Teigtaschen
Auch für gestandene „Dim-Sumonauten“ sei die nach eigenem Gusto zusammenstellbare Auswahl an Dampfbarkeiten (11,90 Euro) dringend empfohlen. Mit ihr lässt es sich nämlich prima durchs hiesige Teigtaschenrepertoire futtern. Ein Dampfgarkorb (voll) Buntes
Denn jede dieser kleinen Köstlichkeiten hat – neben der Teighüllenfarbe – ihr ganz eigenes, nach frischen Zutaten schmeckendes Aroma. So dominiert beispielsweise bei den mit Rindfleisch und Zwiebeln gefüllten Sakura-Beef-Dumplings ganz klar der Kollege Kreuzkümmel, während die Classic-Pork-Variante mit Shiitake-Pilzen und Chinakohl eher den bekannten Geschmacksbildern aus Fernost nacheifert.
Allzu gierige Dumplingvernichter sollten jedoch aufpassen. An der heißen Füllung der dem Dampf entstiegenen „Täschle“ verbrennt man sich gerne Zunge und Gaumen. Da heißt es entweder warten oder ein paar Soja-Nudeln mit Hähnchenbrust (12,90 Euro) parallel dazu genießen, so wie ich das bei meiner letzten Einkehr vor ein paar Tagen tat. Soja-Nudeln mit Hähnchenbrust-Topping
Auf die kleingeschnittene Salatgurke, die mir bei einem anderen Besuch meine süffig-pikante Schüssel mit gedämpften Wantan (Garnelen-Schweinefleischfüllung), Frühlings- und Röstzwiebeln sowie fermentiertem Senfkohl und Chili-Öl (13,90 Euro) regelrecht „vergurkte“, verzichtete ich dankend. Süffige Chili-Wantan mit frischen und knusprigen Beigaben
Und an das fermentierte, chinesische „Sauerkraut“ hat sich mein Gaumen mittlerweile ganz gut gewöhnt.
Wer also auf bunte Dampfgarerzeugnisse mit aromatisch-saftiger Füllung steht, es um sich herum aber nicht allzu bunt mag (Interieur!) und bei dem auch eine frisch gewokte Nudelschüssel (egal ob mit Suppe oder Soße – schmeckt alles hier verdammt gut!) absolut im kulinarischen Ra(h)men (sorry, der musste zum Schluss noch sein…) liegt, dem sei dieser Laden in der Karlsruher City wärmstens ans Herz gelegt.
Mich wird man hier in Zukunft wohl noch öfter sehen, denn diese Teigtaschen haben (auf mich) ein regelrechtes Suchtpotenzial. Und außerdem habe ich noch nicht alle Nudelschüsseln durchprobiert…
Dort wo einst Ilo („Ilo’s Kebab Haus“) seine Döner und Yufkas unters drehspießbürgerliche Volk brachte, geht es seit ungefähr einem halben Jahr wesentlich „gedämpfter“ zu. Zentral gelegen, direkt neben der Postgalerie hat in der Erbprinzenstraße im Mai dieses Jahres ein kleines, auf hausgemachte Dumplings und Nudelschüsseln spezialisiertes Asia-Restaurant eröffnet.
In den letzten Monaten verschlug es mich mehrfach in das kleine Lokal in der Karlsruher City. Der Erstbesuch fand Ende Juli im Rahmen eines Familienausflugs, zu dem sich auch mein Vater hinzugesellte,... mehr lesen
Mr. Dumpling & Noodle
Mr. Dumpling & Noodle€-€€€Restaurant, Lieferdienst, Take AwayErbprinzenstraße 35, 76133 Karlsruhe
4.0 stars -
"Ein kleines, aber feines Refugium für anspruchsvolle Teigtaschendiebe" GourmägglerDort wo einst Ilo („Ilo’s Kebab Haus“) seine Döner und Yufkas unters drehspießbürgerliche Volk brachte, geht es seit ungefähr einem halben Jahr wesentlich „gedämpfter“ zu. Zentral gelegen, direkt neben der Postgalerie hat in der Erbprinzenstraße im Mai dieses Jahres ein kleines, auf hausgemachte Dumplings und Nudelschüsseln spezialisiertes Asia-Restaurant eröffnet.
In den letzten Monaten verschlug es mich mehrfach in das kleine Lokal in der Karlsruher City. Der Erstbesuch fand Ende Juli im Rahmen eines Familienausflugs, zu dem sich auch mein Vater hinzugesellte,
Geschrieben am 24.01.2026 2026-01-24| Aktualisiert am
24.01.2026
Besucht am 22.11.2025Besuchszeit: Abendessen
Nach wie vor erfreut sich dieser quirlige italienische Teigfladen- und Pastatempel in der Landauer Trappengasse einer großen Beliebtheit. Im letzten Jahr kehrte ich hier zweimal ein. Anfang April mit der Wörther Futtertruppe und Ende November mit Frau und Kind. Blick von draußen ins Innere
Vom „Sapori“, wie viele das seit 2010 von der Familie Orsini betriebene Lokal in Kurzform auch nennen, habe ich lange nicht mehr berichtet. Das liegt in erster Linie an der Tatsache, dass ich seit unserem Umzug nach Wörth viel seltener in Landau weile. Und wenn ich dann mal vor Ort war und Zeit für eine Spontaneinkehr in dem trubeligen Ristorante hatte, war dieses entweder geschlossen oder alle Plätze waren belegt.
Insofern ist es immer ratsam, vorher anzurufen, um auch sicher einen Tisch zu bekommen. Da wir Anfang April zu fünft dort aufschlagen wollten, hatte ich bereits ein paar Tage zuvor die Plätze per Telefon klargemacht. Und so saßen wir an jenem frühlingshaften Mittwochabend kurz vor den bald beginnenden Osterferien in voller Clubstärke auf den unbequemen Holzstühlen und atmeten den appetitanregenden, würzig-mediterranen Pizzadunst, der aus dem nicht weit entfernten Ofen drang, in erwartungsvoller Vorfreude auf die stets verlässliche Cucina der Orsinis ein.
Der Geräuschpegel im Lokal hatte die normale „Schallhöhe“ längt erreicht. Man musste also schon ein wenig die Stimme erheben, um sich einer funktionierenden Tischkonversation sicher zu sein. Aber das gehört einfach zu dieser lebhaften Trattoria wie die Salume in deren Feinkostauslage, die hier übrigens richtig gut sortiert ist.
Inhaber Dario Orsini, der wie immer vor dem heißen Pizzaofen die deftigen Scheiben zubereitete, grüßte freundlich in unsere Runde. Bald hatte sich Servicechef Italo, der Sohn des Pizzaiolos, zu uns gesellt und nahm im gewohnten Stakkato unsere Bestellungen entgegen.
Inspiriert von den Schiefertafeln mit den Al-Forno-Klassikern oben an der Wand, den an der Plexiglasscheibe vor dem Pizza-Abteil angebrachten Plakaten mit den „Außer-der-Reihe-Angeboten“ und dem Standardrepertoire von der aufklappbaren Karte, wählten wir uns einmal quer durchs gut aufgestellte Pizza-Pasta-Programm der sympathischen „Saporianer“. Ort der (wohlgebackenen) Tat
Den mit reichlich Parmaschinken, Rucola und Parmesan gesegneten Büffelmozzarella-Salat (17 Euro) musste ich mit einem meiner Kollegen teilen, denn der ist von der Menge her eher wie ein Hauptgericht portioniert. Mit dem Büffel nach Parma
Wegen den gebotenen Großformaten hat Salat-Sharing im „Sapori“ übrigens Tradition.
Ende November teilte ich mir mit meiner Gattin einen stattlichen „Italienischen“ (10 Euro). Und auch da war die Zufriedenheit mit dem knackfrischen, mit Schinken, Tomaten, Gurken, Karotten und Käse veredelten Blattgrün sehr hoch. Besonders das würzige Essig-Öl-Dressing sei an dieser Stelle positiv erwähnt, denn es brachte ordentlich viel Schmackes in den bunten Salathügel. Der frische Italiener
Doch zurück zum Besuch in kollegialer Schlemmerrunde im April. Allein die unter dem Schinkendach lauernde Menge an cremig-weichem Büffelmozzarella, dem Tofu des mediterranen Südens, musste bei unserem Vorspeisensalat erst einmal bewältigt werden, was gar keine so leichte Aufgabe war. Einfach mal aus dem Vollen büffeln!
Gut vorgesättigt ging es für mich danach mit den Strozzapreti ai Frutti di Mare (19 Euro) weiter.
Auch zwei andere Tischgenossen hatten sich eine Vorspeise geteilt. Im „Sapori“ bietet man auch eine kleine Auswahl an herzhaft belegten Fladenbroten, den sogenannte Pucce, an. Italo-Kebap
Die Version mit dünn aufgeschnittenem Spanferkelrollbraten, Käse, Salat und einer hellen (Salat)Sauce (8 Euro) kam jedenfalls als veritables „Italo-Sandwich“ bei den beiden bekennenden „Puccisten“ gut an.
Zeitgleich mit meiner Meeresfrüchte-Pasta wurden drei Pizzen und ein Jägerschnitzel mit Pommes Frites (17,50 Euro) serviert. Die drei deftigen, ausreichend tomatisierten Hefeteigerzeugnisse in Wagenradgröße hörten auf die Namen „Italo“ (mit Thunfisch, Zwiebeln, Kapern, scharfer Peperoni und Oregano / 14 Euro), „Prosciutto“ (mit Thunfisch zusätzlich / 12 Euro) und „Clarissa“ (mit Salami und frischen Champignons / 13 Euro) und schienen wie aus dem Lehrbuch für italienische Teigfladenoptik entnommen. Benannt nach dem Sohnemann - die Pizza Italo
Sie zeichneten sich alle durch eine schöne Saftigkeit aus. Die verwendete Tomatenbasis hatte wie immer ordentlich viel Schmackes. Und der nette Pizzaiolo spart auch nicht bei den übrigen Belagzutaten. Pizza "Proscionno" (Marke Eigenbau)
Der außen knusprige und innen angenehm luftige Boden überzeugte auf ganzer Linie. Er hatte genau die richtige Dicke vorzuweisen und geriet auch am Rand wunderbar kross. Pizza Clarissa - zweifellos ein Hingucker!
Wer hier watteweiche Teigpolster im Schlauchbootformat à la Neapolitana erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht sein. Freunde gut durchgebackener Rustikalscheiben hingegen können bei den Orsinis ungeniert ihren Spachteldrang besänftigen. Und das taten die drei Pizza-Enthusiasten an unserem Tisch mit Bravour.
Auch der notorische Schnitzelesser in unserer Runde lobte sein mit reichlich Sauce überdecktes, schnörkelloses Panierstück vom Schwein, das er sich zusammen mit einer beachtlichen Portion Pommes Frites und einer stramm durchsoßten Champignon-Paprika-Zwiebel-Haube schmecken ließ. Gibt's auch beim Italiener...
Gut, dass er keine Vorspeise bestellt hatte. Der Komplettverzehr dieses gutbürgerlichen Redundanzgerichts wäre wohl in Gefahr geraten. So mancher Jäger wäre wohl nach der Bewältigung dieser reichbedeckten Schnitzelei nicht mehr den Hochsitz hochgekommen. Tadelloses Sößchen vom italienischen Jäger
Da lobte ich mir doch die leichte Pastaküche mit Meerblick, die mir meine teiggewordenen und danach in perfektem „Al-Dente“ auf dem Teller gelandeten „Priesterwürger“ (= Strozzapreti) bescherten. Wenn der teiggewordene "Priester" genüsslich die Meeresfrüchte würgt...
