Geschrieben am 21.11.2020 2020-11-21| Aktualisiert am
09.02.2021
Besucht am 12.09.2020Besuchszeit: Abendessen 3 Personen
Rechnungsbetrag: 81 EUR
Nicht nur in Folge der Pandemie und den damit einhergehenden Schließungen ist eine gastronomische Spezies in Deutschland ganz besonders vom Aussterben bedroht: der gutbürgerlich aufgestellte Landgasthof.
In vielen ländlichen Gegenden ist schon vor der Corona-Krise die Zahl der Gastwirtschaften massiv geschrumpft. Die Gründe hierfür sind meist immer dieselben. Die Betreiber gehen in ihren wohlverdienten Ruhestand und finden keine Nachfolger. Bezahlung und Arbeitszeit gehören in der Gastrobranche bekanntlich nicht zu den Hauptargumenten, um Nachwuchs zu ködern.
Und die paar Idealisten, die es dann noch gibt, machen sich in den seltensten Fällen mit guter deutscher Hausmannskost einen Namen. Die Folge: die rustikalen Dorfbeizen verschwinden genau wie die einfachen Gasthöfe aus dem kulinarischen Ortsbild. Eine Entwicklung, die auch bei uns in der Pfalz seit Jahren zu beobachten ist.
Umso erfreulicher, wenn das Zepter erfolgreich an die jüngere Generation weitergegeben wird. Nach 26 Jahren Dienst am hungrigen Gast haben Julitta und Udo Mischler ihr Landhaus im staatlich anerkannten Erholungsort Schönau an ein junges Gastronomenpaar weitergegeben.
Saskia und Steven Brogdon, beide im Sauertal aufgewachsen und eng mit ihrer Heimat verbunden, haben im Mai 2020 das seit sechs Generationen von der Familie Mischler geführte Traditionslokal übernommen. Zwei vom Fach also, die ihre kulinarischen Vorstellungen von gepflegter deutscher Küche etwas abseits der üblichen Touristenpfade umsetzen wollen.
Frau Brogdon ist ausgebildete Restaurantfachfrau und ihr Mann Steven bringt genügend Berufserfahrung als gelernter Koch mit. Gute Voraussetzungen also für eine erfolgreiche Weiterführung des beliebten Familienbetriebs unweit der französischen Grenze.
Schönau, dessen Name sich von der „schönen Aue“ ableitet, befindet sich mitten im Wasgau (Pfälzerwald), fernab von städtischer Hektik und medialer Dauerberieselung. Der Ort ist ein wahres Wandereldorado und eigentlich ideal um dem Alltagsstress zu entfliehen. Etliche Ferienhäuser und -wohnungen können hier angemietet werden.
Bei Naturliebhabern, Motorradfahrern, Radtouristen und sonstigen Besuchern der an Burgen nicht armen Grenzregion steht das Landhaus Mischler seit Jahren hoch im Kurs. Denn allein mit dem Namen Mischler verbinden viele eine Küche auf gutem Niveau, wirkte doch im nicht weit entfernten Örtchen Lembach jahrelang der Sternekoch Fernand Mischler in der altehrwürdigen, mittlerweile mit zwei Macarons ausgezeichneten Gourmetadresse „Cheval Blanc“.
Nun, ganz so exquisit ging es im Landhaus von Küchenmeister Udo Mischler, der übrigens mit Fernand verwandt ist, nicht zu. Aber was wir schon bei unserem Besuch im Februar 2019 (Rezension ebenfalls auf diesem Kanal) schmecken konnten, war eine sorgfältig zubereitete Auswahl an klassischen Hausmannsköstlichkeiten, die auf qualitativ hochwertige Grundprodukte schließen ließ.
Nun hilft Udo Mischler in seinem (Un-)Ruhestand seinem Nachfolger am Herd ab und an noch ein wenig aus. Von dessen jahrelanger Erfahrung kann der junge Küchenchef Steven Brogdon nur profitieren. Dass dabei auch der Generationswechsel ohne größere kulinarische „Sollbruchstellen“ vollzogen wurde, ließ sich anhand der Speisenkarte ablesen.
Die war zwar keine 1:1-Kopie aus früheren Tagen, aber doch ein klares Bekenntnis zu Altbewährtem. Bei unserem Besuch im September wirkte das Speisenangebot sogar noch ein wenig ausgewogener als vorher. Das Veggie-Programm wurde etwas aufgewertet, bei den Wildgerichten wurde dagegen etwas zurückgefahren. Dies kann freilich auch saisonale Gründe gehabt haben.
Im Anschluss an eine Wanderung, die uns zusammen mit meiner Mutter von Nothweiler aus an vier Burgruinen (Wegelnburg, Hohenbourg, Löwenstein und Fleckenstein) vorbeiführte und uns dabei zweimal die „grüne Grenze“ zwischen Pfälzerwald und Nordvogesen (Elsass) passieren ließ, hatten wir zuerst an eine Einkehr im Landgasthaus „Zur Wegelnburg“ in Nothweiler (da stand ja praktischerweise unser Auto…) gedacht. Dort war leider schon alles ausreserviert, weshalb wir uns spontan in Richtung Schönau aufmachten.
Im Landhaus Mischler angekommen, hatten wir Glück, dass wir einen der letzten freien bzw. nicht reservierten Tische im großen Gastraum ergattern konnten. Innenansicht
Draußen auf der Terrasse war zu dieser Zeit schon alles belegt. Aber auch drinnen saß es sich ganz kommod auf bequemen Polsterstühlen an sauber eingedeckten Tischen. Da hatte sich im Vergleich zu früher, als Julitta Mischler noch den Service leitete, im Grunde nichts geändert. Gut so.
Da saßen wir nun. Drei hungrige „Grenzgänger“, die dem verdienten Kalorienausgleich nach getaner Outdooraktivität entgegensahen. Und die zunächst einmal ihren mitgebrachten Durst mit einer Flasche Mineralwasser der Marke Bellaris „Classic“ (für faire 3,90 Euro) sowie einer großen Holunderblütenschorle (0,5l für 3,60 Euro) stillten. Loblieder über mein Bellheimer Lieblingswasser habe ich auf diesem Sender schon viele gesungen. Deswegen nur fürs Protokoll: es perlte wie immer und erfrischte vortrefflich.
Die jungen Servicemädels hatten den Laden gut im Griff und dementsprechend flott wurden wir auch bedient. Beim Durchstöbern der Karte traf ich auf alte Bekannte. Zum Beispiel Udo Mischlers legendäre „Sauertaler“ (8,90 Euro). Diese ganz speziellen Kartoffel-Küchlein mit deftigem Räucherforellenanteil hatten wir schon beim letzten Besuch verkostet und waren begeistert. Umso erfreulicher, dass diese Landhaus-Spezialität den Betreiberwechsel genauso überlebt hatte wie die Pfälzer Wurstspezialitäten aus eigener Herstellung oder das Schweinefilet mit Waldpilzsoße, das ich mir hier auch schon einverleibte.
An den regionalen Reibeküchle kamen wir auch diesmal nicht vorbei, denn wir orderten die mit Meerrettichschmand und Salatbukett gelieferten Kartoffeltaler als gemeinsame Vorspeise. Sharing ist ja bekanntlich das beste Caring. Meine Mutter übte sich derweil im Verzicht auf jegliche Art von Vorwegspeisung. Sie hatte wohl schon den passenden Nachtisch im Hinterkopf. Dass man im Alter zu mehr Askese neigt, hat mir also nicht nur der berühmte (wohl eher berüchtigte…) Bremer Bettelmönch schon häufig vor Augen geführt…
Man kennt das ja. Da liest man sich durch das örtliche Köchelverzeichnis und die Gerichte sprechen gleichermaßen Leib und Seele an. Hier mal eine willkürlich vorgenommene Auflistung unterschiedlichster Assoziationen zu der ein oder anderen Landhaus-Leckerei:
Boeuf Bourgignon – her damit!
Flank Steak mit Kartoffelwedges – bitte medium rare!
Sauerbraten mit Klößen – wäre doch was für dich, Mutter!
Käsespätzle mit Schmelzzwiebeln – äußerst „symbadisch“!
Schweinefilet mit Waldpilzsoße, Spätzle und Salat – gerne wieder!
Wildschweinrücken mit Ginsoße und Kroketten – call me „Obelix“!
Das Rennen machten schließlich der Sauerbraten (tatsächlich für meine Mutter…), die Käsespätzle (für die Knöpfle-Enthusiastin am Tisch) sowie das Boeuf Bourgignon für den Verehrer klassisch französischer Schmorgerichte und Schreiber dieser Zeilen. Mit knapp 20 Euro war man beim Rindfleischtopf aus dem Burgund dabei, Kartoffelpüree und Beilagensalat inklusive. Da kannschd nid schelte!
An dieser Stelle möchte ich kurz die erfreulich moderate Preisgestaltung im Landhaus Mischler erwähnen. Diese hatte uns schon bei unserer letzten Einkehr sehr überzeugt. Dass mit den neuen Betreibern eine behutsame Anpassung stattgefunden hat, fiel eigentlich kaum auf. Bei manchen Gerichten blieben die zu entrichtenden Abgaben sogar auf Vorgängerniveau. Alle Achtung!
Plötzlich lagen sie köstlich duftend vor uns. Die beiden knusprig gebackenen „Sauertaler“ teilten sich mit einem Schälchen Beilagensalat und vier Spritzern Meerrettichschmand das rechteckige Porzellan. Die Mitstreiter der Sauertaler
Allein ihr Anblick löste am Tisch Entzückung aus. Die Idee, gewöhnliche Reibeküchlein mit geräucherter Forelle und etwas Magerquark zu veredeln, hatte Vorgänger Udo Mischler schon vor vielen Jahren gehabt. Ein klassisches Verwertungsessen, bei dem die gekochten Kartoffeln vom Vortag ihren zweiten großen Auftritt bekamen. Und was für einen! Die Sauertaler
Die Rundlinge versprühten eine feine Fischwürze, die sich ausgezeichnet mit der zarten Erdapfelmasse vertrug. Geschmacklich erinnerten sie ein wenig an deftige Schupfnudeln, die für mich – wenn selbst gemacht – mit zum Besten zählen, was sich aus Kartoffelteig formen lässt. Von der Portionierung her war das Gebotene „högschd vorspeisentauglich“. Ein Küchlein pro Esser plus x. So die einfache, aber äußerst schmackhafte Sättigungsformel.
Das „plus x“ bestand aus einem frischen, mit säuerlichem Essig-Öl-Dressing angemachten Salat, der primär von seiner gut abgeschmeckten Old-School-Essigwürze lebte. Die harmonierte mit den fluffigen Kartoffel-Räucherfisch-Puffern ganz wunderbar. Der separat dazu gereichte Meerrettich-Schmand kam mit angezogener Schärfebremse ums Eck. Der sollte wohl den delikaten Kartoffeltalern nicht die Schau stehlen und tat es auch nicht. Genau wie beim letzten Mal fiel uns das Urteil leicht: eine Vorspeise zum Zunge schnalzen!
Man sah uns den Hunger wahrscheinlich an und reagierte mit zeitnahem Servieren der Hauptspeisen. Die Käsespätzle (10,50 Euro) meiner Frau kamen mit der ganzen Macht des hierfür geschmolzenen Milcherzeugnisses aufs blanke Weiß und sorgten mit glänzendem Teint für ausreichend deutsch-österreichisches Fettgefühl (DÖF) – Sättigungsgarantie inklusive. Die Käsespätzle
Aber auch die beiden Zugeständnisse für Eingefleischte gerieten tadellos oder „comme il faut“, wie nicht nur der französische Nachbar zu sagen pflegt. Bei meinem mit angenehmer Weinnote ausgestatteten Boeuf Bourgignon konnte ich saucentechnisch aus dem Vollen löffeln. Die sanft geschmorten Rinderhappen fielen himmlisch mürbe aus und wurden ganz klassisch von angebratenen Champignons, Speckwürfeln und Frühlingszwiebeln umrahmt. Das Boeuf Bourgignon
Das à part vorgesetzte Kartoffelpüree glänzte gutgebuttert vor sich hin. Schon der erste Löffel kündete vom handwerklichen Können des Herdmeisters. Das Pü zum Böff
Zusammen mit der kräftigen Burgundersauce genossen ergab das einen herzerwärmenden Teller süffiger Glückseligkeit.
Auch der Sauerbraten mütterlicherseits geriet zum Appell an den gesunden Volkshunger und kam gänzlich ohne folkloristisches Blendwerk aus. Der Sauerbraten
Er zählte zwei stattliche Kartoffelklöße und einen kleinen Beilagensalat zu seinem Gefolge. Laut Aussage seiner Vertilgerin überzeugte er mit dem typischen, fein-säuerlichen Aroma. Da hatte sich das Bad in der Essig-Beize scheinbar gelohnt.
Wer jetzt denkt, dass die Drei von der Gourmandfraktion danach die weißen Segel der Sättigung hissten, der hat sich getäuscht. Meine Mutter bestand noch auf das Haselnussparfait (8,90 Euro). Meine Gattin wollte nicht ohne einen „Rostigen Ritter“ (7,50 Euro) das Chateau Mischler verlassen. Da hatten sich die beiden Damen etwas vorgenommen.
Neben den beiden Tranchen vom Nussparfait türmte sich ein stolzes Häuflein aufgespritzter Sahne. Dem nicht genug, zierte ein ofenwarmer Brownie die andere Seite der Porzellanplatte. Haselnussparfait mit Gefolge
Eine fundiert zubereitete, vielleicht etwas zu süß geratene Kadenz, deren Reiz vom Heiß-Kalt-Kontrast ausging. Ein paar fruchtig-säuerliche Akzente hätten den etwas eindimensional wirkenden Nachtisch sicherlich aufgewertet. Auch ein wenig Knusper hätte der Sache gutgetan, ohne gleich den kulinarischen Kosmos sprengen zu wollen.
