Leider auch Gourmand gehe ich mittags regelmäßig allein oder mit Kollegen essen. Abendessen zu zweit waren in der Vergangenheit rar gesät, das wird jetzt nachgeholt! Auf Dienstreisen vertreibe ich mir die Zeit stets mit abendlichen Restaurantbesuchen, möglichst in den Highlights. So war ich auf Restaurantkritik gekommen und hatte den inneren Schweinehund, der zu bequem zum Kritiken schreiben war, überwunden.
Nach etwa 100 Bewertungen hat mich der Verkauf an Yelp ausgebremst, da ich aussagekräftige Kritiken schreiben möchte, für Menschen, die gutes Essen schätzen. In einem Portal, bei dem man auch seine Wertschätzung für die Heiße Hexe an der Tankstelle veröffentlicht, fühle ich mich nicht mehr wohl und suche eine neue Kritikerheimat.
Nachdem mittlerweile (fast) alle geschätzten Kritikerinnen und Kritiker aus dem Verschwundenen Portal hierher gewechselt und ein paar mehr dazu gekommen sind, fühle ich mich wieder wohl. Ein bißchen wie im Stammlokal, man kennt/schätzt/neckt sich, tauscht Neuigkeiten aus... Eben lesen, schlemmen, schreiben.
Leider auch Gourmand gehe ich mittags regelmäßig allein oder mit Kollegen essen. Abendessen zu zweit waren in der Vergangenheit rar gesät, das wird jetzt nachgeholt! Auf Dienstreisen vertreibe ich mir die Zeit stets mit abendlichen Restaurantbesuchen, möglichst in den Highlights. So war ich auf Restaurantkritik gekommen und hatte den inneren... mehr lesen
Bewertungs-Statistik
Insgesamt 299 Bewertungen 431504x gelesen 10559x "Hilfreich" 9491x "Gut geschrieben"
Geschrieben am 09.10.2023 2023-10-09| Aktualisiert am
11.10.2023
Besucht am 20.01.2023Besuchszeit: Mittagessen 1 Personen
Rechnungsbetrag: 74 EUR
Nach längerer Zeit hatte ich mal wieder einen geschäftlichen Termin in der real existierenden Metropole Ost-Westfalens, der vielleicht nicht nur zufälligerweise gegen Mittag endete. Ich hatte jedenfalls schon die einschlägigen Führer (und Peter3s etwas älteren Bericht) zurate gezogen und mich für das "lebhafte Bistro mit internationaler Küche" in der Innenstadt entschieden.
Ein Platz war auch als walk-in möglich, denn das Gui war an diesem Freitagmittag gut besucht, aber im hinteren Bereich fand sich ein kleiner, für eine Person aber allemal ausreichender Tisch. Ich machte es mir in einem Ledersessel gemütlich und "kam erstmal an". Das Gestühl in weinrot und schwarz stand auf einem recht filigran scheinenden Metallgitter; zu einem gewichtigen Malheur kam es aber nicht. Das Ambiente gefiel mir gut: Einerseits dunkelgrau gestrichener Betonfußboden, andererseits vor den Fenstern zur Fußgängerzone halbhohe weiße Gardinen im Brasserie-Stil wie weiland im Bremer Grashoff. Auf den eng stehenden Tischen schwarze Sets, die schon eingedeckt waren. Anklicken
Es herrscht ein noch angenehmes Stimmengewirr. Für vertrauliche Treffen weniger geeignet, aber man kommt schnell ins Gespräch mit den Nachbarn. Kann ja auch nett sein. Im Eingangsbereich stehen einige Hochtische, vielleicht zum Warten oder für "nur" Weintrinker. Hingucker im hinteren Bereich sicherlich die indirekt beleuchtete, mit "in echt" ausgetrunkenen Flaschen bedeckte Rückwand.
Das sieht gut aus und macht Durst, also erstmal einen leichten Sauvignon-Winzersekt von Oliver Zeter. Stilistisch wie stets viel Frucht in der Nase, wenig am Gaumen. Zum leichten Menü wechselte ich auf einen griechischen Sauvignon, der mir mit seiner Mineralik besser gefiel. Beim Einschenken fällt ein kleiner Sprung im Glas auf, das sofort getauscht wird.
Kein Wunder, denn die deutsch-italienische Bedienung (Chefin?) begleitet mich nicht nur zum Tisch, sondern auch freundlich und aufmerksam durch den Lunch. Absolut professionell, eine Wohltat. Die Dame meint, mich zu kennen, denn zur Begrüßung höre ich, dass mein letzter Besuch schon etwas zurückliege. Ich war schon mal im Gui? Vielleicht doch nicht alles in Ordnung mit dem linearen Raum-Zeit-Kontinuum in Bielefeld...
Während ich über eine Anrichte mit etlichen Flaschen Hochprozentigem interessiert die Küchencrew beobachtete
und dabei den mordsmäßig teuren Molteni-Herd bewunderte, wurde eine Schnittlauchbutter mit deutlichem Aromat gereicht, dazu aufgebackenes Brot vom Bäcker oder jedenfalls in handwerklicher Qualität.
Passt.
Auf der Karte hatte eine Vorspeise meine Neugier geweckt.
Das Sellerie-Törtchen entpuppte sich als eine zurückhaltende Mousse auf einem Mürbeteig, in dem mir die Zugabe von Makadamianuss besonders gut schmeckte.
Der schon etwas eingetrocknete Lachskaviar ergänzte leicht salzige Noten. Für Süffigkeit sorgte Liebstöckel-Hollandaise. Ich hatte auf frisches Aufschlagen gehofft, aber die Sauce kam aus dem Syphon. Somit erklärte sich auch, dass das Gericht insgesamt kalt serviert wurde.
Insgesamt ein trotz Hollandaise frisch schmeckender Auftakt, bei dem Sellerie und Liebstöckel leider zu vorsichtig eingesetzt wurden. Ganz oder gar nicht, ist da meine Meinung. Aber das kann man auch ganz anders sehen. 16€ fand ich für das originelle Gericht nicht zu teuer.
Zum Hauptgang (24,0€) "schwamm" confierter Winter-Kabeljau mit einer Knusper-Haube aus Pankocrumble an meinen Tisch. Natürlich durch, aber trotzdem saftig und voll Geschmack. Würde ich jedem Rotbarsch vorziehen;-)
Die Begleitungen überzeugten: Ein nicht zu feucht gearbeiteter Perlgraupensalat. Halbe Pastinaken-Parisienne hatten wahrnehmbaren Biss und durch das Anbraten leichtes Karamell.
Auch der glasierter Fenchel war tadellos und auch am Strunk weich genug.
Die Krustentierglace blieb leider zurückhaltend. Insgesamt ein gelungener Teller.
Tatsächlich begeistert hat mich der Abschluss meines kleinen Menüs. So einfach, so klasse! Ich habs ja nicht so mit schweren Desserts, lieber frisch und leicht.
Da trafen die sauber gearbeiteten Filets von Zitrusfrüchten (tolle Blutorange) für 12,0€ aber genau meinen Geschmack! Die sauren Früchtchen versteckten sich zusammen mit einem süßen
Mandarinensorbet unter einer sündhaft guten
Zabaglione, die noch lauwarm war! Der Massala kam gut durch und steuerte zu Süße und Säure alkoholische Bitternoten bei.
Dazu noch eine knusprige Hippe in kunstvoller Form.
Wunderbar austariertes Dessert!
Der Besuch im Gui war sehr angenehm und in allen Belangen gelungen. Empfehlung für gute Bistroküche.
Nach längerer Zeit hatte ich mal wieder einen geschäftlichen Termin in der real existierenden Metropole Ost-Westfalens, der vielleicht nicht nur zufälligerweise gegen Mittag endete. Ich hatte jedenfalls schon die einschlägigen Führer (und Peter3s etwas älteren Bericht) zurate gezogen und mich für das "lebhafte Bistro mit internationaler Küche" in der Innenstadt entschieden.
Ein Platz war auch als walk-in möglich, denn das Gui war an diesem Freitagmittag gut besucht, aber im hinteren Bereich fand sich ein kleiner, für eine Person aber allemal ausreichender... mehr lesen
4.0 stars -
"Schade um dieses Bistro, wenn es Bielefeld nicht gäbe" DerBorgfelderNach längerer Zeit hatte ich mal wieder einen geschäftlichen Termin in der real existierenden Metropole Ost-Westfalens, der vielleicht nicht nur zufälligerweise gegen Mittag endete. Ich hatte jedenfalls schon die einschlägigen Führer (und Peter3s etwas älteren Bericht) zurate gezogen und mich für das "lebhafte Bistro mit internationaler Küche" in der Innenstadt entschieden.
Ein Platz war auch als walk-in möglich, denn das Gui war an diesem Freitagmittag gut besucht, aber im hinteren Bereich fand sich ein kleiner, für eine Person aber allemal ausreichender
Geschrieben am 30.01.2023 2023-01-30| Aktualisiert am
30.01.2023
Besucht am 04.11.2022Besuchszeit: Abendessen 1 Personen
Rechnungsbetrag: 130 EUR
Nachdem ich am ersten Kölner Abend schon Julia Komps Kochkünste abseits der Gourmetküche probiert hatte, traf es sich für den Folgetag doch prächtig, dass ein weiterer Sternekoch wenige Tage zuvor ein Zweitrestaurant eröffnet hatte. In Eric Werners Augustin soll es Brauhausküche 2.0 geben - Kölsche Klassiker veredelt. Eine telefonische Reservierung war erfolgreich.
Ins Restaurant gelangt man durch einen unscheinbaren Eingang, dem sich ein längerer gefliester Hausflur anschließt. Hier atmet alles Kaiserreich. Der Speisesaal des ehemaligen Kolpinghauses für wandernde Handwerksgesellen ist mit seinem hohen Tonnengewölbe für den Brauhaus-Ansatz eine durchaus beeindruckende Bühne. Dunkle Parkettoptik und Holzmobiliar stehen für Rustikalität, in edlem dunkelgrün gestrichenen Wände für Eleganz. Die halbhohe Wandverkleidung aus türkisfarbenen(!), holzeingefassten Fliesen lässt mich etwas wehmütig an den verblichenen Berliner Pauly Saal denken. In der Mitte stehen größere Tische ganz in Brauhausmanier, an den Seiten Bänke, davor und auf einer kleinen Empore zur linken Hand Tische für Pärchen und alleinspeisende Gäste. Die Sitzgelegenheiten sind mit schwarzem Kunstleder bezogen und dick gepolstert. Dafür wird die Rückenlehne mit der Zeit recht hart. Vielleicht hätte ich den Tipp annehmen sollen, meine Garderobe (noch?) mangels anderer Möglichkeiten über den Stuhl zu hängen. Hatte ich offenbar vorschnell abgelehnt, weil ich mit meinem langen Mantel nicht den Boden wischen wollte…
Für gedämpftes Licht im Saale sorgen einerseits in den Säulen eingefügte Leuchtbänder. Hingucker sind aber natürlich die im Netz schon vielfach beschriebenen, ganz unterschiedlichen Kronleuchter; 14 Varianten habe ich ausgemacht. Meine Begeisterung wurde etwas gedämpft, als ich sehe, dass sich das im wesentlich gleiche Ensemble nur etwas anders aufgehängt wiederholt. Vielleicht ein Statement zur Unmöglichkeit von Individualität in unserer Zeit? Egal. Wichtiger ist, dass die vielen Lampen kaum den Lärmpegel dämpfen können, der sich trotz recht manierlich erscheinendem Publikum immer weiter erhöht. (Man kennt das: Weil es laut ist, spricht man selbst lauter und das verstärkt sich immer weiter gegenseitig…) Auch, wenn man zum lauschigen Tète-à-Tète sicherlich nicht das Brauhaus ansteuert: Vor dem letzten Gang bat ich um eine Pause und flüchtete regelrecht in das ruhige Foyer des angrenzenden, Design-Hotels, zu dem keine geschäftliche Verbindung besteht. Eine Wohltat! Im abschließenden Plausch mit der Serviceleitung hieß es dann auch, dass man über Geräuschdämpfung unter der Decke nachdenke. Bitte, unbedingt!
Nicht nur beim Gespräch machte der komplett in schwarz gewandete Service wenige Tage nach der Eröffnung eine gute Figur: Der junge Mann, der mich überwiegend bediente, war zwar anfangs etwas nervös, aber mit zunehmender Zeit freundlich, flott und gewissenhaft. Und er gab, wie sich später herausstellte, meine Reaktionen an die Küche weiter.
Nachdem ich mich - netterweise ungestört - ausführlich umgeschaut hatte, bestellte ich für die prickelnde Abendbegleitung einen rotfruchtigen Rosé Brut vom renommierten Würzburger Juliusspital.
In der gut sortierten Weinkarte finden sich viele große Namen, aber auch viele Entdeckungen, die teilweise sehr fair kalkuliert sind. Galt leider ausgerechnet nicht für den Frankensekt, der im Netz mit 15€ angeboten wird, hier aber 55€ kostet.