Klar, die dafür aufgerufenen 19 Euronen waren schon eine recht sportliche Ansage ans eigene Portemonnaie, aber die großzügige Ausstattung mit qualitativ hochwertigen Meeresfrüchten rechtfertigte die pekuniären Mittel allemal. Pulpo, Miesmuscheln, Garnelen kamen ausreichend knobliert und mit einem aromatischen Tomatensugo süffig unterfüttert auf den nicht gerade kleinen Glasteller in passender Fischform. Beeindruckender Anteil an Meeresfrüchten
Beim Besuch mit meiner Familie waren es übrigens die frischen Miesmuscheln mit Spaghetti (19,90 Euro), die mir den Abend retteten. Selbstverständlich wurde auch diese formidable „Moules-Pâtes-Liaison“ mit der gleichen, astreinen Tomatensauce veredelt wie ein halbes Jahr zuvor meine Strozzapreti.
Keine leichte Aufgabe, zu dem Miesmuschelberg vom Volumen eines mittelgroßen Kochtopfs noch einen ansehnlichen Spaghetti-Hügel zu verdrücken. Die Nudeln waren zwar nicht hausgemacht, ließen sich aber mit wahrnehmbarer Bissfestigkeit um die Gabel wickeln. Die fruchtig-pikante Tomatentunke ließ auf die Verwendung reifer Zutaten schließen. Ein Teller voll Glückseligkeit, der außerdem ordentlich sättigte. Miesmuscheln mit Spaghetti (oder umgekehrt?)
Auch meine beiden Damen genossen ihre Leckereien aus Pfanne und Ofen. Das Töchterchen knabberte mit Inbrunst an ihrer Pizza Margherita (10 Euro), von der wir am Folgetag die erkalteten, aber nicht weniger schmackhaften Reste vertilgten. Pizza Margherita (ohne die zuvor aus der Mitte entwendete Olive)
Und die Spaghetti Carbonara (12 Euro), die sich meine Gattin einverleibte, waren auch nicht gerade von schlechten „Köhlern“. Sattmacher nach Köhler-Art
Es beeindruckt mich immer wieder, wie man diesen Inbegriff italienischer Pasta-Saturiertheit komplett verdrücken kann. Aber mit genügend San Pellegrino aus der Dreiviertelliterflasche (5,50 Euro) kann Frau es schaffen.
Auf ein Tiramisu (5 Euro), das ich mir bei der Einkehr mit den Kollegen im April dann doch nicht nehmen ließ, Kalorienquader meines Vertrauens
verzichteten wir jedoch aus reinem Platzmangel in der Magengegend. Dieser herrschte mittlerweile auch im Gastraum, weshalb sich etliche Spontanbesucher (ohne Reservierung) unbestellter Dinge eine Alternative suchen mussten, da mal wieder alle Tische belegt oder ausreserviert waren.
Möge der trubelige Laden der fleißigen Apulier weiterhin so brummen. Die Qualität der Speisen stimmt nach wie vor. Da lassen sich auch die paar Euro mehr für das ein oder andere Gericht verschmerzen.
Für romantisch veranlagte Pizza- und Pastagänger ist die quirlige Trattoria vielleicht nicht unbedingt die erste Wahl fürs erste Date. Und auch ungeduldige Gäste mit knappem Zeitfenster werden wahrscheinlich wegen der manchmal etwas längeren Wartezeiten aufs Essen schnell nervös. Dafür wird hier alles frisch gekocht bzw. gebacken.
Wir gehen jedenfalls immer noch sehr gerne in diesen durch und durch italienischen Laden in der Landauer Trappengasse, in dem sich die „sapori d’Italia“ auf so unterschiedliche Art und Weise inhalieren lassen. Insofern ist hier jeder Besuch wie ein kleiner kulinarischer Kurztrip über die Alpen.
Nach wie vor erfreut sich dieser quirlige italienische Teigfladen- und Pastatempel in der Landauer Trappengasse einer großen Beliebtheit. Im letzten Jahr kehrte ich hier zweimal ein. Anfang April mit der Wörther Futtertruppe und Ende November mit Frau und Kind.
Vom „Sapori“, wie viele das seit 2010 von der Familie Orsini betriebene Lokal in Kurzform auch nennen, habe ich lange nicht mehr berichtet. Das liegt in erster Linie an der Tatsache, dass ich seit unserem Umzug nach Wörth viel seltener in... mehr lesen
Ristorante Sapori d'Italia
Ristorante Sapori d'Italia€-€€€Trattoria, Pizzeria063417029991Trappengasse 18, 76829 Landau in der Pfalz
4.0 stars -
"Wo Landau gerne italienisch is(s)t" GourmägglerNach wie vor erfreut sich dieser quirlige italienische Teigfladen- und Pastatempel in der Landauer Trappengasse einer großen Beliebtheit. Im letzten Jahr kehrte ich hier zweimal ein. Anfang April mit der Wörther Futtertruppe und Ende November mit Frau und Kind.
Vom „Sapori“, wie viele das seit 2010 von der Familie Orsini betriebene Lokal in Kurzform auch nennen, habe ich lange nicht mehr berichtet. Das liegt in erster Linie an der Tatsache, dass ich seit unserem Umzug nach Wörth viel seltener in
Besucht am 18.11.2025Besuchszeit: Mittagessen 1 Personen
Rechnungsbetrag: 35 EUR
Mitte November hatte ich morgens einen Termin in Neustadt an der Weinstraße. Der Amtsarzt sollte sich mein vor längerer Zeit lädiertes, jetzt aber wieder voll einsatzfähiges Knie (Dienstunfall!) anschauen und seinen hippokratischen Segen spenden. Das ging dann doch schneller als erwartet und ich wollte mir die vor Ort gegebenen Chancen auf Wein und Wandern nicht entgehen lassen.
Das Wetter erlaubte eine für November angenehm sonnige Wanderung von Neustadt-Haardt aus zur Ruine Wolfsburg und wieder zurück. Also ging es mit dem Auto von der City hoch nach „Haardt“, wo zunächst ein Besuch des Weingutes Oliver Zeter auf dem Programm stand. Die heimischen Weißweinvorräte mussten dringend aufgebessert werden.
Nach dem Wandern schlug ich zur späteren Mittagszeit spontan beim genauso kleinen wie gut beleumundeten „Nudelmacher“ in der Stadtmitte auf. An einem Dienstagmittag würde sicherlich nicht ganz so viel los sein. Denkste! Nur mit viel Glück – es zahlten gerade ein paar Gäste – konnte ich einen der wenigen Tische im vorderen Bereich des gemütlichen, etwas verwinkelt anmutenden Lokals besetzen.
Zur entspannt-lockeren Atmosphäre trug maßgeblich der gut gelaunte Chef bei, der ohne aufdringlich zu wirken, gerne mit seinen Gästen kommunizierte. Mir gefiel der legere Umgangston jedenfalls von vornherein.
Im Gegensatz zu mir waren die meisten Gäste sicherlich nicht zum ersten Mal in dem von außen recht unscheinbar wirkenden, im Parterre eines denkmalgeschützten, dreigeschossigen Krüppelwalmdachbaus mit Fachwerkfassade untergebrachten Restaurants zu Gast.
Die Einrichtung lässt sich als schlicht rustikal, aber durchaus mit persönlicher „Handschrift“, beschreiben. Von meinem Platz aus konnte ich dem Koch beim Zubereiten der Speisen zuschauen. Eine offene, fast wohnzimmerartige Umgebung, in der vieles ein wenig improvisiert, aber durchweg sympathisch erschien.
Man reichte mir umgehend die bewusst übersichtlich gehaltene Speisenkarte, aus der ich mir die Bruschetta (6,50 Euro) für vorweg und die Schinkennudeln (11,80 Euro) zur Haupthungerbekämpfung aussuchte. Eine Flasche Mineralwasser (0,75l für 5 Euro) für den durstigen Wandersmann sprudelte rasch auf dem Tisch.
Bereits die Bruschetta wusste zu überzeugen.
Gut gewürzte, mit Knoblauch, Zwiebeln und frischen Kräutern aufgepeppte Tomatenstücke lagen auf drei knusprig gerösteten Baguette-Scheiben, die zuvor mit etwas Olivenöl benetzt worden waren, verteilt. Frisch geriebener Parmesan verlieh dieser einfachen, aber sehr schmackigen Vorspeise eine noch intensivere Note.
Bei den nach angenehmer Wartezeit servierten Schinkennudeln trafen hausgemachte, bissfest gekochte Spaghetti auf würzigen Kochschinken.
Von einer harmonisch abgeschmeckten Käse-Sahne-Sauce süffig unterfüttert und mit frisch gemahlenem Pfeffer aromatisiert, schmeckte der handwerklich tadellos zubereitete Nudelteller keineswegs nach durchschnittlicher „Alla-Panna-Ware“.
Derart begeistert orderte ich im Anschluss an diesen rundum gelungenen Pasta-Lunch noch eine Portion Spaghetti Bolognese (11,80 Euro) zum Mitnehmen für daheim. Schließlich sollte auch mein Töchterchen von meiner Bekanntschaft mit dem Nudelmacher profitieren. Auch die Mutter aller italienischen Fleischsoßen geriet vorzüglich. Ihr kräftiger Geschmack ließ auf langes Einköcheln schließen. Handwerklich sauber und ohne „Industrie-Verstärkung“ gekocht, machte sie abends nicht nur meine Kleine glücklich…
Fazit:
Wer auf ehrliche, handgemachte Pasta mit Charakter in gemütlich-familiärem Ambiente steht, ist in der Turmstraße 5 im Neustadter Ortskern definitiv gut aufgehoben. Die dafür aufgerufenen Preise empfand ich als absolut fair. Das begrenzte Platzangebot nimmt den ambitionierten Nudelfreund jedoch in die Reservierungspflicht. Vielleicht nicht unbedingt der beste Ort für das erste Date, aber sicherlich eine Wohlfühloase für gesellige Gäste, die gerne mit den Leuten an den Nebentischen ins Gespräch kommen. Kein Wunder also, dass dieses Konzept in der Pfalz so gut funktioniert…
Mitte November hatte ich morgens einen Termin in Neustadt an der Weinstraße. Der Amtsarzt sollte sich mein vor längerer Zeit lädiertes, jetzt aber wieder voll einsatzfähiges Knie (Dienstunfall!) anschauen und seinen hippokratischen Segen spenden. Das ging dann doch schneller als erwartet und ich wollte mir die vor Ort gegebenen Chancen auf Wein und Wandern nicht entgehen lassen.
Das Wetter erlaubte eine für November angenehm sonnige Wanderung von Neustadt-Haardt aus zur Ruine Wolfsburg und wieder zurück. Also ging es mit dem... mehr lesen
Der Nudelmacher
Der Nudelmacher€-€€€Restaurant06321-1860080Turmstr. 5, 67433 Neustadt an der Weinstraße
4.0 stars -
"Neustadts Referenz in Sachen handgemachter Pasta" GourmägglerMitte November hatte ich morgens einen Termin in Neustadt an der Weinstraße. Der Amtsarzt sollte sich mein vor längerer Zeit lädiertes, jetzt aber wieder voll einsatzfähiges Knie (Dienstunfall!) anschauen und seinen hippokratischen Segen spenden. Das ging dann doch schneller als erwartet und ich wollte mir die vor Ort gegebenen Chancen auf Wein und Wandern nicht entgehen lassen.