Beim Rostigen Ritter, der andernorts auch „Armer Ritter“ oder „Semmelschnitte“ genannt wird, wurden Kindheitserinnerungen wach. So rostig muss ein Ritter sein!
Dieses 1A-Verwertungsessen für alte Brötchen durfte ich schon in jungen Jahren an traditionell fleischlos gehaltenen Freitagen bei meiner Oma genießen. Schon damals mochte ich den Zucker lieber als den Zimt. Und die Vanillesauce am allerliebsten. Schön, dass hier mit einem Obstschälchen für etwas Fruchtfrische gesorgt wurde.
Hier tut die junge Generation gut daran, die alten Traditionen zu bewahren. Dass sie dabei mit Leidenschaft und Herzlichkeit ans Werk geht, ist ein großer Pluspunkt dieses Lokals. Das Hausmannsköstliche war schon immer des Gutbürgerlichen Freund. Wie stand es einst in einem oberelsässischen Landhaus-Gästebuch geschrieben:
„…die wahrhaft guten Gaben
aus Urgroßmutters Hand
verkennt die Fortschrittswelt
mit ihrem Snobverstand…“
In diesem Sinne wünsche ich der Familie Brogdon alles Gute für ihre gastronomische Zukunft und viel Durchhaltevermögen in diesen schwierigen Zeiten.
Nicht nur in Folge der Pandemie und den damit einhergehenden Schließungen ist eine gastronomische Spezies in Deutschland ganz besonders vom Aussterben bedroht: der gutbürgerlich aufgestellte Landgasthof.
In vielen ländlichen Gegenden ist schon vor der Corona-Krise die Zahl der Gastwirtschaften massiv geschrumpft. Die Gründe hierfür sind meist immer dieselben. Die Betreiber gehen in ihren wohlverdienten Ruhestand und finden keine Nachfolger. Bezahlung und Arbeitszeit gehören in der Gastrobranche bekanntlich nicht zu den Hauptargumenten, um Nachwuchs zu ködern.
Und die paar Idealisten, die... mehr lesen
Restaurant Am Zundelsfelsen
Restaurant Am Zundelsfelsen€-€€€Restaurant063931425Gebüger Str. 2, 66996 Schönau
4.0 stars -
"Generationswechsel erfolgreich vollzogen! Das Landhaus im idyllischen Sauertal steht auch weiterhin für souverän vorgetragene Hausmannskost und herzlichen Service" Ehemalige UserNicht nur in Folge der Pandemie und den damit einhergehenden Schließungen ist eine gastronomische Spezies in Deutschland ganz besonders vom Aussterben bedroht: der gutbürgerlich aufgestellte Landgasthof.
In vielen ländlichen Gegenden ist schon vor der Corona-Krise die Zahl der Gastwirtschaften massiv geschrumpft. Die Gründe hierfür sind meist immer dieselben. Die Betreiber gehen in ihren wohlverdienten Ruhestand und finden keine Nachfolger. Bezahlung und Arbeitszeit gehören in der Gastrobranche bekanntlich nicht zu den Hauptargumenten, um Nachwuchs zu ködern.
Und die paar Idealisten, die
Geschrieben am 10.11.2020 2020-11-10| Aktualisiert am
09.02.2021
Besucht am 11.09.2020Besuchszeit: Abendessen 5 Personen
Bei sommerlichen Temperaturen starteten wir unsere seit langem geplante Wanderung im engsten, ja man kann schon sagen vertrautesten Kollegenkreis an einem Freitagmittag nach dem üblichen pädagogischen Wochenwahnsinn von Maikammer aus. Bewaffnet mit deftiger Wurst und gut gekühltem Weißwein ging es nach einem stärkenden Picknick zum Zeter Berghaus, wo wir fröhlich die ein oder andere Pfälzer Rieslingschorle schoppenweise vernichteten.
Wir, das sind fünf Kollegen (vier Freunde und ein Präsident), die nicht nur seit mittlerweile 17 Jahren miteinander arbeiten, sondern auch auf einige gemeinsame Feierlichkeiten und erlebnisreiche Kollegiumsfahrten zurückblicken. Kurz gesagt: man kennt sich sehr gut und weiß, was man aneinander hat.
Doch nicht nur die Herren Riesling, Müller-Thurgau und Chardonnay sollten uns an diesem wunderbaren Septembertag durstlöschend begleiten. Auch der „Sohn vum Karlhoinz“ wurde in alkoholisierter Ausgelassenheit auf dem Diedesfelder Wetterkreuz zum Besten gegeben. So viel Pfälzer Lebensart macht auf Dauer natürlich hungrig. Und nicht nur unsere beiden Flachlandbadenser, die sich auf ihren Pfalz-Exkursionen gerne von Hütte zu Hütte futtern, sehnten den abendlichen Einkehrschwung herbei.
Dieser sollte uns ins Zentrum des Wein- und Erholungsortes Maikammer führen. Schon vorab hatten wir einen Fünfertisch im Restaurant Alt-Maikammer reserviert. Unser Präsident kannte den Wirt des zum Weingut Ökonomierat Ziegler gehörenden Restaurants noch aus es dessen Zeit im Landauer Grill-Tempel „Croatia“ und wusste um dessen neue Wirkungsstätte im ehemaligen Gutsausschank der Familie Ziegler. Außenansicht
Seit Sommer 2019 hat der Kroate Josip Tokic hier das Sagen. Zusammen mit seinem Team bietet er eine deutsch-kroatisch geprägte Küche, die primär aus deftigen Fleischgerichten vom Grill, gutbürgerlicher Hausmannskost, schweinerner Pfalzkulinarik und diversen Fischspezialitäten besteht.
Bevor sich der stets gut gelaunte Wirt mit den kroatischen Wurzeln hier niederließ, wurde das Restaurant von der Familie Simon betrieben. Auch sie fuhr ein gutbürgerliches Fleischprogramm, das mit den üblichen Pfalzschmankerln und Folkloreklassikern bestückt war. Tokic hat die traditionelle Speisenpalette um ein paar Balkanteller erweitert ohne dabei auf Altbewährtes zu verzichten.
Ein gutes Rumpsteak würde man hier zweifellos vorgesetzt bekommen, verkündete die präsidiale Karnivoren-Eminenz unseres Wanderquintetts im Vorfeld. Eine zugegeben recht konventionelle, aber an diesem Abend doch sehr willkommene Form der Sättigung. Denn Wandern macht ja bekanntlich hungrig. In Kombination mit Weißwein erst recht.
Folglich betraten fünf mehr oder minder ausgehungerte (und leicht angeschickerte) Hobbyhedonisten das altehrwürdige Gasthaus, dessen gastronomischer Ursprung bis in die frühen 80er Jahre zurückreicht. Auf zwei Schiefertafeln begrüßten uns Kalbsschnitzel, Bratwurst, Saumagen und Co. ganz unbürokr(o)atisch beim Durchschreiten des Torbogens, der uns direkt in die von Reben überwucherte Weinlaube führte. Eingangsbereich
Gegen ein Abendessen unter freiem Himmel war nichts einzuwenden. Die angenehme Temperatur rechtfertigte das Draußensitzen allemal. Der lauschige Innenhof
Auf Wein folgte Wein - was in der Pfalz ja bekanntlich keine Überraschung darstellt. Natürlich stammte jener vom Besitzer des Anwesens, dem Weingut Ziegler, und war gastfreundlich kalkuliert. Ein Viertel vom trockenen Merlot aus dem offenen Vollzug ließ ich mir später für faire 4,60 Euro einschenken. Aber auch die saure Rieslingschorle war mit 4,20 Euro für den Schoppen nicht unverschämt bepreist.
Die Lektüre des Speisenangebots zog sich ein wenig hin, was wohl der regen Kommunikation am Tisch geschuldet war. Vorweg teilte ich mir mit meinem Nebenmann eine Portion dalmatinischen Pršut (10,80 Euro), Dalmatinischer Pršut
während sich andere die gegrillten Peperoni (7,40 Euro) schmecken ließen. Gegrillte Peperoni
Die herrlich zarten Scheiben des luftgetrocknetes Rohschinkens wurden von etwas Schafskäse, gegrillten Peperoni und Kapernäpfeln flankiert. Beiwerk zum Pršut
Das dazu gereichte Weißbrot suggerierte ordentliche Aufbackware. Ein unkomplizierter, aber durchaus schmackiger Auftakt, der die Wartezeit aufs Rumpsteak angenehm verkürzte.
Die nach einem riesigen Inselstaat vor der afrikanischen Südostküste benannte „Garnitur“ meiner stattlichen Roastbeef-Scheibe aus argentinischen Landen wurde serienmäßig mit einer zupackenden Pfefferrahmsauce geliefert. Gutbürgerlicher Multikulinarismus im Saucenspiegel unserer Zeit. "Ich rumpte vor Madagaskar..."
Ein halbes Dutzend Kroketten und ein Beilagensalat komplettierten das auf den Punkt medium gebratene Stück Rindfleisch. Die hereingebrochene Dunkelheit sorgte leider für suboptimale Lichtverhältnisse, so dass ich diesmal kein Beweisfoto liefern konnte.
Die 22,80 Euro waren gut angelegt. Das Rumpsteak war nah dran an der heiligen Fleischsaftigkeit und auch die Sauce schmeckte weniger nach Hilfspulver als vorweg vermutet. Nein, da muss ich doch einmal eine Lanze für das Küchenteam im Alt-Maikammer brechen. Da schien eine durchaus passable Jus für diesen - Gott sei Dank - nicht totgesahnten Beiguss Pate gestanden zu haben.
Dass die sechs wohlfrittierten, in klassischer Zylinderform gereichten Kroketten vorher dem Tiefkühlfach entnommen wurden, hat mich nicht weiter gestört. Zum Aufsaugen der gefälligen Pfeffertunke dienten sie allemal. Lediglich das Joghurt-Dressing des Beilagensalats war nicht ganz mein Ding. Aber was die inkludierte Salatbeilage betrifft, so erwarte ich in Lokalen mit griechisch bzw. balkanisch geprägtem Speiseangebot auch keine kulinarischen Klimmzüge beim Grünfutter. Das nimmt man so mit. Oder lässt es – so geht es mir leider häufig – nach der Vertilgung der Lieblingsingredienzien wieder zurück gehen. Beilagensalat
Drei der Kollegen labten sich derweil am üppig bestückten Grill-Teller (19,90 Euro), der mit drei verschiedenen Steaks (einmal Rinderhüfte, einmal Schweinerücken und einmal Schweinefilet), einem ansehnlichen Djuvec-Reis-Hügel, einem frisch frittierten Häufchen kartoffelstabsgetreuer Beilagenredundanz sowie einem erklecklichen Quantum Ajvar auch den hungrigsten Wanderer ins wohlverdiente Sättigungsnirvana entließ. Grill-Teller (mit Magenfüll-Garantie)
Der nun einsetzenden Genussruhe zufolge, schien es den Herrschaften zu munden. Ihre leeren Teller behaupteten später zumindest nichts Gegenteiliges.
Unsere ewige Fleischverzichterin vernichtete in dieser Zeit schamlos ihren mit Schafskäse, Oliven, Zwiebelringen und Pinienkernen aufgemotzten Bauernsalat (10,40 Euro). Der sah gar nicht mal schlecht aus und sorgte bei der einzigen Dame am Tisch für vegetarische Zufriedenheit. Bauernsalat meiner Kollegin
Warum sie den armen Tieren schon seit vielen Jahren das lebensnotwendige Grünzeug wegfuttert, konnte sie mir auch an diesem Abend nicht beantworten. Nun, vielleicht wollte sie auch nicht.
Die guten Ohren der Anwohner verlangten später die Verlagerung unserer Trinkprozesse ins Innere des Restaurants. Innenansicht (so schief wie mein Gang nach draußen...)
Dort ließ es sich Patron Tokic nicht nehmen, uns Einblicke in das spirituelle Kroatien zu gewähren. Die Namen Kruškovac und Šlivovica sind mir noch im Gedächtnis geblieben.
Immer schön den Nachbrenner zünden!
Ob das nun aber bedeutende Flüsse oder Gebirge waren, konnte ich mir nach der genossenen Menge an Hausgeistern beileibe nicht mehr merken.
So fand ein gelungener Kollegen-Ausflug im Alt-Maikammer sein absehbar feuchtfröhliches Ende. Gut, dass wenigstens einer in unserer Runde als überzeugter Abstinenzler gilt. Sonst wären nicht nur die beiden Badenser mit dem Regio-Express in Richtung Heimat getuckert. Die schnörkellos vorgetragene Balkanküche hat uns gut gesättigt und darf getrost als solide bezeichnet werden. Der lauschige, von wildem Wein umrankte Innenhof ist mir besonders positiv in Erinnerung geblieben. Wir hätten draußen noch ewig sitzen können. Aber dann wäre am Ende nur noch einer aufgestanden...
Bei sommerlichen Temperaturen starteten wir unsere seit langem geplante Wanderung im engsten, ja man kann schon sagen vertrautesten Kollegenkreis an einem Freitagmittag nach dem üblichen pädagogischen Wochenwahnsinn von Maikammer aus. Bewaffnet mit deftiger Wurst und gut gekühltem Weißwein ging es nach einem stärkenden Picknick zum Zeter Berghaus, wo wir fröhlich die ein oder andere Pfälzer Rieslingschorle schoppenweise vernichteten.
Wir, das sind fünf Kollegen (vier Freunde und ein Präsident), die nicht nur seit mittlerweile 17 Jahren miteinander arbeiten, sondern auch auf... mehr lesen
Alt Maikammer
Alt Maikammer€-€€€Restaurant06321 9704558Weinstraße Nord 35, 67487 Maikammer
4.0 stars -
"Solide Kroatenkost in bester Gesellschaft" Ehemalige UserBei sommerlichen Temperaturen starteten wir unsere seit langem geplante Wanderung im engsten, ja man kann schon sagen vertrautesten Kollegenkreis an einem Freitagmittag nach dem üblichen pädagogischen Wochenwahnsinn von Maikammer aus. Bewaffnet mit deftiger Wurst und gut gekühltem Weißwein ging es nach einem stärkenden Picknick zum Zeter Berghaus, wo wir fröhlich die ein oder andere Pfälzer Rieslingschorle schoppenweise vernichteten.
