"Mit Anlauf in die eiskalte Italo-Falle mit mehr Theater als Leistung"
Geschrieben am 02.01.2026 2026-01-02 | Aktualisiert am 02.01.2026
Restaurant Charlot
€-€€€
Restaurant
069287007
Opernplatz 10, 60313 Frankfurt am Main
"Sushi Kette"
Geschrieben am 28.12.2025 2025-12-28
Yoko Sushi
€-€€€
Restaurant, Lieferdienst, Sushibar
06956004000
Marbachweg 232, 60320 Frankfurt am Main
"asiatische Fusionkitchen"
Geschrieben am 08.10.2025 2025-10-08
Kiichi Sushi Bar
€-€€€
Restaurant
06921001929
Roßmarkt 12, 60311 Frankfurt am Main















Für diesen eiskalten Samstag hatten wir Konzertkarten für die Alte Oper in Frankfurt.
Im Vorfeld informierte ich mich über die Restaurants fußläufig zur Oper und des dazugehörigen Parkhauses. Und stellte verwundert die einheitliche Preisgestaltung der umliegenden Restaurants fest. Einfach sauteuer. Wir sind gerne bereit, für gutes Essen entsprechend zu zahlen. Aber hier passte für uns bei keinem der Restaurants das Preis-Leistungs-Verhältnis. Wir sind aber auch eben keine Banker.
Von einer Reservierung sah ich also ab, wir wussten auch nicht, ob wir es frühzeitig nach Frankfurt schaffen.
Wir schafften es frühzeitig nach Frankfurt. Kurz nach 17.00 Uhr stand unser Auto frostfrei in der Tiefgarage geparkt und wir machten uns auf die Suche nach einem bereits geöffneten Restaurant.
Bei frostigen Temperaturen und eiskaltem Wind wollten wir nur noch schnellstens ins Warme und wehten in das erstbeste Restaurant am Opernplatz hinein. Ohne jedes Wissen, welche Küche angeboten wird.
Aber es sah innen schon mal sehr einladend und ansprechend weihnachtlich dekoriert aus.
Die Tische schön eingedeckt.
Im vorgebauten und beheizten Zelt des Restaurants wollten wir nicht Platz nehmen.
Gleich am Eingang wurden wir von einem Serviceherrn begrüßt und ich fragte nach einem Tisch für 2. Es waren erst wenige Tische belegt.
Wir durften an einem kleinen Tisch im Durchgang nahe des Eingangs Platz nehmen. Das kam mir schon recht italienisch vor. Die männliche Servicemannschaft und die maximale Bestuhlung des Restaurants.
Kaum Platz genommen, Karten gereicht, stand il cameriere parat um die Verkaufsshow zu starten.
"Möchten wir ein Aperivo?" Diverse Tagesempfehlungen wurden heruntergerattert, die Empfehlung der Pasta mit weißem Albatrüffel ließ mich aufhorchen.
Sichtlich enttäuscht zog der gestandene Serviceherr von dannen. Wir hatten vorerst nur eine Flasche Mineralwasser bestellt und wollten erstmal in die Karte schauen.
Und mussten feststellen: Unser zugiger Platz war einfach kalt. Ständig ging die Tür auf und zu. Die Gäste im gewinnmaximierenden Zeltplatzes vor dem Restaurant wollten ja auch bedient werden.
Die Flasche Wasser wurde, gut gekühlt ;-), serviert und schlug mit € 10,90 zu Buche. Nicht San Pellegrino sondern 0,75 l Taunusquelle. Immerhin regionale Qualität, der Endverbraucher bekommt im Einzelhandel 12 Flaschen zu diesem Preis.
Dann wurde uns das auf der Speisekarte angekündigte „Gedeck“ zu € 2,90 serviert. Grüne Oliven und 2 Sorten angetrocknetes Brot.
Kalt waren die Oliven, das Brot und wir. Auf das Servieren des angekündigten Himalayasalzes und des Olivenöls verzichtete man.
Erstens waren wir ja noch neue Gäste und wir waren ja hier schließlich bei einem richtigen Italiener. Hier muss man sich als Gast mit zahlreichen Besuchen seine Betreuung erarbeiten.
Zweitens war der kleine Tisch schon voll mit Wasserflasche, Gläsern, Windlicht und üppigem Weihnachtsgesteck. Und immerhin Stoffservietten.
Wir gaben unsere Bestellung auf und verzichteten unglaublicherweise auf einen Aperitif.
Mein Mann blieb komplett beim Wasser und ich gönnte mir die Freude den einzigen DEUTSCHEN offenen Weißwein der Karte zu bestellen. Den trockenen Riesling vom Kloster Eberbach, € 12,90 / 0,2 l. Ein Glühwein stand nicht auf der Karte, leider. Aber der Riesling war eine gute Wahl.
Flott wurden unsere Vorspeisen serviert.
Für mich der Salat Classic: Kopfsalat, Tomaten, Freilandei, Granatapfel, Wallnüsse, Hausdressing zu € 19,90.
Eine sehr großzügig portionierte Vorspeise. Und sehr kalt! Das schlichte Balsamicodressing war sicherlich nicht schlecht. Hatte aber eisgekühlt keine Chance zur Aromaentfaltung. Ebenso wenig die festen Bestandteile.