Das Wetter erlaubte eine für November angenehm sonnige Wanderung von Neustadt-Haardt aus zur Ruine Wolfsburg und wieder zurück. Also ging es mit dem
Geschrieben am 16.05.2026 2026-05-16| Aktualisiert am
16.05.2026
Besucht am 13.11.2025Besuchszeit: Abendessen 2 Personen
Rechnungsbetrag: 90 EUR
Das Restaurant im Clubhaus der Forchheimer Sportfreunde hat deutlich mehr zu bieten als die gemeine Vereinsgaststätte. Eine Info, die mir ein befreundeter Kollege aus Karlsruhe zusteckte und die mich zusammen mit einem gewieften Hausmannskostgänger von der Wörther Futterfraktion Mitte November vergangenen Jahres dort aufschlagen ließ. Von außen eher unscheinbar
Das von Kathrin Speth betriebene, auch im Netz sehr gut beleumundete Speiselokal sollte man nicht ohne vorherige Reservierung aufsuchen. Zwar gibt es ausreichend Plätze, aber scheinbar noch mehr Aspiranten. Wir hatten reserviert und waren dann aber doch erstaunt über die hohe Auslastung des Clubhauses an diesem Donnerstagabend.
Man platzierte uns an einem langen Hochtisch in der Ecke des Gastraumes unweit des Tresens. An unserem Tisch saßen noch andere Gäste, allerdings mit etwas Abstand, so dass die private Gesprächsatmosphäre nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Trotz der hohen Auslastung machten die Servicekräfte einen sehr freundlichen und zugewandten Eindruck. Kleinere Fehler wurden umgehend und mit einem Lächeln korrigiert. Man kam schnell ins Gespräch und fühlte sich bestens umsorgt. Das kennt man von Vereinslokalen auch ganz anders… Stammtisch und Theke
Das Innere des Gastraumes strahlte eine warme Atmosphäre aus. Das wertige Holzmobiliar wurde von zeitgemäßen Hängeleuchten ins rechte Licht gesetzt. Ein separater Nebenraum stand weiter hinten für größere Gesellschaften zur Verfügung. Auch er war an diesem Abend gut besetzt. Viel Platz im Gastraum
Ein Aufsteller auf dem Tisch verriet uns die Empfehlungen des Monats November. Feldsalat, Kürbissuppe, Rinderroulade, Dunkelbier-Gulasch, Spare-Ribs vom Duroc-Schwein und hausgemachte Maultaschen klangen bereits derart verlockend, da hätte ich mir den Blick in die aufklappbare Standard-Karte eigentlich sparen können.
Ich riskierte ihn dennoch. In der Pasta-Abteilung wurde doch tatsächlich selbstgenudelt, was mich aufhorchen ließ. Hausgemachte Mefaldine mit Wild-Bolo aus der Rheinstetter Jagd und Paccheri Rigati mit pikantem Röstpaprika-Sugo, Burrata und Rucola-Pesto waren für unter 20 Euro zu haben.
Aber auch die Auswahl an Leibgerichten mit klar erkennbarem Fleischschwerpunkt konnte sich durchaus lesen lassen. Und so wählte ich mit dem Coq au Vin vom Pollo Fino in kräftiger Rotweinsauce, hausgebackener Focaccia und Salat (19,50 Euro) eine der gelisteten Leibspeisen.
Anstatt des Standard-Beilagensalats zog ich die in der Karte angebotene Option auf einen Feldsalat mit Speck und Kracherle (Monatsempfehlung), was einen Aufpreis von 6,50 Euro zur Folge hatte.
Auch mein Kollege erlag den fleischlichen Versuchungen aus der Soulfood-Ecke und orderte den mit einem 250 Gramm Patty ausgestatteten Chili Cheese Burger in der hausgebackenen Brioche mit Fritten (18 Euro).
Bei der Vorspeisenwahl herrschte maritime Einigkeit am Tisch. Jeweils fünf in Kräuterbutter und Knoblauch gebratene Black Tiger Prawns (14,50 Euro) durften wir uns bald schmecken lassen. Aromatische Garnelen vorweg
Die in ordentlicher Größe, komplett entschalten Garnelen lagen schön saftig in einer rustikalen Eisenpfanne. Zum Aufsaugen des aromatischen Knobi-Kräuter-Öls halfen zwei dicke Scheiben von der fluffigen Focaccia aus dem Clubhaus-Backofen. Hübsch präsentierte Prawns mit fluffiger Focaccia
Eine einfache, auf den Punkt zubereitete mediterrane Vorspeise, bei der Genuss und Sättigung gleichermaßen im Vordergrund standen. Bereits gut vorgesättigt schalteten wir – von zwei Schoppen Eichbaum Ureich-Pils (0,5l für 5,80 Euro) aus dem Steinkrug begleitet – wohlgehopft einen Gang höher. Frisch gezapftes "Ureich" aus dem Steinkrug
Während sich mein Kollege über seinem mit geschmolzenem Cheddar, Jalapenos, Salat und Gurken garnierten, dreigeschossigen Frikadellenturm hermachte – er wurde samt Frittenbox auf einem robusten Holzbrett serviert – Chili Cheese Burger mit Pommes (auf einem Brett)
duftete mir das in würziger Rotweinsauce badende, besoffene Huhn entgegen.
Drei zart geschmorte Brocken vom zuvor entbeinten Hühnerfleisch bildeten den deftigen Kern dieses großzügig portionierten Hauptgerichts für Saucenfreunde. Besoffener Gockel alias Pollo Fino in Vino
Die dunkle Tunke zeugte von Charakter und geschmacklicher Tiefe. Sorgfältig abgeschmeckt und ausreichend lange einreduziert punktete sie mit feinen Röstaromen und einer angenehmen Background-Säure. Da hatte sich die wohlwollende Dreingabe von rotem Rebsaft aber mal so richtig gelohnt.
Der mit gebratenem Speck und knusprigen Croutons veredelte Feldsalat lieferte mit seinem frischen Essig-Öl-Dressing einen angenehmen Kontrast zum kräftigen Schmorgericht. Schmackiger Feldsalat mit deftig-knusprigem Gefolge
Nur mit der Menge hatte ich ein wenig zu kämpfen. Aber alles andere fiel unter die Rubrik „herbstlicher Rapunzel-Genuss pur“.
Mein dem geschmolzenen Käse zugetaner Burger-Buddy vernichtete derweil gut „ge-ureicht“ seinen Chili Cheese, der vor Saftigkeit nur so strotzte. Ein durch und durch gelungener Burger
Die Jalapenos heizten ihm ordentlich ein und die hausgebackene Brioche überzeugte mit buttriger Fluffigkeit.
Fazit:
Uns gefiel diese Mischung aus gutbürgerlicher Bodenständigkeit und ambitionierter Herangehensweise der Sportheimküche richtig gut. Einen echten Geheimtipp scheint das von außen eher unprätentiös wirkende Lokal allerdings nicht mehr darzustellen. Dafür war der Andrang an unserem Besuchsabend viel zu groß. Die ungezwungene Atmosphäre und der freundliche Service runden das durchweg positive Gesamtbild stimmig ab. So funktioniert Clubhausgastronomie mit Anspruch!
Das Restaurant im Clubhaus der Forchheimer Sportfreunde hat deutlich mehr zu bieten als die gemeine Vereinsgaststätte. Eine Info, die mir ein befreundeter Kollege aus Karlsruhe zusteckte und die mich zusammen mit einem gewieften Hausmannskostgänger von der Wörther Futterfraktion Mitte November vergangenen Jahres dort aufschlagen ließ.
Das von Kathrin Speth betriebene, auch im Netz sehr gut beleumundete Speiselokal sollte man nicht ohne vorherige Reservierung aufsuchen. Zwar gibt es ausreichend Plätze, aber scheinbar noch mehr Aspiranten. Wir hatten reserviert und waren dann... mehr lesen
Clubhaus FV Sportfreunde Forchheim
Clubhaus FV Sportfreunde Forchheim€-€€€Vereinsheim, Biergarten0721 510261Karlsruher Straße 76, 76287 Rheinstetten
4.5 stars -
"Viva la Club-Casa!" GourmägglerDas Restaurant im Clubhaus der Forchheimer Sportfreunde hat deutlich mehr zu bieten als die gemeine Vereinsgaststätte. Eine Info, die mir ein befreundeter Kollege aus Karlsruhe zusteckte und die mich zusammen mit einem gewieften Hausmannskostgänger von der Wörther Futterfraktion Mitte November vergangenen Jahres dort aufschlagen ließ.
Das von Kathrin Speth betriebene, auch im Netz sehr gut beleumundete Speiselokal sollte man nicht ohne vorherige Reservierung aufsuchen. Zwar gibt es ausreichend Plätze, aber scheinbar noch mehr Aspiranten. Wir hatten reserviert und waren dann
Geschrieben am 17.04.2026 2026-04-17| Aktualisiert am
17.04.2026
Besucht am 12.11.2025Besuchszeit: Abendessen 1 Personen
Rechnungsbetrag: 35 EUR
In Karlsruhe gibt es diverse Möglichkeiten, mexikanisch essen zu gehen. Allen voran das seit 1983 existierende „El Taquito“, in dem ich schon zu Studentenzeiten ab und zu einkehrte. Angeblich handelt es sich bei diesem, alteingesessenen Gastro-Kuriosum um das älteste mexikanische Restaurant unserer Republik.
Mitte November besuchte ich an einem Mittwochabend meinen am Auge operierten Vater im Diakonissenkrankenhaus, das sich im Karlsruher Stadtteil Rüppurr befindet. Nach meinem Besuch stand mir der Sinn nach unkomplizierter Hungerbekämpfung. Ich erinnerte mich an die nicht weit vom Krankenhaus entfernte, seit März 2024 in der Lange Straße / Ecke Rastatter Straße ansässige Taqueria Taol, die mir von einem ehemaligen, dem guten Futter stets zugeneigten Schüler empfohlen wurde.
Es war noch recht früh am Abend und ich versuchte einfach mal mein Glück. Nach freundlicher Begrüßung nahm ich im hinteren Teil des geräumigen, geschmackvoll eingerichteten Gastraumes Platz. Ich saß zum ersten Mal in den altehrwürdigen Räumlichkeiten des ehemaligen Wirtshauses „Kofflers Heuriger“, in dem bereits in den 60er Jahren die Gäste mit zünftiger, österreichischer Küche verköstigt wurden.
Nach vielen Jahren, in denen das Restaurant verpachtet war, wird es heute wieder von der Familie Koffler betrieben. Der Großvater von Betriebsleiterin Sophia Koffler hat übrigens damals das „El Taquito“ eröffnet. Wer jetzt jedoch denkt, dass die Taqueria lediglich ein Ableger des Tortilla füllenden Ur-Mexikaners im Karlsruher Zentrum ist, sieht sich spätestens bei der Durchsicht des Speisenprogramms eines Besseren belehrt.
Jenes reichte man mir auch bald. Auch das Fläschchen Bad Liebenzeller Mineralwasser (0,5l für 5,20 Euro) ließ nicht lange auf sich warten. Ich war erstaunt, wie schnell sich der Laden in der Folgezeit füllte, was den Geräuschpegel um mich herum deutlich anhob. Ein überwiegend junges Publikum studierte genau wie ich die 100% glutenfreie Speisenauswahl, die auf mehrere DIN-A4-Blätter verteilt im Klemmbrett steckte.
In der Karte warb man damit, den Maisteig („Masa“) für die Tortillas selbst herzustellen. Im Nachbarhaus stellt das ebenfalls von der Familie Koffler betriebene Unternehmen „Mexican Good Food“ frische Maistortillas nach dem traditionellen mexikanischen Nixtamal-Verfahren her. Cool, hatte ich das letzte Mal vor rund 20 Jahren als ich einen guten Freund in Guadalajara besuchte.