Wir, das sind fünf Kollegen (vier Freunde und ein Präsident), die nicht nur seit mittlerweile 17 Jahren miteinander arbeiten, sondern auch auf
Besucht am 30.10.2020Besuchszeit: Abendessen 2 Personen
Rechnungsbetrag: 200 EUR
Das am Rand der Hamburger “Schanze” gelegene Restaurant Jellyfish macht äußerlich einen recht unscheinbaren Eindruck.
Auch im Lokal sieht es eher schlicht und rustikal aus.
Das Jellyfish steht für erstklassische Meeresküche und soll nur Fisch aus Wildfang verarbeiten.
Angeboten werden überwiegend Menüs mit fünf bis sieben Gängen, die saisonal wechseln und überwiegend aus regionalen Köstlichkeiten bestehen.
Bevor das eigentliche Menü beginnt, kommt der “Gruß aus der Küche” und kurz darauf eine reichhaltige Brotplatte mit diversen “Dips”. Der Abend fängt schon sehr gut an.
Unser Menü beginnt mit Saibling “geräuchert” auf Kohlrabi mit dezentem Meerrettich. Sehr lecker!
Gang zwei heißt Pulpo “Gyros” mit Zaziki und Kraut. Liest sich fast wie beim Griechen um die Ecke, sucht aber in Hamburg seines gleichen.
Da geht der Hauptgang, Müritz Zander mit Sauerkraut Grünkohl und Zwiebeln fast unter. Auch perfekt zubereitet aber nicht so ungewöhnlich wie die Gyros.
Die erste Nachspeise ist sehr gut aber am fünften Gang, der “Falschen Zitrone” gemessen doch beinahe schlicht.
Die Falsche Zitrone sieht aus wie eine, ist auch in der äußersten Schicht geschmacklich wie die Südfrucht. Gefüllt ist sie aber u.a. mit Kefir uns Ananas. Sieht gut aus und schmeckt fantastisch.
Zum Espresso werden noch Pralinee gereicht.
Das Essen war ohne Übertreibung erstklassig. Die Preise waren es auch, Sterneküche eben.
Bei den Getränken gibt eine reichhaltige Auswahl, die Menüs können durch entsprechende Weine “begleitet” werden.
Der Service ist sehr gut ohne dabei aufdringlich zu werden.
Wer mit dem eigenen Auto kommt, sollte sich etwas Zeit nehmen, ein Parkplatz in der “Schanze” zu finden ist schwerer als ein gutes Lokal.
Das am Rand der Hamburger “Schanze” gelegene Restaurant Jellyfish macht äußerlich einen recht unscheinbaren Eindruck.
Auch im Lokal sieht es eher schlicht und rustikal aus.
Das Jellyfish steht für erstklassische Meeresküche und soll nur Fisch aus Wildfang verarbeiten.
Angeboten werden überwiegend Menüs mit fünf bis sieben Gängen, die saisonal wechseln und überwiegend aus regionalen Köstlichkeiten bestehen.
Bevor das eigentliche Menü beginnt, kommt der “Gruß aus der Küche” und kurz darauf eine reichhaltige Brotplatte mit diversen “Dips”. Der Abend fängt schon sehr gut an.
Unser Menü beginnt mit Saibling “geräuchert”... mehr lesen
5.0 stars -
"Super Essen in der Schanze" Ehemalige UserDas am Rand der Hamburger “Schanze” gelegene Restaurant Jellyfish macht äußerlich einen recht unscheinbaren Eindruck.
Auch im Lokal sieht es eher schlicht und rustikal aus.
Das Jellyfish steht für erstklassische Meeresküche und soll nur Fisch aus Wildfang verarbeiten.
Angeboten werden überwiegend Menüs mit fünf bis sieben Gängen, die saisonal wechseln und überwiegend aus regionalen Köstlichkeiten bestehen.
Bevor das eigentliche Menü beginnt, kommt der “Gruß aus der Küche” und kurz darauf eine reichhaltige Brotplatte mit diversen “Dips”. Der Abend fängt schon sehr gut an.
Unser Menü beginnt mit Saibling “geräuchert”
Geschrieben am 22.10.2020 2020-10-22| Aktualisiert am
12.02.2021
Besucht am 06.09.2020Besuchszeit: Mittagessen 2 Personen
Rechnungsbetrag: 34 EUR
Sonntag war Rückreisetag. Wir hatten schon recht früh unsere Unterkunft in Völklingen verlassen, um uns am Morgen vor der Heimreise in die Pfalz noch ein Saarland-Event der besonderen Art zu gönnen. Die Rede ist vom Saarpolygon bei Ensdorf (in der Nähe von Saarlouis). Dieses ca. 30 m hohe Denkmal zur Erinnerung an den seit 2012 endgültig beendeten Steinkohlebergbau im Saarrevier thront auf einer Abraumhalde („Bergehalde“) rund 150 Meter über dem umliegenden Saartal und ermöglicht nicht nur tolle Fotos, sondern auch einen sagenhaften Rundblick.
Wir hatten aufgrund der frühen Stunde auf das Frühstück verzichtet und schon beim Verlassen des exponiert gelegenen, aus jeder Himmelsrichtung anders aussehenden Bauwerks meldete sich der erste Hunger des Tages. Es war mittlerweile 11 Uhr am Morgen und leider noch zu früh zum Mittagessen. Google-Maps und Tante Tripadvisor gaben jede Menge Tipps für kulinarische Rastmöglichkeiten am Wegesrand, sprich unweit der A8, auf der wir uns heimatlichen Gefilden näherten.
Die guten Bewertungen bei TA, die gelungenen Bilder bei Facebook und die Standortnähe unweit der Autobahn ließen mich zum Handy greifen und bei einer gutgelaunten Chefin spontan zwei Plätze zur Mittagszeit reservieren.
Seit März 2018 ist das nach den Vornamen seiner beiden Betreiber, Dimi und Maxi Kourdoglou, benannte griechische Restaurant in den Räumlichkeiten des ehemaligen Landgasthauses „Alt Ernschwiller“ im Zweibrücker Ortsteil Ernstweiler beheimatet. Schon vorher waren die beiden sympathischen Vollblutgastronomen in der Region tätig. Drei Jahre lang führten sie unter gleichem Namen ein griechisches Lokal in der keine 30 km weiter östlich gelegenen Stadt Rodalben (nahe Primasens).
Nach aufwendigen Um- und Ausbauten am Gebäude an der Homburgerstraße hat sich der liebenswerte Familienbetrieb anscheinend gut in Zweibrücken etabliert. Um die 70 Sitzplätze im Inneren und den angegliederten Biergarten kümmert sich ein junges Serviceteam, das unter den wachen Augen der Patronin Maxi gut funktioniert. Innenansicht
Für den Empfang der Gäste ist übrigens der Vater von Dimi, der rüstige Papa Kosta, zuständig. Seiner fachgerechten Einweisung hatten wir es letztlich zu verdanken, dass wir unseren Boliden perfekt auf dem hauseigenen Parkplatz zum Stehen brachten.
Das Wetter passte, also entschieden wir uns für ein Mittagessen unter freiem Himmel. Klar würden uns da die Wespen keine Ruhe lassen, aber das sonnige Plätzchen im hübsch angelegten Biergarten konnten wir nicht ausschlagen.
Die doppelseitige Speisenkarte wurde uns - wie mittlerweile ja schon gewohnt - in der „Corona-Version“ gereicht. Also laminiert und stark reduziert. Wobei Letzteres auch der Mittagszeit geschuldet sein konnte, denn das auf der Homepage nachlesbare Speisenprogramm war etwas umfangreicher.
Das gute halbe Dutzend gegrillter, gebackener bzw. frittierter Vorspeisen machte schonmal Appetit. Gegrillte Peperoni, Tsatsiki, Feta aus dem Backofen, Blätterteigröllchen mit Feta und frittierte Calamari hätte ich genau in der Reihenfolge verputzen können. Aber man gibt sich ja bescheiden und es waren letzten Endes die gegrillten Peperoni mit Olivenöl und Tsatsiki (4,50 Euro), die wir uns vorweg teilten.
Bei den Hauptspeisen bestimmten in erster Linie Schwein, Ochse und Lamm das Geschehen auf den Tellern. Im gängigen Carnivorenprogramm wurde Schweinefilet zum Lendenspieß geadelt oder mit Feta-Käse gefüllt und als Lendenröllchen vom Schwein feilgeboten. Mit Gyros, Lammkoteletts, Bifteki und Rinderleber wurde selbstverständlich auch den Redundanzessern in Sachen Griechenkost gehuldigt. Wer von allem etwas wollte, konnte mit dem Kreta-Teller gar eine fleischerne Viererbande aus Rumpsteak, Schweinelende, Lammkotelett und Gyros auf seinem Teller vereinigen.
Auberginenschnitzel warteten auf den gemeinen Fleischverzichter. Lachs- und Zanderfilet standen für Schuppentier-Interessierte zur Auswahl. Baklava mit Walnuss, Vanille-Eis und Sahne für angehende Diabetiker.
Ein kulinarisches Standardprogramm also, das man beim Besuch eines griechischen Restaurants hierzulande auch erwartet. Meine Frau übte sich wie so häufig in bewusstem Fleischverzicht und entschied sich für den gegrillten Fetakäse (7,50 Euro), den sie mit einem kleinen Beilagensalat (2,50 Euro) etwas „aufgrünte“.
Auf mich wartete nach getätigter Bestellung ein veritabler, nach dem Küchenchef benannter Dimitri-Mixteller (16,50 Euro), der mit Suflaki-Spieß, Schweine- und Hacksteak sowie einer Portion Gyros bestückt war und einem späten Frühstück allemal gerecht werden würde.
Schon die vorweg gereichten grünen Grillschoten wussten zu überzeugen. Keine Knoblauchhügel, mit denen man verkohlte Grillspuren kaschieren musste. Nein, das waren freundlich pikante Vertreter ihrer Art, die da unseren Kurzaufenthalt in Zweibrücken kulinarisch einläuteten. Etwas weniger Olivenöl hätte es meiner Ansicht nach auch getan, aber das ist Jammern auf nahezu olympisch-hohem Niveau. Das muss man auch mal den Berg Athos auf Chalkidiki lassen und die wohlgeratenen, grünen Grillfinger genüsslich in das Häuflein Tsatsiki tunken. Olivenöl hin oder her! Gegrillte Peperonen Mit Tsatsiki natürlich!
Das man das vom Aussterben bedrohte GMQ-Mineralwasser auch zu ordentlichen Preisen erstehen kann, stand für mich außer Zweifel. Hier wurden uns für die Dreiviertel-Liter-Flasche freundliche 3,60 Euro in Rechnung gestellt. In Saarbrooklyn zahlten wir da noch das Doppelte…
Weiter ging es mit den zügig servierten Hauptgängen. Was da in der weißen Auflaufschale appetitlichen Wohlgeruch verbreitete, kam einem mediterranen „Systementwurf“ schon recht nahe. Gastro-Philosophen würden glatt von „Feta-Physik“ sprechen. Knoblauch, Tomaten, Peperoni, Oliven und mediterrane Gewürze hatten aus dem bleichen Schafskäsequader ein schmackhaftes Ofengericht gezaubert. Eine äußerst gelungene „Fetamorphose“ sozusagen. Die Vertreterin der Käsefraktion war sichtlich zufrieden. Der gebackene Schafskäse
Auch das Dressing des Beilagensalats wurde mit lobenden Worten bedacht. Den grünen Hauptdarstellern hätte dagegen etwas mehr Frische gut zu Blatt gestanden. Sein Rohkostanteil blieb dabei weitgehend unauffällig. Wenn es denn Fertigware gewesen sein sollte, dann zumindest keine schlechte. Beilagensalat
Mein Dimitri-Mixteller machte eine richtig gute Figur. In der Mitte der stimmig arrangierten Fleischplatte trennte ein saftiger, nicht zu zaghaft gewürzter Suflaki-Spieß die mit ihrer Grillstreifenoptik um die Wette protzenden Schweinereien in Form von Bifteki und Rückensteak. Unter dem Spieß lauerte ein knusprig Hüglein feinstes Gyros. Ein Löffel voll Nudelsalat und ein ordentlicher Klacks Tsatsiki sorgten für etwas Abwechslung bei diesem Karnivorenidyll. Der Dimitri-Mixteller
Die dazu gereichten Fritten kamen aus frischem Fett, waren ausreichend gesalzen und kamen im klassischen 10mm Normalschnitt ins à part servierte Oval. Pommesbeilage
Auch das Schweinerückensteak hatte sich ein Extralob redlich verdient. Selten habe ich in einem griechischen Lokal ein saftigeres vorgelegt bekommen. Genauso zufrieden war ich mit der Würzung des Hacksteaks. Dieses hatte ordentlich Wumms ohne dass es einem gleich mit der Salzlauge die Papillen wegätzte. Endeffekt also ein überaus erfreulicher Mixteller, der den Namen des Küchenchefs zu Recht verdient.
Gut gesättigt und um eine empfehlenswerte Einkehradresse reicher machten wir uns auf den Heimweg. Ein Spieß, zwei Steaks – den Rest erledigt das Gyros. Manchmal kann handfeste Kulinarik so einfach sein.