Amuse wurde konzeptgerecht nicht gereicht, auch kein Brot etc. Die Karte wird den Ankündigungen gerecht: Für mich sollte et kölsche Verjnöje aus Fisch-Röllchen, Kalbs-Terrine, Himmel un Äd sowie Halve Hahn bestehen.
Natürlich wurde zum Auftakt kein ordinärer Hering gerollt, sondern Seezunge, die ab dem ersten Bissen mit klarer Aromatik punktete (günstige 19€). Das gefiel und konnte sich neben der Füllung aus Cornichons, eingelegtem, mildem Apfel und einer feine Fischfarce gut behaupten. Die Beilagen passten wunderbar dazu: Gepickelte Radieschen, Rotweinschalotten, Senfsaat mit ein paar Blättchen diverser Salate und gesondert ein angenehm zurückhaltender Kartoffel-Dill-Gurken-Salat mit nicht verkochten Erdäpfeln.
Im Ergebnis ganz harmonisch, ohne jedoch langweilig zu sein. Ganz im Gegenteil: Die Erwartungen an das Geschmacksbild wurden voll erfüllt und dabei alle (Säure-, Salz-, Fisch-)Brutalismen vermieden. Und - selten genug - der als add-on angebotene Kaviar (39€/20g) hätte sogar einen kulinarischen Zusatznutzen für den Gast bedeutet und nicht nur für die Kalkulation des Wirtes. Konnte ich ja nicht ahnen. Toller, toller Auftakt!
Mehrere Vorspeisen zu bestellen, ist riskant - Wiederholungen drohen.
Hier nicht, denn die Terrine vom Kalb (18€) zeigte sich erfreulich eigenständig: Alles einen Tick kräftiger, so dass quasi auf einem aromatisch erhöhten Level auch hier wieder eine Harmonie hergestellt wurde: Die geschichtete Terrine enthielt nach meiner Wahrnehmung gebeizte Zunge, geschmortes Bäckchen und gezupfte Maske. Umhüllt von einem knusprigen Teig kam die Scheibe heiß (statt lauwarm lt. Karte) an den Tisch. Das perfekte Unentschieden zwischen Fleischer und Bäcker. Die Blattsalate schufen hier eine willkommene „frische“ Ergänzung.
Als Hauptgericht „natürlich“ der (nicht nur rheinische) Klassiker Himmel un Äd für 24€. Häufig ist es ja so, dass die Hauptgerichte in Sachen Kreativität nicht ganz mit den Entrées mithalten können. Als ich die ordentliche Portion Kartoffelpüree im satten Soßensee erblickte,
schoss mir der Gedanke „Recht konventionell“ in den Kopf - und wohl auch über die Lippen. Denn nach dem Abgang des Obers dauerte es gefühlt drei Sekunden, bis mir ein zorniger junger Mann aus der Küche als erstes entgegen schleuderte, ob ich wisse wer er sei? Nun, ich hatte zwar eine Ahnung, aber solche Fragen verneine ich prinzipiell. Das würzt die Stimmung immer so schön…
Na, jedenfalls „zählte“ der engagierte Küchenkünstler: Die Feinheiten der Küche auf und mich damit aus: Ob ich denn geschmeckt hätte, dass die Soße auf einem doppelten Ansatz beruhe und zudem mit Thymian und Basilikum verfeinert sei. Die Blutwurst sei baskische Ware, im Topping werden nicht nur Schmorzwiebeln, sondern auch ein selbst gemachtes Zwiebelchutney verwendet. Und Herbsttrompeten werde ich in einem „konventionellen“ Brauhaus schwerlich finden. Ich bedankte mich höflich für die Hinweise und entließ den selbstbewussten Herrn, um mich nun endlich nicht nur optisch meinem erkaltenden Gericht zu widmen. Die dichte Soße war in der Tat klasse; ich empfand sie persönlich aber als sehr salzig. Das wurde indes gut von der Fruchtsüße des Jona Gold gedämpft, der hier hier geschmort und als knackig-frische Julienne verarbeitet worden war. Nur die so gelobten Pilze gingen leider geschmacklich in der Soße unter. Bei der Zwiebel kamen nicht nur die verkündeten Varianten, sondern auch frisch Frittiertes. Die Blutwurst erfüllte ihre Aufgabe, dem süß-sauer-erdigen Gericht, einen Umami-Booster verpassen, wunderbar. Ob nun die baskischen Schlachter ihr Geschäft besser als die rheinischen verstehen, mögen berufenere Kritiker entscheiden…
Insgesamt natürlich eine sehr leckere Version, aber insgesamt doch recht schwer. Vielleicht etwas konv…. Ach, lassen wir das.
Gelegentlich gibt es Käse als Vorspeise. Der wird natürlich sofort zum Dessert umfunktioniert, auch dann, wenn Halver Hahn auf der Karte steht.
Die augustinische Version von Gouda mit Senf und Gurke im Röggelchen kam als veritabler Domturm daher: Die Basis bestand aus einer dicken Scheibe sehr stark gerösteten Landbrotes, dessen scharfe Kante den Gaumen des gierigen Schlemmers malträtierten. Die nächste Schicht ein säuerlicher Käsesalat mit frischer Gurke und Paprikapulver, getoppt von einer Nocke Senfsorbet mit deutlicher Schärfe. Auch wenn das Spiel mit der Temperatur bei warmem Röstbrot und kühlem Salat vielleicht nicht unbedingt notwendig war, und ich mir eher noch die weiche, verbindende Textur eines Schaums oder einer Crème gewünscht hätte. Den oberen Abschluss, quasi den Brötchendeckel, bildete schließlich ein Roggenbrot-Chip.
Moderne Ideen in die rustikale Küche übersetzt. Mit 14€ nicht zu teuer.
Küche und Service haben bei meinem Besuch fast durchgehend überzeugt. Das Ambiente ist wie so oft Geschmacksache; in einer fröhlichen Gruppe würde ich das Augustin aber sehr gern erneut besuchen.
Nachdem ich am ersten Kölner Abend schon Julia Komps Kochkünste abseits der Gourmetküche probiert hatte, traf es sich für den Folgetag doch prächtig, dass ein weiterer Sternekoch wenige Tage zuvor ein Zweitrestaurant eröffnet hatte. In Eric Werners Augustin soll es Brauhausküche 2.0 geben - Kölsche Klassiker veredelt. Eine telefonische Reservierung war erfolgreich.
Ins Restaurant gelangt man durch einen unscheinbaren Eingang, dem sich ein längerer gefliester Hausflur anschließt. Hier atmet alles Kaiserreich. Der Speisesaal des ehemaligen Kolpinghauses für wandernde Handwerksgesellen ist mit... mehr lesen
4.0 stars -
"Brauhausküche meets Sternekoch" DerBorgfelderNachdem ich am ersten Kölner Abend schon Julia Komps Kochkünste abseits der Gourmetküche probiert hatte, traf es sich für den Folgetag doch prächtig, dass ein weiterer Sternekoch wenige Tage zuvor ein Zweitrestaurant eröffnet hatte. In Eric Werners Augustin soll es Brauhausküche 2.0 geben - Kölsche Klassiker veredelt. Eine telefonische Reservierung war erfolgreich.
Ins Restaurant gelangt man durch einen unscheinbaren Eingang, dem sich ein längerer gefliester Hausflur anschließt. Hier atmet alles Kaiserreich. Der Speisesaal des ehemaligen Kolpinghauses für wandernde Handwerksgesellen ist mit
Geschrieben am 14.12.2022 2022-12-14| Aktualisiert am
14.12.2022
Besucht am 03.11.2022Besuchszeit: Abendessen 3 Personen
Rechnungsbetrag: 655 EUR
Also, DAS mal vorweg: So freundlich, offen, interessiert und engagiert bin ich bei einem Erstbesuch, also als unbekannter Gast, sehr, sehr lange (seit meiner Premiere im Tulus Lotrek) nicht mehr begrüßt, bedient und unterhalten worden!
Aber der Fisch duftet hier vom Kopfe, denn auch Julia Komp und Yunus Özananar, die als Paar die zwangslose(re) Schwester des benachbarten Fine-Dining-Restaurants Sahila betreiben, waren mehrfach zum guten Austausch bereit. (Lifehack: Starre den Leuten in die Augen und lächle! Irgendwann denken die, sie würden dich kennen... 1. Ausnahme: Länder, in denen sich auch fremde Menschen anlächeln. Soll es geben. Aber wir sind ja in Deutschland. 2. Ausnahme: Frankreich. Wer einmal versucht hat, die Aufmerksamkeit eines unwilligen Garçon zu erringen, weiß, was ich meine...)
Die räumliche Nähe der beiden Lokale mit getrennten Eingängen sorgt dafür, dass die Mannschaft über den Innenhof - im Sommer bestimmt wunderbar - kurze Wege in die gemeinsame Küche hat (Es werden identische Qualitäten eingekauft.) und z.B. der Sommelier mal hier und mal dort aufschlägt. Schlau für unterschiedliche Auslastungen. Wir haben uns dabei nie vernachlässigt gefühlt, im Gegenteil, s.o.
Der übersichtliche, viereckige Raum ist gegen die herrschende Mode in weiß und sandfarbenen Tönen gehalten, was ich stets mit Wärme assoziiere. (Gut geheizt war noch; meine Bedenken gegen den Fensterplatz unbegründet.) Keine Tischdecken, aber hochwertig eingedeckt bis zum Serviettenring. Viele Details verweisen kulturell auf die hier angebotene Speisen aus der Levante und dem Maghreb, besonders aus Marokko; ein Land, das Julia Komp auf ihrer kulinarischen Weltreise besonders lieb gewonnen hat. Dabei vermeidet die Innenausstattung jeden Kitsch, entweder wird konsequent umgewidmet oder man kann das Augenzwinkern quasi sehen, wie z.B. an den beiden Kamelen im Fenster, die mich eher an Flamingos erinnern. Wir sind ja schließlich in Köln;-)
Die Tische stehen in einem angenehmen Abstand, so dass trotz annähernd voller Belegung ein Gespräch jederzeit möglich war.
Eigentlich zu viert, musste eine meiner Kolleginnen aus persönlichen Gründen leider absagen. Wir bemühten uns zu dritt nach Kräften, dies nicht zum wirtschaftlichen Nachteil von Frau Komp werden zu lassen, die in ihrer Werbung nie vergisst zu erwähnen, dass sie einst jüngste Sterneköchin Deutschlands war. Allerdings hatten wir auch längere Arbeitsphasen, denen das eine oder andere Foto zum Opfer gefallen ist. Service und Köche wussten damit professionell umzugehen. Ich war extra etwas früher gekommen, um schon mal die ebenfalls einheitliche Weinkarte zu sichten, der ich eine Kalkulation mit Faktor 3 unterstelle. Die Flasche Mineralwasser mit 7,5€ auf üblichem Großstadtniveau.
Wir starteten als Aperitif mit einem Fläschchen von J.J. Prüm, ein junger Riesling Kabinett, der mächtig viel Trinkfluss hatte. Zuviel jedenfalls für ein Foto.
Die Küche grüßte derweil in einer silbrigen Spielzeug-Tajine mit einer Backfisch-Spielerei.
Könnte Steinbutt gewesen sein, heiß, knusprig, auch durch die Remoulade süffig. Machste nichts falsch.
Dem Konzept der Mezze-Bar folgend, beinhalten alle drei Menüs im Yu*lia den gleichen Reigen der kleinen Köstlichkeiten, die im gesamten östlichen Mittelmeerraum unabdingbarer Teil eines gemeinsamen Mahls sind.
Dazu werden entweder je Gast zwei der vier angebotenen Zwischengänge (58€) gewählt, alternativ einer der zwei Hauptgänge (56€) oder die große Variante mit zwei Zwischengängen, einem Hauptgericht und einem Dessert (69€). Dazu können weitere Speisen gesondert bestellt werden, bevorzugt natürlich die nicht im ausgewählten Menü enthaltenen. Die kulinarische Reise führt dabei von Marokko bis nach Georgien(!).
Bevor es mit dem Potpourri losgehen sollte, labten wir uns erst noch an Gillardeau-Austern. Für mich wie stets natur; meine Kolleginnen lobten das zurückhaltende Apfel-Sellerie-Dressing, das den schönen Französinnen nicht die Schau stahl. Geografisch hat das mit Mezze zwar wenig zu tun, aber wenn der Deckungsbeitrag (15€ für eine zusätzliche „Löwen-Ration“ neben den zum Menü gewählten drei Stück) so schmackhaft erhöht wird, wollten wir nicht kleinlich sein. Da zwar die Unterhaltung, aber bislang nichts im Glase perlte, gab es Champagner en rosé. Ich denke, es war Ruinart, zwar nicht zu Dresdener Mondpreisen, aber schon stramm kalkuliert. Mir zu fruchtig; die Kolleginnen waren entzückt.
