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Es regnete fürchterlich an diesem Freitagabend und wir waren froh als wir das aus dem 13.Jahrhundert stammende Kinzigtor, in dessen Turm sich das Wehrgeschichtliche Museum der Gengenbacher Bürgergarde befindet, passiert hatten und wir das nur ein paar Schritte davon entfernte, von Anna und Fabrizio Annoscia im Jahr 2018 eröffnete Ristorante erreichten.
Schon von außen machte das modern eingerichtete Lokal mit der hohen Glasfront einen einladenden Eindruck.
Unser kurz zuvor telefonisch erfragter Tisch befand sich gleich rechts neben der Eingangstür. Der Empfang durch die beiden Herren vom Service – einer von ihnen war der Inhaber – fiel sehr freundlich aus.
Die apulische Gastfreundschaft habe ich vor 10 Jahren zusammen mit meinem Vater auf einer erlebnisreichen Urlaubsreise kennen und schätzen gelernt. Umso mehr freute ich mich auf die hier in diversen Varianten angebotenen „Öhrchen-Nudeln“, die berühmten Orecchiette.
Ein Kinderstuhl für das Töchterchen wurde schnell und zuvorkommend herbeigeschafft. Die bereits auf den Tischen liegenden Platzsets waren aus dickerem Papier und durften – sehr zur Freude unserer Kleinen – angemalt werden. Die Tafel mit den Empfehlungen bzw. Spezialitäten des Hauses lockte mit apulischer Pasta und gegrilltem Oktopus.
Eine kleine Apfelschorle (0,2l für 3,50 Euro), eine große Flasche Mineralwasser (0,75l für 6 Euro) und eine Flasche 2022er Barbera d’Alba (32 Euro) von der für seine Barolo-Weine bekannten Kellerei Beni di Batasiolo aus dem Piemont sollten unseren Flüssigkeitsbedarf an diesem Abend problemlos decken.
Den „roten Rest“ nahmen wir später gut verkorkt mit zurück ins Hotel. Er wurde ein paar Tage darauf in der heimischen Pfalz mit Freude ausgetrunken.
Wir stöberten im umfangreichen Pizza- und Pastaprogramm, das mit bekannten italienischen Klassikern und apulischen Spezialitäten reich gefüllt war. Orecchiette und Cavatelli, zwei traditionsreiche Pastasorten aus dem Süden Italiens wurden variantenreich angeboten. Handfeste Vespereien wie etwa die Frisella Pugliese, eine Art „Strammer Max“ auf apulisch, oder der gegrillte Caciocavallo-Käse mit Steinpilzen und frischen Trüffel verhießen kulinarische Heimatliebe.
Den Ciccio, eine fluffige, pizzaähnliche Fladenspezialität, deren Teig aus Kartoffelmehl hergestellt wird, kannte ich noch nicht. Anders als bei der herkömmlichen italienischen Rundbackware wird er erst nach dem Backen mit den Belagszutaten veredelt.
Das mit scharfer Spianata Calabrese (Salami), Provolonekäse, Tomaten und scharfem Öl verfeinerte Apulien-Gebäck trug die Aufschrift „Piccante“ (14,50 Euro) und stellte unsere Vorspeise zum Teilen dar.
Antipasti oder Antipizza, das war hier die kulinarische Frage. Geschmacklich und optisch eine runde Sache und als erster, veritabler Sattmacher für absolut tauglich befunden, genossen wir dieses deftig belegte, bereits vorgeschnittene Pizza-Brot à la Puglia. Für das Töchterchen lieferte man zeitgleich eine Portion Orecchiette mit Tomatensoße und extra viel Parmesankäse (10 Euro). Kein Wunder, dass sie bei diesem Anblick bis über beide „Öhrchen“ grinste.
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Der gleiche, mit Liebe gekochte Tomatensugo umspielte auch meine Orecchiette Cisternino (19,50 Euro), die von zwei kleinen apulischen Rinderrouladen, den Brasciole, gekrönt waren.
Die mit ordentlich Knoblauch gefüllten Schmorbälle hätten ruhig ein wenig heißer auf dem Teller landen dürfen. Geschmacklich gingen sie in Ordnung, texturell war aufgrund ihrer geringen Temperatur sicherlich noch Luft nach oben. Auch hätten sie für meinen Gaumen etwas weniger knoblauchlastig ausfallen dürfen. Dagegen fiel die „Öhrchen-Pasta“ tadellos aus. Jene hatten noch leichten Biss und ließen sich mit der fruchtig-aromatischen Soße bedenkenlos weglöffeln. „Tu ma lieber die Öhrchen, Mama!“ (frei nach Helge Schneider).
Die von cremiger Kürbissauce und herzhafter Salsiccia umgebenen Orecchiette Monopoli (16,90 Euro), für die sich meine Frau entschieden hatte, bescherten ihr einen harmonisch runden Nudelteller, dessen leichte Süße (Kürbis) von der gut gewürzten Salsiccia aufgepeppt wurde und dabei am Gaumen für Abwechslung sorgte.
Es muss ja schließlich nicht immer Bolognese, Carbonara oder Arrabiata sein, um im italienischen Nudelglück zu schwelgen.
Im Cuore di Puglia kann man das bei freundlichen Gastgebern sogar auf eine angenehm apulische Art und Weise tun. Das Angebot ist reichhaltig und die Preise bewegen sich auf Normalniveau. Mit einer nicht ganz so hellen Beleuchtung würde der schlicht-modern eingerichtete Gastraum sicherlich noch etwas an Gemütlichkeit gewinnen. Aber dennoch: wer im Herzen von Gengenbach nach ein paar süditalienischen Momenten auf dem Teller sucht, wird hier definitiv fündig. Schöne Entdeckung!