Sonntag war Rückreisetag. Wir hatten schon recht früh unsere Unterkunft in Völklingen verlassen, um uns am Morgen vor der Heimreise in die Pfalz noch ein Saarland-Event der besonderen Art zu gönnen. Die Rede ist vom Saarpolygon bei Ensdorf (in der Nähe von Saarlouis). Dieses ca. 30 m hohe Denkmal zur Erinnerung an den seit 2012 endgültig beendeten Steinkohlebergbau im Saarrevier thront auf einer Abraumhalde („Bergehalde“) rund 150 Meter über dem umliegenden Saartal und ermöglicht nicht nur tolle Fotos, sondern auch... mehr lesen
Restaurant Dimi und Maxi
Restaurant Dimi und Maxi€-€€€Restaurant, Biergarten063329076300Homburger Straße 53, 66482 Zweibrücken
4.0 stars -
"Ein Haus – Zwei Brücken oder: wie uns eine Spontaneinkehr sehr ordentliche Hellenenkost bescherte" Ehemalige UserSonntag war Rückreisetag. Wir hatten schon recht früh unsere Unterkunft in Völklingen verlassen, um uns am Morgen vor der Heimreise in die Pfalz noch ein Saarland-Event der besonderen Art zu gönnen. Die Rede ist vom Saarpolygon bei Ensdorf (in der Nähe von Saarlouis). Dieses ca. 30 m hohe Denkmal zur Erinnerung an den seit 2012 endgültig beendeten Steinkohlebergbau im Saarrevier thront auf einer Abraumhalde („Bergehalde“) rund 150 Meter über dem umliegenden Saartal und ermöglicht nicht nur tolle Fotos, sondern auch
Geschrieben am 18.10.2020 2020-10-18| Aktualisiert am
18.10.2020
Besucht am 17.10.2020Besuchszeit: Abendessen 8 Personen
Schwiegervater hatte Geburtstag. Da weiß man schon vorher, dass es kein Zuckerschlecken wird. Während wir sonst grundsätzlich per Taxi die Restaurants aufsuchen, ist hier auf jeden Fall die autonome Anreise notwendig. Trotz vieler Jahrzehnte in der hannoverschen Oberzugleitung ist Schwiegervater im Herzen ein Landei geblieben. In Hannover ist es gar nicht so einfach, die Kombination aus Hochzeitssuppe und Ratsherrenpfanne zu bekommen. In der Provinz ist das kein Problem. Minimum ½ Stunde Autofahrt und ein alkoholarmer Abend für den Fahrzeugführer sind also Grundvorausssetzungen für Schwiegervaters Geburtstag. Bösartig, wie ich nun einmal bin, überzeugte ich meine Frau, auf ihren geräumigen Viertürer zu verzichten und stattdessen lieber meinen kleinen Gran Tourismo, also den 2+2-Sitzer, zu nehmen. So war sichergestellt, dass wir niemanden nach Hause fahren mussten, und wenn doch, wäre es nach einer halben Stunde auf den Notsitzen garantiert das letzte Mal gewesen.
Lichtblicke in solch grenznahen Lokalitäten bestehen darin dass manche gastronomischen Modeströmungen hier noch nicht angekommen sind. So gibt es z.B. keinen Prosecco, sondern deutschen Perlwein. Ein Clou ist sicher das hier gebraute Craftbier „das Freie“. Bier kostet hier pauschal fünf Euro je halbem Liter. Die üblichen verdächtigen wie karamellisierten Ziegenkäse, Süßkartoffel Pommes frites und Veggie-Burger gab es aber schon.
Wein und Sekt kommen meist aus dem rheinhessischen Ockenheim von Stefan Bauer und sind moderat bepreist. Will man mehr, sieht es anders aus. Ein Kiedricher Ortswein von Robert Weil kommt für 12,75 /0,2l auf den Tisch.
Wir trafen kurz vor 18:00 Uhr am Gutshof ein. Parkraum gibt es auf dem weitläufigen Gelände mit vielen alten Gebäuden und Teich reichlich. Schwiegereltern, Schwager und Schwägerin waren schon auf dem Parkplatz versammelt, so dass wir gemeinsam den Gastraum betreten konnten. Gut, dass von den Damen niemand Pfennigabsätze trug. Das „Katzenkopf“-Pflaster hätte ihnen schnell den Garaus gemacht. Der Handdesinfektionsspender funktionierte gut
Der Empfang war geschäftsmäßig, aber freundlich. Mit einer Armbewegung von der Theke wurde uns ein stark separierter Achtertisch zugewiesen, eine große dunkle blanke Holzplatte mit acht Hochlehn Polsterstühlen mit schwarzem Kunstleder. Der nächste Mensch, ein einsamer Trinker, gegenüber der Theke, war gut acht Meter entfernt. Unsere Jacken hängten wir über die Stuhllehnen, weil die Benutzung der Garderobe coronaphil untersagt war. Die Teelichte auf dem Tisch wurden entzündet, als wir unsere MNS abgelegt hatten. Da der Guthof als Feinschmeckerrestaurant firmiert, wäre das Besteck im Bierkrug stehend unangemessen gewesen. Stattdessen gab es für jeden Platz ein dunkelrotes Kuvert mit Messer und Gabel und Einmalserviette.
Der Gastraum ist urig rustikal mit viel Backsteinmauerwerk und offen liegenden Holzbalken. Es ist die ehemalige Schmiede des Gutshofes. Nicht nur außen ist es weitläufig, auch drinnen gibt es ausladende Gasträume. Der Außenbereich unter großen Gastroschirmen war vorbildlich mit Elektroheizstrahlern versehen. Im Untergeschoss gibt es noch Poolbillard, Kegelbahn, Dart-Parcours, Krökler.
Zu den ausführlichen Pappspeisekarten gab es eine laminierte Saisonkarte mit den Wildgerichten. Wohl wegen der notwendigen Desinfektion waren die Menge der Karten sehr knapp gehalten. Vier gab es für acht Gäste.
Wir eröffneten mit einem Rieslingsekt von Stefan Brauer für alle. Er kam gut gekühlt im passenden Glas. Obwohl die 30 g Restzucker bei diesem als trocken deklarierten Sekt uns störten, war er aus der frisch geöffneten Flasche durchaus trinkbar.
Als Gruß aus der Küche fanden acht kleine Steingutschälchen mit „Pulled Beef“ auf Steingutschiffchen den Weg zu unserem Tisch. Etwas Convenience-Baguette kam in einer Schale. Das war kein Genuss.
Das Brot diente auch als Beilage zu der von mir gewählten Tomatensuppe (6,00). Alle anderen nahmen die Hochzeitssuppe (6,50) mit noch bissfesten Gemüsestreifen, Mettklößchen und Eierstich. Alles war enorm heiß. Meine Tomatensuppe war ein wenig essiglastig, die Croutons durchgeweicht, die Hochzeitssuppe war keine Kraftbrühe.
Unsere Hauptgerichte, wiederum auf fast glühenden Tellern und Servierpfannen, wurden von einer einzigen Servicekraft paarweise serviert. Die Zukünftige unseres Neffen und mein Neffe hatten das Rumpsteak mit Kartoffelstampf und Schmorgemüse (21,50), meine Schwiegermutter den Zander mit Kartoffel-Blumenkohlstampf und Broccoli (16,50), Schwiegervater und Schwager die Gutshofpfanne mit verschiedenen Fleischsorten und Bartkartoffeln nebst Gemüse (18,50), der Rest den Hirschrücken mit Schupfnudeln und Romanesco. Das Fleisch war perfekt gebraten, aber sehr fest, der Romanesco schwach, aber knoblauchlastig gewürzt, die Schupfnudeln waren für mich kaum essbar. Sie schmeckten wie aus der Tüte, lediglich erhitzt, also mehlig. Nach zehn Minuten in der Pfanne mit Butter unter stetigem Rühren wären sie sicher ganz gut gewesen. Die angegossen dünne und dunkle Soße war belanglos. Dessert wurde nicht gewünscht. Ich gönnte mir einen Cappucino, der ausgezeichnet war. Mein Schwiegervater strebte maskenlos zur Theke, um zu bezahlen und wurde prompt zurückgeschickt, damit er Mund und Nase bedeckte.
Wieder auf dem Parkplatz versammelt, verabschiedeten wir uns mit etlichen Umarmungen. Bei uns mitfahren wollte – welch Wunder – niemand. Um 20:15 Uhr und nach 35 km waren wir wieder zu Hause, wo unser Kater schon von einem Bein aufs andere trat, um endlich an die frische Luft zu kommen.
Schwiegervater hatte Geburtstag. Da weiß man schon vorher, dass es kein Zuckerschlecken wird. Während wir sonst grundsätzlich per Taxi die Restaurants aufsuchen, ist hier auf jeden Fall die autonome Anreise notwendig. Trotz vieler Jahrzehnte in der hannoverschen Oberzugleitung ist Schwiegervater im Herzen ein Landei geblieben. In Hannover ist es gar nicht so einfach, die Kombination aus Hochzeitssuppe und Ratsherrenpfanne zu bekommen. In der Provinz ist das kein Problem. Minimum ½ Stunde Autofahrt und ein alkoholarmer Abend für den Fahrzeugführer sind... mehr lesen
3.5 stars -
"Unsere jährliche Landpartie" Ehemalige UserSchwiegervater hatte Geburtstag. Da weiß man schon vorher, dass es kein Zuckerschlecken wird. Während wir sonst grundsätzlich per Taxi die Restaurants aufsuchen, ist hier auf jeden Fall die autonome Anreise notwendig. Trotz vieler Jahrzehnte in der hannoverschen Oberzugleitung ist Schwiegervater im Herzen ein Landei geblieben. In Hannover ist es gar nicht so einfach, die Kombination aus Hochzeitssuppe und Ratsherrenpfanne zu bekommen. In der Provinz ist das kein Problem. Minimum ½ Stunde Autofahrt und ein alkoholarmer Abend für den Fahrzeugführer sind
Geschrieben am 14.10.2020 2020-10-14| Aktualisiert am
14.10.2020
Besucht am 03.11.2019Besuchszeit: Abendessen 4 Personen
Besucht wurde vor Corona, daher eine nicht ganz aktuelle, aber bestimmt immer noch gültige Bewertung unseres Besuches: da das Restaurant quasi vor der Haustür liegt, wurde es direkt nach dem Umzug ausprobiert. Typisch rheinländisch, sehr gemütlich eingerichtet, unser Service war sehr freundlich und stets aufmerksam (sehr angenehmer Smalltalk inklusive :))), Speisen waren für den Preis angemessen und super lecker. Auswahl war ebenso mehr als ausreichend. Großes Plus: kommt man von etwas weiter weg als aus der Nachbarschaft: Parkplätze gibt es von der Hauptstraße ebenso ausreichend! So muss man nicht weit laufen. Parkplatz ist ausgeschildert. Für die Lage in Endenich Mitte super! Wir waren sehr zufrieden :) beim nächsten Besuch folgen Fotos.
Besucht wurde vor Corona, daher eine nicht ganz aktuelle, aber bestimmt immer noch gültige Bewertung unseres Besuches: da das Restaurant quasi vor der Haustür liegt, wurde es direkt nach dem Umzug ausprobiert. Typisch rheinländisch, sehr gemütlich eingerichtet, unser Service war sehr freundlich und stets aufmerksam (sehr angenehmer Smalltalk inklusive :))), Speisen waren für den Preis angemessen und super lecker. Auswahl war ebenso mehr als ausreichend. Großes Plus: kommt man von etwas weiter weg als aus der Nachbarschaft: Parkplätze gibt es von der Hauptstraße ebenso ausreichend! So muss man nicht weit laufen. Parkplatz ist ausgeschildert. Für die Lage in Endenich Mitte super! Wir waren sehr zufrieden :) beim nächsten Besuch folgen Fotos.
Bonner Eierkuchen Manufaktur
Bonner Eierkuchen Manufaktur€-€€€Restaurant, Biergarten022896214576Endenicher Straße 268, 53121 Bonn
5.0 stars -
"Gemütlich und lecker!" Ehemalige UserBesucht wurde vor Corona, daher eine nicht ganz aktuelle, aber bestimmt immer noch gültige Bewertung unseres Besuches: da das Restaurant quasi vor der Haustür liegt, wurde es direkt nach dem Umzug ausprobiert. Typisch rheinländisch, sehr gemütlich eingerichtet, unser Service war sehr freundlich und stets aufmerksam (sehr angenehmer Smalltalk inklusive :))), Speisen waren für den Preis angemessen und super lecker. Auswahl war ebenso mehr als ausreichend. Großes Plus: kommt man von etwas weiter weg als aus der Nachbarschaft: Parkplätze gibt es
Geschrieben am 13.10.2020 2020-10-13| Aktualisiert am
12.02.2021
Besucht am 04.09.2020Besuchszeit: Abendessen 2 Personen
Rechnungsbetrag: 84 EUR
Meine Frau und ich waren Anfang September übers Wochenende im Saarland. Aus zeitlichen Gründen kam es leider nicht zum GG-Treffen „Südwest“ mit dem geschätzten Kollegen Simba. Stattdessen wurde die seit 1986 stillgelegte Völklinger Hütte – heute ein sehenswertes Weltkulturerbe – von uns ins Visier genommen. Unsere angemietete Wohnung lag ebenfalls in der recht schmucklosen, ca. 40.000 Einwohner zählenden Stadt Völklingen.
Das gastronomische Angebot beschränkt sich dort eher auf Dönerbuden und Pizza-Take-Aways, so jedenfalls mein Eindruck, als wir von unserer Bleibe in Richtung Bahnhof unterwegs waren. Bahnhof deshalb, weil wir uns am ersten Abend auf den Weg nach Saarbrücken machten. Dort hatten wir bereits einen Tisch für Zwei im Restaurant Indochine in der Klausenerstraße reserviert.
Die 5 mal 5 Sterne vom „Saarbabo“ mit der Kennziffer 47533 am Ende waren Anreiz genug, dem Asia-Schuppen unsere Aufwartung zu machen. Zumal wir ein ganz besonderes Verhältnis zu „Indochine“ haben – ist es doch auch der Name unserer französischen Lieblingsband.