Die auf der großen, leider nicht drehbaren Platte servierten Mezze enthielten viel Bekanntes, aber auch Überraschungen: Scharf gewürzte Kalamata Oliven, Baba Ganoush, dem mehr Rauchnote gut getan hätte, Hummus, Falafel, fein gepickeltes Gemüse, Tabouleh, Cigara Börek, Yogurtlu Pancar Salatasi, gefüllte Zucchini-Röllchen und Pastilla. Letzteres sind kleine Pasteten aus Blätterteig, gefüllt mit Geflügel und einer Mandel-Zimt-Mischung. Der knusprige Teig und die interessante Mischung aus salzig und süß, abgerundet mit den Gewürzen machte die Pastilla für mich zum Favoriten. Aber auch die Joghurt-Zubereitung mit roter Bete war schmackhaft. Eine Kollegin lobte den besonders cremigen Hummus, der ebenfalls kräftig nach einer Gewürzmischung schmeckte, in der Kreuzkümmel führte. Die Falafel waren okay, aber nichts besonderes. Auch gut die mit einer Spinat-Kartoffel-Feta-Mischung gefüllten kleinen Börek, deren sehr heller Teig nur partiell knusperte. Julia Komp bedauerte und berichtete, dass längeres Frittieren zwar eine schönere Farbe, aber auch Trockenheit mit sich bringe. Die Lösung wäre, die Rollen in der Pfanne auszubacken, aber das sei bei der Besetzung in der Küche einfach nicht leistbar. Wir hatten Verständnis und freuten uns an einer geschälten und ausgehöhlten halben Tomate, die mit einem Couscous-Salat gefüllt war. Lecker und etwas Frisches zwischen den eher fettlastigen Kleinigkeiten. Zum Dippen und Aufnehmen der cremigen Speisen gab es reichlich frisches Baguette mit verschiedenen Aromaten.
Als Sonder-Order hatten wir Lust auf Arancini. Die frittierten italienischen Reisbällchen überzeugten auf ganzer Linie. Locker, saftig, vielleicht etwas salzig. Dazu Currymajonäse, eine kalte, überraschend scharfe Spinatzubereitung und gegrilltes Salatherz. Bei letzterem fehlten die entscheidenden Röstnoten. Ein bisschen schade. Wir orderten einfach eine weitere Rutsche (6€) - immerhin ein wenig mehr Grillpower beim Salat.
Insgesamt erfüllten die Mezze ihren Zweck, kleine leckere Happen, die unser angeregtes Gespräch mehr begleiteten als sich durch kulinarische Raffinesse in den Vordergrund zu spielen. Dabei aber natürlich ausgearbeiteter als „beim Syrer ums Eck“. Die Menge fand ich für drei Gäste grenzwertig wenig. Die Präsentation mit am Tisch angegossenem Stickstoff würde Pfälzer Sushi-Kozaren vermutlich gut gefallen. Für mich war das schlicht Effekthascherei ohne kulinarischen Sinn, zudem den warmen Komponenten nicht wirklich förderlich.
Zu den kräftigen Aromen erfreute im Glas ein weißer Burgunder. Natürlich.
Dann war Zeit für eine Suppe. Wir hatten uns alle gegen eine italienische Tomaten-Consommé mit Garnele und für die Mercimek entschieden. Die türkische Linsensuppe mit Teigstreifen ist ein Klassiker, der wirklich an jeder zweiten Ecke zu bekommen ist. Da musst du liefern, um einen Aha-Effekt zu erzeugen. Wir hatten eher den Auweia-Effekt, denn die schon fast zu Brei reduzierte Suppe war mir von Beginn viel zu salzig, was an der anderen Tischseite erst bezweifelt wurde, bevor mit jedem Löffel die Gesichtsmuskeln mehr entgleisten. Da hatte die Dritte im Bunde bereits vor der massiven Schärfe der Chili-Schafskäse-Nocke die weiße Fahne gehisst. Keiner der Teller wurde leer und die Patronin war untröstlich; hätten wir doch rechtzeitig Signal gegeben, dass wir es etwas subtiler mögen - das sei hier sonst nicht so der Mainstream unter den Gästen...
Bei den noch ausstehenden Zwischengängen enttäuschte die trocken gereifte Lachsforelle Italo-Style (Fenchel und knusprige Kartoffeln) mit weitgehender Abwesenheit von Eigengeschmack. Möglicherweise (auch) einem Missverständnis zwischen Küche und Service geschuldet. Denn obwohl die Karte Forelle ankündigte, bestand die schwarze Brigade hartnäckig darauf, Lachs serviert zu haben. Da sind die Gaumen-Erwartungen halt andere...
Auch das seinerseits unauffällige Kalbstatar gab Anlass zu Diskussionen, denn es „nervte“ eine heftige Salzigkeit, vermutlich durch die prononciert eingesetzten Sardellen. Interessant und herausfordernd erneut die Schärfe der Kürbisbeilage. Spätestens hier musste das handgeschnittene Filet vom Blonde d‘Aquitaine vollends kapitulieren.
Inzwischen waren wir auf einen großartigen, deutlich mineralischen Sauvignon von Hannes Sabathi aus der Süd-Steiermark umgestiegen. Für mich Österreich-Novizen die Entdeckung des Abends!
So richtig satt war ich noch nicht und probierte die Hühnerlebern türkische Art, die sauber pariert waren und mir mit ihrer süßlichen Sauce gut gefielen (24€). Mutig schloss sich eine Innereien-Zweiflerin an und fand die Sache „gar nicht übel“. Das ist ein Anfang... Die andere Kollegin hatte auf Rinderbäckchen gesetzt und war auch nicht unzufrieden. „Butterzart“, wie vom Service angekündigt, sei aber etwas anderes...
Man merkt schon, so rechte Begeisterung wollte sich bei allen Fleischgerichten nicht einstellen. „Solide“ trifft es wohl.
Dafür konnte die Küche bei den Desserts wieder punkten. Dem Pflaumenbeignet (9€) hatte das Ölbad eine schöne Farbe verliehen. (Nimm dies, Börek!) Und Soulfood geht ja immer. Erst recht syrische Spezereien mit Nüssen (9€). Unser Favorit waren die Schoko-Variationen (14€), die mit Fenchel und Olivenöl behutsam „modern“ daher kamen. Ich mag bekanntlich Gemüse in meinem Nachtisch.
Die Küche entließ uns 1001-Nacht-gerecht mit einem Halbmond.
Damit der Abend auf jeden Fall hochwertig endete, durften wir uns zum Süßkram an einer Flasche Château Rieussec laben, meinem absoluten Lieblings-Sauternes. Auch die erst zögerliche Kollegin wurde bekehrt! Gute Entscheidung, denn an einem Abend unter der Woche in der selbsternannten Weltstadt Köln nach 23.00 Uhr noch eine geöffnete Cocktailbar zu finden, erwies sich als langwierige Aufgabe. Aber wir sind ja hartnäckig... Nicht nur dafür gebührt den Gefährtinnen meines night-flights Dank, sondern auch für die vielen, zu dieser Kritik beigesteuerten Details, die mir nur noch schemenhaft im Gedächtnis waren. Vermutlich noch nicht abgehangen genug, der Bericht. Soll mir nicht wieder passieren…
Jetzt aber zum Fazit: Kulinarisch ist (zu) wenig vom Yu:lia in Erinnerung geblieben. Vielleicht lag das an der netten Gesellschaft. Oder dem entspannten Konzept. (Wogegen die etwas strengen Regeln des Menüs sprechen...) Oder eben an meiner übersteigerten Erwartungshaltung, die bei einem benachbarten Gourmet-Restaurant immer auf ein „Abfärben“ hofft.
Daher für eine Gruppe bestimmt eine gute Location, wenn auch etwas teuer. Als Alleingast bin ich gespannt auf das benachbarte Sahila.
Also, DAS mal vorweg: So freundlich, offen, interessiert und engagiert bin ich bei einem Erstbesuch, also als unbekannter Gast, sehr, sehr lange (seit meiner Premiere im Tulus Lotrek) nicht mehr begrüßt, bedient und unterhalten worden!
Aber der Fisch duftet hier vom Kopfe, denn auch Julia Komp und Yunus Özananar, die als Paar die zwangslose(re) Schwester des benachbarten Fine-Dining-Restaurants Sahila betreiben, waren mehrfach zum guten Austausch bereit. (Lifehack: Starre den Leuten in die Augen und lächle! Irgendwann denken die, sie würden dich... mehr lesen
4.0 stars -
"Tolle Crew - solide Speisen" DerBorgfelderAlso, DAS mal vorweg: So freundlich, offen, interessiert und engagiert bin ich bei einem Erstbesuch, also als unbekannter Gast, sehr, sehr lange (seit meiner Premiere im Tulus Lotrek) nicht mehr begrüßt, bedient und unterhalten worden!
Aber der Fisch duftet hier vom Kopfe, denn auch Julia Komp und Yunus Özananar, die als Paar die zwangslose(re) Schwester des benachbarten Fine-Dining-Restaurants Sahila betreiben, waren mehrfach zum guten Austausch bereit. (Lifehack: Starre den Leuten in die Augen und lächle! Irgendwann denken die, sie würden dich
Geschrieben am 01.03.2023 2023-03-01| Aktualisiert am
01.03.2023
Besucht am 13.09.2022Besuchszeit: Abendessen 1 Personen
Rechnungsbetrag: 50 EUR
Die östliche (Bahnhofs-)Vorstadt ist der Stadtteil Bremens mit der höchsten Anzahl an Gastronomien; da ich bin mir auch ohne statistische Belege recht sicher. Während auf dem über 2 Kilometer langen Straßenzug Ostertorsteinweg/Vor dem Steintor inzwischen (nicht nur, aber überwiegend) Streetfood, Kneipen, Bistros und einfache Lokale dominieren, sind in den umliegenden Quer- und Parallelstraßen einige schöne Restaurants zu finden. Allerdings fast immer mit einem kleinen „Szene-Touch“, ohne den es bei der hier ansässigen Kundschaft nicht zu gehen scheint.
Das im letzten Sommer eröffnete „unhold“ (Ausgesprochen nicht anhoald, sondern Unhold, aber Rechtschreibung ist so lame…) liegt in einer ruhigen Wohngegend an der zwar breiteren, aber inzwischen verkehrsberuhigten Humboldtstraße, schräg gegenüber der neugotischen Friedenskirche. An der Straße steht eine hohe Platane, die das angerostete Klappgestühl fein beschattet.
Ein schönes Ambiente, das ein wenig im Gegensatz zu den Innenräumen steht. Als ich nach zwei hohen Stufen den verwinkelten Eingang zur ehemaligen Eckkneipe erklommen hatte, entfuhr mir ein spontanes „Wie ungemütlich!“, was der junge Mann hinter der Theke eher überrascht als verärgert entgegen nahm. Nun ja, „nacktes“ Holzmobiliar, minimalistische Lampen, weiße Wände und grau gestrichener Estrich wirkten nicht sehr einladend, zumal die durchmischte Gästeschar komplett einen (Spät-)Sommer auf dem Trottoir genoß. Nur die Säulen, die den Gastraum eher ungünstig teilen, waren mit irritierenden Strickmanschetten ummantelt.
Der Herr am Tresen erklärte die recht kahlen Wände mit Kunstausstellungen, die geplant seien. In der Tat hing bei einem späteren Besuch Kunst an den Wänden, im auf den letzten Platz gefüllten Raum herrschte ein recht lautes Stimmengewirr und viele Teelichter spendeten ihr heimeliges Licht (und ließen das Angebot auf der sehr hübschen, handgeschriebenen Speisekarte so im Dunkeln, dass ich kurz in den Eingangsbereich wechselte, um den dortigen Aushang zu studieren..). Anklicken Anklicken Anklicken
Den Service versah ein freundlicher, leicht vergesslicher junger Mann. Sicher nur angelernt, aber engagiert und vor allem nicht so verpeilt, wie das in einer gewissen Art von Gastronomie scheinbar Einstellungsvoraussetzung zu sein scheint…).
Warum auch immer bestellte ich keinen Wein, sondern eine selbst gemachte Zitronenlimonade, die mit angenehm ausgewogenem Süße-Säure-Spiel gefiel. Im Dezember wählten wir aus der Weinkarte, die überwiegend französische Gewächse aus der „Kann-man-mal-machen“-Kategorie enthält.
Der geografische Schwerpunkt der Weine verweist auf die Küchenrichtung. Hier wird à la France profonde gekocht. Erst dachte ich an Brasserie, aber Landhausküche trifft es wohl eher, wobei solche Zuschreibungen ja nirgendwo mehr sklavisch durchgehalten werden, sondern eher eine grundsätzliche Ausrichtung beschreiben.
Um gleich mal einzuordnen, was ich meine: Rognons blancs d‘agneau (Lammhoden) habe ich in Deutschland nur selten bekommen, rustikal in Panko paniert und ausgebacken schon gleich gar nicht. Von festerer Textur als in meiner Erinnerung war das vor allem ein super-knuspriger Genuss, der mich begeistert hat. Dazu erfrischend krachiger Spitzkohl, nur leicht angezogen in Salz und Olivenöl. Selbst gebratene Rosmarinzweige machten als Aromengeber durchaus Sinn. Zum Aufnehmen der zurückhaltenden PortweinJus eignete sich das leider etwas weiche Baguette natürlich perfekt. Nur die Petersilienstreifen hab ich nicht verstanden - War der Estragon etwa aus? Für 12,9€ zudem ein echter Schnäppchenpreis.