Im Vorbeigehen fragte der Kellner nach unserer Zufriedenheit. Ich antwortete: „Sehr erfrischend“. Meine Antwort wurde mit einem wissenden Lächeln quittiert.
Mein Mann hatte klüger gewählt. Die Kürbiscremesuppe, serviert mit Kürbiskernöl, Kürbiskernen und einem Grissini zu € 16,90, wurde heiß serviert und wärmte von innen.
Zumindest kurzzeitig. Geschmeckt hat sie wie eine Kürbissuppe. Da kann man ja auch nicht viel falsch machen.
Inzwischen füllte sich das Restaurant. Auch mit Gästen ohne Reservierung. Diese wurden dann zu ruhigeren und sicherlich weniger zugigen Plätzen geleitet. Das bunte Treiben wehte ständig an uns vorbei und aufgrund der Enge hingen auch die Gesäße oft fast auf unserem Tisch. Mein Mann und ich kamen überein, froh zu sein wenn wir hier raus sind.
Zeit ist Geld und kaum waren unsere Vorspeisenteller leer, wurden die Hauptgerichte serviert.
Die Tagliolini mit schwarzem Trüffel zu € 36,90 wurden meinem Mann schlicht angerichtet serviert.
Zusätzlich gab es noch etwas Parmesan dazu. Es schmeckte ihm gut.
Ich wählte das Tagesangebot der Tagliolini mit weißem Albatrüffel mit unbekanntem Preis. Natürlich war ich mir bewusst, dass der weiße Trüffel teurer ist.
Unser klischeehafter Italiener in Reinform servierte mit viel Tamtam meine Pasta und holte die Königin des Trüffels aus dem Holzkästchen und hielt mir die Knolle unter die Nase. Ich mag das nicht. Ich weiß wie Trüffel riecht und möchte nicht wissen von wie vielen Nasen er schon beschnuppert wurde (dieser war zum Glück noch unangehobelt). Ich wollte mich auch weder zum Trüffelhund noch zum Trüffelschwein ausbilden lassen. Aber es gehört halt zur Show. Beim Hobeln über meiner Pasta brach dann noch ein Stück ab und fiel in den Teller. Mit dem Löffel meines Mannes wurde das weiße Gold herausgeangelt und weitergehobelt.
Warum meine Pastaportion deutlich kleiner war, habe ich nicht verstanden. Dafür war auf meinem Teller noch Buttersud vorhanden und ich bin mir nicht sicher, ob dieser nicht mit Trüffel aromatisiert wurde. Geschmeckt hat es, satt war ich nicht. Und dankbar, dass der Vorspeisensalat groß war.
Die Teller waren gut vorgewärmt und das Essen kühlte nicht zu schnell ab.
Wir waren genug abgekühlt um die Rechnung zu bestellen. Diese wurde stilvoll im Kästchen serviert. Meine Alba-Trüffelpasta war nun mit dem Preis von € 65,90 versehen. Der Preis wurde vorab nicht genannt, ich habe nicht gefragt. Von € 50,00+ ging ich aus, aber nicht von der dürftigen Pastaportion.
Laut Beleg war Dino unser Serviceherr und lief nun zur Hochform auf.
Ich auch!
Zahlen per EC-Karte war kein Problem.
Dino hatte das Gerät in der Hand und wartete. Ich auch. Und ich genoss die Macht des Schweigens!
Irgendwann die Frage: „Soll ich das so eingeben?“.
„Ja, bitte“.
Die Belegsumme von € 169,20 wurde eingegeben und ich bestätigte.
Dino: „Ist ohne Trinkgeld!“
Ich: „Gern geschehen“.
Dino dampfte grußlos ab und wir zogen auch schnell ab. Sicher ist sicher.
Ich erinnere mich nicht, wann ich das letzte Mal kein Trinkgeld gab. Aber hier passte das Preis-Leistungs-Verhältnis für uns überhaupt nicht. Wir hatten schon im Restaurant beschlossen uns den Abend nicht vermiesen zu lassen und haben das alles mit gekühltem Humor genommen. Aber tatsächlich das Trinkgeld noch einzufordern? Wir waren kein Einzelfall, das durfte ich bei anderen Bewertungen entdecken.
Statt Freundlichkeit gab es Hektik, Kälte und sachlich-reduzierten Service und fremde Menschen die uns fast über den Teller rutschten.
Das Essen konnte den Eindruck nicht im Geringsten ausgleichen. Geschmacklich waren die warmen Speisen gut, allerdings ohne jegliche Finesse (Trüffelhobeln erfordert keine Handwerkskunst) und keinesfalls dem Preis oder dem eigenen Anspruch des Lokals angemessen. Nichts blieb in positiver Erinnerung – weder Aromen noch Präsentation.
Insgesamt ein Erlebnis, das man sich sparen kann: viel Show, wenig Substanz und ein Service, der eher vertreibt als einlädt. Unser Bedarf an italienischer Gastfreundschaft ist vorerst gedeckt.
Die Toiletten befinden sich im Untergeschoss, also nicht gehbehindertengerecht.
In diesem Sinne: Prosit Neujahr und aus Erfahrung lernen!