Danke an dieser Stelle an den guten Simba, der mir noch weitere kulinarische Alternativen in seinem Gastro-Revier nannte und mir das Lokal als besonders gute Adresse für vietnamesische Küche empfahl. In diesem Punkt gebe ich ihm auch nach dem Besuch uneingeschränkt Recht, denn alles was wir auf unseren Tellern landete, war und schmeckte sehr fein. Nur bis es eben soweit war…
Wir erledigten die kurze Strecke vom Saarbrücker Hauptbahnhof in die Klausenerstraße in knapp 10 Minuten zu Fuß. Dort angekommen, wurden wir von der Servicechefin, Frau Nguyen, freundlich in Empfang genommen. Wir wählten einen der Tische im Inneren, da draußen auf der Terrasse viel los war und uns die angenehme Ruhe des Gastraums mehr zusagte. Auch waren wir zu diesem Zeitpunkt die einzigen Gäste, die nicht unter freiem Himmel zu speisen gedachten. Im Laufe des Abends kamen allerdings noch ein paar „Drinnen-Esser“ hinzu.
Ehrlich gesagt, von außen betrachtet würde man die gediegene Atmosphäre in Inneren nicht unbedingt vermuten. Das von reichlich grüner Hecke eingefasste Anwesen mit der gezackten Fassade wirkte auf den ersten Blick recht spartanisch. Außenansicht
Das, was man durch die nahezu durchgängige Fensterfront erkennen konnte, vermittelte jedoch einen durchaus einladenden Eindruck und der sollte sich drinnen auch bestätigen. Wir nahmen direkt vor einem der hohen Fenster Platz und ließen das Interieur auf uns wirken. Gastraum-Impression 1
Das seit 2013 von der Familie Nguyen betriebene Restaurant – vorher residierte hier der Saarbrücker Nobelitaliener „Roma“ – zeichnete sich durch eine zwar etwas in die Jahre gekommene, aber dennoch geschmackvolle Einrichtung aus. Dunkles Holz wechselte sich bei den Stühlen (und Wandbänken) mit hellen, bequemen Polstern stimmig ab. Mit weißem Leinen auf schwarzlackierten Bistrotischen setzte sich dieser „Yin-und-Yang-Stil“ auch beim Mobiliar angemessen fort. Kleine, in der Decke verbaute Spots und drei prächtige Kronleuchter sorgten für eine aparte Beleuchtung, die wir als atmosphärisch wahrnahmen. Nur der etwas derb wirkende, dunkle Fliesenboden wollte sich nicht so recht ins gepflegt wirkende Gesamtbild einfügen. Gastraum-Impression 2
Auch übertrieb man es nicht mit fernöstlichen Devotionalien. Die schon von Simba erwähnten Schwarzweiß-Fotografien aus der Zeit der französischen Kolonisation hafteten noch immer an der Wand. Kultiviertes Ambiente
Auf Hochglanz polierte Wein- und Wassergläser, hochwertiges Besteck und gefaltete Stoffservietten mit aufgesticktem Logo machten uns schnell klar, dass wir hier nicht bei einem x-beliebigen Panasiaten gelandet waren.
Madame Nguyen wurde an diesem Abend von einer jungen, kaum Deutsch sprechenden Servicekraft unterstützt. Die junge Dame agierte noch sehr unsicher. Ihr fehlte es schlichtweg an Erfahrung und Aufmerksamkeit, so dass bereits geleerte Flaschen für den Rest des Abends auf unserem Tisch verweilten. Uns störte das nicht, aber bei Gästen mit höherer Serviceambition kann so etwas auch zu Unmut führen.
Herr Hoa Nguyen musste an diesem Abend seine Küche angeblich alleine „schmeißen“. Vielleicht sind ihm die Beiköche ausgefallen oder die Aushilfen waren alle krank. Jedenfalls hatte der zu den besten Küchenmeistern der Region – so stand es in einem der regionalen Gastro-Institutionen gewidmeten, hübsch bebilderten Buch, das stolz aufgeschlagen direkt am Eingang auslag – zählende Vietnamese einen massiven Personalmangel zu verzeichnen, wie uns seine Frau später am Tisch mitteilte.
Dass sich dies zeitlich jedoch so in die Länge ziehen würde, hätte uns die gute Dame gleich zu Beginn mitteilen können. So warteten zwei ausgehungerte Gäste aus der Pfalz zunächst einmal auf die Speisekarten und dann wiederum auf eine Gelegenheit, ihre kulinarischen Wünsche an Frau Nguyen bzw. ihre Aushilfe zu bringen.
Positiv formuliert: man ließ uns sehr viel Zeit, die Speisebüchlein ausgiebig zu studieren. Auf die Wochenkarte hatten es lediglich zwei Gerichte geschafft. Bilder bei Tripadvisor wiesen darauf hin, dass diese scheinbar schon eine ganze Weile als Zusatzgerichte empfohlen wurden. Thunfisch-Tatar à la Indochine mit Mango und Avocado (18,90 Euro) und ein gebackener Steinbutt für zwei Personen (85 Euro) kündeten von feiner Produktküche.
Daneben wurde ein siebengängiges „Deluxe-Menü“ angeboten (125 Euro). Dieses konnte jedoch auch in reduziertem Umfang geordert werden. Gleich vorweg: hätten wir uns für dieses entschieden, wären wir sicherlich erst am Folgetag aus dem Lokal gekommen und hätten mit dem Taxi zurück nach Völklingen fahren müssen, da zu solch später Uhrzeit dann doch keine Züge mehr verkehren.
Eine Seite weiter lachte uns die gemischte Vorspeisenplatte (25,90 Euro) für zwei Personen an. Darauf befanden sich allerlei Leckereien aus dem Meer, wie beispielsweise Tempura-Garnelen oder mit Weißpuder vom Klebreis verfeinertes Thunfisch-Sashimi. Aufgespießte, in Betelblätter gerollte Froschschenkel und Papaya-Pulpo-Salat klangen auch nicht gerade alltäglich. Unser Vorweggericht war damit beschlossene Sache. Und das obwohl Fischcremesuppe, Reispapierrollen (Nems) und eine mit Scheiben vom Charolais-Rind verfeinerte Pho als warme Starter gelistet waren.
Auch bei den Hauptspeisen war die Auswahl recht übersichtlich. Für Vegetarier gab es Reisbandnudeln mit Tofu und Wokgemüse. Fischfans durften sich an einer angeblich „sehr scharfen“ Edelfischpfanne, karamellisierten Seeteufel-Medaillons und Riesengarnelen im Tontopf sowie auf der Haut gebratenem Wolfsbarschfilet „Lyonais Style“ (natürlich ohne Fleischwurst!) erfreuen.
Auf den gemeinen Fleischverputzer warteten französisch inspirierte Kreuzüberkreationen. Barbarie-Entenbrust, Medaillons vom Angus Rind mit gebackenem Kalbsbries und Gewürfeltes aus der Hirschoberschale durchbrachen nachvollziehbar die 30-Euro-Marke bei den Hauptgerichten. Mit vier Desserts (Crème brulée, Profiteroles, Ingwer-Parfait und gebackener Eiscreme) endete die kulinarische One-Man-Show des Hoa Nguyen an diesem Abend.
Für meine Frau sollte es das vegetarische Reisbandnudelgericht (17,90 Euro) sein, während ich mich über die scharfe Edelfischpfanne mit Filetstreifen, Scampi und Jakobsmuscheln (28,90 Euro) hermachen wollte. Die etwas gehobeneren Preise weckten natürlich auch gewisse Erwartungen. Wir waren gespannt, was uns der gute Herr Nguyen auf die Teller zaubern würde.
Die Preise für die Getränke ließen sich ebenfalls im leicht angehobenen, städtisch beeinflussten Normbereich verorten. Die 7 Euro pro Flasche Mineralwasser der Marke GMQ – abgekürzt für Gräfin Mariannen Quelle – waren schon stramm kalkuliert. Die 6,20 Euro für den banalen Elsass-Riesling fast schon eine Unverschämtheit, wenn man bedenkt, was für Weißweine in der Heimat fürs gleiche Geld (oder weniger) eingeschenkt werden. Egal, Deckungsbeiträge müssen sein, sonst überlebt keiner in der Gastronomie!
Wir hatten genug Zeit die Abläufe beim Service genauer zu verfolgen und es fiel uns auf, dass nur sehr sporadisch einzelne Gerichte die Küche verließen, um dann ich Richtung Außenterrasse getragen zu werden. Wir hatten keine Ahnung, wie viele Leute da draußen saßen, aber so wie es aussah, würden sich unsere knurrenden Mägen noch eine Weile gedulden müssen, bevor Handfestes Linderung versprach.
Zum Händewaschen verschlug es mich ins Souterrain, wo mich ein ebenfalls etwas antiquiert wirkender Nassraum empfing. Dem nicht genug, begrüßte mich der Sanitärbereich mit dem zeitgleichen Einsetzen dreier Pissoirspülungen. Solch einen rauschenden Willkommensgruß hätte ich gar nicht erwartet. Nun, wenigstens die Toiletten funktionierten hier auf Anhieb.
Ein Stockwerk höher tat sich nach wie vor nicht viel. Seit unserer Ankunft war eine gute Stunde vergangen und so langsam wurde es draußen dunkel. Schön, dass man uns zu dieser Zeit mit einem kleinen Amuse die weitere Wartezeit etwas verkürzte. Eine halbe Reispapierfrühlingsrolle – die Vietnamesen nennen sie „Nem“ – lag kross frittiert auf einem Kaffeeunterteller und war bedeutend schneller verputzt als serviert. Warum die Küche dafür allerdings eine geschlagene Stunde Zeit brauchte, ist mir bis heute ein Rätsel. Das (späte) Amuse
Doch dann wurde der kulinarischen Skrupellosigkeit Tür und Tor geöffnet. Die junge Bedienung hatte uns fälschlicherweise einen kleinen Teller mit geröstetem Weißbrot und einer Sauce Rouille an den Tisch gebracht. Natürlich hatte ich vorher (mit einem Ohr) die Bestellung der Fischcrèmesuppe am Nachbartisch mitbekommen. Hungrige Gäste können so erbarmungslos sein! Denn ich ließ die junge Dame gewähren.
Noch ehe der Nachbartisch seine fehlende Bouillabaisse-Beilage bemerkt hatte, tunkte ich bereits – trotz mehrfacher Ermahnung meiner Frau – die krossen Brotscheiben in die Rouille und erfreute mich ganz ungeniert an der unverhofften Zwischenmahlzeit. Ganz ehrlich, ohne sie hätte ich die nächste halbe Stunde bis zur Vorspeise kaum überlebt. Merke: In der Not tunkt nicht nur der Teufel gern sein Brot…
Die Gäste ohne Rouille bekamen selbstverständlich bald Ersatz. Und natürlich bedauerte ich das schamlose Ausnutzen dieses „Bedienungsfehlers“ im Nachhinein. Aber wenn es um die blanke Sättigung geht, steht die Aufklärung kleinerer Service-Patzer eben nicht an allererster Stelle. Zumindest nicht nach so langem Warten auf feste Nahrung.
Etwa eineinhalb Stunden nach dem Bestellvorgang wurde uns endlich die gemischte Vorspeisenplatte serviert. Im Vordergrund die Froschschenkel in Betelblätter gehüllt
Was sehr lange währte, wurde zugegebenermaßen auch sehr gut! In der Mitte des Porzellans markierte der zylinderförmig aufgetürmte Papaya-Pulpo-Salat den zentralen Blickfang. Vorspeisenplatte für zwei (Ausgehungerte)
Scampi und Cocktailtomate grüßten vom Obergeschoss des delikaten Asia-Towers. Das Thunfisch-Sashimi ähnelte zwar aufgrund seiner Klebreis-Panade kleinen Backfischfilets kurz vor dem Bad in der Fritteuse, schmeckte aber deutlich besser. Roher Thunfisch in Weißpuder vom Klebereis paniert
Hübscher anzusehen war der rohmarinierte Lachs, der zu einer Blume gerollt worden war und in einer 1-A-Qualität auf die Platte kam. Marinierter Lachs mit Sesam
Zwei saftige, kurz vor dem Brutzeln durch Tempurateig gezogene Garnelen lagen versteckt unter den aufgespießten Froschschenkeln, die allesamt in Betelblätter gehüllt waren. Einzig ihr Geschmack ließ sich nicht so recht verorten. Ein Schnitz Limette, ein Klecks Meerrettichsauce mit salzig-jodigem Forellenrogen obendrauf und etwas Balsamico-Graffiti am Tellerrand komplettierten unser geschmackvoll arrangiertes Hors D’oeuvre.
Die Zeit bis zur Ankunft unserer beiden Hauptspeisen kam uns dann auch nicht mehr ganz so lange vor. Meine Fischpfanne stellte sich als veritables Fisch-Curry heraus. Das in Klammern angemerkte Prädikat „sehr scharf“ konnten meine Papillen jedoch nicht bestätigen. Aber pikant war es allemal. Das Gemüse – hauptsächlich Staudensellerie, Karotte und Brokkoli – lag auf den Punkt gegart in der Mini-Cocotte, aus der ich den aromatisch duftenden Fernostklassiker löffelte. Die Edelfischpfanne aus der Cocotte Reis, Reis, Baby....
Auch die Meeres- und Schalentiereinlage war vom Feinsten. Die Jakobsmuscheln spielten in puncto Größe und Qualität in der Top-Liga. Klar, die knapp 30 Euro mussten sich ja auch irgendwo in diesem vorzüglichen Kokossud versteckt haben.
Die junge Dame gegenüber verzehrte ihre gewokten Gemüse-Nudeln mit Inbrunst. Auch bei ihr toppten kleingehackte Erdnüsse und Röstzwiebeln das Hauptgericht. Eine klassische Asia-Pasta im besten Sinne, die ebenfalls vom idealen Gargrad ihres Gemüseanteils profitierte. Gebratene Reisbandnudeln mit Tofu und Wokgemüse
Seit unserer Ankunft waren mittlerweile fast 3 Stunden vergangen. Stunden, in denen wir viel Zeit zum Quatschen, Lachen und letztlich auch Genießen hatten. Madame Nguyen entschuldigte sich für die lange Wartezeit aufs Essen gleich in doppelter Hinsicht.