Das Speisenangebot las sich äußerst spannend. Selbst die bei uns nicht sonderlich bekannte Birria, ein Eintopf aus Jalisco, bei dem das Rindfleisch in einer Chili-Brühe geschmort wird, hatte man auf der Kladde. Der Hinweis, dass man eine Extraportion davon als kostenlosen Nachschlag bekäme, falls der Rindfleischtopf nicht reichen würde, ließ mich grinsend an den mit mehreren Mägen ausgestatteten Vielvernichter aus Mannheim denken…
Die Entscheidung fiel mir nicht gerade leicht, klangen doch die meisten Gerichte auf der Karte neu und vielversprechend zugleich. Da ich die Portionsgrößen nicht kannte, beschränkte ich mich auf ein Hauptgericht. Später orderte ich noch eine Vorspeise nach. Meine Wahl fiel auf die „Tacos de Steak“ (20,80 Euro) nach Taqueria-Art. Tacos de Steak
Das hübsch auf den Teller gebrachte, mexikanische Streetfood bestand aus drei Maistortillas, die mit gebratenen Steakwürfeln (wahrscheinlich von der Rinderhüfte), frittierter Petersilie, gepickelten Zwiebeln und Avocado-Spalten gefüllt waren. Frische Auflage - nur das Fleisch hätte ich mir etwas saftiger gewünscht...
Neben den Tacos türmte sich ein knuspriger Hügel aus frittierten Kartoffelstäbchen – den Frit-Sticks von „funny-frisch“ nicht unähnlich. Die Kartoffelsticks als Knabberbeilage
Ein paar Limettenschnitze zum Auffrischen hatte man auch dazu gelegt. Die in der Karte angekündigte Xnipec-Salsa suchte ich vergebens. Dafür reichte man mir einen altbekannten Scharfmacher, die Salsa „Muy Picante“ aus dem Hause Valentina zum Selbstdosieren. In Mexiko ein Salsa-Klassiker!
Die Steakwürfel fielen leider nicht annähernd so saftig aus, wie in der Karte versprochen. Dafür konnte der Rest des nicht einfach zu vertilgenden Taco-Gerichts mit textureller Abwechslung und Frische punkten.
Klar, waren die Kartoffel-Sticks eine recht fettige Angelegenheit, aber ihr Crunch überzeugte. Ich möchte denjenigen sehen, der die üppig beladenen Maisfladen ohne „Frachtverlust“ zum Munde führt bzw. vertilgt bekommt. Aber vielleicht fehlt mir bei solchem Fingerfood auch schlichtweg die Übung.
Ehrlich gesagt, war ich in Anbetracht der für dieses Hauptgericht entrichteten rund 21 Euro schon ein wenig enttäuscht von seiner Portionsgröße. Oder mit anderen Worten: ich hatte noch Hunger. Am Nachbartisch machte sich Jungvolk über Maiskörner mit Frischkäse her, was mich zu einem kleinen Ergänzungshappen animierte. Uns so orderte ich als „Nachschlag“ eine Portion Esquites (9 Euro), eine Art mexikanischer Maissalat, der auch als Streetfood gerne gesnackt wird.
Die zuvor in einer würzigen Brühe gekochten Maiskörner wurden zusammen mit Mayo, Frischkäse, etwas Chilipulver, Koriandersaat, einem Limettenschnitz und vier Totopos (bei uns häufiger als „Nachos“ bezeichnet) auf einem Maisblatt serviert. Esquites - Maissalat "Street Food Style"
Süßlich, süffig und leicht scharf im Abgang verteilten sich die leicht noch leicht knackigen Esquites in den letzten Freiräumen meines Magens.
Danach war ich derart satt, dass ich schweren Herzens auf den fest eingeplanten „Tamal de Chocolate“, einen in Maisblättern gedämpften Maiskuchen mit Zartbitterschokolade, verzichten musste. Das wird beim nächsten Besuch in der Taqueria jedoch nachgeholt. Die Tamales, die Chalupas de Hidalgo und selbstverständlich auch der Birria-Eintopf wollen schließlich auch noch probiert werden…
In Karlsruhe gibt es diverse Möglichkeiten, mexikanisch essen zu gehen. Allen voran das seit 1983 existierende „El Taquito“, in dem ich schon zu Studentenzeiten ab und zu einkehrte. Angeblich handelt es sich bei diesem, alteingesessenen Gastro-Kuriosum um das älteste mexikanische Restaurant unserer Republik.
Mitte November besuchte ich an einem Mittwochabend meinen am Auge operierten Vater im Diakonissenkrankenhaus, das sich im Karlsruher Stadtteil Rüppurr befindet. Nach meinem Besuch stand mir der Sinn nach unkomplizierter Hungerbekämpfung. Ich erinnerte mich an die nicht weit... mehr lesen
Taqueria Taol
Taqueria Taol€-€€€Restaurant0721 20440252Lange Str. 1, 76199 Karlsruhe
3.5 stars -
"Mais, Mais, Baby!" GourmägglerIn Karlsruhe gibt es diverse Möglichkeiten, mexikanisch essen zu gehen. Allen voran das seit 1983 existierende „El Taquito“, in dem ich schon zu Studentenzeiten ab und zu einkehrte. Angeblich handelt es sich bei diesem, alteingesessenen Gastro-Kuriosum um das älteste mexikanische Restaurant unserer Republik.
Mitte November besuchte ich an einem Mittwochabend meinen am Auge operierten Vater im Diakonissenkrankenhaus, das sich im Karlsruher Stadtteil Rüppurr befindet. Nach meinem Besuch stand mir der Sinn nach unkomplizierter Hungerbekämpfung. Ich erinnerte mich an die nicht weit
Besucht am 01.11.2025Besuchszeit: Abendessen 1 Personen
Rechnungsbetrag: 29 EUR
In dem zur Verbandsgemeinde Hagenbach zählenden Ort Berg, den ich jedes Mal auf der Fahrt ins direkt an der Grenze gelegene, elsässische Lauterbourg passiere, befindet sich seit rund 43 (!) Jahren eine gutbürgerliche Einkehradresse, die nur von Freitag bis Sonntag geöffnet ist.
Die Rede ist von der „Alten Schmiede“, die seit 1982 von der Familie Schwarz geführt wird. Mittlerweile hat hier der Sohn Christian Schwarz das Sagen. Seine Eltern Ursula und Erwin helfen aber immer noch gerne mit. Egal, ob im Service oder in der Küche.
Fleischesser aus der Umgebung (aber auch aus dem Badischen) schätzen die urige Dorfwirtschaft aufgrund ihrer „ordentlichen Portionen“ bei den Rumpsteaks und Schnitzelvariationen. Aber auch die Käsespätzle sollen hier angeblich besonders gut schmecken. Meine letzte Einkehr lag mindestens 20 Jahre zurück. An das Verzehrte von damals konnte ich mich jedoch beim besten Willen nicht mehr erinnern.
An Allerheiligen, das in diesem Jahr auf einen Samstag fiel, gähnte mich der heimische Kühlschrank frugal von der Seite an. Gattin und Töchterchen waren zu müde, um noch einen abendlichen Restaurantbesuch in Betracht zu ziehen. Da rief ich spontan in der „Alten Schmiede“ an und machte mich allein auf den Weg nach Berg.
Ich parkte direkt vor dem Haus, das von außen wie ein etwas zu groß geratenes Wohnhaus wirkt. Drinnen war im Hauptgastraum einiges los. Man platzierte mich im Nebenzimmer, das auch keinen ungemütlichen Eindruck machte.
Der Terracotta-Fliesenboden aus der guten alten Zeit störte nicht weiter. Die einfachen Holztische waren in crèmefarbenes Leinen gehüllt. Rustikale Gastraum-Nostalgie
Ein nostalgischer Kachelofen grüßte stumm von Gegenüber. Ein alter Amboss wies auf die damalige Nutzung der Räumlichkeiten hin.
Ein auf sympathische Art antiquiert anmutendes Ambiente, in dem ich rückblickend durchaus auch meine Erstkommunion oder meine Firmung hätte feiern können. Ansicht Nebenraum
Die Chefin, Frau Ursula Schwarz, versorgte mich zeitnah mit der Speisenkarte, auf deren ersten Seite mit Kürbissuppe, Sauerbraten, Putengeschnetzeltem an Gorgonzolasauce und Hirschbraten in Pfifferlingrahmsauce und handgeschabten Spätzle eine kleine Auswahl an Empfehlungen gelistet war.
Bei den Schnecken in Knoblauchsauce huldigte man der Nähe zum Elsass. Die Brühe mit Markklößchen klang dagegen wie nach längst vergessener, gutbürgerlicher Supp-Kultur. Das Rumpsteak gab es in drei Varianten (mit Zwiebeln, mit Kräuterbutter oder in Knoblauchsauce). Das Schweinefilet badete entweder in Pfefferrahmsauce oder wurde als „Williams“ mit Birne und Cambozola-Blauschimmelkäse überbacken angeboten.
Schnitzel vom Schwein, Geschnetzeltes vom Schwein und Rind sowie ein in Ei gebackenes Zanderfilet komplettierten das nicht übermäßig große Angebot an deftigen Gutbürgerlichkeiten. Ach so, fast hätte ich es vergessen. Die Tiroler Käsespätzle – wir sind ja schließlich in Berg! (Kalauer…) – wurden hier mit Speck annonciert.
Ein Teil der zuvor georderten Flasche Peterstaler Mineralwasser (0,75l) blubberte bald für faire 3,90 Euro in meinem Glas. Die anderen Getränkepreise waren genauso gastfreundlich kalkuliert. Der halbe Liter Bellheimer Lord-Pils belief sich auf 4,20 Euro, eine große Apfelsaftschorle (0,5l) war für nachvollziehbare 3,90 Euro zu haben.
Auch die Preise fürs Essen waren keinesfalls unverschämt oder überzogen. Ganz im Gegenteil, hier bekommt man sein Rumpsteak mit Pommes- oder Krokettenbeilage noch für rund 25 Euro serviert. Das Jägerschnitzel mit Kroketten ist sogar schon für schmale 14 Euro zu haben. Und die Qualität scheint ja zu stimmen, sonst würde sich dieses Lokal nicht schon so lange halten.
Als Freund orangefarbener Herbstgewächse, kam mir das unter einem ordentlichen Schuss Sahne versteckte Kürbissüppchen (4,50 Euro) gerade Recht. Where's the pumpkin?
Da wäre zwar etwas weniger Sprührahm mehr gewesen, aber die mit Kürbiskernöl und Kürbiskernen verfeinerte Terrine ließ sich ganz gut weglöffeln. Ein wärmendes, durchaus anständiges Süppchen, das ich mir da vorweg eingebrockt hatte. Zusammen mit ein wenig Baguette genossen, hielt es den ersten Hunger gut in Schach.
Weiter ging es mit dem in Pfifferlingrahmsauce schwimmenden Hirschbraten (21,30 Euro), dem man eine erkleckliche Spätzle-Portion vom Brett an die Seite geschabt hatte. Hirsch mit Sooß unn Spätzle
Die fluffigen Teigwaren aus Eiern und Mehl fanden in der Rahmsauce ihren ädaquaten Partner. Schade nur, dass es sich bei den Pfifferlingen nicht um frische Exemplare handelte. Die kamen definitiv aus dem Glas, weshalb ihnen jeglicher Biss fehlte. Diese schwammige Konsistenz mag ich bei Pilzen generell nicht.
Das lange geschmorte Fleisch vom heimischen Geweihträger geriet dagegen tadellos und hatte eine angenehme, nicht allzu zarte Textur. Auch von der Menge her passte dieser solide aufs Porzellan gebrachte Hubertusteller. Auf ein Dessert verzichtete ich genauso wie auf einen kräftigen Rotwein.