Da schienen 7,5€ für einen Tomatensalat schon teurer, aber Kerl! Was war der gut! Zwei Sorten reife, geschmacksvolle Cherries, kombiniert mit Granatapfelkernen(!), Minze(!!) und Salzzitrone(!!!). Alles einzeln schmeckbar, alles fügte sich zu einem frischen, vollmundigen Sommergenuss! Begleitet wurde der Salat von kalten Polenta-Talern. Nun ist der Maisgries nicht mein Favorit, schon zu oft zu trocken bekommen. Aber nicht hier! Locker, mit eingearbeiteten Stückchen roter Paprika und nach längerem Kauen leicht süß werdend, gingen die sattgelben Maisbrei-Knödel eine wunderbare Liaison mit dem tiefroten Granatapfelsaft ein.
Beim Hauptgang galt das Adenauer-Motto „Keine Experimente!“: Schon auf der Tafel mit dem Tagesmenü klangen Lammkoteletts vom Suffolk-Schaf verlockend, erst recht von einem regionalen Erzeuger.
Auch die Belana kamen nicht von Vulkan, sondern von einem nahegelegenen Hof (Also relativ gesehen - wir sind einen Kilometer vom Weserstadion entfernt…) und Kartoffelkrossis klingen für mich Knusper-Junkie höchst verlockend. Auf den Sellerie-Dip war ich ebenfalls gespannt. Da ich Spitzkohl schon in der Vorspeise hatte, fragte ich nach einer anderen Beilage, was kein Problem war. Im Gegenteil: Das mediterrane Grillgemüse mit Biss und eher süß als sauer eingelegt stand dem Lamm bestens zu Gesicht. Apropos Sicht: Als der Teller kam, hatte ich keine Fragen mehr: DAS wird ein Hochgenuss. Und er wurde es!
Zum Hauptdarsteller: Statt zwei kleinen dünnen Koteletts à la Marathon-Platte ein dicker Schnitt, voller Lammgeschmack. Anständig, doch nicht zu dunkel gebräunt, saftig und fest, aber nie zäh. Ein wirklich gutes Stück Fleisch.
Fast ebenso so gut die Knusperkartoffeln: Inder Schale noch fest gekocht, angequetscht, im Ofen gebacken, zuletzt noch einmal durch die Pfanne gezogen und kräftig gewürzt. Dazu der nicht zu Sellerie-lastige Frischkäse-Dip: Ein knuspriges Festmahl, das ich beim zweiten Besuch sofort wieder orderte, mit gleichem, begeisterndem Ergebnis.
Unter dem Grillgemüse versteckte sich sogar noch ein Süßkartoffel-Püree, das ich nicht gebraucht hätte. Aber die Beilage gehörte ja auch nicht zu diesem Teller und geschmeckt hat es tadellos.
Man merkt es deutlich: Ich war begeistert und hab das unhold sogleich einem Kollegen empfohlen. Der war nicht völlig zufrieden, so dass ich etwas sorgenvoll dem Zweitbesuch entgegenblickte. Unnötig! Ein sehr saftiges, angenehm geschärftes Piri-Piri Hähnchen überzeugte völlig. Den Service versah eine erfahrene Dame mit echtem Interesse an unserem Wohlergehen, aufmerksam und trotz ausgebuchtem Laden entspannt. Die Service-Note ist der Mittelwert. Beim Essen gibt es eh kein Vertun: Ich wüsste nicht, was hier einen Abzug von der Höchstnote ernsthaft begründen sollte. Bravo, holdes unhold-Team!
Die östliche (Bahnhofs-)Vorstadt ist der Stadtteil Bremens mit der höchsten Anzahl an Gastronomien; da ich bin mir auch ohne statistische Belege recht sicher. Während auf dem über 2 Kilometer langen Straßenzug Ostertorsteinweg/Vor dem Steintor inzwischen (nicht nur, aber überwiegend) Streetfood, Kneipen, Bistros und einfache Lokale dominieren, sind in den umliegenden Quer- und Parallelstraßen einige schöne Restaurants zu finden. Allerdings fast immer mit einem kleinen „Szene-Touch“, ohne den es bei der hier ansässigen Kundschaft nicht zu gehen scheint.
Das im letzten Sommer... mehr lesen
4.0 stars -
"Rundum überzeugende Neueröffnung" DerBorgfelderDie östliche (Bahnhofs-)Vorstadt ist der Stadtteil Bremens mit der höchsten Anzahl an Gastronomien; da ich bin mir auch ohne statistische Belege recht sicher. Während auf dem über 2 Kilometer langen Straßenzug Ostertorsteinweg/Vor dem Steintor inzwischen (nicht nur, aber überwiegend) Streetfood, Kneipen, Bistros und einfache Lokale dominieren, sind in den umliegenden Quer- und Parallelstraßen einige schöne Restaurants zu finden. Allerdings fast immer mit einem kleinen „Szene-Touch“, ohne den es bei der hier ansässigen Kundschaft nicht zu gehen scheint.
Das im letzten Sommer
Geschrieben am 08.08.2022 2022-08-08| Aktualisiert am
05.03.2023
Besucht am 08.08.2022Besuchszeit: Mittagessen 2 Personen
Alle Achtung und Respekt für Inhaber Lars-Arne Jego-Küster und sein tolles Service-Team Laura und Pia, die nach mehreren Jahren Leerstand das Greta‘s in eine grüne Oase verwandelt haben und dabei dem Zusatz „Funk me food“ mit in der kleinen Küche frisch zubereiteten, gesunden Gerichten echtes Leben eingehaucht haben.
Zunächst muss der Unternehmergeist gelobt werden, denn das Lokal im Erdgeschoss des Eventim-Gebäudes muss mit gleich mehreren Standortnachteilen kämpfen: So architektonisch interessant das spitz zulaufende Bürohaus sein mag, für das Greta‘s bedeutet das eine dreieckige Grundfläche, in die ein Küchen/Tresen/Toiletten-Block eingesetzt wurde. Heißt: Vorne ein schlecht auszunutzender spitzer Winkel, dann ein schmaler Gang und der normalste Raum verbirgt sich dahinter und vor den Toilettentüren. Da müssen die Tische schon intelligent verteilt werden und für vertrauliche Gespräche ist das Greta‘s eher suboptimal. Schon früher hat mich gewundert, dass sich die vielen Beamten und Politiker aus den umgebenden Behörden, die zumindest morgens und mittags das Hauptpublikum ausmachen, davon nicht beeindrucken lassen. Vielleicht soll das eine oder andere Gerücht ja auch bewusst gestreut werden, wer weiß...
Das Restaurant ist ebenerdig gelegen, auch die Toiletten. Aber alles ist eben auch sehr eng.
Dem Betreiber entgegen kam es, dass just zur Öffnung eine Schönwetter-Periode sogar den Norden der Republik erreicht hatte und so die (ausnahmsweise mal dank Covid) stark ausgedehnte Außenbestuhlung unter großen viereckigen Schirmen bestens ausgenutzt wurde, einschließlich der jenseits des Gehwegs aufgestellten Sonnenliegen.
Auch das Ordnungsamt schaute sofort vorbei, denn der stark frequentierte Weg für Rad- und Fußgänger wurde denn doch zu stark eingeschränkt. Dass dabei auch gleich das funky Lieferdreirad seines werbewirksamen Parkplatzes abseits der Engstelle verwiesen wurde, muss wohl als deutsche Gründlichkeit gelten.
Und so könnte der Blick ungestört über die liebliche Parkanlage und das imposante Finanzamt schweifen, wäre da nicht der zweite Standortnachteil, zumindest bei trockenem Wetter. Denn die Bänke hier am Wallgraben haben sich in den letzten Jahre zu einem Treffpunkt der Trinker-Szene entwickelt, was mit lautstarker, wenn auch meist harmloser Belästigung einhergeht. Schlimmer ist der Umstand, dass der hiesige Innensenator im Vor-Wahlkampf einen „Unser-Bahnhof-soll-sauberer-aussehen“-Plan gefasst hat, der dort zwar Drogenhandel und Konsum „erfolgreich“ verdrängt hat, aber erwartbar lediglich in die umliegenden Wohnviertel und damit auch vor das Greta‘s. Mal abwarten, wie sich das so entwickelt; Restaurant-Hund Hazel ist bereits Opfer von Beschaffungskriminalität geworden, selbst Hundedecken werden also geklaut. Hazel - Vor dem Diebstahl Hazel - Nach dem Diebstahl
Morgens gibt es ein Frühstück, das neben allerlei bekanntem Superfood von Avocado über Quinoa bis Chia-Samen mit pochierten Eiern für saarländische Gäste aufwartet. Eine kleine Auswahl frisch belegter Bagel lockt u.a. mit selbstgebeiztem Lachs so, wie auch das Granola in der winzigen Küche hergestellt wird. Das findet sich z.B. auf dem sehr leckeren Schokokuchen, der diese Woche die kleine Dessertkarte anführte. „Hauptspeisen“ sind ohne Frage die große Zahl unterschiedlicher Salat-Bowls, die über die bekannten California, India, Mexico und Arabic-Versionen auch Überraschungen wie eine norddeutsche Variante mit Kartoffeln, Zwiebeln und Speck bereit hält. Überhaupt konnte ich keinen veganen oder vegetarischen Schwerpunkt ausmachen, auch Fisch und Fleisch sind gut vertreten.
Mittags wird die Karte durch ein wöchentliches Angebot ergänzt, das in der Premieren-Ausgabe neben einer anscheinend preisreduzierten Bowl drei, in dieser Feelgood-Küche eher ungewöhnliche Offerten enthielt: Tafelspitz, Bremer Labskaus oder Wolfsbarschfilet hätte man auf der Karte eines gutbürgerlichen Gasthauses erwartet. Aber, nach Visiten in einer Woche kann ich sagen: Lars-Arne Küster versteht sein Handwerk ausgezeichnet und kocht alles andere als langweilig!
In der ersten Woche besuchte ich das Greta‘s einmal am Morgen und mit wechselnder Begleitung an zwei Tagen mittags.
Zum Auftakt gab es einen mit Körnern getoppten Laugen-Bagel, der mit leicht knuspriger Kruste und fluffigen Teig gefiel. Der mild gebeizte Lachs war mit viel cremiger Avocado, recht süßem Mango-Chutney, Salat und Gemüsestreifen kombiniert.
Geschmacklich ein absolut sicheres Match. Leider quoll viel vom Chutney hinten und durch die Mitte heraus, so dass es etwas einseitig erst „lachsig“ und danach süß wurde.
Vielleicht bin ich auch nur sehr ungeschickt. Der Gang zum Händewaschen brachte mich zum Schmunzeln.
Dazu einen starken, aber nicht säuerlichen Espresso einer heimischen Craft-Rösterei. Auch der Macchiato und der Milchkaffee eine Woche später schmeckten ausgewogen.
Beim ersten Mittagsbesuch buchte ich dann den Tafelspitz. Drei reichliche, wunderbar mürbe Scheiben Rindfleisch in einer Meerrettich-Sauce, die auf Andi-isch gesagt „was konnte“.
Kultur-Heidelbeeren sorgten für einen fruchtig-säuerlichen Twist. Die Salzkartoffeln offensichtlich vor Ort geschält und gekocht; das muss ja inzwischen hervorgehoben werden. Sehr gut der Gurken-Radieschen-Salat in einer frischen Buttermilchsauce.
Für 9,90 Euro eine tolle Leistung.
Meiner Frau schmeckte ihr auf der Haut gebratenes Filet vom Wolfsbarsch zum gleichen Preis ebenfalls vorzüglich; die Menge der nicht übergarten Tagliatelle war fast nicht zu bewältigen.
Auch hier waren Blaubeeren und ein kleines Salatbukett mit im Spiel. Allein der Parmesan-Chip war sehr dick geraten und äußerst zäh. Die entsprechende Rückmeldung wurde vom Service freundlich und interessiert aufgenommen.
Am nächsten Tag kehrte ich mit einer Kollegin ein, wegen des Wetterumschwungs zogen wir aber den Innenraum vor.
Als drittes Wochengericht probierte ich diesmal den Klassiker Labskaus, das mit dem gefüllten Rollmops und weiterer Gewürzgurke extra schon mal zwei der üblichen Beilagen an der Seite hatte.
Die rote Bete war in die Mischung aus Rinderbrust und Kartoffeln gegeben worden, was dem Ganzen eine angenehme Farbe gab und auch etwas Stückigkeit ins ansonsten doch recht fein Durchgearbeitete brachte. Insgesamt für meinen Geschmack einen Tick zu sehr auf der sauren Seite, aber trotzdem tadellos, wie auch das gebratene Bio-Spiegelei mit wunderbar verlaufendem Gelb.
Meine Begleiterin war mit ihrer Bowl Oriental offenbar mehr als zufrieden. Als ich heute nachfragte, kam zunächst ein Das war sooo lecker! und danach hörte ich noch Aromenvielfalt von süß über fruchtig-säuerlich und würzig bis salzig, knusprige Falafel, Granatapfelkerne, cremiger Hummus sorgte für ein tolles Mundgefühl und wieder Soooo lecker! Muss ihr wohl geschmeckt haben...