Zuerst fand ein Tapioka-Mais-Dessert mit Kokosmilch als süße Gabe des Hauses den Weg auf unseren Tisch. Tapioka-Mais-Kokos-Dessert (aufs Haus)
Und danach bot man uns noch einen Schnaps aufs Haus an. Zwei eisgekühlte Williams-Christ schufen klare Verhältnisse. Frau Nguyen hatte diesen selbst geschenkt bekommen und zeigte sich doch leicht überrascht, dass von der an den Tisch gebrachten Eierlikör-Flasche der Marke „Božkov“ solch ein hochprozentiger Inhalt ausging. Sachen gibt’s... So klar ist kein Eierlikör! Schwör!
Als wir am Schluss auf unsere Rechnung einen kleinen Rabatt bekamen, setzte dies dem skurrilen Treiben beim Saarbrücker Nobelvietnamesen sogar noch ein etwas günstigeres Ende. Trotzdem empfanden wir gerade das Preis-Genuss-Verhältnis im Indochine als verbesserungswürdig. Die lange Wartezeit aufs Essen hat uns zwar nicht die Laune verdorben, war aber ein limitierender Faktor bei der Bewertung. Sollten wir irgendwann einmal wieder im Saarbrücker Stadtteil Malstatt vorbeischauen, um in den Genuss fernköstlicher Leckereien aus Indochina zu kommen, dann nur zusammen mit dem „Roten Khmer“ der Saarbrücker Gastrokritik. Den hätte man dort bestimmt schneller bedient. Geh ich jede Wette!
Meine Frau und ich waren Anfang September übers Wochenende im Saarland. Aus zeitlichen Gründen kam es leider nicht zum GG-Treffen „Südwest“ mit dem geschätzten Kollegen Simba. Stattdessen wurde die seit 1986 stillgelegte Völklinger Hütte – heute ein sehenswertes Weltkulturerbe – von uns ins Visier genommen. Unsere angemietete Wohnung lag ebenfalls in der recht schmucklosen, ca. 40.000 Einwohner zählenden Stadt Völklingen.
Das gastronomische Angebot beschränkt sich dort eher auf Dönerbuden und Pizza-Take-Aways, so jedenfalls mein Eindruck, als wir von unserer Bleibe... mehr lesen
3.5 stars -
"Braucht Fernköstliches wirklich so viel Zeit? - Skurriles Slow-Food-Erlebnis beim Saarbrücker Nobelvietnamesen" Ehemalige UserMeine Frau und ich waren Anfang September übers Wochenende im Saarland. Aus zeitlichen Gründen kam es leider nicht zum GG-Treffen „Südwest“ mit dem geschätzten Kollegen Simba. Stattdessen wurde die seit 1986 stillgelegte Völklinger Hütte – heute ein sehenswertes Weltkulturerbe – von uns ins Visier genommen. Unsere angemietete Wohnung lag ebenfalls in der recht schmucklosen, ca. 40.000 Einwohner zählenden Stadt Völklingen.
Das gastronomische Angebot beschränkt sich dort eher auf Dönerbuden und Pizza-Take-Aways, so jedenfalls mein Eindruck, als wir von unserer Bleibe
Besucht am 13.10.2020Besuchszeit: Mittagessen 2 Personen
Rechnungsbetrag: 4 EUR
Hier bekommt man die volle Ladung Gastfreundschaft! Absolut tolles und freundliches Team, angenehme Bedienung, sehr saubere Location mit gemütlicher und professioneller Ausstattung (behindertengerecht!), vielfältige Auswahl an Eis (hausgemacht und super lecker!), zahlreiche herzhafte Speisen (Münsterländer Flammkuchen ist zu empfehlen!).
Corona Maßnahmen sind nicht zu auffällig, aber man fühlt sich sehr sicher. Hier wird auf die Dokumentation und Mund-/Nasenschutzpflicht geachtet sowie Tische, Stühle und Gastkarten nach jedem Gast gut desinfiziert, ohne dass es die Besucher großartig stört.
Ein toller integrativ arbeitendes Café auf höchstem Niveau! Wir sind Stammgäste.
Hier bekommt man die volle Ladung Gastfreundschaft! Absolut tolles und freundliches Team, angenehme Bedienung, sehr saubere Location mit gemütlicher und professioneller Ausstattung (behindertengerecht!), vielfältige Auswahl an Eis (hausgemacht und super lecker!), zahlreiche herzhafte Speisen (Münsterländer Flammkuchen ist zu empfehlen!).
Corona Maßnahmen sind nicht zu auffällig, aber man fühlt sich sehr sicher. Hier wird auf die Dokumentation und Mund-/Nasenschutzpflicht geachtet sowie Tische, Stühle und Gastkarten nach jedem Gast gut desinfiziert, ohne dass es die Besucher großartig stört.
Ein toller integrativ arbeitendes Café auf höchstem Niveau! Wir sind Stammgäste.
EIS LOUNGE Maria Veen
EIS LOUNGE Maria Veen€-€€€Eiscafe028649508710Poststr. 23, 48734 Reken
5.0 stars -
"Super leckeres Eis, viel Auswahl (auch an Kuchen und anderen Spezialitäten!), extra Portion Gastfreundschaft" Ehemalige UserHier bekommt man die volle Ladung Gastfreundschaft! Absolut tolles und freundliches Team, angenehme Bedienung, sehr saubere Location mit gemütlicher und professioneller Ausstattung (behindertengerecht!), vielfältige Auswahl an Eis (hausgemacht und super lecker!), zahlreiche herzhafte Speisen (Münsterländer Flammkuchen ist zu empfehlen!).
Corona Maßnahmen sind nicht zu auffällig, aber man fühlt sich sehr sicher. Hier wird auf die Dokumentation und Mund-/Nasenschutzpflicht geachtet sowie Tische, Stühle und Gastkarten nach jedem Gast gut desinfiziert, ohne dass es die Besucher großartig stört.
Ein toller integrativ arbeitendes Café auf
Geschrieben am 11.10.2020 2020-10-11| Aktualisiert am
12.02.2021
Besucht am 27.08.2020Besuchszeit: Abendessen 2 Personen
Rechnungsbetrag: 47 EUR
Meiner Oma war schon damals beim Betrachten meiner Hände klar, dass ich später mal keinen Handwerksberuf erlernen würde. Sie sollte recht behalten. Als Heranwachsender zog ich die Theorie gerne der Praxis vor und im Fach Werken/Bildende Kunst kam ich selten auf einen grünen Zweig. Im Gegenteil: am Ende der 10. Klasse strich ich entnervt die Segel. Das war im Prinzip das letzte Mal, dass ich bewusst an einer Werkbank stand, um etwas zu „erschaffen“.
Auch in den Folgejahren ist kein großer Handwerker aus mir geworden, auch wenn mir diverse Studentenjobs in dieser Hinsicht durchaus zuträglich waren. Aber jedem das Seine. Die Karlsruher „Werkbank“ hatte ich schon seit einiger Zeit auf meiner kulinarischen Agenda. Aber es war letztlich die Empfehlung von Küchenchef Marc Wendel aus der Kapeller Hopfestubb (Kapellen-Drusweiler), die uns an einem Donnerstagabend Ende August dort erstmals einkehren ließ.
Übrigens, in diesem Eck der Fächerstadt war ich vorher noch nie. Ein hübsches, von alter Bausubstanz dominiertes Wohnviertel mit grünen Einsprengseln erwartete uns als wir nach kurzer Fahrt mit der Straßenbahn an der Haltestelle Gottesauer Platz ausstiegen und die letzten 500 m zu Fuß absolvierten.
Als wir an diesem lauen Sommerabend nach unserer Einkehr wohlgesättigt auf zwei E-Rollern in Richtung Südstadt bretterten - dort hatte ich mein Auto geparkt – war ich seit langem mal wieder mit der von Baustellen übersäten, zweitgrößten Stadt Baden-Württembergs im Reinen. Dass dies natürlich auch auf unseren Besuch der Werkbank zurückzuführen war, lag auf der Hand bzw. vorher auf dem Teller.
Die Werkbank bereichert seit rund fünf Jahren mit frisch zubereiteter Hausmannskost die Karlsruher Gastroszene. Unter dem Motto „Einfach. Ehrlich. Köstlich.“ stehen Inhaber und Küchenchef Egemen Dogan (früher Chefkoch im „La Vie“ in Rulands Thermenhotel in Bad Herrenalb) zusammen mit seinem Team für eine schnörkellose, gerne auch saisonal inspirierte deutsche Küche. Ein bewusst reduziert gehaltenes Speiseprogramm lässt auf viel Haus- und Handgemachtes schließen.
Wir hatten an diesem Donnerstagabend vorsorglich reserviert. Die Möglichkeit, das Essen unter freiem Himmel einzunehmen, schlugen wir aus. Da gefiel es uns im Inneren des Lokals doch wesentlich besser als draußen auf dem Trottoir. Bevor das Team der Werkbank hier Einzug hielt wurde im Erdgeschoss des stattlichen Klinkerbaus in der Veilchenstraße Ecke Essenweinstraße angeblich griechisch gekocht. Außenansicht
Davon war natürlich im Gastraum nichts zu mehr merken. Eingangsbereich
Der in L-förmigem Grundriss geschnittene Ort der Speisung war geschmackvoll eingerichtet. Zwei alte, wieder in Schuss gebrachte Werkbänke fielen uns sofort ins Auge. Mit etwas erhöhten Barstühlen ausgestattet, wurden auch sie als zünftige Tafeln für die Verköstigung genutzt. Das Rätsel um den Namen des Restaurants war damit gelöst. Aber auch sonst dominierte hölzerne Rustikalität bei der Einrichtung. Blick zum Tresen
Die aus großen Rundsieben gebastelten Wandleuchten sorgten für kulinarische Goldgräberstimmung. Einzig die mit quadratischen Paneelen verkleidete – wahrscheinlich abgehängte – Decke erinnerte mich doch arg an die Zahnarztpraxis meines Vertrauens. Ein Einrichtungsmakel, der bald beseitigt werden soll, wie mir die überaus freundlich agierende Bedienung versicherte. Der Gastraum
Sie versorgte uns umgehend mit den Speisekarten und auch die obligatorische Flasche Mineralwasser (0,75l für städtische 6 Euro) – diesmal hieß die Marke „Selters“ – sprudelte zeitnah und recht „classic“ auf unserem Tisch. Ein helles Halbes aus bayrischen Landen (3,80 Euro) sollte später noch folgen.
Die beiden in Weiß (Essen) und Schwarz (Getränke) gehaltenen Karten waren rasch durchstöbert. Lachstatar, Ziegenkäse und gemischter Salat – Letzterer war in zwei Größen erhältlich – bestimmten das Vorspeisenprogramm. Vier vegetarische Gerichte, darunter Herzerwärmendes wie hausgemachte Käsespätzle, Rösti oder Maultaschen, ließen meine gerne auf Fleisch verzichtende Gattin aufhorchen. Eine Seite weiter machten mir fünf verschiedene Fleischspeisen die Entscheidung schwer.
„I beg your pardon“, aber an diesem Abend war es nicht der für faire 28,90 Euro angebotene „Roast-Braden“ vom heimischen Rinderfilet (mit Spätzle und Röstzwiebeln), der mich in den Karnivorenolymp hieven sollte. Auch der gesottene Kalbstafelspitz mit Meerrettich, grünem Apfel und Bouillonkartoffeln war dazu – meiner Ansicht nach – nicht in der Lage. Mit gebratener Kalbsleber konnte ich noch nie viel anfangen. Und die hausgemachten Fleischküchle mit Kartoffelstampf und Pommery-Senfsauce klangen zwar äußerst verlockend, verloren aber letztendlich im Eins-zu-Eins-Duell gegen das „Werkbankschnitzel“ (21,80 Euro).
Bei diesem handelte es sich um ein dünngeklopftes Wiener Original vom Kalbsrücken. Die Pommes-Beilage wurde problemlos durch Spätzle ersetzt. Eine Extraportion Rahmsoße (3 Euro) wurde noch hinzugeordert. Der Süffigkeit musste schließlich Genüge getan werden. Im Schnitzel-Preis inkludiert war noch ein kleiner Beilagensalat.
Meine Frau hatte sich da schon längst für die Käsespätzle mit Zwiebeln und Bergkäse (8,60 Euro) entschieden. Und zwar im aller badischsten Sinne. Einen kleinen gemischten Salat (4,50 Euro) hängte sie in frischer Absicht noch dran.
Ein Blick zur Theke erklärte mir dann auch den Zusammenhang zum anfangs erwähnten Pfälzer Küchenchef und Winzer Marc Wendel. Neben den in der Standardkarte angebotenen Kreszenzen aus dem Kraichgau, der Pfalz und dem Markgräflerland, waren es ein paar Weinempfehlungen aus Kapellen-Drusweiler – ein trockener Regent aus dem Barrique und ein grüner Silvaner –, die hier von zwei Tafeln grüßten und glasweise auf ihre Entdecker warteten. In Wendel Veritas! Mit diesem Weingut hätte ich in der Karlsruher Oststadt nicht unbedingt gerechnet. Ausschankbereich
Schon die Art und Weise wie der Kraut- und Rübensalat geraspelt war, ließ keinerlei Convenience-Verdacht aufkommen. Auch das feinsäuerliche Dressing unserer Beilagensalate war geschmacklich gelungen und machte aus dem frischen Blattwerk eine einfache, aber delikate Angelegenheit. so geht frischer Beilagensalat!
Ein guter Einstieg, der dem ersten Hunger knackig die Stirn bot. So konnte es gerne weitergehen. ....oder so!