Den würde ich aber beim nächsten Besuch – dann aber mit der Familie, denn beide Damen können zu guten Spätzle nicht nein sagen – zu einem medium rare gebratenen Rumpsteak mit Kräuterbutter durchaus in Erwägung ziehen.
Für Fleischfreunde und Spätzle-Spezis ist die „Alte Schmiede“ in Berg zweifellos eine Empfehlung. An robuster Hausmannskost in bodenständig-rustikaler Umgebung ist schließlich nichts auszusetzen. Und bei den dafür aufgerufenen Preisen übrigens auch nicht. Ein Besuch im Sommer mit dem Rad ist schon in Planung.
In dem zur Verbandsgemeinde Hagenbach zählenden Ort Berg, den ich jedes Mal auf der Fahrt ins direkt an der Grenze gelegene, elsässische Lauterbourg passiere, befindet sich seit rund 43 (!) Jahren eine gutbürgerliche Einkehradresse, die nur von Freitag bis Sonntag geöffnet ist.
Die Rede ist von der „Alten Schmiede“, die seit 1982 von der Familie Schwarz geführt wird. Mittlerweile hat hier der Sohn Christian Schwarz das Sagen. Seine Eltern Ursula und Erwin helfen aber immer noch gerne mit. Egal, ob... mehr lesen
Zur alten Schmiede
Zur alten Schmiede€-€€€Gasthaus07273 3896Ludwigstraße 11d, 76768 Berg (Pfalz)
4.0 stars -
"Solide deutsche Hausmannskost zu sehr fairen Preisen" GourmägglerIn dem zur Verbandsgemeinde Hagenbach zählenden Ort Berg, den ich jedes Mal auf der Fahrt ins direkt an der Grenze gelegene, elsässische Lauterbourg passiere, befindet sich seit rund 43 (!) Jahren eine gutbürgerliche Einkehradresse, die nur von Freitag bis Sonntag geöffnet ist.
Die Rede ist von der „Alten Schmiede“, die seit 1982 von der Familie Schwarz geführt wird. Mittlerweile hat hier der Sohn Christian Schwarz das Sagen. Seine Eltern Ursula und Erwin helfen aber immer noch gerne mit. Egal, ob
Geschrieben am 26.10.2025 2025-10-26| Aktualisiert am
26.10.2025
Besucht am 08.10.2025Besuchszeit: Abendessen 2 Personen
Rechnungsbetrag: 45 EUR
Anfang Oktober verschlug es mich zusammen mit einem kollegialen Freund mal wieder nach Impflingen, wo Marco Stefanizzi trotz krankheitsbedingter Zwangspause auch weiterhin sein bei Teigfladenfreunden hoch angesehenes Pizza-Paradies betreibt.
Der gute Marco muss jedoch mehr denn je auf seine Gesundheit achten, weshalb er ab und an – wie in der Zeit seiner Abstinenz – von seinem Bruder Serafino in der Küche vertreten wird. Und dass der Bruder auch sehr kompetent in Sachen italienischer Rundbackwaren unterwegs ist, ist in Landau und Umgebung nun wirklich kein Geheimnis mehr.
Ich reservierte vorsorglich einen Tisch für zwei Personen, denn die kleine Pizzeria erhält auch unter der Woche guten Zuspruch von seinem hauptsächlich aus dem Landauer Raum rekrutierten Publikum. Sie wirkt auf charmante Art und Weise ein wenig aus der Zeit gefallen und wird vom ein oder anderen Impflinger sicherlich auch gerne als „Dorfkneipe“ genutzt.
In Zeiten, in denen solche Institutionen des sozialen Miteinanders vor allem auf dem Land immer weniger werden, ist das kein Wunder. Schön, dass es solche Dorfschenken noch gibt. Und noch schöner, wenn dort das Essen so gut schmeckt, wie hier in der Ortsmitte von Impflingen.
Mein Kollege aus Herxheim hatte es sich bereits drinnen gemütlich gemacht. Aber mein erster Gang führte wie stets in die immer offene Küche, um Serafino Stefanizzi, bei dem ich zuvor telefonisch den Tisch klargemacht hatte, zu begrüßen. Man kennt, schätzt und mag sich schon seit vielen Jahren.
Der recht spartanisch eingerichtete Gastraum – wo sind nur die Vorhänge abgeblieben? – war etwa halb gefüllt. Es herrschte eine gesellige Atmosphäre. Da die Tische in dem kleinen Raum nicht weit voneinander entfernt stehen, bekommt man zwangsläufig mit, was die Nachbarn zu bequatschen haben. Stört aber keinen – wir sind ja schließlich in der Pfälzer Provinz.
Wir stellten beim Studium des uns wohlbekannten Speisenangebots fest, dass die Preise für Pizza, Pasta und Co. ein wenig angezogen hatten. Aber alles im inflationsbereinigten Rahmen. Für die 0,75l-Flasche San Pellegrino wurden 6 Euro aufgerufen. Der halbe Liter Radler schlug mit glatten 5 Euro zu Buche. Für die fleißigen Leute in der Küche und am Tresen soll schließlich auch etwas hängenbleiben.
Wir orderten zeitnah und auch die Getränke wurden zügig geliefert. Bald erschien auch der sympathische Pizzaiolo an unserem Tisch, um sich nochmal zu vergewissern, für welche Teigscheiben wir uns denn entschieden hatten. Mein Kollege ging mit der „Paradiso“ im Großformat (für sportliche 18,50 Euro) quasi „all-in“, während mich der innere Teufel zu einer großen „Diavolo“ (16 Euro) trieb. Um die Wagenradgröße der bald servierten Rundlinge wissend, verzichteten wir auf eine Vorspeise.
Was uns Serafino wenig später heiß und verführerisch duftend aus dem Ofen zauberte, war schlichtweg sensationell. Schon beim Anblick meiner mit Bolognese-Sauce, Paprika, hart gekochtem Ei, Knoblauch und scharfen Peperoni belegten Prachtscheibe lief mir das Wasser im Mund zusammen. BDAZ - Beste Diavolo aller Zeiten!
Ein saftig-scharfer, herrlich aromatischer Belag auf dünnem, gut durchgebackenem Knusperboden. Wer will da noch mit dem teiggewordenen Schlauchboot in einer Minute nach Napoli fahren?
Allein die Bolo hätte mir ein zufriedenes Grinsen beschert. In Kombination mit den scharfen grünen Schoten und dem nicht gerade homöopathisch eingesetzten Knoblauch wurde jeder Bissen zum Fest. Zum Sattsehen oder Hungerkriegen...
Das in Scheiben darüber verteilte, hartgekochte Ei sorgte zusammen mit den Paprikastreifen für „mildernde Umstände“ am Gaumen. Tomatensauce und Käse legten dabei im optimalen Verhältnis den schmackig-süffigen Grundstein für diesen wahrlich paradiesischen Pizza-Genuss.
Auch mein Kollege, dessen üppig belegtes Hefeteigerzeugnis stolz den Namen des Restaurants trug, fand nur lobende Worte für seine „Paradiso“. Pizza "Paradiso" mit üppiger Auflage
Sein nach dem Backvorgang mit reichlich Parmaschinken, Parmesansplittern und Rucola-Gestrüpp ausgestatteter Rustikal-Fladen strotzte nur so vor guten Zutaten. Das Paradies ist manchmal eine runde Sache...
Ich habe den Herxheimer Hobby-Gastronomen und Pizza-Kenner selten so euphorisch in eine Himmelsscheibe vom Apennin beißen sehen. Das letzte Mal wahrscheinlich beim mittlerweile verstorbenen Domenico Catalano in dessen ehemaligem Landauer Traditionsristorante „Da Domenico“…lang ist es her.
Wir bedankten uns bei Pizzameister Serafino für seine teiggewordenen Wonnetaten an Herd und Ofen und verließen unser kleines Pizza-Paradies als glückliche Gäste, die mit Sicherheit bald wiederkommen werden. Macht weiter so, ihr Stefanizzis! Ohne euch wäre die Pfälzer Pizzalandschaft um einiges ärmer.
Anfang Oktober verschlug es mich zusammen mit einem kollegialen Freund mal wieder nach Impflingen, wo Marco Stefanizzi trotz krankheitsbedingter Zwangspause auch weiterhin sein bei Teigfladenfreunden hoch angesehenes Pizza-Paradies betreibt.
Der gute Marco muss jedoch mehr denn je auf seine Gesundheit achten, weshalb er ab und an – wie in der Zeit seiner Abstinenz – von seinem Bruder Serafino in der Küche vertreten wird. Und dass der Bruder auch sehr kompetent in Sachen italienischer Rundbackwaren unterwegs ist, ist in Landau und... mehr lesen
Pizzeria Paradiso da Marco
Pizzeria Paradiso da Marco€-€€€Restaurant06341 9692603Hauptstraße 16, 76831 Impflingen
4.5 stars -
"Glücklich im Pizza-Paradies" GourmägglerAnfang Oktober verschlug es mich zusammen mit einem kollegialen Freund mal wieder nach Impflingen, wo Marco Stefanizzi trotz krankheitsbedingter Zwangspause auch weiterhin sein bei Teigfladenfreunden hoch angesehenes Pizza-Paradies betreibt.
Der gute Marco muss jedoch mehr denn je auf seine Gesundheit achten, weshalb er ab und an – wie in der Zeit seiner Abstinenz – von seinem Bruder Serafino in der Küche vertreten wird. Und dass der Bruder auch sehr kompetent in Sachen italienischer Rundbackwaren unterwegs ist, ist in Landau und
Geschrieben am 02.11.2025 2025-11-02| Aktualisiert am
03.11.2025
Besucht am 06.10.2025Besuchszeit: Abendessen 1 Personen
Rechnungsbetrag: 75 EUR
Nach dem Besuch der Sauna im Karlsruher Europabad – übrigens sehr empfehlenswert! – kehrte ich an einem Montagabend erstmals im Yuki-Restaurant im Stadtteil Beiertheim-Bulach ein. Das letzte Mal, dass ich hier in der Breiten Straße kulinarisch unterwegs war, liegt fast 40 Jahre zurück. Schon von außen einladend - das neue Yuki in der Breiten Straße
Einst residierte in den Räumlichkeiten des Yuki das Karlsruher Vorzeigelokal „O’Henry’s“, in dem es sich mein Vater gerne schmecken ließ. Einmal nahm er mich dorthin mit. Aber auf die französisch inspirierte Gourmetküche hatte ich zu dieser Zeit noch keine rechte Lust. Ein Besuch beim Schachtelwirt aka Gasthaus „Zur goldenen Möwe“ hätte mich damals deutlich mehr erfreut. Wie sich doch die Zeiten ändern…
Zwischendurch servierte man hier im Ristorante Adria eine mehr oder minder gehobene italienische Küche. Seit Februar dieses Jahres nun also das Yuki mit gehobener franco-japanischer Küchenausrichtung. Die eigenartige Fusion erklärt sich schnell. Die Geschwister Nguyen, die das Restaurant betreiben, stammen ursprünglich aus Nizza und wurden in Frankreich sozusagen gastronomisch sozialisiert, da die Eltern dort ein Lokal betrieben.
Vor rund fünf Jahren eröffneten sie das Yuki-Sushi in der Karlsruher Südstadt. Diesen Take-Away- und Lieferdienst betreiben sie auch nach wie vor. Mit dem Yuki-Restaurant gehen sie jetzt einen gastronomischen Schritt weiter.