Aber das Highlight war zweifellos das zusätzlich bestellte Naan-Brot aus glutenfreier Hirse, das heiß aus der Pfanne zu uns kam! Knusprig, im Inneren fluffig und mit einem mutigen Rosmarinöl benetzt. Die 1,5€ waren aber sowas von gut angelegt! Chef Küster erzählte mir heute noch, dass der Teig stets schnell verarbeitet werden muss, da er kaum Standzeit verträgt.
Zum Start von Woche 2 gönnte ich mir heute auf dem Weg zur Arbeit dann endlich das Funk me Frühstück, das viele gern gesehene Bekannte der ersten Besuche vereinte: Wildkräutersalat, reife Avocado, Naan-Brot, Heidelbeeren. Aber eben auch ein pochiertes Ei, das beim ersten Versuch zu lange gegart war.
Nach einem kurzen Hinweis stand bald darauf ein deutlich weicheres vor mir, natürlich ohne Berechnung.
Kurz überlegen musste ich beim orangefarbenen Topping, das einen feinen Knusper einbrachte: Frittierte Karottenschalen waren es, denn Zero waste ist das Ziel. Und nicht nur diese ganz praktische Umsetzung hebt das Greta‘s deutlich aus der Masse der vielen Bistros hinaus, die sich Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben haben. Aber sympathisch sind solche kleinen Schritte. Und deshalb bekommt jeder Gast noch einen knackigen Apfel mit auf dem Weg! Funk me, Greta‘s!
Alle Achtung und Respekt für Inhaber Lars-Arne Jego-Küster und sein tolles Service-Team Laura und Pia, die nach mehreren Jahren Leerstand das Greta‘s in eine grüne Oase verwandelt haben und dabei dem Zusatz „Funk me food“ mit in der kleinen Küche frisch zubereiteten, gesunden Gerichten echtes Leben eingehaucht haben.
Zunächst muss der Unternehmergeist gelobt werden, denn das Lokal im Erdgeschoss des Eventim-Gebäudes muss mit gleich mehreren Standortnachteilen kämpfen: So architektonisch interessant das spitz zulaufende Bürohaus sein mag, für das Greta‘s bedeutet... mehr lesen
Funk me foods Greta‘s
Funk me foods Greta‘s€-€€€Bistro, Cafe042187853071Contrescarpe 75a, 28195 Bremen
4.5 stars -
"Neues gastronomisches Leben an einer schwierigen Ecke" DerBorgfelderAlle Achtung und Respekt für Inhaber Lars-Arne Jego-Küster und sein tolles Service-Team Laura und Pia, die nach mehreren Jahren Leerstand das Greta‘s in eine grüne Oase verwandelt haben und dabei dem Zusatz „Funk me food“ mit in der kleinen Küche frisch zubereiteten, gesunden Gerichten echtes Leben eingehaucht haben.
Zunächst muss der Unternehmergeist gelobt werden, denn das Lokal im Erdgeschoss des Eventim-Gebäudes muss mit gleich mehreren Standortnachteilen kämpfen: So architektonisch interessant das spitz zulaufende Bürohaus sein mag, für das Greta‘s bedeutet
Geschrieben am 26.09.2022 2022-09-26| Aktualisiert am
26.09.2022
Besucht am 28.06.2022Besuchszeit: Abendessen 2 Personen
Diese kleine Taqueria war mir aufgrund der farbenfrohen mexikanischen Murales aufgefallen, die sich vom Eingang bis in die Toiletten ziehen, viel vom Totenkult berichten und wirklich gute Laune machen. Klingt komisch, ist aber so...
Vor der Tür stehen zwei kleine bunt bemalte Bierzeltgarnituren
im schummrigen Inneren 4 oder 5 Tische, an denen sich bei meinen beiden Besuchen der Chef und die Bedienung ausführlich mit Bekannten unterhielten. Ich glaube, man soll am Tresen bestellen, serviert wird dann. Aber das steht so nirgends und wird auch nicht so ernst genommen. Zumal der Zuspruch am frühen Abend überschaubar war. Ich denke, das „Kernpublikum“, sind junge Menschen, die sich abends in mehr oder weniger großen Grüppchen vor oder zwischen Kneipenbesuchen mit einer Kleinigkeit stärken. Wenn sie Lust hatte, kam die junge Dame nach draußen und verbreitete Fröhlichkeit.
Ich für meinen Teil stärkte mich zunächst mit einer Chileda von der Getränkekarte, die sich als Bier mit Limettensaft und einem Salzrand herausstellte.
Der Genuss litt vielleicht unter den eher kalten norddeutschen Temperaturen, bei 40 Grad und 99% Luftfeuchtigkeit mag es erfrischender sein. Die verschärfte Variante Michelada enthält eine salzig-würzig-scharfe Mischung aus Tomate, Tamarinde und zerstoßenen roten Gewürzen, was sich speziell anhörte.
Ich sag mal so: Vielleicht nicht so furchtbar wie erwartet, aber bestellen würde ich es auch nicht mehr. Eher was für Menschen mit besonderen Vorlieben. Beim zweiten Besuch gab’s Corona mit einem Limetten-Schnitz.
Das Angebot ist überschaubar, es gibt regelmäßig 5 bis 6 verschiedene Tacos von Schwein, Rind und Huhn bis vegan. Dienstags wird ein Special angeboten, bei unserem Besuch Tamales, das ist in einem Bananenblatt gedämpfter und - in diesem Fall - mit Schweinebauch und TK-Gemüse gefüllter Maismehlbrei. Der optisch sehr ansprechende fertige „Kuchen“
war wie maist eine (leicht) trockene Angelegenheit; das Fleisch etwas für Liebhaber von Fett und zähen Schwarten...
Vorher hatten wir Tortilla-Chips bestellt,
die a) in großer Menge und b) sicher aus der Industrietüte kamen. Dafür schien mir die recht dünnflüssige Avocadocreme selbst gemacht und war geschmacklich überzeugend. Für meinen Geschmack dagegen störend die reichlich enthaltenen und wirklich sehr essigsauer eingelegten roten Zwiebeln. Allerdings war ordentlich Koriandergrün vorhanden; ich mag das ja.
Die kleinen Tacos selber halt Tacos mit gezupftem, etwas trockenem Fleisch aus der Pfanne, rohen Zwiebeln, Koriander und wieder Avocadocreme.
Schon ganz okay, aber mehr auch nicht. Die vegane Variante hatte mein Kollege; er fand sie scheußlich und aß nicht weiter.
Alles in allem eine Enttäuschung. Höchstens mal wieder für zwei schnelle Tacos auf dem Weg zwischen den Bars des nahen Vergnügungsviertels.
Diese kleine Taqueria war mir aufgrund der farbenfrohen mexikanischen Murales aufgefallen, die sich vom Eingang bis in die Toiletten ziehen, viel vom Totenkult berichten und wirklich gute Laune machen. Klingt komisch, ist aber so...
Vor der Tür stehen zwei kleine bunt bemalte Bierzeltgarnituren
im schummrigen Inneren 4 oder 5 Tische, an denen sich bei meinen beiden Besuchen der Chef und die Bedienung ausführlich mit Bekannten unterhielten. Ich glaube, man soll am Tresen bestellen, serviert wird dann. Aber das steht so nirgends und... mehr lesen
La Cantina
La Cantina€-€€€BistroRembertistraße 56, 28195 Bremen
3.0 stars -
"Mäßiges Essen, Service mit Zeit" DerBorgfelderDiese kleine Taqueria war mir aufgrund der farbenfrohen mexikanischen Murales aufgefallen, die sich vom Eingang bis in die Toiletten ziehen, viel vom Totenkult berichten und wirklich gute Laune machen. Klingt komisch, ist aber so...
Vor der Tür stehen zwei kleine bunt bemalte Bierzeltgarnituren
im schummrigen Inneren 4 oder 5 Tische, an denen sich bei meinen beiden Besuchen der Chef und die Bedienung ausführlich mit Bekannten unterhielten. Ich glaube, man soll am Tresen bestellen, serviert wird dann. Aber das steht so nirgends und
Geschrieben am 04.11.2022 2022-11-04| Aktualisiert am
04.11.2022
Besucht am 27.06.2022Besuchszeit: Abendessen 3 Personen
Rechnungsbetrag: 171 EUR
Eigentlich wollte ich gar nichts schreiben, denn das Treffen diente eher dem fröhlichen Miteinander als der kritischen Bestandsaufnahme. Aber das wäre etwas ungerecht gegenüber Küche und Service, die an diesem Abend gute bis sehr gute Leistungen zeigten. Also mal sehen, was ohne Notizen noch aus den Tiefen der Erinnerung auftaucht...
Zum wiederholten Male musste am Montagabend eine ansprechende Location in Schwerin gefunden werden und da Abwechslung bekanntlich erfreut, sollte es nicht wieder das grundsätzlich sehr feine Bistro George im Weinbaus Uhle sein. Nach eher zweifelhaften italienischen Angeboten erinnerten wir uns an dieses Traditionsrestaurant, das schon 1982 als Gastmahl des Meeres eröffnet wurde. Nach der Wiedervereinigung wurde es wie an vielen anderen Standorte auch, vom damaligen Betriebsleiter übernommen. 1999 ging es dann an den heutigen Betreiber, der nach einer grundlegenden Renovierung unter dem Namen Lukas eröffnete. Im Inneren dominiert allenthalben Holz, etwas in die Jahre gekommen, aber noch nicht so sehr, dass es schon wieder nostalgisch wäre. Die verglaste Veranda ist immerhin schön hell. Trotz einiger dunkler Wolken entschieden wir uns aber für einen Tisch auf der Terrasse direkt an der Fußgängerzone. Bei Prüfung unserer Reservierung wurde gleich darauf hinweisen, dass ein späterer Umzug nicht möglich sein werde, da man - am Montag! - ausgebucht sei. Wir blieben trotzdem unter freiem Himmel und haben es nicht bereut. Die weiblichen Servicekräfte mussten sich ordentlich sputen und hatten dabei anfangs eine mehr oder weniger direkte Ansprache, wussten aber gut Bescheid und erledigten ihren Job ohne Fehl und Tadel. Später wurde der Ton freundlicher - vielleicht, weil der größte Ansturm abgearbeitet war oder aufgrund unser üppigen Bestellungen?
Erfreulich war schon mal die zwar kleine, aber vernünftig bestückte Weinkarte. Wir einigten uns auf eine Flasche Rosé Aix (günstige 31€), gefolgt von einem Spitzen Rheingau-Riesling zum absoluten Schnäppchenpreis (41€!).
Wird hier vermutlich nicht oft bestellt. Auch das Mineralwasser mit 5€ für die Flasche preiswert.
Neben den üblichen Verdächtigen in norddeutschen Fischrestaurants gab einige kreative, eigenständige Angebote, die sich aktuell nicht mehr auf der Karte finden. Das spricht für den Hinweis der Bedienung, dass der Chef regelmäßig neue Angebote entwickle.
Ich startete mich einem selbst gebeizten Lachs-Carpaccio (13,9€), das durch seine ungewöhnliche Wacholder-Note aus dem erwartbaren Rahmen fiel.
Auf die kleinen Scheiben war ein Gurken-Radieschen-Salat drapiert und schließlich Grana Padano gehobelt worden. Etwas wilde Mischung, aber hat gut funktioniert.
Meine Mitstreiter hatten sich für Bruschette entschieden, die auf jeden Fall durch gutes Handwerk überzeugten:
Dicke Scheiben Oliven-Ciabatta waren ordentlich geröstet worden, so dass das Gesamtkunstwerk weder matschig war, noch zu „keksig“. Das angekündigte Basilikum wurde kurzerhand durch Schnittlauch ersetzt. Dazu gab’s Rauke und Spinat ohne bemerkbares Dressing, naja. Rohe rote Zwiebeln gehören für mich nicht in diesen Appetizer, sind aber ja nicht völlig unüblich, was man dem zerlaufenen Käse nicht bescheinigen kann. Beschwerden gab es aber keine; im Gegenteil.
Als Zwischengang teilten wir uns die „dreierlei Schnittchen“.
Unterschiedliches Graubrot war bei diesem Teller direkt mit Käse überbacken worden; ich tippe auf den Grana Padano. Sehr gut die Auflagen: Nordseekrabben, Jakobsmuschel, Garnele überzeugten allesamt geschmacklich, was für die Qualität spricht. Von Muschel und Garnele hätte jeweils ein weiteres Exemplar schon auf das Brot gepasst... Dafür war die Salatbeilage um Blutampfer und Sprossen erweitert worden, aber immer noch eine trockene Angelegenheit.
Beim Hauptgericht wählte die Dame drei Sherry-Matjesfilets, die ihr sehr gut schmeckten.
Auch die Bratkartoffeln gefielen trotz der etwas fettigen Optik; davon durfte ich mich selbst überzeugen. Die Hausfrauensauce schien mir etwas dick geraten, wurde aber immerhin separat serviert.