Und wie es weiterging. Aus dramaturgischen Gründen sei zuerst der schlonzige Käsespätzle-Hügel meiner Frau erwähnt. Würzige Bergkäseraspel verdeckten die zarte Schmelzzwiebelhaube. Optisch war das zwar ein Stückweit entfernt von den Kasnocken „from Austria“ – da knusperten die kross gebratenen Zwiebelringe förmlich um die Wette – aber geschmacklich konnten sie mit den fluffigen Knöpfle aus unserem letzten Urlaub in Saalfelden durchaus mithalten. Und selbstverständlich waren sie hausgemacht. Die Käsespätzle
Zeitgleich zu den servierten Spätzle, duftete mir mein mega-dünn geklopfter Kalbsteppich über den Tellerrand hinaus entgegen. Die eine Hälfte des Wieners
Außen runzlig-krosses, innen welliges „Impaniergehabe“ und eine angenehme Würze waren weitere positive Eigenschaften dieses im Schmetterlingsschnitt zubereiteten Monolithen mitteleuropäischer Esskultur. Das Werkbankschnitzel in Gänze
Allein dem Geruch nach elegisch gebuttertem Brötchenknusper aus rasch ausgewischter Eisenpfanne konnte ich mich nur schwer entziehen. Der in alter Figlmüller-Tradition sanft ausgeklopfte und deshalb herrlich mürbe Kalbsrücken schmolz förmlich auf der Zunge. Schnitzel-Querschnitt 1
Selten habe ich ein besser zubereitetes Exemplar dieses Klassikers genießen dürfen. Schnitzel-Querschnitt 2
Der begleitenden Preiselbeersauce hätte es gar nicht bedurft. Die beiden Zitronenschnitze waren mir indessen sehr willkommene Auffrischer. Und die 3 Euro extra für die schmackhafte Rahmsauce dankten mir nicht nur die à part gereichten Spätzle, sondern auch meine Frau, die gerne davon naschte. Die Beilagenspätzle (ohne Käse) Fazit:
Die Werkbank wird ihrem kulinarischen Motto in vollem Umfang gerecht. Die von uns genossenen Gerichte waren zwar einfach, aber handwerklich ehrlich zubereitet. Dass sie uns köstlich schmeckten muss an dieser Stelle gar nicht mehr hervorgehoben werden. Die verwendeten Zutaten erfuhren in Egemen Dogans Küche nicht nur eine sorgfältige Behandlung, sondern waren auch von beachtlicher Qualität. Mehr geht bei gutbürgerlicher Deutschkost eigentlich kaum. Weniger leider noch immer zu häufig. Empfehlung? Sieht jedenfalls ganz danach aus…
Meiner Oma war schon damals beim Betrachten meiner Hände klar, dass ich später mal keinen Handwerksberuf erlernen würde. Sie sollte recht behalten. Als Heranwachsender zog ich die Theorie gerne der Praxis vor und im Fach Werken/Bildende Kunst kam ich selten auf einen grünen Zweig. Im Gegenteil: am Ende der 10. Klasse strich ich entnervt die Segel. Das war im Prinzip das letzte Mal, dass ich bewusst an einer Werkbank stand, um etwas zu „erschaffen“.
Auch in den Folgejahren ist kein großer... mehr lesen
4.5 stars -
"Erfolgreiche Schnitzeljagd in der Karlsruher Oststadt" Ehemalige UserMeiner Oma war schon damals beim Betrachten meiner Hände klar, dass ich später mal keinen Handwerksberuf erlernen würde. Sie sollte recht behalten. Als Heranwachsender zog ich die Theorie gerne der Praxis vor und im Fach Werken/Bildende Kunst kam ich selten auf einen grünen Zweig. Im Gegenteil: am Ende der 10. Klasse strich ich entnervt die Segel. Das war im Prinzip das letzte Mal, dass ich bewusst an einer Werkbank stand, um etwas zu „erschaffen“.
Auch in den Folgejahren ist kein großer
Geschrieben am 05.10.2020 2020-10-05| Aktualisiert am
12.02.2021
Besucht am 21.08.2020Besuchszeit: Abendessen 2 Personen
Rechnungsbetrag: 44 EUR
An einem warmen Freitag im August hatte ich mich mit meinem Vater zum Wandern verabredet. Da wir uns ein paar Wochen zuvor schon durch das Pfälzer Outback nahe der Grenze zu Frankreich geschlagen hatten, nahmen wir diesmal die badische Seite ins Wandervisier. Abseits gewohnter Pfalzpfade sollte es an diesem herrlichen Sommertag für den bekennenden „Linksrheiner“ einiges zwischen Badischer Weinstraße und nördlichem Schwarzwald zu entdecken geben.
Wir starteten von dem zu Baden-Baden gehörenden Stadtteil Neuweier, einem rund 2000 Einwohner zählenden Weindorf inmitten der Vorbergzone des Nordschwarzwalds. Bei noch recht großer Hitze erklommen wir die auf 520 m ü. NN thronende Yburg, die mit einer bombastischen Aussicht auf die Rheinebene und die benachbarten Weinberge ein sehr empfehlenswertes Ausflugsziel darstellte.
Auf der Yburg angekommen ging es auf ein wohlgehopftes Helles in das einladende Burgrestaurant, das uns mit deftigen Leckereien wie z.B. „Hofmagdschmaus“, „Hunnenschnitzel“ und „Burgbraten“ empfing. Für solch schwere Kost war es uns jedoch schlichtweg noch zu warm. Außerdem hatte mein Vater einen Terrassenplatz für Zwei im Restaurant Röderswald, einem nahegelegenen Ausflugslokal, reserviert.
Dort trafen wir dann nach absolvierter Rundwanderung und einem kleinen Abstecher zum Weingut Nägelsförst – man muss ja schließlich auch die rechtsrheinischen Erzeuger im Auge behalten – am Abend ein. Auf der von Sonnenschirmen ausreichend beschatteten Terrasse war einiges los. Kein Wunder, sitzt man hier doch ganz formidabel und richtet dabei den Blick gen Westen, von wo die Sonne mit hochsommerlicher Strahlkraft diesen herrlichen Abend erwärmte. Terrassenblick Modell "Wow!"
Das etwas erhöht, außerhalb des Weinorts Varnhalt gelegene Restaurant wirbt mit diesem tollen Ausblick ins Rheintal auch auf seiner Homepage. Und auch der weitblickverwöhnte Pfälzer musste zugeben, dass es sich hier um einen äußerst idyllischen Flecken handelte. Terrassenansicht
Wenn jetzt auch noch das Kulinarische stimmen würde, wäre das badische Komplettpaket perfekt. So jedenfalls der Gedanke des Chronisten, als er sich auf seine bequeme Sitzgelegenheit aus Polyrattan niederließ. Terrassenblick 1
Auf unserem Bistrotisch lag das Besteck in einer mit dem Restaurantnamen bedruckten, weißen Einwegtasche, die auch als Serviette fungierte. Pfeffer, Salz und ein Aufsteller mit der Tischnummer ergänzten die karge Tischlandschaft, auf der sich alsbald zwei frisch gezapfte Ulmer Biere (0,4l zu 3,30 Euro), ein Sekt mit Crodino (0,1l zu 3,90 Euro) sowie eine gut gekühlte Flasche Mineralwasser der Marke Peterstaler (0,75l zu 4,70 Euro) wiederfanden. Unser Tisch
Mit dem Slogan „Genießen pur in der Natur!“ begrüßte mich bereits die gläserne Schautafel mit angepinnter Speisenkarte vor dem Eingang zur Terrasse. Auf jener sitzend hielten wir bald die Küchenlektüre in unseren Händen und studierten das Angebot. Da wurde zunächst ein dreigängiges Menü für geradezu unverschämt preisgünstige 13,90 Euro empfohlen. Es beinhaltete eine Petersilienrahmsuppe, hausgemachte Cevapcici in Paprika-Rahmsauce und Basmati-Reis sowie ein saisonal inspiriertes Zwetschgen-Joghurt-Parfait zum süßen Abschluss.
Es war Eierschwammerl-Zeit, wie man in Österreich zu sagen pflegt. Klar, dass deshalb auch einige Gerichte mit Pfifferlingen auftauchten. Ob gebraten zum Salat oder in Schnittlauchrahmsauce mit hausgemachten Kräuterflädle musste noch entschieden werden. Das war gar nicht so einfach, denn der gegrillte Seehecht auf Penne-Nudeln wurde ebenfalls mit Pfifferlingrahmsauce serviert. Außerdem lockten das im „Badischen Sößle“ geschmorte Lammhäxle (die vielen Endungen auf „le“ erinnerten mich sprachlich, wo wir uns gerade befanden…), der mittlerweile zum Standardrepertoire zählende „Hausburger“ sowie das Bühler Zwetschgensteak vom Schweinerücken.
Und das war nur das jahreszeitlich bedingte Empfehlungsschreiben. Zwei Suppen, vier Salatteller, zwei Veggie-Gerichte und zwei Fischteller weiter ging es endlich ans „Fleischgemachte“. Rumpsteak, Tafelspitz und Schweinemedaillons gutbürgerlichten da um die Wette. Gegrillte Hähnchenbrust in asiatisch akzentuierter Kräuter-Curry-Sauce (mit Kokosmilch) und die Lasagne Bolognese komplettierten die muntere Auswahl, die einen Hauch von Internationalität auf die badische Sommerterrasse wehen ließ.
Der Hunger hielt sich bei mir hitzebedingt etwas in Grenzen, während mein Vater nonchalant zum dreigängigen Tagesmenü griff. Seine Vorspeisensuppe sollte allerdings direkt an den Filius gehen. Das stand schon vor dem Bestellvorgang fest. Etwas Frische auf dem Teller würde an diesem Sommerabend sicherlich guttun. Und so orderte ich den Salatteller mit gebratenen Pfifferlingen, dünnen Scheiben vom Roastbeef, Honig-Senf-Remoulade und einem Reibeküchle. So nennt man wohl nicht nur im Badischen den ordinären Kartoffelpuffer.
Das in der Porzellantasse servierte Petersiliencrèmesüppchen hatte leider etwas zu viel der guten Sahne abbekommen. Der Geschmack nach der vermeintlichen Hauptzutat hielt sich deshalb doch stark in Grenzen. Doch es blieb der einzige kleine kulinarische Lapsus an diesem Abend. Petersilienrahmsüppchen
Meine Pfifferling-Roastbeef-Garnitur machte zum grünen Blattwerk eine gute Figur. Die „Waldzwerge“ wurden mit etwas Speck und Zwiebel angedünstet und dies – Gott sei Dank – nicht zu lange. Waldzwerge auf Blattgrün
Sechs dünn geschnittene, herrlich mürbe Roastbeefscheiben, ein ordentlicher Klacks Remoulade und das auf einem Extrateller servierte Küchle sorgten zusammen mit ein paar Scheiben Weißbrot für ausreichend Sättigung. S'Küchle à part
Gut, mit der Balsamico-Crème hätte man vielleicht nicht ganz so inflationär umgehen müssen, aber wie sagt man hierzulande: das sind doch nur Streifen im Salathaufen. Saison-Salat mit Pfifferlingen und Roastbeef
Mein Vater hatte nur lobende Worte für seine hausgemachten Balkanröllchen aus gut gewürztem Hackfleisch. Seine Paprika-Rahmsauce kam auch ohne Sahne ganz gut aus. Cevapcici mit Paprika-Ohne-Rahm-Sauce und Basmati-Reis
Die hatte man wohl komplett im Suppentopf verschwinden lassen. Egal, ihm war es so lieber. Genauso lieb war ihm übrigens auch der Nachtisch. Sein Zwetschen-Joghurt-Parfait zeugte von grundehrlichem Patisserie-Handwerk und fügte sich auch portionsmäßig gut ins Menü ein.
Im nahen Westen ging allmählich die Sonne unter, was der gemütlichen Atmosphäre auf der Röderswald-Terrasse keinen Abbruch tat. Ganz im Gegenteil. Um eine solide Ausflugsadresse reicher ging es für mich wieder zurück ins Pfälzer Ländle (Perspektivwechsel vollzogen!). Dass man auch auf der badischen Seite in Sachen Einkehrmöglichkeiten gut aufgestellt ist, habe ich nie bezweifelt. Naja, vielleicht ein bisschen.
An einem warmen Freitag im August hatte ich mich mit meinem Vater zum Wandern verabredet. Da wir uns ein paar Wochen zuvor schon durch das Pfälzer Outback nahe der Grenze zu Frankreich geschlagen hatten, nahmen wir diesmal die badische Seite ins Wandervisier. Abseits gewohnter Pfalzpfade sollte es an diesem herrlichen Sommertag für den bekennenden „Linksrheiner“ einiges zwischen Badischer Weinstraße und nördlichem Schwarzwald zu entdecken geben.
Wir starteten von dem zu Baden-Baden gehörenden Stadtteil Neuweier, einem rund 2000 Einwohner zählenden Weindorf inmitten... mehr lesen
4.0 stars -
"Gutbürgerlicher Sommerabend im Badischen mit genialem Ausblick" Ehemalige UserAn einem warmen Freitag im August hatte ich mich mit meinem Vater zum Wandern verabredet. Da wir uns ein paar Wochen zuvor schon durch das Pfälzer Outback nahe der Grenze zu Frankreich geschlagen hatten, nahmen wir diesmal die badische Seite ins Wandervisier. Abseits gewohnter Pfalzpfade sollte es an diesem herrlichen Sommertag für den bekennenden „Linksrheiner“ einiges zwischen Badischer Weinstraße und nördlichem Schwarzwald zu entdecken geben.
Wir starteten von dem zu Baden-Baden gehörenden Stadtteil Neuweier, einem rund 2000 Einwohner zählenden Weindorf inmitten
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In vielen ländlichen Gegenden ist schon vor der Corona-Krise die Zahl der Gastwirtschaften massiv geschrumpft. Die Gründe hierfür sind meist immer dieselben. Die Betreiber gehen in ihren wohlverdienten Ruhestand und finden keine Nachfolger. Bezahlung und Arbeitszeit gehören in der Gastrobranche bekanntlich nicht zu den Hauptargumenten, um Nachwuchs zu ködern.