David Nguyen hat sich in Japan zum Sushi-Koch ausbilden lassen und zaubert kleine Kunstwerke aus Reis und rohem Fisch auf die Teller. Dabei verzichtet er – Gott sei Dank! – auf die hierzulande in jedem Asia-Fusion-Lokal gängige Praxis der „Übersoßung“ aus der Quetschflasche. Er setzt auf gute Qualität bei den Produkten und die muss man schließlich nicht kulinarisch kaschieren.
Seine Schwester Caroline, die den Service leitet, war an jenem ruhigen Montagabend – lediglich zwei weitere Tische waren besetzt – nicht zugegen. Dafür empfing mich ein freundlicher junger Mann, der mir trotz meines recht späten Erscheinens noch grünes Licht in Sachen Verköstigung gab. Er machte seine Sache tadellos, agierte zugewandt und aufmerksam.
Ich durfte mir einen Tisch aussuchen und bekam flott das Speisenprogramm des Hauses geliefert. Die junge Servicekraft ließ mir trotz des nicht allzu fernen Küchenschlusses ausreichend Zeit, um mich „einzulesen“ und beantwortete bereitwillig meine Fragen zu den Portionsgrößen.
Ich hatte nämlich so richtig Hunger – kein Wunder nach der aufgussreichen Zeit davor. Noch schlimmer war allerdings mein Durst. Da war mir dann auch der sportliche Mineralwasserpreis von 7 Euro (0,75l-Flasche) völlig „latte“. Bei den 6 Euro, die man für mein später geordertes, japanisches Ichiban-Bier (sauber eingeschenkte 0,33l) kassierte, musste ich schon ein wenig schlucken. Da scheint die Pacht in der Breiten Straße aber hoch zu sein.
Ein Verdacht, der sich auch beim Blick in die Weinabteilung bestätigen sollte. 12 Euro für das falsche Viertel (= 0,2 Liter) vom Sauvignon Blanc aus dem Zellertal (Weingut Schwedhelm) oder für den Weißburgunder aus der Pfalz (Weingut Wolf, Birkweiler) sind schon ganz schön happig. Aber in Karlsruhe sicherlich keine Seltenheit. Da geht es in der Pfälzer Provinz preislich doch etwas legerer zu.
Nun gut, ich entschied mich für eine Vorspeise, eine Portion Sushi als Zwischengang und etwas „Handfestes“ von der übersichtlichen, tatsächlich französisch angehauchten Palette an Hauptgerichten. Die Wahl war mir schwer genug gefallen, klangen doch bereits die Vorab-Happen durch die Bank weg sehr verlockend. Und beim bunten Rohfischreigen wurde die Urteilsfindung nicht leichter.
Nach dem Bestellvorgang hatte ich ein wenig Zeit, mir ein Bild vom gepflegten Interieur des Yuki zu machen. Bequem gepolsterte Stühle gruppierten sich um einfache Bistrotische mit blanker, heller Holzplatte. Viel indirektes Licht an den Wänden und der Decke verliehen dem Gastraum Atmosphäre. Auf jedem Tisch befand sich eine kabellose LED-Lampe, die für gute Lichtverhältnisse zum Fotografieren der Speisen sorgte. Kurzum: Das Ambiente wirkte gediegen, ohne allzu dick aufzutragen. Gediegene Bistro-Atmosphäre im Inneren
Hinter der Theke werkelte Sushi-Koch David Nguyen in südostasiatischer Gelassenheit an seinen Preziosen aus Reis, Nori und rohem Fisch. Die raumteilenden Säulen erschwerten mir ein wenig den Blick zur Theke, aber sonst hatte ich alles gut im Blick.
Ich startete mit Ravioli Ebi (18 Euro), mit Garnelen-Masse und Gemüse gefüllte Teigtaschen aus dem Dämpfer, die mit einer Krustentier-Bisque serviert wurden. Die Bisque war ok, nicht mehr und nicht weniger. Die Ravioli-Portion geriet recht übersichtlich, was nicht weiter schlimm war, denn es warteten ja noch zwei Gerichte auf mich. Ravioli mit Garnelen-Gemüse-Füllung und reichlich Krustentier-Bisque (Vorspeise)
Schade, dass die an sich leckere Füllung von den zu kurz gegarten und deshalb noch recht harten Karottenstücken etwas in Mitleidenschaft gezogen wurde. Geschmacklich ging das in Ordnung, nur texturell passte die „knackige“ Füllung nicht zur weichen Teigwarenhülle und war auch sicherlich so nicht gedacht.
Der kleine Fauxpas war spätestens bei der bald darauf gelieferten, akkurat in acht Teile geschnittenen Yuki-Signature-Roll (17 Euro) wieder vergessen. Sojasauce, Gari und Wasabi durften bei der mit rohem Lachs und Thunfisch umwickelten Inside-Out-Roll natürlich nicht fehlen. Knusprig frittierte Garnele und Mango bildeten den vom Noriblatt zusammengehaltenen Kern. Die Yuki Signature Roll mit frittierter Garnele, Mango und Lachs-Thun-Mantel
Der gar nicht mal so klebrige Reis hatte eine angenehme Säure. Die Garnele keineswegs totfrittiert und noch durchaus „schmeckbar“. Auch die kleingeschnittenen Mangostücke taten der Sushi-Rolle richtig gut. Schönes Süß-Säure-Spiel, das mit Soja und Wasabi um Würze und Schärfe erweitert wurde. Da hatte der Sushi-Meister ein ganz geradliniges Rollenverständnis offenbart. Gefiel mir ausgesprochen gut. Sushi von solch hoher Qualität braucht keine Sauce (außer Soja...)!
Bei der Wahl meines Hauptgerichts folgte ich meinem inneren Schuppentierdrang und bekam es bald mit einer ordentlichen Tranche perfekt gegrilltem, leicht geräuchertem Lachs Binchotan (27 Euro) zu tun. Keine Ahnung, wann ich das letzte Mal ein solches Prachtstück auf dem Teller hatte. Mit kross gebratener Haut (love it!), tollem Raucharoma (der Binchotan-Kohle sei Dank!) und glasigem Kern lief der Lachs zu Höchstform auf. Lachs Binchotan - geräuchert, gegrillt und mit gut gebuttertem Kartoffelpüree serviert Perfekt gegrillter Lachsfisch! Fantastisch!
Dem konnte auch die etwas zu süß geratene Teriyaki-Soße nichts anhaben. Zumal das dazu gereichte Kartoffelpüree in jedem französischen Bistro für seinen großzügigen Butteranteil gelobt worden wäre. Sehr positiv auch das mehr oder minder knackig gegarte Gemüse (Rosenkohl, Blumenkohl, Brokkoli, Karotte), das den Teller stimmig komplettierte. Gemüse aus dem Dämpfer und Kartoffelpüree zum Lachs
Fazit:
Das Yuki Restaurant bereichert das recht eintönige Karlsruher Panasiatentum um ein paar französisch inspirierte Hauptgerichte, die man so nicht unbedingt beim „Japaner um die Ecke“ vermuten würde. Besonderes Lob an den Sushi-Meister, der die Saucenflaschen stillhielt und stattdessen mit tadellosem Handwerk überzeugte.
Das hübsche Ambiente und die gute Produktqualität fordern logischerweise ihren pekuniären Tribut. Die Getränkepreise bewegen sich nah an der „Unverschämt-Grenze“ und auch für die Speisen muss man hier etwas tiefer in die Tasche greifen als beim gemeinen "Stickstoff-Panasiaten". Dafür bekommt man jedoch auch mehr geboten. Für ein gutes Sushi würde ich hier jederzeit wieder aufschlagen.
Nach dem Besuch der Sauna im Karlsruher Europabad – übrigens sehr empfehlenswert! – kehrte ich an einem Montagabend erstmals im Yuki-Restaurant im Stadtteil Beiertheim-Bulach ein. Das letzte Mal, dass ich hier in der Breiten Straße kulinarisch unterwegs war, liegt fast 40 Jahre zurück.
Einst residierte in den Räumlichkeiten des Yuki das Karlsruher Vorzeigelokal „O’Henry’s“, in dem es sich mein Vater gerne schmecken ließ. Einmal nahm er mich dorthin mit. Aber auf die französisch inspirierte Gourmetküche hatte ich zu dieser Zeit... mehr lesen
Yuki Restaurant
Yuki Restaurant€-€€€Restaurant0721 79070620Breite Str. 24, 76135 Karlsruhe
4.0 stars -
"Neues franco-japanisches Restaurant mit Anspruch und (entsprechend) hohen Preisen" GourmägglerNach dem Besuch der Sauna im Karlsruher Europabad – übrigens sehr empfehlenswert! – kehrte ich an einem Montagabend erstmals im Yuki-Restaurant im Stadtteil Beiertheim-Bulach ein. Das letzte Mal, dass ich hier in der Breiten Straße kulinarisch unterwegs war, liegt fast 40 Jahre zurück.
Einst residierte in den Räumlichkeiten des Yuki das Karlsruher Vorzeigelokal „O’Henry’s“, in dem es sich mein Vater gerne schmecken ließ. Einmal nahm er mich dorthin mit. Aber auf die französisch inspirierte Gourmetküche hatte ich zu dieser Zeit
Geschrieben am 04.10.2025 2025-10-04| Aktualisiert am
05.10.2025
Besucht am 10.09.2025Besuchszeit: Mittagessen 1 Personen
Rechnungsbetrag: 27 EUR
Im komplett neugestalteten Karlsruher Naturfreundehaus in Rappenwört – auch schlicht „Bootshaus“ genannt – ist vor ein paar Monaten ein usbekisch-russisches Restaurant eingezogen. Früher war ich hier öfter zum Schnitzelessen, denn der gutbürgerliche Ruf des Bootshauses Rappenwört stieß auch in der Pfalz auf offene Karnivoren-Ohren. Das komplett sanierte Bootshaus
Bei einer Radtour entlang des Rheins kam ich zufällig am neuen Bootshaus vorbei. Es war noch angenehm war und ich hätte nur zu gerne draußen auf der Terrasse die mir kaum bekannten Spezialitäten aus dem usbekischen Kulinarkreis probiert. Aber leider war ich zu spät dran und die Küche hatte bereits geschlossen. Die Außenterrasse - im Sommer ein lauschiger Freisitz!
Aufgeschoben ist ja bekanntlich nicht aufgehoben und so fuhr ich ein paar Wochen später zur Mittagszeit ins Karlsruher Naherholungsgebiet Rappenwört, das nicht nur wegen seines Rheinstrandbads ein besonders in der warmen Jahreszeit sehr beliebter Anziehungspunkt für Naturliebhaber ist.
Parkplätze stehen nur ein paar Schritte entfernt in ausreichender Zahl zur Verfügung. Auch gibt es vor dem Eingang zur Terrasse die Möglichkeit, das Fahrrad adäquat abzustellen. Die direkte Lage am Rheinradweg lässt viele Biker davon Gebrauch machen.
An jenem Mittwochmittag Mitte September war nicht viel los im „Alkmann“. Lediglich ein weiterer Tisch war besetzt. Ich suchte mir einen Platz direkt am Fenster mit Blick nach draußen auf den verwaisten Biergarten, der noch ein paar Wochen zuvor einen gut besuchten Freisitz darstellte. Drinnen im Gastraum regierte nüchterne Funktionalität. Etwas nüchternes Ambiente
Das Mischpult am Eingang und die Lautsprecherboxen ließen auf ausgelassene Feierlichkeiten mit Tanz – anscheinend wird die Location gerne zu Hochzeitszwecken gebucht – schließen. Blick zur Theke
Lara Croft und Bob Marley grüßten in grellen Farben großformatig von den Wänden. Muss einem nicht gefallen, stört aber auch nicht wirklich. Und die weißgestrichenen Wände konnten ein bisschen Farbe schon vertragen. Es saß sich recht bequem...