Die Herren der Schöpfung waren sich einig, dass es Ostseefisch sein sollte.
Na klar, eine saftige Scheibe Dorsch, mit einer Kruste aus gekräuterten Semmelbröseln überbacken, die ihren Namen verdiente. Auch hier wieder sehr gutes Handwerk. Für den kleinen kreativen Kick, der mich im Lukas insgesamt positiv überrascht hat, standen hier die Beilagen: Süßkartoffel-Stampf und eine Mischung verschiedener, nicht verkochter (!) Wurzeln. Das Schäumchen am linken Bildrand kann ich beim besten Willen nicht mehr rekonstruieren. Aber was ist schon perfekt im Leben?
Das Lukas zwar auch nicht, aber immerhin doch so gut, dass es sich von den üblichen Fischrestaurants in Küstennähe angenehm abhebt, allemal mit der Sonderkarte. Als Alternative durchaus geeignet und gern empfohlen.
Eigentlich wollte ich gar nichts schreiben, denn das Treffen diente eher dem fröhlichen Miteinander als der kritischen Bestandsaufnahme. Aber das wäre etwas ungerecht gegenüber Küche und Service, die an diesem Abend gute bis sehr gute Leistungen zeigten. Also mal sehen, was ohne Notizen noch aus den Tiefen der Erinnerung auftaucht...
Zum wiederholten Male musste am Montagabend eine ansprechende Location in Schwerin gefunden werden und da Abwechslung bekanntlich erfreut, sollte es nicht wieder das grundsätzlich sehr feine Bistro George im Weinbaus Uhle... mehr lesen
4.0 stars -
"Empfehlenswertes Fischrestaurant - seit 1982!" DerBorgfelderEigentlich wollte ich gar nichts schreiben, denn das Treffen diente eher dem fröhlichen Miteinander als der kritischen Bestandsaufnahme. Aber das wäre etwas ungerecht gegenüber Küche und Service, die an diesem Abend gute bis sehr gute Leistungen zeigten. Also mal sehen, was ohne Notizen noch aus den Tiefen der Erinnerung auftaucht...
Zum wiederholten Male musste am Montagabend eine ansprechende Location in Schwerin gefunden werden und da Abwechslung bekanntlich erfreut, sollte es nicht wieder das grundsätzlich sehr feine Bistro George im Weinbaus Uhle
Geschrieben am 23.10.2022 2022-10-23| Aktualisiert am
06.08.2023
Besucht am 16.06.2022Besuchszeit: Abendessen 1 Personen
Rechnungsbetrag: 49 EUR
Die zweite Runde meiner kleinen Copa Peruana erfolgte am nächsten Abend auf den Außenplätzen vor dem Pajaten. Neben der angenehmen Beobachtung vieler bekannter und unbekannter Flaneure bescherte mir die wunderbare Abendsonne einen veritablen Sonnenbrand. Irgendwas ist ja immer.
Das Restaurant selber ist seit einigen Jahren in einem flachen Gebäude entlang der Bahnstrecke Bremen-Hannover beheimatet, vielleicht ein Behelfsbau aus der Nachkriegszeit. Die ehemaligen Veranda ist mittlerweile komplett umbaut und großzügig verglast. Hier kann man auch an trüberen Tagen hübsch sitzen, wobei es nach meiner Erfahrung in solchen „Schuppen“ oft übelst zieht. Aber das ist Spekulation und an diesem Sommertag sicher nicht das Problem der Golden Ager und Freundinnen-Gruppen, die es sich lautstark gut gehen ließen, wie ich durch die geöffneten Fenster live miterleben durfte. Auch mehrere Südamerikanerinnen waren unter den Gästen; ist ja nicht die schlechteste Visitenkarte für eine exotische Gastro. Nach hinten gleicht der Raum einem langen Schlauch, links Theke und Küchenzeile, rechts mit notdürftiger Deko hingezimmerte „gemütliche“ Nischen. Kann man mögen... Wenn ich beim Essen ungestört Geheimnisse austauschen will, nehm ich lieber eine Priölke im Bremer Ratskeller.
Angesichts des doch regen Zuspruchs war die Besetzung etwas dünn. Eine Dame in der Küche, eine im Service, die auch für die Getränke zuständig war. Ich halte sie für die Betreiberin, denn die Auskünfte waren freundlich und fachkundig. Nach der ersten Runde dauerte es - zwangsläufig - recht lange, bis sie wieder vor der Tür erscheinen konnte, so dass ich mich für spätere Bestellungen eigenfüßig an die Theke begab. Speisen musste ich dabei nicht zurücktragen, denn das Essen im Pajaten war zwar anders als im Pachamama, aber ebenfalls gut.
Was sich problemlos vergleichen ließ, denn nach Durchsicht des Angebots fasste ich natürlich den kühnen Vorsatz, weitgehend identisch zu bestellen.
Was schon beim Getränk scheiterte. Cusqueño steht zwar Karte, sei aber „aus“. Nun gut, es hätte hier wohl kaum anders geschmeckt. Aber: Wenn die Wirtin dir kein Bier gibt, bestell halt Chicha Morada! Schon wieder eine Premiere! Nicht etwa, da eine Einkehr auch außerhalb der Fastenzeit so ganz ohne geistige Getränke blieb, sondern weil ich ganz sicher noch nie etwas auf der Basis von ausgekochtem Purpurmais getrunken hatte. Wer sich für die Zubereitung interessiert, möge bitte dem Link folgen https://de.m.wikipedia.org/wiki/Chicha_morada#Zubereitung
Optisch und auch am Gaumen erinnerte es an eingekochten Kirschsaft, aber mit deutlichen Aromen von Zitrone, Zimt und Nelke (Wie Kinder-Glühwein?).
Mir zu süß, aber etwas verdünnt, gerne wieder. Der halbe Liter schlug auf dem ordentlichen Kassenbon mit satten 5€ zu Buche.
Für den gerösteten Knuspermais, der im Pachamama auf‘s Haus ging, hätte ich hier 3,5€ (!) löhnen müssen. Vielleicht wäre die Portionsgröße ja entsprechend gewesen; ich verzichtete dankend und orderte erneut
Empanadas
Leche de Jaguar (Richtig so, wie kommt der Tiger überhaupt in die Anden?)
Causa limeña de pollo
Anticuchos und Patacones mit Huancaina-Soße
Und ohne ein Schmankerl ging‘s los:
Statt einer großen kam hier ein Trio von drei kleinen Teigtaschen (10€), alle sich gleichend wie ein Ei dem anderen und diejenigen mit Fleischfüllung zur Unterscheidung mit einem kleinen Brandzeichen versehen.
Also höchstwahrscheinlich vorgefertigte Ware, deren Teig auch deutlich dicker war und auch nicht so fein knusperte wie bei den drei Damen vom Anden-Grill. Die Füllungen waren kräftig, aber nicht überwürzt.
Besonderheit: Die vegetarische Version war mit lockerem Weißkäse gefüllt und frittiert, ein Tequeño.
Das hat natürlich wieder etwas Boden gut gemacht, aber trotzdem fehlte die Raffinesse des Vortags: Punkt für das Pachamama.
Auch beim Ceviche (9,5€) ging das Pajaten eigene Wege. Statt einer frittierten Garnele wurde ein gekochtes Exemplar noch mit Kopf und Panzer aufgelegt, das gegen den knusprigen Kameraden etwas das Nachsehen hatte. Das glich dann der getrocknete Mais wieder aus, der hier anstelle der eingekochten Riesen-Variante vorhanden war. Als Fisch wurde Rotbarsch verwendet, eine der leider vielen überfischten Arten. Für die „Raubkatzen-Milch“ wurde lt. Karte neben Limettensaft Chili-Art Aji de Limo (Lemon Drops) genutzt, die wohl auch einen eigenen Zitrusgeschmack mitbringt. Da überrascht zwar, dass weniger Schärfe im Spiel war, aber nicht die kräftige Säure. Für den Ausgleich war im Pachamama der eingekochte süße Mais zuständig, im Pajaten erfüllte Süßkartoffel die gleich Aufgabe. Statt der Gemüseeinlage begleiteten hier nur rote Zwiebeln den Fisch, die etwas gröber geschnitten waren.
Zwei unterschiedliche Varianten; für mich ein geschmackliches Unentschieden.
Noch interessanter dann die zweite Causa de pollo (8,5€), die zumindest äußerlich der Premiere sehr nahe kam; Avocado war allerdings reichlicher verwendet worden. Die Innenansicht zeigte einen höheren Kartoffelanteil, den die Küche zu einem gröberen Püree verarbeitet hatte. Auch das Hähnchen in größeren Fetzen, was kein Schaden war. Die Farbe belegte wieder die gelbe Paprika, aber am Gaumen überraschte die fast völlige Abwesenheit von Limette.
Same, same but different.
Beim Hauptgericht wenig Überraschendes. Die Scheiben vom Rinderherz (9,5€) kamen aus der Pfanne, nicht vom Grill. Das Muskelfleisch war besser pariert, aber ordentlich kauen musste ich auch diesmal. Die angenehm pikante Sauce leider nur sparsam portioniert. Am Gaumen leider ein Totalausfall die gekochten Maiskolbenringe. Würde ich jetzt erst mal nicht wieder bestellen.
Die frittierte Kochbanane (6,5€) etwas dünner geschnitten, die Panade nicht ganz so knusprig wie tags zuvor aber durchaus gelungen. Da passte es doch gut, dass wie zum Fleisch ein Töpfchen Huancaína-Salsa serviert wurde.
Die braven Leute aus der Anden-Stadt Huancayo vermengen Frischkäse mit der beliebten gelben Chili Aji Amarilla, Knoblauch und roten Zwiebeln zu einer cremigen, würzigen Käsesauce. Die Karte wies keine Zusatzstoffe aus, trotzdem kam sie mir wie ein Industrieprodukt vor. Sie war schon bei den Vorspeisen reichlich zur Verzierung verwendet worden. Beim letzten Teller leichte Vorteile für das Pajaten.
„Und damit darf ich zum Fazit kommen“ (C.), nämlich meiner kleinen Battle:
Beide Restaurants sind zu empfehlen, auch um eine neue Küche kennenzulernen.
Die Speisen im Pachamama schienen mir einen Tick „echter“. Die Authentizität kann ich gar nicht beurteilen, aber sie hatten im Vergleich(!) mehr Eigenständigkeit. Im Pajaten alles professioneller und „glatter“. Aber wie immer Geschmacksache - und das ist auch gut so!
Die zweite Runde meiner kleinen Copa Peruana erfolgte am nächsten Abend auf den Außenplätzen vor dem Pajaten. Neben der angenehmen Beobachtung vieler bekannter und unbekannter Flaneure bescherte mir die wunderbare Abendsonne einen veritablen Sonnenbrand. Irgendwas ist ja immer.
Das Restaurant selber ist seit einigen Jahren in einem flachen Gebäude entlang der Bahnstrecke Bremen-Hannover beheimatet, vielleicht ein Behelfsbau aus der Nachkriegszeit. Die ehemaligen Veranda ist mittlerweile komplett umbaut und großzügig verglast. Hier kann man auch an trüberen Tagen hübsch sitzen, wobei... mehr lesen
3.5 stars -
"Krasse Nix-Nikkei-Battle Teil 2" DerBorgfelderDie zweite Runde meiner kleinen Copa Peruana erfolgte am nächsten Abend auf den Außenplätzen vor dem Pajaten. Neben der angenehmen Beobachtung vieler bekannter und unbekannter Flaneure bescherte mir die wunderbare Abendsonne einen veritablen Sonnenbrand. Irgendwas ist ja immer.
Das Restaurant selber ist seit einigen Jahren in einem flachen Gebäude entlang der Bahnstrecke Bremen-Hannover beheimatet, vielleicht ein Behelfsbau aus der Nachkriegszeit. Die ehemaligen Veranda ist mittlerweile komplett umbaut und großzügig verglast. Hier kann man auch an trüberen Tagen hübsch sitzen, wobei
Ich fühlte mich jedenfalls in diese glorreiche Vor-Krisenzeit zurück versetzt, als ich zur Bekämpfung meines Strohwitwer-Blues‘ im Sommer an zwei aufeinanderfolgenden Abenden die beiden einzigen (mir bekannten) peruanischen Restaurants der Stadt besuchte.
Während die Betreiber des Pajaten seit einigen Jahren in einer eher gut situierten Ecke der Stadt anscheinend ihr Stammpublikum gefunden haben, liegt die Neueröffnung Pachamama ein wenig schmuddelig an der ehemaligen Gas-Anstalt in der Nähe eines Autoverwerters. Aber ein Stadtteil, der im Makler-Sprech „im Kommen ist“. Ich war in meiner Jugend häufig in dieser Ecke, aber das tut hier nichts zur Sache!
Sowohl dem Inneren als auch dem Biergarten sah man zwei Wochen nach Eröffnung noch die langjährige Vergangenheit als griechisches Restaurant an, notdürftig um etwas indigene Anden-Folklore ergänzt.
Ansonsten ein wenig unaufgeräumt, aber auch irgendwie rührend self-made. Ich hab mich ganz wohl gefühlt.