Und die paar Idealisten, die es dann noch gibt, machen sich in den seltensten Fällen mit guter deutscher Hausmannskost einen Namen. Die Folge: die rustikalen Dorfbeizen verschwinden genau wie die einfachen Gasthöfe aus dem kulinarischen Ortsbild. Eine Entwicklung, die auch bei uns in der Pfalz seit Jahren zu beobachten ist.
Umso erfreulicher, wenn das Zepter erfolgreich an die jüngere Generation weitergegeben wird. Nach 26 Jahren Dienst am hungrigen Gast haben Julitta und Udo Mischler ihr Landhaus im staatlich anerkannten Erholungsort Schönau an ein junges Gastronomenpaar weitergegeben.
Saskia und Steven Brogdon, beide im Sauertal aufgewachsen und eng mit ihrer Heimat verbunden, haben im Mai 2020 das seit sechs Generationen von der Familie Mischler geführte Traditionslokal übernommen. Zwei vom Fach also, die ihre kulinarischen Vorstellungen von gepflegter deutscher Küche etwas abseits der üblichen Touristenpfade umsetzen wollen.
Frau Brogdon ist ausgebildete Restaurantfachfrau und ihr Mann Steven bringt genügend Berufserfahrung als gelernter Koch mit. Gute Voraussetzungen also für eine erfolgreiche Weiterführung des beliebten Familienbetriebs unweit der französischen Grenze.
Schönau, dessen Name sich von der „schönen Aue“ ableitet, befindet sich mitten im Wasgau (Pfälzerwald), fernab von städtischer Hektik und medialer Dauerberieselung. Der Ort ist ein wahres Wandereldorado und eigentlich ideal um dem Alltagsstress zu entfliehen. Etliche Ferienhäuser und -wohnungen können hier angemietet werden.
Bei Naturliebhabern, Motorradfahrern, Radtouristen und sonstigen Besuchern der an Burgen nicht armen Grenzregion steht das Landhaus Mischler seit Jahren hoch im Kurs. Denn allein mit dem Namen Mischler verbinden viele eine Küche auf gutem Niveau, wirkte doch im nicht weit entfernten Örtchen Lembach jahrelang der Sternekoch Fernand Mischler in der altehrwürdigen, mittlerweile mit zwei Macarons ausgezeichneten Gourmetadresse „Cheval Blanc“.
Nun, ganz so exquisit ging es im Landhaus von Küchenmeister Udo Mischler, der übrigens mit Fernand verwandt ist, nicht zu. Aber was wir schon bei unserem Besuch im Februar 2019 (Rezension ebenfalls auf diesem Kanal) schmecken konnten, war eine sorgfältig zubereitete Auswahl an klassischen Hausmannsköstlichkeiten, die auf qualitativ hochwertige Grundprodukte schließen ließ.
Nun hilft Udo Mischler in seinem (Un-)Ruhestand seinem Nachfolger am Herd ab und an noch ein wenig aus. Von dessen jahrelanger Erfahrung kann der junge Küchenchef Steven Brogdon nur profitieren. Dass dabei auch der Generationswechsel ohne größere kulinarische „Sollbruchstellen“ vollzogen wurde, ließ sich anhand der Speisenkarte ablesen.
Die war zwar keine 1:1-Kopie aus früheren Tagen, aber doch ein klares Bekenntnis zu Altbewährtem. Bei unserem Besuch im September wirkte das Speisenangebot sogar noch ein wenig ausgewogener als vorher. Das Veggie-Programm wurde etwas aufgewertet, bei den Wildgerichten wurde dagegen etwas zurückgefahren. Dies kann freilich auch saisonale Gründe gehabt haben.
Im Anschluss an eine Wanderung, die uns zusammen mit meiner Mutter von Nothweiler aus an vier Burgruinen (Wegelnburg, Hohenbourg, Löwenstein und Fleckenstein) vorbeiführte und uns dabei zweimal die „grüne Grenze“ zwischen Pfälzerwald und Nordvogesen (Elsass) passieren ließ, hatten wir zuerst an eine Einkehr im Landgasthaus „Zur Wegelnburg“ in Nothweiler (da stand ja praktischerweise unser Auto…) gedacht. Dort war leider schon alles ausreserviert, weshalb wir uns spontan in Richtung Schönau aufmachten.
Im Landhaus Mischler angekommen, hatten wir Glück, dass wir einen der letzten freien bzw. nicht reservierten Tische im großen Gastraum ergattern konnten.
Draußen auf der Terrasse war zu dieser Zeit schon alles belegt. Aber auch drinnen saß es sich ganz kommod auf bequemen Polsterstühlen an sauber eingedeckten Tischen. Da hatte sich im Vergleich zu früher, als Julitta Mischler noch den Service leitete, im Grunde nichts geändert. Gut so.
Da saßen wir nun. Drei hungrige „Grenzgänger“, die dem verdienten Kalorienausgleich nach getaner Outdooraktivität entgegensahen. Und die zunächst einmal ihren mitgebrachten Durst mit einer Flasche Mineralwasser der Marke Bellaris „Classic“ (für faire 3,90 Euro) sowie einer großen Holunderblütenschorle (0,5l für 3,60 Euro) stillten. Loblieder über mein Bellheimer Lieblingswasser habe ich auf diesem Sender schon viele gesungen. Deswegen nur fürs Protokoll: es perlte wie immer und erfrischte vortrefflich.
Die jungen Servicemädels hatten den Laden gut im Griff und dementsprechend flott wurden wir auch bedient. Beim Durchstöbern der Karte traf ich auf alte Bekannte. Zum Beispiel Udo Mischlers legendäre „Sauertaler“ (8,90 Euro). Diese ganz speziellen Kartoffel-Küchlein mit deftigem Räucherforellenanteil hatten wir schon beim letzten Besuch verkostet und waren begeistert. Umso erfreulicher, dass diese Landhaus-Spezialität den Betreiberwechsel genauso überlebt hatte wie die Pfälzer Wurstspezialitäten aus eigener Herstellung oder das Schweinefilet mit Waldpilzsoße, das ich mir hier auch schon einverleibte.
An den regionalen Reibeküchle kamen wir auch diesmal nicht vorbei, denn wir orderten die mit Meerrettichschmand und Salatbukett gelieferten Kartoffeltaler als gemeinsame Vorspeise. Sharing ist ja bekanntlich das beste Caring. Meine Mutter übte sich derweil im Verzicht auf jegliche Art von Vorwegspeisung. Sie hatte wohl schon den passenden Nachtisch im Hinterkopf. Dass man im Alter zu mehr Askese neigt, hat mir also nicht nur der berühmte (wohl eher berüchtigte…) Bremer Bettelmönch schon häufig vor Augen geführt…
Man kennt das ja. Da liest man sich durch das örtliche Köchelverzeichnis und die Gerichte sprechen gleichermaßen Leib und Seele an. Hier mal eine willkürlich vorgenommene Auflistung unterschiedlichster Assoziationen zu der ein oder anderen Landhaus-Leckerei:
Boeuf Bourgignon – her damit!
Flank Steak mit Kartoffelwedges – bitte medium rare!
Sauerbraten mit Klößen – wäre doch was für dich, Mutter!
Käsespätzle mit Schmelzzwiebeln – äußerst „symbadisch“!
Schweinefilet mit Waldpilzsoße, Spätzle und Salat – gerne wieder!
Wildschweinrücken mit Ginsoße und Kroketten – call me „Obelix“!
Das Rennen machten schließlich der Sauerbraten (tatsächlich für meine Mutter…), die Käsespätzle (für die Knöpfle-Enthusiastin am Tisch) sowie das Boeuf Bourgignon für den Verehrer klassisch französischer Schmorgerichte und Schreiber dieser Zeilen. Mit knapp 20 Euro war man beim Rindfleischtopf aus dem Burgund dabei, Kartoffelpüree und Beilagensalat inklusive. Da kannschd nid schelte!
An dieser Stelle möchte ich kurz die erfreulich moderate Preisgestaltung im Landhaus Mischler erwähnen. Diese hatte uns schon bei unserer letzten Einkehr sehr überzeugt. Dass mit den neuen Betreibern eine behutsame Anpassung stattgefunden hat, fiel eigentlich kaum auf. Bei manchen Gerichten blieben die zu entrichtenden Abgaben sogar auf Vorgängerniveau. Alle Achtung!
Plötzlich lagen sie köstlich duftend vor uns. Die beiden knusprig gebackenen „Sauertaler“ teilten sich mit einem Schälchen Beilagensalat und vier Spritzern Meerrettichschmand das rechteckige Porzellan.
Allein ihr Anblick löste am Tisch Entzückung aus. Die Idee, gewöhnliche Reibeküchlein mit geräucherter Forelle und etwas Magerquark zu veredeln, hatte Vorgänger Udo Mischler schon vor vielen Jahren gehabt. Ein klassisches Verwertungsessen, bei dem die gekochten Kartoffeln vom Vortag ihren zweiten großen Auftritt bekamen. Und was für einen!
Die Rundlinge versprühten eine feine Fischwürze, die sich ausgezeichnet mit der zarten Erdapfelmasse vertrug. Geschmacklich erinnerten sie ein wenig an deftige Schupfnudeln, die für mich – wenn selbst gemacht – mit zum Besten zählen, was sich aus Kartoffelteig formen lässt. Von der Portionierung her war das Gebotene „högschd vorspeisentauglich“. Ein Küchlein pro Esser plus x. So die einfache, aber äußerst schmackhafte Sättigungsformel.
Das „plus x“ bestand aus einem frischen, mit säuerlichem Essig-Öl-Dressing angemachten Salat, der primär von seiner gut abgeschmeckten Old-School-Essigwürze lebte. Die harmonierte mit den fluffigen Kartoffel-Räucherfisch-Puffern ganz wunderbar. Der separat dazu gereichte Meerrettich-Schmand kam mit angezogener Schärfebremse ums Eck. Der sollte wohl den delikaten Kartoffeltalern nicht die Schau stehlen und tat es auch nicht. Genau wie beim letzten Mal fiel uns das Urteil leicht: eine Vorspeise zum Zunge schnalzen!
Man sah uns den Hunger wahrscheinlich an und reagierte mit zeitnahem Servieren der Hauptspeisen. Die Käsespätzle (10,50 Euro) meiner Frau kamen mit der ganzen Macht des hierfür geschmolzenen Milcherzeugnisses aufs blanke Weiß und sorgten mit glänzendem Teint für ausreichend deutsch-österreichisches Fettgefühl (DÖF) – Sättigungsgarantie inklusive.
Aber auch die beiden Zugeständnisse für Eingefleischte gerieten tadellos oder „comme il faut“, wie nicht nur der französische Nachbar zu sagen pflegt. Bei meinem mit angenehmer Weinnote ausgestatteten Boeuf Bourgignon konnte ich saucentechnisch aus dem Vollen löffeln. Die sanft geschmorten Rinderhappen fielen himmlisch mürbe aus und wurden ganz klassisch von angebratenen Champignons, Speckwürfeln und Frühlingszwiebeln umrahmt.
Das à part vorgesetzte Kartoffelpüree glänzte gutgebuttert vor sich hin. Schon der erste Löffel kündete vom handwerklichen Können des Herdmeisters.
Zusammen mit der kräftigen Burgundersauce genossen ergab das einen herzerwärmenden Teller süffiger Glückseligkeit.
Auch der Sauerbraten mütterlicherseits geriet zum Appell an den gesunden Volkshunger und kam gänzlich ohne folkloristisches Blendwerk aus.
Er zählte zwei stattliche Kartoffelklöße und einen kleinen Beilagensalat zu seinem Gefolge. Laut Aussage seiner Vertilgerin überzeugte er mit dem typischen, fein-säuerlichen Aroma. Da hatte sich das Bad in der Essig-Beize scheinbar gelohnt.
Wer jetzt denkt, dass die Drei von der Gourmandfraktion danach die weißen Segel der Sättigung hissten, der hat sich getäuscht. Meine Mutter bestand noch auf das Haselnussparfait (8,90 Euro). Meine Gattin wollte nicht ohne einen „Rostigen Ritter“ (7,50 Euro) das Chateau Mischler verlassen. Da hatten sich die beiden Damen etwas vorgenommen.
Neben den beiden Tranchen vom Nussparfait türmte sich ein stolzes Häuflein aufgespritzter Sahne. Dem nicht genug, zierte ein ofenwarmer Brownie die andere Seite der Porzellanplatte.
Eine fundiert zubereitete, vielleicht etwas zu süß geratene Kadenz, deren Reiz vom Heiß-Kalt-Kontrast ausging. Ein paar fruchtig-säuerliche Akzente hätten den etwas eindimensional wirkenden Nachtisch sicherlich aufgewertet. Auch ein wenig Knusper hätte der Sache gutgetan, ohne gleich den kulinarischen Kosmos sprengen zu wollen.
Beim Rostigen Ritter, der andernorts auch „Armer Ritter“ oder „Semmelschnitte“ genannt wird, wurden Kindheitserinnerungen wach.
Dieses 1A-Verwertungsessen für alte Brötchen durfte ich schon in jungen Jahren an traditionell fleischlos gehaltenen Freitagen bei meiner Oma genießen. Schon damals mochte ich den Zucker lieber als den Zimt. Und die Vanillesauce am allerliebsten. Schön, dass hier mit einem Obstschälchen für etwas Fruchtfrische gesorgt wurde.
Fazit:
Hier tut die junge Generation gut daran, die alten Traditionen zu bewahren. Dass sie dabei mit Leidenschaft und Herzlichkeit ans Werk geht, ist ein großer Pluspunkt dieses Lokals. Das Hausmannsköstliche war schon immer des Gutbürgerlichen Freund. Wie stand es einst in einem oberelsässischen Landhaus-Gästebuch geschrieben:
In diesem Sinne wünsche ich der Familie Brogdon alles Gute für ihre gastronomische Zukunft und viel Durchhaltevermögen in diesen schwierigen Zeiten.