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Nach mehreren Wechseln, Leerständen und Versuchen hier italienische oder Trendküche heimisch zu machen, scheiterte es nicht zuletzt auch an Personalmangel oder mangelnder Akzeptanz des dörflichen Stammpublikums.
Der bekannte Betreiber der lokalen Fischbude am Hafen hat jetzt auch hier die Zügel in der Hand und setzt auf klassisch-bürgerliche Küche, Fisch und mit einigen Snacks erweitertem Speisenangebot. Das dürfte neben der Dorfgemeinschaft auch älteren Spaziergängern und Radfahrern gefallen.
Das traditionelle Ambiente wurde wiederhergestellt und Saal, Gaststube, Wintergarten und Terrasse klar und sauber ohne Schnörkel herausgeputzt. 2 jüngere unkompliziert-freundliche Damen im Service unterstützten Koch und Chef, als wir unsere Reservierung im recht ordentlich frequentierten Restaurant antraten.
Neben der umfangreichen Standardkarte gab es noch eine Tagesempfehlung; die Preise sind verhältnismäßig günstig und dafür wird viel geboten:
Getränke: Weine werden für 4,30€/0,2l, Wasser klein 2,30€ und Absacker ab 2,50€ angeboten; dafür war der Wein absolut in Ordnung!
Speisen (mit angenehmen Pausen annonciert):
Vorab:
Tatar vom Räucherlachs und Matjes (12,90€) - stückig, lecker, pfiffig und frisch drohte jedoch auf und umzingelt von einem riesigen Salatbukett mit Standarddressing etwas in Vergessenheit zu geraten bzw. in der Versenkung zu verschwinden, obwohl die Portion nicht klein war. Für eine Vorspeise so zu wuchtig; hier wäre weniger und Konzentration auf den Fisch mit etwas Trennung zur Beilage mehr gewesen.
Hausgemachte Gulaschsuppe (8,90€) - ein großer Teller mit viel zartem Fleisch und leichter Schärfe. OK, aber ich mags gern ein bisschen eingekocht-schlotziger mit etwas tiefgründigerem Aroma und Säurespiel.
Hauptgerichte:
Hamburger Labskaus (15,90) - Ein großes Bismarckheringsfilet (hervorragend) auf großer Gewürzgurke und mehreren Scheiben selbst eingemachter Roter Bete (schöne Naturwürze, wenig Säure) und wieder etwas zu groß geratener Salatbeilage analog der Vorspeisenbeschreibung. Von einem leichtknusprigen, schmackhaften Spiegelei gekrönt der große Haufen des eigentlichen selbstgemachten Labskaus; obwohl hier auch Fleischeinlage zu finden war etwas hell, stampig-trocken stückig stopfend und wenig geschmackvoll fade kartoffellastig. Hier fehlte Fett, Säure und die typische Feinheit/Charakter wegen ungenügenden Passierens und Abschmeckens dieses norddeutschen Klassikers.
2 Doppelfilet vom Matjes mit Bratkartoffeln, Hausfrauenremoulade und Roter Bete (17,90€) - ein sehr voller Teller zur Hälfte mit auf den bekannten Rote Bete-Scheiben gebetteten Bratkartoffeln (ok). Die andere Häfte nahm den ordentlichen Matjes wieder auf dem neutralisierenden viel zu großen Salatbukett auf; die "Hausfrauenremoulade" eher normal-dünn war direkt daneben gekippt, was auf dem Teller alles zu einem Einheitsbrei verlief. Auch hier wäre Konzentration auf den Fisch und die Sauce in einer Extraschale mehr gewesen.
So bleibt trotz einiger guter Komponenten zunächst ein durchschnittlicher aber bodenständiger Eindruck. Wenn mehr auf Anrichte und Leidenschaft/Sorgfalt beim Zubereiten/Abschmecken geachtet und das bunte, erschlagende Beiwerk reduziert wird, kann das durchaus noch etwas werden. Der Betrieb läuft gerademal einen Monat; ich bin sicher, die finden sich noch und überraschen uns beim nächsten Mal... Konzept, Willen und Basis sind vorhanden, um die längere Anfahrt in die Marsch zu begründen.