Das Pachamama wird offenbar von den Nachfolgerinnen der legendären „3 Damen vom Grill“ geführt, jedenfalls bekam ich nach und nach drei Generationen Südamerikanerinnen zu Gesicht, familiäre Verbindungen würden mich nicht überraschen. Die Deutschkenntnisse waren höchst unterschiedlich, das Fachwissen auch. Alle waren engagiert, freundlich und halfen sich gegenseitig bei meinen nicht wenigen Fragen. Zeit war genug, es mögen 10 oder 12 Gedecke während meines Besuchs gewesen sein - und ich war über drei Stunden dort! Bei größerem Zuspruch bräuchte „Abuelita“ in der Küche allerdings wohl Hilfe, die Wartezeiten wurden nach hinten grenzwertig.
Bei knackig gerösteten Maiskörnern (vom Haus) und einem sehr malzigen, leicht bitteren Cusqueño Dunkel durchstöberte ich aufmerksam die Karte, bewusst nach Klassikern und Spezialitäten suchend.
(Cusqueño! Wer kennt sie nicht, die inzwischen in internationaler Großkonzern-Hand befindliche berühmte Biermarke Perus? Naja, ich zum Beispiel, bis dahin.)
Später wechselte ich auf ein ausgewogenes Helles.
Meiner Pflicht der Community gegenüber voll bewusst, hatte ich den Tag über weitgehend gefastet und konnte daher ein wenig in die Vollen gehen:
Empanada
Leche de Tigre
Tiradito (Okay, ein bißchen Nikkei muss sein...)
Causa limeña
Anticuchos mit Patacones
Alles schön nacheinander serviert, um jedem Gang mit detektivischem Geschmacksinn seine Geheimnisse zu entlocken!
Der Anfang war stark und zwar ganz stark!
Ein große, ganz sicher selbst gefertigte Teigtasche, lecker gebräunt und mit Puderzucker bestäubt, schön dünn und daher mit leichtem Knusper gesegnet. Schon für sich genommen ein Genuss. Als Füllung Rinderhack, würzig und süß, möglicherweise mit Mole, dazu noch Ei und schwarze Olive. Kein bißchen trocken und extra gut abgeschmeckt.
Erfrischend ging es mit dem Klassiker Leche de Tigre weiter. Serviert wurde in einem Eiscoup und mit Löffel. In der noch angenehm sauren und durchaus pikanten Marinade tummelten sich mundgerechte Stücke von Victoriabarsch-Filet und die üblichen Verdächtigen wie rote Zwiebel, Paprika und Koriander, alles kleckervermeidend sehr klein geschnitten. Und weiche Riesenmaiskörner, die ein interessantes süßes Aroma mitbrachten. Tatsächlich wird der Mais dazu in Zucker und Sternanis langsam gekocht. Auf dem Rand des Glases räkelte sich sehr ansprechend eine frittierte, überraschend geschmackvolle Garnele.
Für den Crunch gab es à part wieder Maiskörner und eine frittierte Bananenscheibe. Lecker, lecker. Hat gut funktioniert, eindeutig keine Allerwelts-Version.
Ganz ohne Ausflug in die jetzt so hippe Nikkei-Küche ging es doch nicht. Tiradito ist DER Klassiker: Rohe Fischscheiben im japanischen Sashimi-Style mit einer peruanischen Sauce, häufig mit Zitrusfrüchten. Anders als beim Ceviche wird der Fisch aber nicht in einer Beize gegart.
Im Pachamama war gelbe Paprika und Limette Grundlage der sehr reichlich über den Fisch verteilten Sauce, was vorzüglich harmonierte. Ansonsten die üblichen Verdächtigen, etwas zu dominanter Einsatz von Koriander, wieder Choclo und fürs Auge rote Paprikastreifen. Der Optik nach war wieder der afrikanische Riesenbarsch verwendet worden, geschmacklich davon natürlich nichts zu erkennen. Freundlich wurden mir scharfe Chilis angeboten, so ist es doch am kundenfreundlichsten. Ich griff gerne zu und kam so auf das für mich angenehmste Ergebnis.
Zeitgleich wurde auch meine nächste Premierenwahl serviert, was zwar so nicht gedacht war, aber auch kein Beinbruch, da ebenfalls eine kalte Vorspeise.
Causa limeña ist eine Kombination aus Kartoffelbrei und gegartem Fleisch oder Fisch oder in vegetarischer Ausfertigung z. B. Avocado, Pilzen oder Ei. Also letztlich Resteverwertung! Clou an der Sache ist die Schichtung zu einem hübschen Törtchen.
Ich war natürlich schockverliebt, erst recht nach dem chirurgisch durchgeführten Anschnitt.
Im Pachamama bestand die innere Schicht des hübschen Häufchens aus gezupftem Hähnchenfleisch in einer würzigen Majo mit Sellerie, dann eine zusätzliche Schicht Avocado und außen sehr feines Püree. Nun kann so ein Gericht für Zahnlose ja sehr schnell zu einem indifferenten, womöglich noch faden Brei verkommen. Hier jedoch: ¡Al contrario! Nach der Farbe zu schließen, war in den äußeren Schichten auch gelbe Paprika verarbeitet worden und, wie schon der erste Bissen zeigte, auch etwas Limette. Kartoffel mit Süße der Paprika und fruchtiger Säuerlichkeit, sehr gut. Ein Hintergrund, vor dem sich der feine Geflügelgeschmack immer wieder mal abzeichnete. Die Avocado-Schicht verlieh dem Gericht schließlich die schon dem Foto anzusehende Molligkeit. Dankenswerterweise war zurückhaltend gesalzen worden, so dass selbst die Deko-Olive noch etwas beitragen konnte.
Bin schwer begeistert gewesen.
Trotz eines leichten Sättigungsgefühls musste ich mich zum Abschluss natürlich intensiv einem anderen Klassiker der peruanischen Küche hingeben, Anticuchos de Corazón, also Rinderherzspieße. Dazu Patacones, frittierte Scheiben Kochbanane, immerhin mal kein Mais.
Um es vorweg zu sagen, so elegant und zart wie im Pfälzer Hubertushof war das Muskelfleisch in der Amazonas-Ausführung lange nicht geraten.
Die reichlichen und recht dick geschnittenen Scheiben waren leider nicht „zart mariniert“. Zwar keine zähe, aber doch eine ziemlich feste Angelegenheit, bei der die Kaumuskeln ordentlich zu tun hatten. Außerdem war das Fleisch nicht sauber pariert. Schade eigentlich, denn geschmacklich war nicht auszusetzen. Das galt auch für die Sauce, die leicht nach meinem dunklen Bier schmeckte, aber auch kein Gewürzfeuerwerk am Gaumen entfachte. Und dann frittierte Kochbanane, die ich alle paar Jahre wieder probiere, um erneut festzustellen, dass „Sättigungsbeilage“ es wieder trifft. Wobei der Teig schön goldbraun ausgebacken knusperte, aber eben auch keine Würzung mitbrachte. Was ich erst für einen kleinen Salat hielt, entpuppte sich als Salsa Criolla, die südamerikanische Zwiebel-Gemüse-Vinaigrette. Damit gingen dann auch die mehlige Banane. Insgesamt solide, trifft es wohl und verhindert eine noch bessere Wertung für das Essen. So bleiben gute 4 Sterne.
Bei der „Rechnung“ belächelte ich milde den Zauber, der jedem Anfang innewohnt...
Das PLV erstklassig, aber nochmal geht das so „inoffiziell“ für mich bitte nicht. Und wiederkommen möchte ich auf jeden Fall, denn hier kocht man - soweit ich das beurteilen kann - überraschend nah an der Küche des Herkunftslandes. Und die „authentisch übersetzte“ Karte hält noch eine ganze Reihe von Spezialitäten bereit! Alle süßen Fans mögen nur bei den Desserts schauen...
Die Älteren in der geneigten Leserschaft mögen sich noch an meine „Krasse Nikkei-Battle“ erinnern:
https://www.gastroguide.de/restaurant/238153/nikkei-nine-hotel-vier-jahreszeiten/hamburg/bewertung/32546/
https://www.gastroguide.de/restaurant/245565/izakaya-asian-kitchen-bar-hotel-sir-nikolai/hamburg/bewertung/32737/
Ich fühlte mich jedenfalls in diese glorreiche Vor-Krisenzeit zurück versetzt, als ich zur Bekämpfung meines Strohwitwer-Blues‘ im Sommer an zwei aufeinanderfolgenden Abenden die beiden einzigen (mir bekannten) peruanischen Restaurants der Stadt besuchte.
Während die Betreiber des Pajaten seit einigen Jahren in einer eher gut situierten Ecke der Stadt anscheinend ihr Stammpublikum gefunden haben, liegt die Neueröffnung Pachamama ein wenig schmuddelig an der ehemaligen Gas-Anstalt in der Nähe eines... mehr lesen
4.0 stars -
"Krasse Nix-Nikkei-Battle Teil 1!" DerBorgfelderDie Älteren in der geneigten Leserschaft mögen sich noch an meine „Krasse Nikkei-Battle“ erinnern:
https://www.gastroguide.de/restaurant/238153/nikkei-nine-hotel-vier-jahreszeiten/hamburg/bewertung/32546/
https://www.gastroguide.de/restaurant/245565/izakaya-asian-kitchen-bar-hotel-sir-nikolai/hamburg/bewertung/32737/
Ich fühlte mich jedenfalls in diese glorreiche Vor-Krisenzeit zurück versetzt, als ich zur Bekämpfung meines Strohwitwer-Blues‘ im Sommer an zwei aufeinanderfolgenden Abenden die beiden einzigen (mir bekannten) peruanischen Restaurants der Stadt besuchte.
Während die Betreiber des Pajaten seit einigen Jahren in einer eher gut situierten Ecke der Stadt anscheinend ihr Stammpublikum gefunden haben, liegt die Neueröffnung Pachamama ein wenig schmuddelig an der ehemaligen Gas-Anstalt in der Nähe eines
Geschrieben am 03.07.2022 2022-07-03| Aktualisiert am
04.07.2022
Besucht am 13.06.20221 Personen
Rechnungsbetrag: 40 EUR
bescheinigte Kollege Hanseat jüngst der stets etwas schläfrigen Gastroszene an der Weser. Nun, immerhin dieses vietnamesische Restaurant wird in ein paar heimischen Gastrogruppen arg abgefeiert und auch im bekannten Ausflug-Ratgeber, gab es 5 perfekte Bewertungen - allesamt von Wenig- und Einzig-Bewertern und à la „Bester Bao-Bun der Stadt“ oder „Die Pho exakt wie in Vietnam“. Social Media beherrscht man also.
Aber als ich auf der anderen Seite der Kreuzung vor dem Golden Brunch saß, strahlte der klein aussehende Laden mit den abgeschrabbelten Biergartengarnituren unter einer Markise doch eine gewisse street-credibility aus. Daher war ich am nächsten Tag etwas überrascht, dass sich im Souterrain in drei Räumen locker mehr als 30 Plätze finden. Dazu noch zwei flache Tische auf einem Podest „im Fenster“. Da man dort kniend speist, hatten die Gäste ihre Schuhe halt zu einem wilden Haufen aufgeworfen. Ein Anblick, den man gerne sieht. Oder auch nicht. Wie mag das wohl die „Atmosphäre“ im Gastraum an heißen, feuchten Tagen beeinflussen? Schnell flüchtete ich wieder nach draußen um festzustellen, dass sich augenscheinlich erst seit Kurzem eine veritable Terrasse anschließt, allerdings (noch?) teilweise ungeschützt.
Der gelegentliche Sprühregen fiel unter „authentisch Norddeutschland“, erst recht, wenn man den Verkehrslärm der großen Kreuzung als „authentisch Vietnam“ durchgehen lässt.
Ich gewöhnte mich schnell daran. Als Pärchen oder Gruppe muss man sich bei der Konversation halt etwas anstrengen.
Um einen kleinen Überblick zu erhalten, besuchte ich das ANI House an diesem Montag sowohl mittags als auch am frühen Abend und bestellte dabei „querbeet“: Zum Einstieg vegetarisch gefüllte Reispapierrollen (5€) in kalt, gefolgt von Pho mit Rinderbrust (11,5€). Beim “Nachschlag“ dann die frittierte „Frühlings“-Variante auf Glasnudeln (10,5€) und danach Bao Bun mit Entenbrust (9€).
Den Durst stillte ein Tiger Beer aus dem Portfolio der Heineken-Brauerei (4,5€). Tat nicht weh, hat erfrischt.