Eine junge Dame, die Tochter des Inhabers Georg Lutz, begrüßte mich freundlich und brachte mir das laminierte, spiralgebundene Speisenprogramm, das nicht mit erklärenden Informationen und Fotos zu den teilweise doch recht unbekannten Spezialitäten geizte. Klar, die der usbekisch-russischen Küche noch nicht so vertrauten Gäste sollen sich von Plov, Kchachaburi, Samsa und Lagman möglichst schnell ein Bild machen können.
Das klang alles ganz wunderbar und ich wusste bereits beim ersten Durchstöbern der Karte, dass ich hier noch öfter aufschlagen werde, um mich nach und nach durchzuprobieren. Ich hatte ordentlich Hunger mitgebracht und entschied mich deshalb für einen sättigenden Tscheburek (7 Euro) vorweg. Danach wandelte ich mit einem Schweinefleisch-Schaschlik (16 Euro) vom Grill auf gar nicht mal so unbekannten Fleischpfaden.
Die kasachische Rindersuppe, das usbekische Nudelgericht namens „Lagman“ und die ursprünglich aus Russland stammenden Pelmeni-Teigtaschen habe ich mir bereits für die nächste Einkehr vorgemerkt.
Eine gut gekühlte Flasche Mineralwasser (0,7l für 4,80 Euro) blubberte mir zeitnah den Durst von der Kehle und auch die knusprig frittierte Teigtasche im XL-Format (= Tscheburek) wurde mir bald serviert. Tscheburek mit Adija-Sauce
Zu der mit einer herzhaften Hackfleischfüllung ausgestatteten, halbkreisförmigen „Riesenpirogge“, dessen Ursprung auf die Krimtataren zurückgeht, suchte ich mir die Adjika aus, eine pikante Sauce aus Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und nicht allzu scharfer Chili. Tscheburek - eine durchaus sättigende Vorspeise!
Die war übrigens im Preis inbegriffen und ließ sich gut zusammen mit dem „Taschenbifteki“ verputzen. Eine stattliche Vorspeise, die mich bereits gut gesättigt in Richtung Schaschlik entließ. Zwischendurch kam auch der Herr des Hauses, Herr Georg Lutz, der früher einen Imbiss im ehemaligen Supermarkt Kliver in der Karlsruher Nordstadt betrieb, an den Tisch, um sich nach meiner Zufriedenheit zu erkundigen.
Wir kamen schnell ins Gespräch und er beantwortete mir meine Fragen zu dem ein oder anderen usbekischen Gericht mit Freude. Nach der üppigen Schaschlik-Portion, bei der man saftige Stücke vom Schweinenacken ganz nach traditioneller Spießbratenart gegrillt hatte, spendierte er mir noch einen Vodka Raspberri, den ich „Absolut“ hinunterkippte.
Die fachmännisch gegrillten Brocken vom Schwein erinnerten optisch an den berühmten Pfälzer Rebknorzenspieß, bei dem ja auch Nackenfleisch verwendet wird. Nur sind die beliebten Weinfesthappen deutlich stärker gewürzt, sprich vormariniert, als dies hier der Fall war. Schweine-Schaschlik mit Kroketten und Satsabeli-Dip
Beim Alkmann-Schaschlik kam dagegen der Fleischgeschmack mehr zur Geltung, was dem positiven Gesamteindruck durchaus zuträglich war, da keine 08/15-Ware auf den Teller kam. Auch die dazu empfohlene Dip-Sauce namens „Satsabeli“, eine Art georgisches „Ketchup“, das durch Koriander, Knoblauch und Essig seine besondere Note erhielt, passte. Der unverhoffte Krokettenreichtum machte mir die Bewältigung des Fleischtellers nicht gerade leichter.
Da wurde dann auch der Vodka zum Digestif in verdauungsfördernder Absicht – und dementsprechend bereitwillig – von mir geleert.
Den Betreibern des „Alkmann“ wünsche ich für die Zukunft alles Gute. Sie bringen frischen Wind in die eingefahrene Länderküche (China, Japan, Indien) der Fächerstadt. Auf den nächsten Besuch freue ich mich jetzt schon, denn es gibt dort noch so viel Neuland zu entdecken…
Im komplett neugestalteten Karlsruher Naturfreundehaus in Rappenwört – auch schlicht „Bootshaus“ genannt – ist vor ein paar Monaten ein usbekisch-russisches Restaurant eingezogen. Früher war ich hier öfter zum Schnitzelessen, denn der gutbürgerliche Ruf des Bootshauses Rappenwört stieß auch in der Pfalz auf offene Karnivoren-Ohren.
Bei einer Radtour entlang des Rheins kam ich zufällig am neuen Bootshaus vorbei. Es war noch angenehm war und ich hätte nur zu gerne draußen auf der Terrasse die mir kaum bekannten Spezialitäten aus dem usbekischen Kulinarkreis... mehr lesen
Alkmann im Bootshaus
Alkmann im Bootshaus€-€€€Restaurant0163 1698485Hermann Schneider Allee 49, 76189 Karlsruhe
4.0 stars -
"Usbekisch-russische Deftigkeiten bei sympathischen Gastgebern" GourmägglerIm komplett neugestalteten Karlsruher Naturfreundehaus in Rappenwört – auch schlicht „Bootshaus“ genannt – ist vor ein paar Monaten ein usbekisch-russisches Restaurant eingezogen. Früher war ich hier öfter zum Schnitzelessen, denn der gutbürgerliche Ruf des Bootshauses Rappenwört stieß auch in der Pfalz auf offene Karnivoren-Ohren.
Bei einer Radtour entlang des Rheins kam ich zufällig am neuen Bootshaus vorbei. Es war noch angenehm war und ich hätte nur zu gerne draußen auf der Terrasse die mir kaum bekannten Spezialitäten aus dem usbekischen Kulinarkreis
Geschrieben am 23.09.2025 2025-09-23| Aktualisiert am
24.09.2025
Besucht am 09.09.2025Besuchszeit: Mittagessen 1 Personen
Rechnungsbetrag: 26 EUR
Das attraktive Angebot an Einkehrmöglichkeiten zur Mittagszeit lässt mich immer häufiger über den Rhein nach Karlsruhe-Daxlanden fahren. Neulich war ich nach langer Zeit mal wieder im Fashion Asia Grill, einem mit koreanisch-japanischer Fusionsküche werbenden Lokal, das seit Mai 2018 an der Daxlander Straße beheimatet ist.
Am unscheinbaren, äußeren Erscheinungsbild hat sich auch rund sechs Jahre nach meiner letzten Einkehr nichts geändert. Noch immer residiert man im Parterre eines schlichten Eckhauses, das sich gegenüber der Technikerschule befindet und sich bis auf das Banner mit dem Namen des Restaurants rein optisch kaum von den restlichen Häusern der etwas in die Jahre gekommen Wohnsiedlung unterscheidet.
Mit dem Parken ist es hier so eine Sache. Da muss man schon Glück haben oder eine Runde um den Block drehen. Ich hatte Glück und parkte direkt vor dem Restaurant, das an jenem Dienstagmittag nur spärlich besucht war. An der wenig gemütlichen Einrichtung, die immer noch weitestgehend kitschbefreit auf klare Linien setzt, mochte es sicher nicht liegen. Der Gastraum...für meinen Geschmack etwas zu "nüchtern"
Wie vor einigen Jahren schon beobachtet, baumelten noch immer futuristische Lampenschirmquader von der Decke. Auch der Gasgrill in der Tischmitte hat überlebt. Man sitzt nach wie vor auf modisch designten, bequem gepolsterten Stühlen mit Kunstlederüberzug oder auf sofa-artigen Wandbänken mit angenehm weicher, ebenfalls mit Lederimitat überzogener Rückenlehne.
Ob in der Zeit meines Fernbleibens die Besitzer gewechselt haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Ist aber im Bereich des Möglichen, da man neben einem leicht geänderten Speisenangebot auch eine andere Homepage am Start hat. Auch die Speisenkarte, die mir eine freundliche Bedienung zeitnah überreichte, war nicht die aus früheren Tagen.
Ich genoss die ruhige Atmosphäre und blätterte entspannt durch das hübsch gestaltete Speisenprogramm im Klappformat. Beim frittierten Hähnchen, zu dem man sich eine Sauce aussuchen durfte, führte mich der innere KFC-Teufel erfolgreich in Versuchung.
Ich entschied mich für die Version mit süss-scharfer „Korea-Sauce“ (14,90 Euro) und freute mich auf eine vom Streetfood inspirierte Bowl, die mit Kimchi, rotem Kraut, Erdnüssen, Kichererbsen, Bohnen, Knuspercroutons, Reis und Spiegelei eine sehr abwechslungsreiche – und auch mächtige – Portion darstellte. Dem nicht genug, war auch noch ein Miso-Süppchen der gar nicht mal so würzigen Art und ein frittiertes Kokos-Dessert mit von der Mittagstisch-Partie.
Hätte ich die Menge dieses Lunch-Menüs im Vorfeld erahnt, wären die Hähnchen-Gyoza (7,90 Euro) als Vorspeise definitiv entfallen. So aber freute ich mich nach den ersten paar Schlückchen vom zuvor bestellten, gut gekühlten Kirin-Bier (0,33l-Flasche für 3,90 Euro) auf meine gefüllten Asia-Täschchen aus der Pfanne. Japanischer Durstlöscher (gut gekühlt)
Die in der Karte vermerkte Käsesauce war wohl aus. Man servierte mir die knusprigen Dumplings stattdessen mit Salat und einer durchaus stimmigen Honig-Senf-Sauce, bei der lediglich die gelbe Farbe etwas befremdlich anmutete. Gebratene Hähnchen-Gyoza mit Salat und viel Honig-Senf-Sauce Teigtaschen mit Salat-Topping...Sachen gibt's!
Ein guter Auftakt, der meine Lust auf das „Korean Fried Chicken“ nochmal anheizte.
Der dreiteilige Hauptgang ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Es wurde alles zusammen auf einem Tablett serviert. Hat damals in der Uni-Mensa ja auch funktioniert. Und hier bekam man es sogar noch an den Tisch gebracht. Mein Mittagsmenü erinnerte mich an meine Studentenzeit...
Die helle Miso-Suppe überzeugte mit angenehmer, nicht zu penetranter Umami-Note. Kleingeschnittener Frühlingslauch und ein paar Tofu-Würfel schwammen darin. Die ließ sich samt Einlage sehr gut weglöffeln. Ordentliche Miso-Suppe
Die aus der Keule, den Flügeln und der Brust gewonnenen Knusper-Nuggets lagen mit reichlich roter Sauce gesegnet obenauf. KFC - Korean Fried Chicken (mit üppigem Gefolge)
Darunter befanden sich die pflanzlichen Nebendarsteller, von denen mir besonders die grünen Bohnen und die Kichererbsen zusagten. Der Kimchi und ich werden dagegen wohl keine dicken Kumpels mehr. So auch an diesem Dienstagmittag in Karlsruhe-Daxlanden. Eine Schüssel voll Huhn (und noch viel mehr)
Der Reis aus dem Dampf geriet tadellos und auch das Spiegelei ging in Ordnung – auch wenn es keinen großen gustatorischen Mehrwert darstellte. Dafür heizte die süß-scharfe Sauce meinen Papillen gehörig ein. Das Hähnchenfleisch fiel erwartungsgemäß saftig aus. Ohne das üppige Saucen-Topping wäre es deutlich krosser geblieben. Leider weichte die scharfe Asia-Tunke die Panierung mit der Zeit auf. Mit süss-scharfer Sauce wurde nicht gegeizt...