Trotz des tristen Wochentages waren jeweils zumindest die Außenplätze gut gefüllt, so dass zwei Personen im Service wirklich alle Hände voll zu tun hatten. Dabei durchaus flott, aber ein bißchen unorganisiert. Ein einzelner Herr wurde solange übersehen, bis er schließlich die Speisekarte via Telefonanruf orderte! (Überraschung: Ich war’s - nicht!) Wie so oft in asiatischen Gastronomien blieb der Service im Kontakt höflich, aber kühl. Bedingt durch die Sprachbarriere erinnerte die Ansprache der Dame halt unschön an längst vergangene Kasernentöne: „Seitan nicht! Tofu?“ Gleichwohl guter Durchschnitt. Beim Bezahlen entstand etwas Konfusion. Wie auch nicht, wird doch die Bestellung auf kleinen gelben Post-its notiert und damit auf dem Tresen anscheinend der Tischplan nachgestellt. Rechnung gibt es natürlich keine, aber sicherlich werden nach Feierabend alle Zettelchen akribisch in die Kasse boniert... Ich ziehe „trotzdem“ einen halben Punkt ab, denn es nervt mich, als Gast die Preise im Kopf addieren zu müssen, um so ungefähr die richtige Summe abgleichen zu können.
Doch jetzt mal los mit der Rollenverteilung:
Die „Sommer“-Variante war erst vor kurzem gewickelt worden, kühl und frisch. Beim vegetarischen Inhalt tat sich zunächst die knackige Gurke hervor, dann Mango. Ebenso wie der Salat soll das alles „Bio“-Qualität sein, ohne dass die Karte genauer erkennen lässt, was das konkret bedeutet. Eingelegtes Gemüse konnte ich nicht ausmachen, die verwendeten Karottenstifte schmeckten doch sehr unbehandelt. Koriandergrün wurde reichlich verwendet; das hätte nicht jedem so gut gefallen wie mir. Der Tofu-Streifen blieb erwartbar unauffällig. Die nicht zu intensive Hoisin-Sauce gefiel mit leichter Limetten-Note, Erdnüssen und knusprigen Röstzwiebeln; das sind so Kleinigkeiten, die den Unterschied auch bei profanen Gerichten ausmachen können. Ich war nicht unzufrieden.
Die berühmteste Suppe Südost-Asiens überraschte mit einer nicht zu kräftigen Brühe aus der zu meinem Entzücken Zimt fein herausschmeckte. Leider glänzte das angekündigte Thai-Basilikum durch Abwesenheit und auch Ingwer und Limette waren für meinen Geschmack viel zu sparsam verwendet worden. Die einzige wahre Art hat ja Kollege Simba schon klarstellt: Am besten eine Auswahl von Kräutern am Tisch, von denen man sich nach persönlichem Gusto bedient. Immerhin wurden Hoisin- und Sriracha-Sauce extra serviert. Die Reisnudeln waren Reisnudeln. Bleibt das Brisket, das in der Karte ausdrücklich als well-done angekündigt wurde (Alternative: Rinderhüfte medium) und ganz offensichtlich auch war.
Auf den ersten Bissen überraschte eine unerwartete Saftigkeit. Auf den zweiten irritiert das Fehlen jeglicher Struktur, auch nicht das für langsam gegartes Rindfleisch so typische Zerfallen in kleine Segmente. Stattdessen eine leicht cremige Oberfläche, die mich an das mit Speisestärke behandelte Fleisch beim Chinesen früherer Jahre erinnerte. Geschmacklich gab es am Fleisch nichts zu meckern.
In manchen Landesteilen heißt es zwar „Nicht gemeckert, ist genug gelobt!“ Aber das gilt natürlich nicht für uns euphorische Norddeutsche: Und so muss von der Frühlingsrolle, die kulinarisch den Spätnachmittag einläutete, in höchsten Tönen gesprochen werden. Die drei zweifellos selbst hergestellten Exemplare waren perfekt frittiert: Heiß, aber nicht so, dass man sich den Mund verbrannte. Knusprig, aber so, dass es im Mund zerplatzte, nicht über den halben Tisch krümelte. Mit einer dunklen Bronze-Färbung, aber ohne dass man gleich zur Vorsorge laufen möchte. Netterweise wurde die guten Stücke schon in dicke Scheiben geschnitten serviert, erinnerte mich etwas an Shawarma. Im Inneren die schon aus der kalten Variante bekannten Protagonisten, wobei diesmal in der Tat die Möhrenstifte weicher und vielleicht auch etwas säuerlich daher kamen. So ganz einfach war das nicht zu erkennen, denn die Füllung war mit Frischkäse vermischt, der eine cremige Textur beisteuerte. Zum Dippen eine Sweet-Chili-Variante. Das begeisternde Frittiergut thronte auf einer anständigen Portion Glasnudeln, die zu meiner Verblüffung völlig „plain“, also ungewürzt und fast schon trocken daher kamen. Inzwischen könnte ich mir vorstellen, dass das Absicht war, denn schon durchgezogen hätten die Teigwaren mit ihrer Feuchtigkeit den Crunch der Frühlingsrolle beeinträchtigt.
Nachdem ich etwas misstrauisch in den Nudeln herumstochert hatte, offenbarte sich am Boden die mit Chilistücken versetzte Vinaigrette. Zusammen mit den Rohkostabschnitten, den Korianderblättern und vor allem auch der frischen Minze mischte ich mir einen erfrischenden Salat. Bis hierhin das beste Gericht meiner kleinen Testserie.
Und blieb es auch. Dabei war der mächtige Bao-Burger nach Art des Hauses zum Abschluss beileibe keine Enttäuschung. Die Scheiben der durchgebratenen Entenbrust hatten die gleiche, leicht cremige Saftigkeit wie schon zuvor das Rindfleisch. Hier störte mich das ganz und gar nicht, allemal besser als die übliche totfrittierte Variante in vielen chinesischen Lokalen. Auch der Entengeschmack war eindeutig und wurde von einer süß-würzigen BBQ-Sauce unterstützt. Sehr, sehr lecker. Dagegen fehlte die in der Karte versprochene Spicy Mayonnaise ebenso wie die karamellisierten Zwiebeln. Stattdessen langweilte mich die „Füllmasse“ von Eisbergsalat, Mango, Gurke und Karotten. Aber natürlich nur, weil ich sie an diesem Tag schon zum dritten Mal genießen durfte. Selbst gemachte „Leiden“. Wesentlicher Kritikpunkt war der Bun, dem leider die Fluffigkeit eines guten Dampfknödels abging. Schon noch elastisch, aber eben doch fest und vor allem auch etwas trocken, so dass ich die Mayo erst recht vermisste. Da war schon langes Kauen angesagt. Schade, schade, gerade zum Abschluss die einzige echte Schwäche des ANI House.
Ansonsten hat alles überzeugt, wenn ich auch das Gefühl hatte, dass der (positiv unterstellte) Elan der Anfangszeit etwas dahin ist. Warum die guten Zutaten gemäß Speisekarte nehmen, wenn die Gäste auch mit weniger Aufwand zufriedengestellt gestellt werden können.
Fazit: Auch am Dobben kein Grund für einen „Hype“, aber ein gutes, empfehlenswertes Restaurant ist das ANI House allemal.
bescheinigte Kollege Hanseat jüngst der stets etwas schläfrigen Gastroszene an der Weser. Nun, immerhin dieses vietnamesische Restaurant wird in ein paar heimischen Gastrogruppen arg abgefeiert und auch im bekannten Ausflug-Ratgeber, gab es 5 perfekte Bewertungen - allesamt von Wenig- und Einzig-Bewertern und à la „Bester Bao-Bun der Stadt“ oder „Die Pho exakt wie in Vietnam“. Social Media beherrscht man also.
Aber als ich auf der anderen Seite der Kreuzung vor dem Golden Brunch saß, strahlte der klein aussehende Laden mit... mehr lesen
Bistro ANI House
Bistro ANI House€-€€€Bistro042156501115Außer der Schleifmühle 84, 28203 Bremen
3.5 stars -
"Kein Hype um Pho und Co." DerBorgfelderbescheinigte Kollege Hanseat jüngst der stets etwas schläfrigen Gastroszene an der Weser. Nun, immerhin dieses vietnamesische Restaurant wird in ein paar heimischen Gastrogruppen arg abgefeiert und auch im bekannten Ausflug-Ratgeber, gab es 5 perfekte Bewertungen - allesamt von Wenig- und Einzig-Bewertern und à la „Bester Bao-Bun der Stadt“ oder „Die Pho exakt wie in Vietnam“. Social Media beherrscht man also.
Aber als ich auf der anderen Seite der Kreuzung vor dem Golden Brunch saß, strahlte der klein aussehende Laden mit
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Ein Platz war auch als walk-in möglich, denn das Gui war an diesem Freitagmittag gut besucht, aber im hinteren Bereich fand sich ein kleiner, für eine Person aber allemal ausreichender Tisch. Ich machte es mir in einem Ledersessel gemütlich und "kam erstmal an". Das Gestühl in weinrot und schwarz stand auf einem recht filigran scheinenden Metallgitter; zu einem gewichtigen Malheur kam es aber nicht. Das Ambiente gefiel mir gut: Einerseits dunkelgrau gestrichener Betonfußboden, andererseits vor den Fenstern zur Fußgängerzone halbhohe weiße Gardinen im Brasserie-Stil wie weiland im Bremer Grashoff. Auf den eng stehenden Tischen schwarze Sets, die schon eingedeckt waren.
Es herrscht ein noch angenehmes Stimmengewirr. Für vertrauliche Treffen weniger geeignet, aber man kommt schnell ins Gespräch mit den Nachbarn. Kann ja auch nett sein. Im Eingangsbereich stehen einige Hochtische, vielleicht zum Warten oder für "nur" Weintrinker. Hingucker im hinteren Bereich sicherlich die indirekt beleuchtete, mit "in echt" ausgetrunkenen Flaschen bedeckte Rückwand.
Das sieht gut aus und macht Durst, also erstmal einen leichten Sauvignon-Winzersekt von Oliver Zeter. Stilistisch wie stets viel Frucht in der Nase, wenig am Gaumen. Zum leichten Menü wechselte ich auf einen griechischen Sauvignon, der mir mit seiner Mineralik besser gefiel. Beim Einschenken fällt ein kleiner Sprung im Glas auf, das sofort getauscht wird.
Kein Wunder, denn die deutsch-italienische Bedienung (Chefin?) begleitet mich nicht nur zum Tisch, sondern auch freundlich und aufmerksam durch den Lunch. Absolut professionell, eine Wohltat. Die Dame meint, mich zu kennen, denn zur Begrüßung höre ich, dass mein letzter Besuch schon etwas zurückliege. Ich war schon mal im Gui? Vielleicht doch nicht alles in Ordnung mit dem linearen Raum-Zeit-Kontinuum in Bielefeld...
Während ich über eine Anrichte mit etlichen Flaschen Hochprozentigem interessiert die Küchencrew beobachtete
und dabei den mordsmäßig teuren Molteni-Herd bewunderte, wurde eine Schnittlauchbutter mit deutlichem Aromat gereicht, dazu aufgebackenes Brot vom Bäcker oder jedenfalls in handwerklicher Qualität.
Passt.
Auf der Karte hatte eine Vorspeise meine Neugier geweckt.
Das Sellerie-Törtchen entpuppte sich als eine zurückhaltende Mousse auf einem Mürbeteig, in dem mir die Zugabe von Makadamianuss besonders gut schmeckte.
Der schon etwas eingetrocknete Lachskaviar ergänzte leicht salzige Noten. Für Süffigkeit sorgte Liebstöckel-Hollandaise. Ich hatte auf frisches Aufschlagen gehofft, aber die Sauce kam aus dem Syphon. Somit erklärte sich auch, dass das Gericht insgesamt kalt serviert wurde.
Insgesamt ein trotz Hollandaise frisch schmeckender Auftakt, bei dem Sellerie und Liebstöckel leider zu vorsichtig eingesetzt wurden. Ganz oder gar nicht, ist da meine Meinung. Aber das kann man auch ganz anders sehen. 16€ fand ich für das originelle Gericht nicht zu teuer.
Zum Hauptgang (24,0€) "schwamm" confierter Winter-Kabeljau mit einer Knusper-Haube aus Pankocrumble an meinen Tisch. Natürlich durch, aber trotzdem saftig und voll Geschmack. Würde ich jedem Rotbarsch vorziehen;-)
Die Begleitungen überzeugten: Ein nicht zu feucht gearbeiteter Perlgraupensalat. Halbe Pastinaken-Parisienne hatten wahrnehmbaren Biss und durch das Anbraten leichtes Karamell.
Auch der glasierter Fenchel war tadellos und auch am Strunk weich genug.
Die Krustentierglace blieb leider zurückhaltend. Insgesamt ein gelungener Teller.
Tatsächlich begeistert hat mich der Abschluss meines kleinen Menüs. So einfach, so klasse! Ich habs ja nicht so mit schweren Desserts, lieber frisch und leicht.
Da trafen die sauber gearbeiteten Filets von Zitrusfrüchten (tolle Blutorange) für 12,0€ aber genau meinen Geschmack! Die sauren Früchtchen versteckten sich zusammen mit einem süßen
Mandarinensorbet unter einer sündhaft guten
Zabaglione, die noch lauwarm war! Der Massala kam gut durch und steuerte zu Süße und Säure alkoholische Bitternoten bei.
Dazu noch eine knusprige Hippe in kunstvoller Form.
Wunderbar austariertes Dessert!
Der Besuch im Gui war sehr angenehm und in allen Belangen gelungen. Empfehlung für gute Bistroküche.