Aber das war angesichts der in der heißen Steinschale gebotenen Vielfalt an Geschmäckern und Texturen zu verschmerzen. Auch die Schärfe empfand ich durchaus angemessen. Spürbar am Gaumen, aber keinesfalls den Tatbestand der Körperverletzung erfüllend. Nur mit der Menge hatte ich ganz schön zu kämpfen. Da wäre weniger sicher mehr gewesen. Zumal ja auch noch der frittierte Kokosmilch-Quader in Pankohülle verputzt werden wollte. Frittierter Kokosmilch-Quader im Pankodress
Das fällt aber in die Rubrik „Jammern auf hohem Niveau“ und wird mich sicherlich nicht davon abhalten, hier mittags mal wieder aufzuschlagen. Dann gerne auch mit Verstärkung aus dem kollegialen Wörther Lunch-Milieu.
Die Ramen-Nudeln in Schweinefleischfond mit gebratenen Gyoza-Teigtaschen könnte ich mir nämlich als „Sonntagssüppchen“ auch unter der Woche gut vorstellen. Und Mapo Tofu mit Hackfleisch-Bibimbap würde vielleicht sogar einen ehemaligen Vorzeige-GG‘ler aus dem Nordschwarzwald nach Daxlanden locken…wer weiß?
Das attraktive Angebot an Einkehrmöglichkeiten zur Mittagszeit lässt mich immer häufiger über den Rhein nach Karlsruhe-Daxlanden fahren. Neulich war ich nach langer Zeit mal wieder im Fashion Asia Grill, einem mit koreanisch-japanischer Fusionsküche werbenden Lokal, das seit Mai 2018 an der Daxlander Straße beheimatet ist.
Am unscheinbaren, äußeren Erscheinungsbild hat sich auch rund sechs Jahre nach meiner letzten Einkehr nichts geändert. Noch immer residiert man im Parterre eines schlichten Eckhauses, das sich gegenüber der Technikerschule befindet und sich bis auf... mehr lesen
Fashion Asia Grill Restaurant
Fashion Asia Grill Restaurant€-€€€Restaurant015111616209Daxlander Str. 125, 76185 Karlsruhe
4.0 stars -
"Abwechslungsreiches Mittagsmahl zum fairen Preis" GourmägglerDas attraktive Angebot an Einkehrmöglichkeiten zur Mittagszeit lässt mich immer häufiger über den Rhein nach Karlsruhe-Daxlanden fahren. Neulich war ich nach langer Zeit mal wieder im Fashion Asia Grill, einem mit koreanisch-japanischer Fusionsküche werbenden Lokal, das seit Mai 2018 an der Daxlander Straße beheimatet ist.
Am unscheinbaren, äußeren Erscheinungsbild hat sich auch rund sechs Jahre nach meiner letzten Einkehr nichts geändert. Noch immer residiert man im Parterre eines schlichten Eckhauses, das sich gegenüber der Technikerschule befindet und sich bis auf
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In den letzten Monaten verschlug es mich mehrfach in das kleine Lokal in der Karlsruher City. Der Erstbesuch fand Ende Juli im Rahmen eines Familienausflugs, zu dem sich auch mein Vater hinzugesellte, statt. Ein paar Tage zuvor hatte ich über ein Karlsruher Online-Stadtmagazin von der Existenz des von außen recht unscheinbaren Teigtaschentempels Wind bekommen.
Da auch mein Herr Papa – seit unserem Kanada-Trip vor ein paar Jahren – um den hohen Genussfaktor lecker gefüllter Dim Sum weiß, war er natürlich sofort dabei. Er wäre hier wohl nie eingekehrt, denn am unscheinbaren „Mr. Dumpling & Noodle“ läuft man eher vorbei, als dass einem das äußere Erscheinungsbild zu einem Besuch animiert.
Und dieser etwas schmucklose Eindruck setzt sich im Inneren leider fort. Es ging wenige Stufen hinauf zu einem sehr funktional eingerichteten, recht schmalen Gastraum. Gleich zu unserer Linken werkelte „Mr. Dumpling“ (der Koch) hinter dem Tresen in seiner kleinen, offen einsehbaren Küchenecke. „Mrs. Dumpling“ (die Servicekraft) begrüßte uns sehr freundlich und wies uns einen Tisch im hinteren Bereich des hell gestrichenen „Dampf – und Mampfschuppens“ zu.
Die sympathische junge Dame erfüllte ihren Bedienungsauftrag auf asiatisch zurückhaltende Art und Weise, unterhielt sich mit den Gästen aus Fernost in deren Landesprache und half uns bei Fragen zu den Gerichten gerne weiter. Da fühlten wir uns doch gleich willkommen.
Das recht karge Interieur lenkte uns – positiv formuliert – zumindest nicht vom Essen ab. Viel Weiß, viel Grau.
Dazu ein gefliester Boden aus alten Zeiten. Ein paar großformatige Farbtupfer an den Wänden hätten der Umgebung mit Sicherheit das Eintönige genommen. Naja, wem‘s gefällt. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.
Mittlerweile zieren zumindest ein paar Bambusmatten eine Wand im kleinen Gastraum, wie ich bei meinem letzten Besuch vor ein paar Tagen feststellen konnte.
Aber zusammen mit den Hängeleuchten im Industrial-Look und dem freiliegenden Abzugs- bzw. Entlüftungsrohr, das sich von der Küche kommend seinen Weg entlang der Decke durch die Räumlichkeit bahnt, wirkt das Interieur immer noch etwas steril und ungemütlich.
Das Speisenangebot steckte im Sommer noch etwas behelfsmäßig in abgegriffenen Klarsichthüllen, die notdürftig von einer Schnur zusammengehalten wurden. Mittlerweile hat diese – wahrscheinlich provisorische – Art der Unterbreitung des Speisenangebots jedoch ausgedient. Ein übersichtlich gestalteter DIN-A4-Flyer im Querformat kündet heuer vom bewusst kleingehaltenen, kulinarischen Programm des Lokals.
Das halbe Dutzend Vorspeisen (Kimchi, Yakitori, Edamame, Hähnchensalat mit Erdnussdressing) von unserer Einkehr im Sommer suchte ich darauf vergebens. Anscheinend hat man seitdem die Karte verkleinert. Die Teigtaschenauswahl – nach wie vor serviert man hier sechs verschiedene Dim-Sum-Varianten (entweder gedämpft oder gebraten) – war dieselbe geblieben.
Auch an den Ramen-Gerichten hatte sich nichts geändert. Die Karte listete ein halbes Dutzend Nudelsuppen, die sich mit diversen Toppings aufwerten ließen. Für Nudelfreunde gab es noch eine Handvoll verheißungsvoll klingender Schüsselgerichte. Auch diese ließen sich optional mit einem Topping (würziges Rindfleisch, Hähnchenbrust oder Tofu) aufpeppen.
Meine Frau entschied sich damals für eine Nudelsuppe auf Sojasoßen-Basis namens „Shoyu Ramen“ (7,90 Euro), die sie um dünn aufgeschnittenes, würziges Rindfleisch (5,90 Euro) erweiterte.
Mein Vater wagte sich an die Black-Shrimp-Dumplings (9,90 Euro) aus dem Bambus-Dämpfkorb. Meine mit Hähnchenfleisch, Paprika und Ingwer gefüllten Gold-Chicken-Gyoza (9,90 Euro) brutzelten vorher kurz in der Pfanne.
Jede Portion dieser „Peking-Pelmeni“ bestand aus zehn Exemplaren, die sich schon farblich stark voneinander unterschieden. Die mit Garnelenfleisch, Taro-Yam-Paste, Bambussprossen und Hühnerfleisch gefüllten Shrimps-Taschen steckten in einer schwarzen Teighülle (Sepia, ick hör‘ dir tinten…). In der Karte verwies man auf den Einsatz „natürlicher Farben“ und den Verzicht auf „künstliche Zusätze“.
Die Teile sahen übrigens nicht nur verboten gut aus, sie schmeckten auch unverschämt lecker. Saftig, garnelig und wunderbar aromatisch. Onkel Tom (Yum) grüßte mit milder Schärfe und frischer Säure. Galgant, Zitronengras, ein Hauch Chili und (wahrscheinlich) Fischsoße brachten die handgemachten Teiglinge geschmacklich auf Kurs. Mein Vater war derart begeistert, dass ihm nur schwer ein Garnelentäschchen zu entlocken war.
Aber auch meine mit gelber Teighülle durch die Pfanne geschleusten Kanton-Ravioli waren nicht von schlechten Hühnern.
Unter „Gold Chicken“ versteht man im Osten unserer Republik wahrscheinlich etwas ganz anderes. Hier „broilerte“ das „geflügelte Gold“ nicht zuvor am Rotisserie-Grill, sondern versteckte sich zusammen mit Paprika, Ingwer und Chili in zehn gelben Nudeltaschen. Ein Schälchen Erdnuss-Sesam-Sauce zum Dippen befand sich ebenfalls auf dem Teller.
Kein Wunder, dass wir uns danach noch einen gemischten Satz davon nachbestellten.
Auch für gestandene „Dim-Sumonauten“ sei die nach eigenem Gusto zusammenstellbare Auswahl an Dampfbarkeiten (11,90 Euro) dringend empfohlen. Mit ihr lässt es sich nämlich prima durchs hiesige Teigtaschenrepertoire futtern.
Denn jede dieser kleinen Köstlichkeiten hat – neben der Teighüllenfarbe – ihr ganz eigenes, nach frischen Zutaten schmeckendes Aroma. So dominiert beispielsweise bei den mit Rindfleisch und Zwiebeln gefüllten Sakura-Beef-Dumplings ganz klar der Kollege Kreuzkümmel, während die Classic-Pork-Variante mit Shiitake-Pilzen und Chinakohl eher den bekannten Geschmacksbildern aus Fernost nacheifert.
Allzu gierige Dumplingvernichter sollten jedoch aufpassen. An der heißen Füllung der dem Dampf entstiegenen „Täschle“ verbrennt man sich gerne Zunge und Gaumen. Da heißt es entweder warten oder ein paar Soja-Nudeln mit Hähnchenbrust (12,90 Euro) parallel dazu genießen, so wie ich das bei meiner letzten Einkehr vor ein paar Tagen tat.
Auf die kleingeschnittene Salatgurke, die mir bei einem anderen Besuch meine süffig-pikante Schüssel mit gedämpften Wantan (Garnelen-Schweinefleischfüllung), Frühlings- und Röstzwiebeln sowie fermentiertem Senfkohl und Chili-Öl (13,90 Euro) regelrecht „vergurkte“, verzichtete ich dankend.
Und an das fermentierte, chinesische „Sauerkraut“ hat sich mein Gaumen mittlerweile ganz gut gewöhnt.
Wer also auf bunte Dampfgarerzeugnisse mit aromatisch-saftiger Füllung steht, es um sich herum aber nicht allzu bunt mag (Interieur!) und bei dem auch eine frisch gewokte Nudelschüssel (egal ob mit Suppe oder Soße – schmeckt alles hier verdammt gut!) absolut im kulinarischen Ra(h)men (sorry, der musste zum Schluss noch sein…) liegt, dem sei dieser Laden in der Karlsruher City wärmstens ans Herz gelegt.
Mich wird man hier in Zukunft wohl noch öfter sehen, denn diese Teigtaschen haben (auf mich) ein regelrechtes Suchtpotenzial. Und außerdem habe ich noch nicht alle Nudelschüsseln durchprobiert…